Geht nicht gibt’s nicht!

Das neue Projekt von Kunst und Kultur in Laichingen

 

17 Leute tagten in der Schillerstraße, im  Proberaum von Kunst und Kultur in Laichingen für Ensemblemitglieder und Supporter teils ein Wiedersehen, teils freute man sich über neue Gesichter.

Der begnadete Kai Kresse umreißt wie die Idee geboren wurde. „Mai 2016: mitten in den Proben für dass in der DSH im März aufgeführte Musical, sagen gehäuft Leute zu den Proben ab, viele Ältere murren über die mangelnde Absprache-Fähigkeit der jüngeren Semester. Zeitsprung:April 2017, der letzte Probenschliff für das Highlight der Aufführung im Schlosstheater Ludwigsburg steht an. Samuel eine der Säulen der Hip-Hop-Tänzer bricht sich die Hand.2016 ist die Idee für „Geht nicht gibt’s nicht“ bei mir entstanden um zu zeigen, dass Problemenicht daran hindern müssen sein Ziel zu erreichen. Trotz des Handicaps kam Samuel, so erzählt Kresse, auf ihn zu : „Ich will trotzdem in Ludwigsburg tanzen.“ „Unser Künstler Rudolf Kosow hat ihm einen Totenkopf auf den Verband gemahlt und Samuel ist aufgetreten: Das Motto von „Geht nicht gibt’s nicht war: „Sei ein kleiner Held für das gute in der Welt.“ Diese positive Rebellion gegen die manchmal erdrückend erscheinenden Randbedingungen unseres Schaffens möchten wir 2019 in „Geht nicht gibt’s nicht“ auf die Bühne bringen“, so Kresse´s motivierender Impuls.

Peter Maffay und Mario Hene´ unterstützen das Vorhaben

Der Geist und die Erfahrung von 10 Jahren Vereinsgeschichte und das Engagement junger und alter Projektpartner wie beispielsweise des verdienten Laichinger Dirigenten Volker Hausen sollen das Projekt bereichern. Hausen will anlässlich des 2018 anstehenden runden Jubiläums der Laichinger Kulturinstitution „Stunde der Kammermusik“ klassische Stücke mit Hilfe von „Kunst und Kultur“ in Tanzchoreographien umsetzen. Das erfolgreiche Step-Tanz-Duo Unsner/Kresse verfügt aber auch überregional über gute Kontakte. Sie stehen gerade mit Peter Maffay in Verhandlungen für ein Grußwort und etwaige weitere Unterstützung, sicher, so Kresse, ist, dass der Liedermacher Mario Hene´ der als Gitarrist von Jürgen von der Lippe bekannt wurde feine Texte für das Stück liefern wird.

Der Weg zum Künstlerischen Selbstausdruck

Die Philosophie des kleinen Vereines ist, dass die Mitwirkenden sich, ihre Fähigkeiten und auch konkrete Ressourcen an Arbeit und Instrumenten und Kreationen in das Stück einbringen. Durch die regelmäßigen Clubabende, können sich auch weniger Bühnenerfahrene Interessierte an die besondere Situation auf „den Brettern die die Welt bedeuten“, wie der Namensgeber des Austragungsortes in der Schillerstraße, Friedrich Schiller es formulierte, gewöhnen.

„Geht nicht gibt’s nicht“ bringt die Hinterbühnen auf die Bühne

In sieben Sequenzen , Kresse nennt es „Filmklappen“, soll die Form des Musicals durchfür im Probeprozess entstandene Innovationen geöffnet werden. Auch bei „Gegensätze erzeugen Gemeinsamkeiten“ bahnte sich diese erlebnisoffene Herangehensweise, siehe Inszenierungdes Bruches von Samuel vor der Aufführung im Ludwigsburg, an.. „Befindlichkeiten, Spannungen und Herausforderungen“ des Produktionsprozesses sollen auf die Bühne gebracht werden”, so Kresse. Der Leiter will noch nicht zu viel verraten, aber eines ist sicher zu Beginn der Auffühung werden, ein bisschen wie jetzt gerade Marita, Kai und ein paar Bewerber auf der Bühne zusammenkommen um herauszufinden, Was und Wer für das Stück gebraucht wird. Eine Art True-Life-Show, aber ohne soziale Diskriminierung, dass ist auch Teil der Philosophie von „Kunst und Kultur“.

