Islamische Republik im Aufbruch? Das politische System des Iran

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Viele gute Fragen gab es aus den Reihen des Publikums nach dem Vortrag zum Buch Morgen in Iran im Großen kleinen Haus in Blaubeuren und  auch gute Antworten vom Irankenner Tabatabai

Iran der Schurkenstaat in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, diesen Eindruck bekommt man dieser Tage oft von dem Vielvölkerstaat.Der iranischstämmige Politikwissenschaftler und Politikberater Adnan Tabatabai, der in Deutschland aufgewachsen ist, sorgte mit seinem anspruchsvollen Vortrag über den Aufbau der islamischen Republik für ein wissenschaftliches Bild der Dinge.Mit seinem Buch „Morgen in Iran Die islamische Republik im Aufbruch“ wollte er die seltsame Debatte zwischen „schwärmen“ und „schimpfen“ mit einem Sachbuch, das auf seinen persönlichen Beziehungen im Iran basiert bereichern.Das der Saal an einem schönen Frühlingstag voll war, war sicher der Aktualität des Themas geschuldet, denn am 12.Mai will Präsident Trump das Atomabkommen mit dem Iran von 2015 neu aushandeln und neue Sanktionen verhängen.Um nicht mehr nur den Schurkenstaat und die Weltbedrohung im Iran zu sehen, müsse man seine besondere geschichtliche, demographische und territoriale Lage sehen, so lud Tabatabai ein. Von den 80 Millionen Einwohnern des Iran seien 90% Schiiten. Umgeben von Ländern mit sunnitischer Mehrheit. Seit der erfolgreichen islamischen Revolution gegen den westlich orientierten Schah 1979 musste der Iran einen achtjährigen Angriffskrieg westlicher und arabischer Mächte erleiden. Diesen Angriffskrieg unterstützte, so Tabatabai, nur Hafis al Assad, der Vater des jetzigen syrischen Präsidenten, nicht. Daraus sei ein paranoides Denken bei Revolutionsführer Chamenei und im Hohen Nationalen Sicherheitsrat entstanden.Durch die jüngsten Waffenlieferungen der USA für Kathar und Saudi-Arabien erhitzte sich dieses Denken noch, erklärte Tabatabai. Die außenpolitische Strategie des Iran sei es auf staatlicher und gesellschaftlicher Ebene Bündnisse gegen die übermächtigen Feinde zu bilden. Dazu gehörten auch die Hisboallah im Libanon und die Huthi-Rebellen im Jemen als exterritoriale gesellschaftliche Verbündete.

Der Iran im Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Theokratie?

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Trotz immenser Repressalien bei den republikanischen Protesten 2009 im Iran wurde 2013 ein moderater Präsident und 2016 demokratische Kräfte in Parlament und Expertenrat gewählt

Einerseits sei der Iran ein religiös autoritäres Land geführt von einem auf Lebenszeit gewählten Revolutionsführer. Andererseits sind die Wahlbeteiligungen trotz hohen Aufwandes um die Wahl rechtmäßig zu bewerstelligen gestiegen.Die Spaltung des Regierungssystems zwischen vom Volk gewählten Institutionen wie Parlament, Präsident und Expertenrat und den anderen Instanzen zeigte der Politikwissenschaftler anhand eines Schaubildes auf. Wenn man sehr wohlwollend sei könnte man sagen auch der Revolutionsführer würde vom Expertenrat, einer vom Volk gewählten Institution gewählt. Andererseits ernenne der Revolutionsführer, aktuell Ayatollah Ali Chamenei die Polizei, die Justiz, die Militärführer und sogar IRIB die staatliche und einflussreichste Medienagentur im Land. Tabatabai las dazu ein Interview mit einer Journalistin vor, die schilderte mit wie viel Fingerspitzengefühl der Chefredakteur entscheiden müsse ob er etwas veröffentliche, aus berechtigter Angst vor Konsequenzen durch den Staatsapparat.

Die Personen sind im iranischen System besonders wichtig 

Die Angst  prägt auch den Aufbau des Militärs, so gibt es neben der ARTESH, der regulären Armee auch die revolutionstreuen IRGC, die Revolutionsgarden. Auch gebe es mehrere Geheimdienste, der am besten organisierte und begüterte sei auch hier der Geheimdienst der Revolutionsgarden. Die Gesinnung welche bei manchen jungen Schiiten, die allerdings eine Minderheit seien herrsche schilderte Tabatabai anhand von Rohan. Der 21 Jährige fühlt sich in dem Cafe mit Schokokuchen um Latte Machiato in Teheran unwohl in dem Tabatabai mit ihm sprach. „Moslem zu sein bedeutet für mich der Republik zu dienen, deshalb will ich unbedingt in den Krieg nach Syrien“, seine Eltern sehen das anders. Die meisten Menschen im Iran sehnten sich aber nach einer Normalisierung der Verhältnisse, beginnend bei einer dauerhaften Beendigung der Sanktionen. Der Wächterrat, der Feststellungsrat und der Hohe Nationale Sicherheitsrat sind drei Räte die nur indirekt demokratisch legitimiert sind. Der Wächterrat besteht aus sechs vom Revolutionsführer ernannten Geistlichen und sechs vom Parlament ernannten Juristen.Er kann laut dem Politikwissenschaftler bestimmen wer im Expertenrat sitzt, der wiederum den Revolutionsführer wählt und hat die Fähigkeit die Macht des Parlamentes auszuhebeln. Der Hohe Nationale Sicherheitsrat in dem Präsident Hassan Rohani sitzt, könne bei Gefahr beispielsweise das Internet verlangsamen. Die Person und ihre Vernetztheit mit anderen Machthabern sei im politischen System des Iran besonders wichtig. So sei der jetzige Außenminister Mohammed Sarif ein langjähriger enger Vertrauter von Revolutionsführer Ali Chamenei. Auch der jetzige Präsident Hassan Rohani sei als ehemaliger geschäftsführender Sekretär des HNSR machtpolitisch gut vernetzt und vielerorts angesehen.  Der Ayatollah sei zwar die Entscheidungsinstanz, bei der Aushandlung des Atomabkommens habe man aber sehen können, dass der Präsident und sein Außenminister innerhalb der richtungsgebenden Vorgabe des Revolutionsführers durchaus inhaltliche Politik gestalteten.Das Atomabkommen von 2015, so meinte Tabatabai zum Abschluss nachdrücklich, sei eine Errungenschaft, die jetzt vor allem durch die USA unterlaufen werde. Die Wahlen zum Parlament und zum Expertenrat die er 2016 in Teheran begleitet hat, hätten ihn innenpolitisch hoffnungsfroh gestimmt.  40 Millionen Menschen hätten ihre Stimme abgegeben. Und trotzdem der Wächterrat tausende reformistischer Kandidaten abgelehnt hätte, so seien doch deutlich mehr republikanische Kräfte durchgekommen als bei der letzten Wahl.

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Das beim Körber-Verlag erschienene Buch hat 304 Seiten und sieht sich als Sachbuch über den Iran. Dafür hat es aber sehr viele Begegnungen mit menschen unterschiedlichster Prägung aus dem Iran zu bieten und ist für 17 Euro zu haben.

 

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Religionsformen: Das Freitagsgebet in der türkischen Moschee

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Junus Can, der Imam des türkischen Moscheeverbandes DITIB in Gerhausen auf seiner Kanzel im Gebetsraum. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter

Nachdem ich mit einem deutschen Missionar gesprochen habe, der mir Nahe gebracht hatte, dass der Weg Jesu einerseits intolerant und andererseits von Feindesliebe geprägt sei, mache ich an der Moschee in Gerhausen halt. Ohne Anmeldung gehe ich hinein, da ist ein Raum mit Tischen, einem Kebab-Backofen und einem Getränke- sowie einem Kaffeeautomaten. An der Wand hängt eine große Karte der Türkei auf der die einzelnen Provinzen des europäisch-asiatischen Landes eingezeichnet sind. Ich fragte einen Mann ob er mir weiter helfen könne, er sagt er könne nur Englisch. Dann kommt ein Mann mit langem Bart hinzu, dem ich mein Anliegen schildere, eine Gottesdienstform im Islam kennenlernen zu wollen. Er führt mich zum Imam, der wiederum kein Deutsch spricht. Die Imame werden in der Türkei ausgebildet, so der Mann, von dem sich später herausstellt, dass er auch Türke ist und früher in Neu-Ulm gelebt hat. Für die Ausbildung und Bezahlung der Imame ist die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion(DITIB) verantwortlich, auf ihre Moscheen wurden in letzter Zeit einige Anschläge verübt.Jetzt kommt der Imam, fordert mich an der Treppe zur eigentlichen Moschee auf, es ihm gleich zu tun und die Schuhe auszuziehen und geht mit mir und den anderen in den Gebetsraum der Männer.

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Der Gebetsraum der Männer: rechts die Kanzel und daneben die Mihrab. In dieser Nische wendet sich der Imam Gott zu. Der Stamm des dritten arabischen  Buchstaben von Mihrab ist charb=kämpfen. Wissenschaftler deuten die Wortbedeutung als Kampfplatz der Seele gegen die niederen Triebe im Rahmen der Anstrengung auf dem Weg Gottes(dschihad)

“Zwischen den Religionen gibt es keine Probleme, nur in der Politik”

Dann übersetzt der Mann mit dem langen Bart die Begrüßung des Imam, er heiße Junus Can und stamme aus einer Stadt in einer Provinz nahe Diyarbakir in der Türkei. Für Frauen gibt es einen eigenen Gebetsraum, wenn sie aber mit den Männern beten, so müssen sie einen Schritt hinter den Männern beten. Die Männer wiederum sitzen aus Ehrerbietung einen Schritt hinter dem Imam. Als ich den Imam auf die angeblichen Spione der Türkei aus den Reihen der Imame des DITIB anspreche, winkt er nach der Übersetzung ab. Es gebe zwischen den Religionen keine Probleme nur in der Politik, meint der freundliche Mann. Jesus sei ein wichtiger Prophet im Islam genauso Mose und Abraham,.Auf die türkische Fahne im Gebetsraum der Frauen angesprochen meint der Mann mit dem langen Bart: Das sei normal, habe mit Politik nichts zu tun. In bosnischen Moscheen, hänge eben die bosnische Fahne. Dass springt er doch auf die Fahne an. „Das Rot in der Fahne steht für das Blut welches die Türken für ihr Land vergossen hätten und der Halbmond ist das Symbol des Koran“, meint er stolz.

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Der Iman wirft sich im Mihrab

Eine der fünf Säulen des Islam, also der zu erfüllenden Gebote um sich Moslem nennen zu dürfen, ist das fünfmalige Gebet gen Mekka. Dazu zeigt er mir die digitale Monduhr, auf der die fünf Zeiträume zum Gebet Morgens(türkisch: Imsak) in der Zeitspanne zwischen dem ersten Morgenlicht und dem Sonnenaufgang bis Abends zwischen Dunkelheit und Mitternacht angezeigt werden. In Mekka sei die Kaaba, das Zentralheiligtum des Islam, und die habe Abraham der Urvater der drei monotheistischen Religionen gebaut und Mohammad sei ein Nachfahre Abrahams. Im islamischen Gebet stelle man sich Gott rechts und Mohammad links vor.