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Das Reich Gottes gründet auf Nächstenliebe

Heiner Geißler´s Appell an die Menschheit im Lutherjahr

 

Pfarrer Karl Börkircher, die Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen und die Buchhandlung Bücherpunkt machten das Ereignis der „Geißler-Lesung“ in der Stadtkirche zu Blaubeuren gemeinsam wahr. Heiner Geißler, der als scharfer Denker, der seine Kanten kultiviert gehandelt wird, solle das Jubeljahr der evangelischen Kirche mit einer „persönlichen Annäherung an den Reformator“ bereichern, so erhoffte die Ankündigung. Als der 87-jährige über den linken Seiteneingang der Kirche eintrat, war es als ziehe mit seinem milden Lächeln ein warmer Wind durch die Reihen. Applaus brandete auf.Über der Kanzel hing ein weißes Parament mit der Aufschrift: „Er ist auferstanden.“ Paradigmatisch:Als Pfarrer Börkircher nach einer „Lobhudelei“ über die Leistungen des Ex-Bundesministers erwähnte, das der blaubeurer Bürgermeister es doch noch hergeschafft habe, brach Geißler das formale Eis mit einem einzigen humorvollen Satz. „Darf ich fragen von wem sie hier reden“, fragte der katholische Sozialpolitiker spitzbübisch?

Die Lehre Jesu als Provokation für unsere Lebensordnung

Ein vor Geisteswitz sprühender Erzähler bannte die Anwesenden wie die Glut eines duftenden Feuers,als nach fünfzehn Minuten der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel durch den rechten Seiteneingang die Kirche betrat. Ebenso wie das restliche Publikum war der junge CDU-Politiker bald ganz Ohr. Zumal als Geißler über seine Widrigkeiten als CDU-Mann auf dem Weg zu seinem Einzug in den Landtag im Landkreis Tübingen „ der Hochburg protestantischer Theologie“ zu sprechen kam.

„Damals, nach dem Krieg, traten junge Leute in die CDU ein, wenn sie gegen Nationalismus und für Europa waren“ erklärte er. Luther hingegen würdigte er politisch, als den der die Priesterherrschaft, vermittelt durch seine konsequent umgesetzte Erkenntnis, dass nur die Gnade

Gottes und kein Ablass von herrschenden Glaubenswächtern als Rechtfertigung vor Gott zähle abschaffte.Als er von Luthers Erleuchtung auf der Wartburg erzählt, beugt er sich die Hände faltend , halb angespannt halb hingebungvoll über den Tisch. Er versteht das Ringen Luthers gut, auch er hat sich damals den Austritt aus dem Jesuitenorden, die Entscheidung gegen „Keuschheit und Gehorsam“ nicht einfach gemacht. Luther habe als deutscher Reformator Tacheles geredet auch gegen die Juden, die wider seinen Willen als Reformator nicht zu Protestanten wurden. Frauke Petry aber, die „political correctness“ auf „den Müllhaufen der Geschichte“ verfrachten wolle, erteilte er eine klare Absage. Luther sei ein Kind seiner Zeit gewesen, in unseren Zeiten sei politische Vernunft unabdingbar. Luther sei heute noch ein Vorbild was Widerstandsgeist gegen die herrschenden Strukturen angehe, dank ihm sei die evangelische Kirche ihrer katholischen Schwester, was die Einbindung von Frauen in Ämter angehe, um 500 Jahre voraus.