Das Freitagsgebet

Anders wie der Sabbath, an dem der Moslem ruht, ist der Freitag für Muslime ein Tag der besonderen Hingabe an Gott. Eigentlich gelten alle Gedanken, Gefühle und Handlungen, die Gott gewidmet sind im Islam als Gottesdienst. Doch werden die meisten Gebete unter der Woche ohne Anwesenheit des Imams von den Gläubigen selbst durchgeführt.Das Freitagsgebet hingegen, ist eine Form in der der Imam eine religiöse Ansprache hält und an der man gut die einzelnen rituellen Orte und Praktiken aufzeigen kann.Freitags wird das Mittagsgebet(türkisch: Ögle) um etwas 13.30 Uhr durch das Freitagsgebet in der Moschee ersetzt. Hier in Gerhausen gibt es kein Minarett, dies ist aber der normale Ort an dem das Freitagsgebet durch den Muezzin(den Helfer des Imam) eröffnet wird. Er ruft, so dass es alle Gläubigen hören, viermal hintereinander „Allahhü ekber“ aus. Dann steht der Imam zu Beginn in der Mihrab, einer Nische im Raum, durch die die absolute Hinwendung zu Allah und die Gottesdienstrichtung nach Osten gen Mekka und der dortigen Kaaba angezeigt werden, und verrichtet seine Gebete. Der Koran gilt im Islam als fundamental mit der arabischen Sprache verbunden, er könne nicht übersetzt werden. Der Mann mit dem bayrischen Akzent gibt zu er könne arabisch nur lesen und rezitieren, lesen und verstehen könne er aber nicht. Die Huldigung Gottes durch Imam und Gemeinde findet dabei ihren äußeren Ausdruck in Stehen, Beugen und Niederwerfen des Körpers und Gebetsgesängen.

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Der Imam auf der Minbar

Dann hält der Imam auf dem Waas Kürsi, einer Art Kanzel seine erste Predigt zu den Glaubensartikeln. Neben dem Mihrab, steht der Minbar(ausgesprochen Mimbar) dort wird die zweite Predigt(Chutba) gehalten. Bei den Gebeten danach gibt es die Aufteilung in Sunnatgebete und Pflichtgebete. Die Sunnatgebete beziehen sich auf das Vorbild des Lebens des Propheten(Sunna).Der Imam betont, dass es im islamischen Gottesdienst keine Heiligen-, Statuen- und Bilderverehrung gebe, so werde auch nicht zu Mohammad gebetet, sondern nur zu Gott.Es werden nach der Predigt vier Sunnat- und vier Pflichtgebete von der ganzen Gemeinde verrichtet. Nun ruft der Muezzin auch ohne Minarett von seinem Platz erneut zum Gebet, er ist außerdem für die kunstvolle gesangliche Rezitation des Koran zuständig. Farz heißt auf türkisch Pflicht und beinhaltet Gebete in denen Gott um die Kraft gebeten wird um die Gebote, wie Das Tötungsverbot von Menschen oder das Verbot Alkohol zu trinken, einhalten zu können. Der bärtige Mann nennt den Imam Junus Hodscha, er weiß aber nicht wo das her kommt. Der Imam klärt uns auf Hodscha sei das persische Wort für Imam. Nach den Erklärungen gibt es Datteln und Kaffee, die Leute sind sehr freundlich und zuvorkommend, vielleicht weil sie jede Handlung auch nach dem Gottesdienst auch als Teil des Gottesdienstes sehen.

Interview: Warum müssen Christen in Deutschland andere missionieren?

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Egal ob man daran glaubt das es eine objektive Wahrheit gibt die Christus ist oder nicht, ist folgendes Zitat aus der Bibel interessant wenn man meint das Christentum sei eine nachgiebigere Religion als beispielsweise der Islam: “Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird´s verlieren; und wer sein Leben verliert, um meinetwillen, der wird´s finden(Matth.10,38+39)

Gernot Elsner mein Interviewpartner ist einst mit 19 zu Gott gekommen unter der Bedingung, dass er all das was die Apostel erlebt haben auch erleben könne. Denn seine größte Furcht war damals ein langweiliges Leben zu bekommen. Er war dann 3 Jahre lang auf den Philippinen auf der Bibelschule und ging danach zum Theologiestudium in die USA. Heute ist der Karlsruher verheiratet und hat Kinder.2006 gründete er das Missionswerk Gospeltribe. Er gibt wie am Wochenende im Haus der Hoffnung Workshops zum Thema lebensverändernd Predigen und ist Pastor in seiner eigenen Gemeinde.

Der weise Rabe:

Gernot wir leben in einem christlich geprägten Land, dein Missionswerk hat dieses Jahr schon Evangelisationsprojekte in Deutschland gemacht, Warum?

Gernot Elsner:

Die Frage ob wir ein christliches Land sind, erschließt sich aus der Perspektive woher man kommt.Hier auf der Schwäbischen Alb stimmt das wohl aufgrund des Erbes des Pietismus. Vor einigen Jahren stand aber in der Zeitung die Welt, das Ostdeutschland das Land auf der Erde sei, indem die höchste Konzentration nicht gläubiger Menschen wohne. Deshalb haben wir in Arnstadt in Thüringen Ende März 2018 eine Evangelisation durchgeführt. Außerdem machen wir ja keine Christianisierung sondern eine Evangelisation. Evangelion ist ein griechisches Wort, dass nichts anderes als Frohe Botschaft bedeutet. Es existierte im Griechischen auch getrennt vom Christentum. Römer 1,16 beschreibt unser Bestreben: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“

Der weise Rabe:

Der Kabarettist Jess Jochimsen sagt in seinem neuen Programm, „solange in Deutschland Klassenarbeiten in Religion geschrieben werden müssen, braucht man über die Scharia nicht zu hetzen“, was antwortest du ihm darauf?

Gernot Elsner:

Ich glaube so eine Aussage rührt aus einem postmodernen postaufklärerischen Denken, welches annimmt es gäbe keine objektive Wahrheit. Ob nun ein Kabarettist oder die Ringparabel des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing[dort wird behauptet, dass die drei abrahamitischen Religionen wie Ringe seien, bei denen man nicht herausfinden kann, welches der Wahre ist, deswegen müsse man alle respektieren], ich beuge mich solch einem Geist nicht. Für mich ist laut Johannes 1,14 das fleischgewordene Wort die höchste und objektive Wahrheit.

Der weise Rabe:

Einer deiner Werte ist radikale Jüngerschaft, was bedeutet das für dich?

Gernot Elsner:

Naja, der Wortstamm von radikal kommt von Wurzel. Oder verwurzelt sein, ich bin verwurzelt in Jesus Christus. Und da ist das Christentum wirklich intolerant. In Johannes 14,6 spricht Jesus zu dem ungläubigen Thomas: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Das ist die eine Seite, die andere ist, dass Jesus aus Liebe zu Menschen die nicht zu ihm gehörten bereit war zu sterben. Ich bin mit dem Gospeltribe in über vierzig Ländern gewesen und ich weiß wie intolerant gerade solche Länder die auf dem Atheismus basieren,wie heute vielleicht noch Kuba oder Nordkorea sind. Jesus praktizierte die Feindesliebe, er lud alle Menschen ein durch seine Wahrheit heil zu werden.

 

Kabarett: Jess Jochimsen Warum denken wenn man auch schunkeln kann?

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Songs mit Ziehharmonika, Gitarre und immer wieder “die Ode an die Freude” mit dem kleinen Metallophon lockerten das Programm des Freiburger Kneipenliebhabers auf

Mit seiner freiburger Freundlichkeit fragte Jess Jochimsen sein Publikum im Rössle in Laichingen  beim Essen ob er sie schon stören dürfe. Dann machte er ein Kompliment an die Schwaben. In Blaubeuren habe er einmal in einem Hotel mit Sauna gewohnt, als er diese nutzen wollte, hieß es die Sauna sei wegen einer Goldenen Hochzeit besetzt, seither wisse er das die Schwaben feiern könnten. Dem zum Trotz frage er sich trotzdem warum in den Nachrichten immer von syrischen Islamisten oder Deutsch-Türken die Rede sei nie aber von unterfränkischen Protestanten mit österreichischem Migrationshintergrund. Seine Liebe zu goldenen Worten zog sich durch das ganze Programm. Hatte er aber 2015 an gleicher Stelle noch gesungen”manche Dinge hät ich gerne nicht gewusst”, sagte er heute “Ich bring dann mal den Müll hoch.” Dabei heißt sein Programm doch “Heute wegen Gestern geschlossen.” Und ein anderer goldener Satz in Richtung “Dicht machen!” war: “Es ist Glück mit Menschen mit denen man nichts zu tun haben will auch tatsächlich nichts zu tun zu haben”.Wenn man Jochimsen festnageln möchte, dann verfehlt man das Thema und damit den Spaß. Er ist jemand der gerne mit den Worten spielt und sich nur auf recht allgemeinen Plätzen fest macht.So beendet er die komische und teilweise entlarvende Gratwanderung zwischen Müll hochbringen und postpolitischem Hedonismus bei dem es nur noch um die Sexualfantasien der Selbstmordattentäter geht mit einer Perspektive. Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann muss morgen wegen heute geöffnet sein.

 

Zuviel Kultur, zuviel Fußball zuviel Sonntagskrimi

Der anachistisch angehauchte Kabarettist fragte provozierende ins Publikum “Ohne Regierung ist es doch ganz gut gelaufen?” Trotzdem gäbe es ihm zu viel Kultur, zu viel Fussball und zu viel Fernsehen.Kultur sei schon etwas ausgefeiltes für alle Übergriffe habe sie Institutionen geschaffen: Fußballstadien, Krimis und Schützenfeste nur gegen die Taten in Köln an Silvester sei kein Kraut gewachsen. Der linkskonservative Philosoph Peter Sloterdijk habe daraufhin im Cicero, einem der neuen konservativen Hochglanzpolitblätter geschrieben: “Wir schaffen das nicht.”Und weiter das die Flüchtlinge uns fluten würden. Dann rechnete Jochimsen vor, wir haben 1 Million Flüchtlinge bekommen, hier im Rössle sind etwa 80 Leute, dann wäre eine Person etwa die Flüchtlingswelle, wie solle die nun den Saal fluten?Fussballspiele seien schon wegen Anschlägen abgesagt worden, Schlagersendungen allerdings nicht. Und dann kam die wohl etwas falsch adressierte Frage: Was wenn die Recht haben und “Herzilein, du musst nicht traurig sein”, die wahre Antwort auf alle drängenden Fragen sei. “Warum denken wenn man auch schunklen kann”?DSC00660