Damit verabschiedete sich Geißler aber auch von Luther und widmete sich in gleichzeitiger Absetzung von der katholischen Kirche dem „Frauenfreund“ Jesus. Petrus habe Jesus verleugnet, „drei Frauen standen bei Jesus unter das Kreuz, so Geißler.“

Damit nicht genug, der tabulose Denker stellte nun die Schilderungen über den nur vom Markusevangelium überlieferten Prozess Jesu beim jüdischen Hohepriester Kaiphas in Frage.

Die späteren Redakteure der Evangelien hätten mehr und mehr die Schuld am Tode Jesu den Juden zugeschoben. Die Lebens- und Wirtschaftsordnung Rom´s in der wir heute noch unter den Leitwerten Namen, Titel und Erfolg lebten, sei die Antithese zu Leben und Lehre Jesu. In der deutschen Entspannungs- und Flüchtlingspolitik erkenne man hingegen die Früchte einer durch die christliche Soziallehre ermöglichten Klassenpartnerschaft mitten im weltweit vorherrschenden kapitalistischen Diktat. Jesus habe in seiner Endzeitrede konkrete Anweisungen zur Nächstenliebe gegeben auf der das Reich Gottes gründet, zum Beispiel Fremdlinge aufzunehmen und Arme zu speisen.

La Brass Banda an der Autobahn

Merklingen zappelt unter bayuvarischem Brassbandlerbumms

 

Es ist Acht Uhr Abends, das sonst eher wegen der vielen Schuttlaster auf seinen Straßenauffällige Merklingen hat sich am Ortsausgang nach Scharenstetten wochenends einen schmucken Festplatz erbaut. Genauer gesagt haben die Jungs und Mädels von der Kulturgemeinschaft Merklingen, mit dem Partywochenende, eröffnet durch die

weltmännischen Blasmusiker „La Brass Banda, 2017 einen großen Coup gelandet. Anders als damals bei der Gründung 2011 zum 1150 jährigen Jubiläum ihres Albdorfes, als sie mit ihrer Initiative für ein Ochsenrennen gescheitert sind. Willi der langhaarige und gepiercte Kulturschaffer erzählt, „2011 wurde ein Kaltblüterrennen draus und dieses Wochenende gibt es Freitags Volxmusik von Welt und samstags 90er Jahre vom virtuosen Beschallungskünstler“.

Gute Stimmung aus dem Outback

Im Hintergrund tönt es geschmeidig zu dem gütigen Sommerabend, und seinen pittoresk gezeichneten Schönwetterwolkenschäumen passend. Reaggaemäßig, die Vokals erinnern sanft und erotisierend an Patrice.La Brass Banda erfahren wir vermittels einer Recherche, die den Postbauernhaufen schon persönlicher werden lässt, sind seit Monaten in der ganzen Welt mit Caravana Sun  aus Australien unterwegs. Die Sonne scheint wie ein Mädchenlachen, welches in die Augen den langhaarigen Radio-Sängers fällt. Dem wiederum scheint Sol so oder so aus dem Arsch. Ein Fremdeln mit dem Getränkekartensystem bei der ersten Gaumennachfeuchtung, löst sich bei wenig Schlangen und viel fröhlichem Fluss in spritziges Wohlgefallen auf. Die Band,die wie die sieben Bayern barfuß auftritt zeigt, La Brass Banda sind nicht eine Ex-Rocker Cover-Band, die sich aus Verwertungszwang in die lukrativen Lederhosen zwängt, sondern die sieben, sind wenn auch keine Schwaben, so doch Zugpferde eines innovartiven(Vorsicht harte Wortschöpfung) Weltbühnen öffnenden Musikamalgams. Willi und seine Mannen, die das Gelände unter anderem mit einem US-Militär Trick Oldtimer ästhetisiert haben, hatten sich schon 2013 für die Bierzelttour bei den brassifizierten Speedbläsern mit viel Rhythmus- und Tanzbodenzentrifugalkraft beworben. Die Brass-Bande auf Welttournee mit ihrem aktuellen Album „Around the World“ hatten die genehmen Typen der Kulturgemeinschaft damals schon für ein Aufspiel erkoren und bedanken sich auch heute für das schöne Bierzelt.

Aber sicher: Ein guter Security kann tanzen

Ein paradiesvogelhaft aussehender Langhaardude erklärt mir sein in Türkis gehaltenes Gewand sei aus Sansibar, er habe aber weder Fernseher noch Internet und deshalb wolle er auch nicht in das technokratische Kontrollregime eingefilmt werden. Im Publikum wogt eine vielfarbige Mischung aus ansprechbaren Normalos, und knackigen bis erregenden Dirndel und Dialektvariationen des Süddeutschen, auch hier stechen türkise Posttraditionalkluften heraus, Stichwort Claudi. Tanja, eine Altbekannte, liefert nach dem brachial abgefeuerten Gassenhauer „Autobahn“ Hintergründe zum weltverkleinernden Charme unverständlicher onomatopoetischer bayrischer Klangfarbenmalerei. „Ich weiß nicht wie oft ich sie gesehen habe, demletzt war ich in Honululu, da waren sie auch und die Leute tanzten wie hier.“ Stefan der kongeniale Erfinder des bayuvarisch getönten Weltskat, der von Roskilde bis zum heimischen Chiemsee schon auf vielen noch größeren Veranstaltungen die Beine in die Lüfte trieb, hat einen mortsspaß und einen geilen eskalationsorientierten Humor. Die Security hier heißt Mozart. All-Ex der mir sofort was vorext, und erklärt er sei ein altvorderer Bierexer meint mit einem Rülpser in der Röhre. „Mozart, ein alter Meister, dass schafft vertrauen.“

Ein Funke Weltungleichförmigkeit?

Es ist wohl ein Funke Weltungleichförmigkeit der das körperwarme, nicht wie auf manchen Parties heiß-kalte Feuer hier entzündet und am Laufen hält. Denn auch Stefan, der moderiert, wie eine erste Trompete, stellt seinen hauseigenen Securitychef mit der Frage vor „Woran erkennt man „an richtig guaden Security?“. Als die sieben Buan für den Sicherheitschef aufspieln beantwortet der verschmitzte Glatzkopf die Frage tänzerisch performativ. Stefan kommentiert für die Blinden. „Daran das er tanzen kann.“ Tanzen tun auch die heidenheimer Muttis auf Auszeit Caren und Kathrin. Kathrins Lieblingssong der Band ist auch Autobahn, obwohl sie Queerflöte spielt und im Gespräch eine wortwitztge Frotzlerin abgiebt. Claudia, die große Rothaarige ist ein Inbild der Dirdlschönheit, am Schluss treffe ich noch Mareike, leider mit ihrem Freund Tim. Ihr, wie sich im Gespräch herausstellt, friesischer Blick elektrisierte mich vorher schon. Die beiden stellen sich wogenglättender Weise als Paar welches zur Mitfreude einläd heraus. Sie sind auf Bullytour, gestehen sich über Tinder kennengelernt zu haben und werden die Tage Tims Schwester besuchen. Mareike hat dem schönen Mann aus Lübeck, der mich an Caramelo Santa, einen argentinischen Stern am Skahimmel erinnert als er das Fanshirt der Band nach dem Konzert anzieht, die Karte zum Geburtstag geschenkt. Die beiden haben mich mit ihrem Bullystyle nach einer sehnsüchtigen Umleitung auf dem Nachhauseweg in die sontheimer Bauwägenwelt und einer nachfolgenden Dusche gemeinsam mit dem reichen Sternenhimmel zum Draußen schlafen animiert. Als ich nach einigem Ringen die samstägliche 90er Party im brassig vorgeheizten merklingerZelt zugunsten einer lieben Freundin aus der Goaszene sausen gelassen habe erinnert diese mich. „Je größer der Dachschaden, desto weiter der Blick auf den Sternenhimmel.“ Wir herzen uns und schauen verträumt in den weiten funkelnden Raum. So schön, das sie schwäbisch spricht. Ein Weltmensch halt, ein bisschen wie gestern die Brassbandler, urgeschmeidig.