Katharsis: Runter zum niedrigen Denken

Jetzt gebe es ja das Wort Bio-Deutsche, er warte jetzt nur noch auf die Einsetzung eines Heimatministers für Inneres und Sport. Das man in der Schule gelehrt bekomme, dass man nur die 3.Strophe der Nationalhymne singe sei eine Einladung für höchstes Interesse für die anderen Strophen, er habe damals seinen Opa gefragt, die Jugendlichen fragten Google. Seine Witz Biathlon sei ein deutscher Sport, erst schießen und dann wegrennen, traf möglicherweise ins Herz der markigen Mitläufers. Bush sei schon mies gewesen, aber heute sei “das niedrige Denken ganz bei sich angekommen.” Es nur von oben herab anzuschauen reiche nicht, er forderte das Publikum auf da runter zu gehen. Bei seiner ersten Frage begann schon das Problem. Als er fragte wer sich kritischer und intellektueller fühle wie die anderen, meldete sich keiner. Ich war gerade beim Mitschreiben. Dann ging er eben alleine runter, denn auch beim Nachspielen des Wahlverhaltens bei der Bundestagswahl machte keiner mit. Mit einem schweizer Militäthistoriker als Gewährsmann dekonstruierte er nun die Rede von den feigen Selbstmordattentätern. Attentäter seien vieles, aber alles andere als feige, Drohnenangriffe seien feige. Der Schweizer argumentierte weit über den Raum des öffentlich ungeschoren Sagbaren hinaus, wir bräuchten selber Selbsmordattentäter. Die Gratwanderung gerade noch vor dem Absturz rettend lenkte Jochimsen das Thema ins unpolitisch Sarkastische um. Man hätte zumindest genügend depressive Menschen, die Selbstmordraten in Deutschland seien wesentlich höher als in Syrien.

 

 

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 Ein gutes Auge und Sinn für das Skurile im Alltag bewiesen die selbstgemachten Bilder Jess Jochimsens Bild: Sammlung Jess Jochimson

Wider die Herrschaft der alten Männer:

 

Um dem niedrigen Denken näher zu kommen müsse man den überheblichen Altmännerhumor hinter sich lassen. Diese Aufforderung beantwortete er mit einem melancholischen Lied auf der Gitarre. Hier ging es um zwei Brüder, die zusammen eine Frau hatten. Eine Absage an die Männerherrschaft.Auf die 13 % der AFD bei der Bundestagswahl zur Sprache kommend, erinnerte er sich an seinen Geschichtslehrer der ihm etwas über die Weimarer Republik gesagt hatte, was er erst jetzt verstanden habe. “Die Weimarer-Republik ist nicht gescheitert, weil sie zu viele Feinde hatte, sondern weil sie zu wenige Freunde hatte.”Sätze wie: “Ich bin kein Rassist aber…” brächten ihn zur Weißglut, es sei als wenn man im Wald einen Mann treffe, der einen Stelle und sage: “Ich bin kein Triebtäter aber…”Die deutschen seien ein Volk von Romantikern, dass sehe er an den Liebesschlössern, welche seit einiger Zeit, die Namen der Partner eingraviert, an Brücken hängen. Ein Statiker würde sagen: “Die Belastungsgrenze ist erreicht.” Er sei aber überzeugt, der Islam gehöre erst zu Deutschland wenn auch Muslime solche Schlösser an den Brücken anbringen, wenn auch für jede Frau eines, lachte er.Ein ehrbarer Professor aus Freiburg habe jetzt auch ein Problem mit dem niedrigen Denken, seine 18 jährige Tochter sei jetzt mit Hassan Abdi einem somalischen Muslim zusammen. Als er sie gefragt hat was gegen Michael spricht, sagte sie es ihm unverblümt: “Papa, der vögelt einfach besser.” Erneut erinnerte Jochimsen “die alten Männer sind unser Problem. Es gibt auch Frauen die alte Männer sind, die wollens wie es früher war. Angst vor Veränderung macht uns zu alten Männern. Alte Männer sagen: “Zukunft, dass ist so wie heute nur mit Rente.” In seinem Russland-Lied in dem leider er ähnlich aktuell wie schon 2015 das massenmedial vermittelte Zerrbild Russlands zwischen nackt jagendem Putin und farbigem Gorbatschow darstellte exerzierte er vor, was er zum Ende hin vorschlug. Die 87% die nicht die AFD wählen, sollten nicht aufhören Fragen zu stellen und dem alten Mann empfohl er sich auszuruhen, ein Fest zu feiern und mal wieder was zu träumen. Das konnten die fast ausschließlich Deutschen Gäste in dem Volkslied “Guten Abend und gute Nacht” lediglich gestört durch eine äufklärerische Frage an Gott. Warum denken wenn man auch schunkeln kann? Weil man so den Ruhetag verstehen kann, denn: Heute war wegen Gestern geschlossen.Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann kann morgen wegen heute wieder geöffnet sein.

Lesung: Kindersorgen

 

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Neben seinem Erstlingswert Burnout-Kids hat Michael Schulte-Markwort auch noch das Buch Superkids Warum der Erziehungsehrgeiz unsere Familien unglücklich macht geschrieben

Eine vorbildliche Kooperation der beiden großen christlichen Kirchen  sowie der Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen machte den hochkarätigen Vortrag eines bekannten hamburger Kinderpsychologen im Johannes Montinihaus in Blaubeuren möglich. Frau Rösch Both von der Volkshochschule gab in ihrer Einführung  in die Vita von Martin Schulte Markwort einen Eindruck von dem vielfältigen Engagement des heute, als Autor des Buches “Kindersorgen Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können” , daraus lesenden Mannes.