 

An die Freunde

Liebe Freunde, es gab schönre Zeiten,
Als die unsern – Das ist nicht zu streiten!
Und ein edler Volk hat einst gelebt.
Könnte die Geschichte davon schweigen,
Tausend Steine würden redend zeugen,
Die man aus dem Schooß der Erde gräbt.
Doch es ist dahin, es ist verschwunden,
Dieses hochbegünstigte Geschlecht.
Wir, wir leben! Unser sind die Stunden,
Und der Lebende hat Recht.

Freunde, es gibt glücklichere Zonen,
Als das Land, worin wir leidlich wohnen,
Wie der weitgereiste Wandrer spricht.
Aber hat Natur uns viel entzogen,
War die Kunst uns freundlich doch gewogen,
Unser Herz erwarmt an ihrem Licht.
Will der Lorbeer hier sich nicht gewöhnen,
Wird die Myrte unsers Winters Raub,
Grünet doch, die Schläfe zu bekrönen,
Uns der Rebe muntres Laub.

Wohl von größern Leben mag es rauschen,
Wo vier Welten ihre Schätze tauschen,
An der Themse, auf dem Markt der Welt.
Tausend Schiffe landen an und gehen;
Da ist jedes Köstliche zu sehen,
Und es herrscht der Erde Gott, das Geld.
Aber nicht im trüben Schlamm der Bäche,
Der von wilden Regengüssen schwillt,
Auf des stillen Baches ebner Fläche
Spiegelt sich das Sonnenbild.

Prächtiger, als wir in unserm Norden,
Wohnt der Bettler an der Engelspforten,
Denn er sieht das ewig einz’ge Rom!
Ihn umgibt der Schönheit Glanzgewimmel,
Und ein zweiter Himmel in den Himmel
Steigt Sanct Peters wunderbarer Dom.
Aber Rom in allem seinem Glanze
Ist ein Grab nur der Vergangenheit;
Leben duftet nur die frische Pflanze,
Die die grüne Stunde streut.

Größres mag sich anderswo begeben,
Als bei uns in unserm kleinen Leben;
Neues – hat die Sonne nie gesehn.
Sehn wir doch das Große aller Zeiten
Auf den Brettern, die die Welt bedeuten,
Sinnvoll still an uns vorübergehn.
Alles wiederholt sich nur im Leben,
Ewig jung ist nur die Phantasie;
Was sich nie und nirgends hat begeben,
Das allein veraltet nie!

Friedrich Schiller(1802)

Die Welt reparieren

Vielen Volkshochschulen hat Niko Paech, der oldenburger Ökonom, mit seinem Thema Postwachstumsökonomie schon Besucherrekorde beschert. Ilse Fischer Giovante, die die Volkshochschulen als „Schrittmacher der nachaltigen Entwicklung“ sieht freute sich über die weit über 50 Interessierten im gesteckt vollen Fröhlichen Nix in Blaubeuren. Paech hat einen ganzen Rücksack voll streitbare Thesen im Gepäck Indessen würden in Deutschland am Tag 2,15 Millionen Barrel Öl verbrannt. Sehr liebevoll seinem Publikum zugewandt, machte er die unerfreulichen Begebenheiten in norddeutscher Nüchternheit anhand von Folien deutlich.

Das größte Problem des grünen Kapitalismus sei dabei eine fast religiöse Techniküberschätzung.

Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion

Ohne technische Verstärkung komme ein Mensch nicht über ein bestimmtes Leistungsniveau hinaus. Wachstum(im Sinne von Anstieg des BIP) entstehe erst wenn Akkuschrauber, Autos oder Hochöfen verwendet würden. Das selbe Phänomen der Technisierung der Produktion, schaffe aber eine Schattenseite, deren Perfektionierung hierzulande unter dem Begriff „Industrie 4.0“ als Zukunftslösung verkauft würde. Wenn zum Beispiel Audi es heute schaffe, durch technische Innovationen das gleiche mit fünf statt zehn Leuten zu produzieren, dann muss, das Wachstum verdoppelt werden, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Weiterhin sei die Rationalisierung alias Industrie 4.0 in denGesundheits-, Pflege- und Finanzsektor eingedrungen. „Das Wachstum, dass nötig wäre um diese Arbeitsplätze zu retten,gäbe dem Ökosystem den letzten Gnadenstoß“, so Paech deutlich. In Europa habe kaum noch einer Zeit um das ganze gekaufte Zeug wertzuschätzen, dass sei eine von sieben Wachstumsgrenze. Unser Wohlstand, so sprach Paech weiter Tacheles, resultiere ausschließlich aus der Lohndifferenz zwischen uns und den Werkbänken im asiatischen Raum.

Co-Designer der wahren nachhaltigen Entwicklung

Darauf gebe es drei Reaktionen im jetzigen Wirtschaftssystem. Erstens Islamischer Staat. Zweitens Migration und drittens die Kopie unseres Wirtschaftsmodelles im eigenen Land. Dabei vergäßen viele, dass nicht nur bei der Produktion Abgase ausgestoßen würden sondern auch beim Konsum der Güter, so Paech. Nichts sei wichtiger als der Ausstieg von Atom- und Kohleindustrie. „Wir brauchen aber eine Reduktion des CO2 Ausstoßes von derzeit 11 Tonnen auf 2 Tonnen“, machte er klar. Man müsse anerkennen, dass dies ohne eine Reduktion unseres eigenen Verbrauchs nicht möglich sei. Viele Hartz IV Empfänger seien jetzt schon meist gezwungenermaßen auf dem Niveau. Die zentrale Frage sei daher, wie man ein Weniger an Konsum und Produktion organisiert, ohne sich benachteiligt oder unterdrückt zu fühlen.

Das Zauberwort hieße Prosumtion. Jeder der eine PVT-Anlage auf dem Dach habe sei ein Prosument, weil er sowohl Strom vom Netz konsumiert als auch für das Netz produziert. Der Markt sei dazu da gute Produkte wertzuschätzen und schlechte zu diskreditieren. Jetzt schon sei der Verbraucher der Co-Designer der Produkte, bei Ikea übernehme der Konsument sogar die Endmontage(Lachen in den Reihen). Durch internationale Billiganbieter sei das Deutsche Reparaturwesen verkommen.

Eine Ökonomie der Instandhaltung, sei extrem arbeitsintensiv, ein Gegenentwurf zu Industrie 4.0 . Weder in der Bibel noch bei Luther oder gar Marx stünde, dass der Mensch 40 Stunden arbeiten müsse. Eine Arbeitszeitverkürzung der kommerzialen Arbeit auf 20 Stunden sei sinnvoll. Die restliche Zeit könne für die Instandsetzung der eigenen Güter und Gemeinschaftsarbeiten genutzt werden. Er selbst nutze eine Waschmaschine mit vier anderen zusammen. Nur 0,79 Tonnen von den jetzigen 11 entfielen auf den direkten Stromverbrauch. Der Löwenanteil C0 2 stecke in Produktion und Transport der Produkte. Produktlebensdauer sei eine physische Größe die Nutzungsdauer hingegen eine kultureller

Kasten weitere Informationen unter zu Paechs Forschungen unter Postwachstumsoekonomie.org, Paech´s Initiative zur Meldung von schlechten Erfahrungen mit Produkten unter Murks-nein-danke.de

Pure Rhetorik?

Schwedentrunk oder katholische Lutherspiele?