 

Der schlacksige Mitsechziger ist neben seiner Tätigkeit als Kinderpsychologe auch Ausbilder für Psychologen und Manager, die Angabe von Rösch Both er hielte 400 Vorträge im Jahr dementierte er allerdings. Vielmehr spreche er täglich mit Kindern und habe in den letzten 25 Jahren schon 30000 Kinder gesehen, das mache ihn gelassen. Gelassenheit in der Erziehung  war die erste Botschaft des einem größeren Publikum über sein erstes Buch “Burn-Out-Kids Wie das Prinzip Leistung  unsere Kinder überfordert” bekannt gewordenen Autors. Er hätte damals schon gezögert ein Buch mit einem derart populistischen Titel zu veröffentlichen, hätte sich dann aber vom Knaur-Verlag überreden lassen. Aus schlechtem Gewissen habe er später das Buch “Superkids” geschrieben, dieses sei sein Ladenhüter, da die Leute etwas negatives lieber lesen wollen als ein positives Buch. Allgemein fasste er seine Erfahrungen als Kindertherapeut trotzdem folgendermaßen zusammen: “Ich finde die Kinder sind immer besser geworden, die Gespräche von heute konnte ich vor 25 Jahren nicht führen”. Seine Erfahrung mit den  Eltern in den letzten Jahren sei: “Viele Kinder wollen selber nicht mehr über ihre Kindheit berichten”. Seine Aufgabe, so seine letzte Vorbemerkungm bevor er in die einstündige Lesung aus “Kindersorgen”  einstieg sei, zwischen Kindern und Eltern zu dolmetschen, so dass beide sich besser zu verstehen lernten.

Whatsapp-Therapie statt defizitorientierte Kulturkritik 

Smartphones seien das Reizthema Nummer eins bei Familien mit Kindern über 10 Jahren. Lea sei von ihren Eltern zu ihm geschickt worden. Sie erzählte, dass alle ihre Freundinnen auf  Facebook und Snapchat seien und es heutzutage eh das Schlimmste sei abgeschlossen zu sein und nichts mitzukriegen. Ihre Mutter macht sich sorgen, weil es bei Lea keine Sekunde ohne Handy gebe und dass Lea mediensüchtig sei. Lea so berichtet Schulte-Markwort, lächelte triumphierend, als er ihr bescheinigte körperlich und psychisch vollkommen gesund zu sein. Er stelle sich ganz vehement gegen die smartphonefeindlichen Meinungen seiner Kollegen Thomasius und Spitzer. Wenn vor drei Wochen durch die Zeitungen ging das 300000 Kinder in Deutschland medienabhängig sind, so verschwiegen diese Meldungen, dass 96,5 Prozent der Kinder nicht medienabhängig seien. Er wolle die Kinder da abholen wo sie sind und mache selber Therapien mit Kindern per Whatsapp. Es werde an der Uni in Hamburg gerade eine App namens “Mysoul”, wo psychisch kranke Kinder ihre Befindlichheiten eingeben könnten, wenn ein Kind beispielsweise in den “Depressionsthermometer” rein schreibe es wolle nicht mehr leben, dann werde die die Uniklinik in Hamburg Eppendorf, wo er arbeite, informiert.

 

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Michael Schulte-Markwort war bei seiner Lesung anzumerken, dass er sich gut in Situation und Sprache seiner kleinen wie großen Klienten einzufühlen weiß. Er ist tiefenpsychologischer Psychotherapeut und arbeitet auch mit der Technik des Psychodrama, seine Frau ist Psychoanalytikerin

 

Pubertät als Zeit der Entwicklung von Autonomie im Kind

Beim Thema Pubertät erzählt er die Geschichte von Rubi deren Eltern, wie viele Eltern in dieser Phase berichteten ihre Tochter käme nicht mehr zum Essen, würde immer aggressiver und käme erst in der Frühe nach Hause. Rubi hingegen sagt: “Meine Eltern sind Kontrolleties bis zum abwinken, ihr Verhalten ätzt mich an.” Viele Eltern sähen in ihren pubertierenden Schützlingen immer noch das kleine Kind, eröffnete Schulte- Markwort. Dabei sei Loslassen notwendig , damit sich im Kind Autonomie entwickeln könne. Sprüche wie “ihr seit peinlich” seien da um Abstand zu gewinnen. ” Man solle die Kinder solange weggehen lassen, wie der Spaß anhält. Dann verlören die Kinder ihren Grund übermäßig lange weg zu bleiben. Die Eltern sollten sich selbst einmal fragen ob ihre Eltern in der Pubertät alles über sie gewusst hätten. Eltern sollten sich in Vertrauen üben, da Machtkämpfe mit Kindern immer nach hinten losgingen. Man müsse eine gute Beziehung zu ihnen haben, ziehen bringe nichts.  Die Fallbeispiele ließen deutlich durchblicken, dass Schulte-Markwort die Sprache der Kinder sehr gut beherrscht.

Trennung

Als Kindertherapeut sei die Frage nach den drei Wünschen an die Kinder eine zentrale Frage, so Schulte-Markwort. Corinnas erster Wunsch war, dass Mama und Papa wieder zusammenkommen. Weitere Wünsche hätte sie nicht. Im Gespräch meinte Corinnas Mutter: “Ich habe das Gefühl mein Leben geopfert zu haben um jetzt gegen eine Jüngere ausgetauscht zu werden.” Corinnas Vater hingegen äußerte er wäre mit der Neuen “so glücklich wie noch nie.” Als Schulte-Markwort beide an einen Tisch brachte sei die Atmosphäre schneidend und hasserfüllt gewesen, auch für den erfahrenen Therapeuten kaum auszuhalten. Der Frau riet er aus ihrer Liebe nicht einen Rachedämon werden zu lassen, im Interesse Corinnas, denn sonst sähe sie Corinna bald mit ihrem Vater und der Jüngeren in den Urlaub fahren. Beim Sorgerecht müssten die Väter einfach mehr zurückstecken, so seine Überzeugung. Corinna habe ihm eine Friedenstaube geschenkt.

Selbstverletzungen

Lara(13) zeigt Schulte-Markwort bei der ersten Sitzung triumphierend ihre Narben, sie war voher 1 1/2 Jahre in der Kinderpsychiatrie, wo sie aus Verzweiflung der Therapeuten entlassen wurde.Lara trägt eine schwarze verschlissene Hose, ein Oberteil mit einem Totenkopf darauf, sie hat ein Nasenpiercing und strahlt auch ohne etwa zu sagen eine unheimliche Aggression aus. Sie ist unverschämt und unverschämt schlagfertig. An dem Gespräch mit ihr zeigt der Kinderpsychotherapeut wie er arbeitet. Er bleibt erst einmal defensiv. Als er sie nur anschaut meint sie: “Schaun sie mich bloß nicht so salbungsvoll an.” Danach erzählt sie wie scheiße die Therapeuten gewesen wären und auch über ihre Mutter. Schulte-Markwort übersetzt, dass was seiner Meinung nach die Seele Lara´s eigentlich sagen wollte: ” Ich habe ein tiefes Bedürfnis nach Liebe, aber dafür ist meine Mutter die Falsche.” Durch das Zuhören ohne maßzuregeln, erklärt er, hat er nach und nach eine Eintrittskarte in Laras Seele bekommen. Sie maile ihm regelmäßig um vier Uhr nachts stoned vom Kiez, so könne sie Abstand zu der Situation gewinnen um sich da selber rauszuziehen. Solche Vertrauensverhältnisse seien gold wert, auch wenn Lara die mittlerweile 20 sei bestimmt noch fünf Jahre zu ihm kommen müsse. “Man muss sich an die seelische Form der Kinder anschmiegen”, meint er. Zum Abschluss rief er die Eltern dazu auf sich ein Bild von sich selbst zu machen um ihren Kindern  die Zukunft vorleben zu können. Man dürfe sich nich abschrecken lassen von defizitorientierten Kinderbildern,sondern müsse den Kindern in Freiheit, Toleranz und gegenseitiger Neugier begegnen. Die Seelenlandschaften der Kinder seien voller Reichtum, wenn man sich an die eigene Kindheit erinnerne, lerne man ihnen zu begegnen, dann gebe es kein Defizit. Das Buch “Kindersorgen”, sei als”psychiatisches Lehrbuch” für Eltern verfasst so der engagierte Kindertherapeut. Es macht in seiner “Anschmiegsamkeit an Kinder- und Elternseelen und in seinem Anschauungsunterricht für das Dolmetschen zwischen den Parteien Lust gelesen zu werden.

Das Buch Kindersorgen Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können ist für 20 Euro bei Droemer zu haben

Ab 02.05 erscheint ebenfalls eine Taschenbuchausgabe für 9,99 Euro

 

 

 

 

 

Nie wieder Krieg? – Rezension: Ein Appell von Michael Gorbatschow an die Welt

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Über 30 Jahre nach seinem ersten Versuch die krankende Sowjetunion durch Perestroika(Umgestaltung)  zu retten, ruft  er nun  unter dem gleichen Schlagwort zu einer Demilitarisierung der Weltpolitik und einer Bindung des Völkerrechts an universelle Menschheitswerte auf

 

Von der Nachricht Ende Februar 2018 erschüttert, dass Deutschland den Standort Ulm für ein neues Hauptqaurtier der NATO als Teil einer Antwort auf die “als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands” erwäge, habe ich nach Jahren wieder einmal zum Thema Weltpolitik recherchiert. Auf der Suche nach einer kurzen Schrift, welche eine Diskussionsbasis zur Meinungsbildung sein könnte wurde ich fündig. Der Journalist und Buchautor Franz Alt hat 2017 einen Interviewband mit dem russischen Politiker und Buchautor Michail Gorbatschow herausgebracht. In dem Interview über die Entwicklung der globalisierten Welt zu Beginn des 21.Jahrhundert sagt Michail Gorbatschow: „Diejenigen, die den „Sieg des Westens im Kalten Krieg“ erklärten und sich weigerten, ein neues, gleichberechtigtes Sicherheitssystem aufzubauen, tragen einen großen Teil der Verantwortung für die heutige Lage.Siegesrausch ist ein schlechter Ratgeber und in internationalen Angelegenheiten erst recht.“Ein anderes Problem der Welt nach dem „Kalten Krieg“ sei, dass sich die Politiker vor lauter Tagesgeschäft noch gar nicht mit der neuen Situation auseinandergesetzt hätten. Anders beispielsweise als die „Urheber undurchsichtiger Finanzstrukturen“, die sich schnell an die globalisierte Lage angepasst hätten und von ihr profitierten.Auch Waffenhändler, Schleuserbanden und Cyber-Kriminelle sowie Terroristen fühlten sich in der neuen globalisierten Welt wohl.Wettrüsten, Umweltkrise, und die Kluft zwischen armen und reichen Ländern würden immer größer und die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb der Länder öffne sich zusehens. Die UN-Organisationen und leider auch die noch nicht allzu alten G-20 würden den Problemen hinterher rennen.All das seien Aspekte einer umfassenden Krise politischer Führung. Die Berufspolitiker seien voll und ganz mit „Löscharbeiten“, dem Tagesgeschäft aktueller Krisen und Konflikte beschäftigt.

Neuer Nationalismus und/oder Neues Denken?

Der neue Nationalismus blühe, doch ohne den globalen Kontext zu kennen sei es nicht möglich Mittel und Wege zur Lösung von internationalen Konflikten zu finden.Gorbatschow, der eine Stiftung gegründet hat und Anteile an der unabhängige Zeitung „Nowaja Gaseta“ hält hat sowohl als Praktiker am Steuer der kriselnden Sowjetunion als auch als Theoretiker in vielen Büchern bewiesen, dass er die politische Welt verstanden hat. Sein 1987 als Gesprächsangebot der Sowjetunion an die Bürger der Welt erschienenes Buch „Perestroika“ Die zweite russische Revolution Eine neue Politik für Europa und die Welt“ ist wohl das wirkmächtigste Beispiel.Hier zeichnet er bereits sein „Neues Denken“ und Ansätze zu einer Agenda, die sich existentieller Probleme der Weltgemeinschaft stellt vor.