Dass Luther für die katholischen Kirche bis heute ein gerichteter Ketzer ist ist eine Tatsache. Im Alten Rathaus in Laichingen bewegte die katholische Nachwuchstheologin Daniela Blum organisiert von der katholischen Kirchengemeinde Maria Königin die Frage was die beiden Konfessionen nun im Lutherjubiläum gemeinsam zu feiern hätten? Auf die Ausschlachtung Luthers zu Werbezwecken anspielend, unterstellte die Theologin, die unter anderem in Rom studiert hat, wichtig sei für die evangelische Kirche, sowieso nicht, was gefeiert wird, sondern, dass gefeiert werde. Zwei Ebenen hatte der intellektuelle Parforce-Ritt, die eine wollte die medialen Zusammenhänge zwischen deutschem Papst und der seit 2008 währenden, durch die Evangelische Landeskirche ausgerufenen, Luther-Dekade ausleuchten. Die andere wollte einen gebündelten Lichtstrahl auf Luthers entscheidende Phase von 1502 bis 1525 werfen, in der er noch Augustiner-Eremit, seine wichtigsten Erkenntnisse erlangte.

In der Deutung Blums ist die Luther-Dekade 2006 im direkten Anschluss an den von 1.1 Millionen Menschen zelebrierten Abschlussgottesdienst des deutschen Papstes beim Weltjugendtag in Köln konzipiert worden. Doch nicht genug der willentlichen Nutzung umstrittener Begebenheiten zu organisierten Machtzwecken.

Ihre markige Titelfrage: War Luther Katholik?, entlarvte sie nach dem Vortrag in gemütlicher Runde selber als Rhetorische Frage, denn zu Luthers Zeiten gab es noch keinen Ausdruck für die Spaltprodukte der einen Kirche Jesu Christi in zwei Teile.

Vatikan setzt Zeichen einer anderen Reformation mit Papstbesuch in Schweden

Bei der Erwägung ob die Reformationsfeiern für die Christenheit ein Lutherfest, eine säkulare Feier oder ein Christusfest aller seien, drängte die Theologin vor allem eine Frage: Kommt Papst Franziskus im Lutherjahr nach Deutschland? Zum evangelischen Kirchentag in Wittenberg und Berlin ist er nicht gekommen.

Für Blum sei die evangelische Kirche bestenfalls als „Transformation der katholischen Kirche“ und Luther als nationalistischer Angreifer der vormals unangreifbaren Macht Roms, also als Modernisierer zu sehen. Er habe schon zu seiner Zeit nichts Neues gesagt, nur habe er die neue Technologie des Buchdrucks intelligent genutzt und in Kombination mit der neuen Volkstümlichkeit habe er andere eher kirchentreue Stimmen der Erneuerung wie Erasmus von Rotterdam besiegt.

Papst Franziskus hat mit seiner Ankündigung im Oktober einer Reformationsfeier im schwedischen Lund, als erster Papst vorstehen zu wollen, den Lutheranern in

Wittenberg einen Dämpfer erteilt, so Blum. Ein Luther als Verursacher der Kirchenspaltung und als Fernzünder des 30-jährigen Krieges, sei weniger gut dem heutigen Publikum zu verkaufen als der lebensfroh schlemmende deutsche Familienvater, den liberale Lutheraner gerne im Reformationsjahr betonten. Auf die Frage ob nicht Franziskus und Luther gemeinsam sei, dass sie aus den lange dogmatisch verschlossenen Quellen der Mystik zu schöpfen vermochten, äußerte sich Blum ablehnend. „Die Mystik ist etwas das keinen Spaß macht.“

Luther habe in seiner ersten Schrift die Ordnungsregel der Trennung von geistlichem und weltlichem Stand in Frage gestellt. Luther habe viele Sympathisanten im konservativen Lager gehabt, weil er ein großer Exeget des Evangeliums war und das Bedürfnis, das Christentum mehr an der Schrift auszurichten groß gewesen sei. Durch seine Ablehnung durch die römische Kurie und seine Verketzerung 1523 hätten viele von ihm abgelassen. „Es lohnt sich Luther im Original zu lesen“, empfahl die Referentin nach deren gehaltvollem Vortrag die Frage was die Christenheit 2017 zu feiern habe offen geblieben war.Karl-Heinz Knupfer meinte während er Blum ein Handtuch aus der ausgestorbenen laichinger Leinwebertradition überreichte: „Von Luther lernen heißt geschlossene Lebensgemeinschaften zu hinterfragen.“