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Ist eine Demilitarsierung der Weltpolitik nicht ein frommer Wunsch und ganz gegen die Natur des Menschen? Wäre eine Armee von Staatsbürgern in Uniform nicht genug. Ist eine Berufsarmee der richtige Rahmen für eine bürgernahe Armee? Dem Werbeslogan an einer deutschen Kaserne nach verteidigt die Bundeswehr die Grundsätze der Aufklärung.

Beendete die Perestroika den Kalten Krieg?

Im Anhang des Buches kann man auch Widerstände der Perestroika wie Eigeninteressen von Funktionären und die morsche Arbeitsmoral in der Vollbeschäftigung garantierenden Misswirtschaft der UdSSR die der Parteitag 1987 berichtete nachlesen. Auch der Begriff das „gemeinsame Haus Europa“, taucht in dieser Deklaration schon auf. Sie ist noch heute mit Gewinn zu lesen und zeigt auf 400 Seiten auf was Glasnost(Transparenz und Meinungsfreiheit) und Perestroika(Umgestaltung) genau bedeuten. Dieses umfangreichere und mit den Stagnationserfahrungen der Sowjetunion seit Mitte der 70er Jahre angereicherte Buch ist deshalb so ertragreich,weil Gorbatschow heute eine globale Perestroika und eine erneute Abrüstungspolitik fordert.

EU- und NATO-Osterweiterungen als Provokation für Russland

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Aus christlicher Perspektive bieten das Gebot der Nächstenliebe und die Bergpredigtethik der Feindesliebe gut Argumente für ein “Politik der Gewaltfreiheit”

Das Russell-Einstein-Manifest, Olaf Palmes Idee der Gemeinsamen Sicherheit, John Kennedys Rede über „Frieden für alle“, sind, so Gorbatschow theoretische Versatzstücke des neuen Denkens, welche aus der Erfahrung der atomaren Bedrohung im Kalten Krieg entstanden seien. Praktische Versatzstücke seien die gemeinsame Genfer Erklärung der UdSSR und der USA von 1985 und das spätere START-Abkommen in dem USA und SU die Einstellung des atomaren Wettrüstens sowie die Vernichtung aller Atomwaffen beschlossen haben. Ein beeindruckendes Ergebnis „Dank der START-Abkommens und den Taten die auf es folgten sind bis zum heutigen Tag über 80 Prozent der damaligen Atomwaffenbestände vernichtet worden.“ Trotzdem ist Gorbatschow das noch zu wenig, er sagt klipp und klar:„Solange es Atomwaffen gibt, bleibt die Gefahr bestehen,dass sie zum Einsatz kommen.“ (…)Deshalb müssen wir das Ziel, die Atomwaffen zu verbieten und zu vernichten, mit Nachdruck weiterverfolgen.Das ist unsere Pflicht.“ Nach dem 1987 in Washington unterzeichneten Vertrag zur Abrüstung aller Atomwaffen, setzt Gorbatschow mit der Ankündigung des Abzugs russischer Truppen aus Afghanistan ein weiteres Zeichen des Neuen Denkens. Das der neue internationale Terrorismus ebenfalls in Afghanistan seinen Ursprung fand scheint kein Zufall zu sein. Das die NATO ,als westliches Verteidigungsbündnis, sich nach dem Niedergang der UdSSR 1991 nicht aufgelöst hat und sich gegen die Zusagen des amerikanischen Außenministers James Baker an Gorbatschow bald genau wie die EU nach Osten zu den Ex-Sowjetrepubliken ausweitete sei ein Problem, welches jetzt in der Ukrainekrise ausufere.

Für eine Ächtung von Gewalt als Mittel politischer Konflikte

Gorbatschow appelliert heute wie gestern an die Vernunft der Politiker. Seit der Atombombe und Tschernobyl sei die Ächtung der Atomkraft vorangeschritten, heute da man seit 50 Jahren um die Vernichtungskraft der Atombombe wisse, müssten die Leute auch die Militarisierung der Gesellschaft und der Gewalt als Lösung für Konflikte ächten. Dazu gehöre auch jegliche Möglichkeit für Staaten zu unterbinden Bewegungen, extremistische Gruppierungen und Terroristen aus einem nationalistischen Interesse heraus zu unterstützen. Es müsse geächtet werden auf diese Art und Weise legitime politische Regime zu stürzen. Gorbatschow versteht es hier Dinge gerade so allgemein zu formulieren, dass doch klar wird, wen er konkret meint, aber auch das diese Regel Teil eines umfassenden Neuen Denkens ist in dem Politik und Ethik, Kooperation und Aushandlungsprozesse miteinander verschmelzen. Er fordert Filterblasendenken, Feindbilder und Emotionen hinter sich zu lassen und behauptet, dass es die starke Stimme der Friedensbewegung in den 80ern war, die sich in der Kooperation in der Abrüstungspolitik der beiden Blöcke niederschlug. Heute in einer Welt wo die bipolare Ordnung längst zu einer multipolaren geworden ist und auch alte Positionierungsbegriffe wie links und rechts immer weniger trennscharf sind hat es die Friedensbewegung schwer. Weiter appelliert der 85-Jährige wie schon 1987 an die Werte von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Wieder werden seine Forderungen wohl auf den Widerstand von Profiteuren der heutigen Ordnung, wie auch auf die eingeschliffenen Gewohnheiten der Menschen prallen.

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Die “Zeit” schrieb 1987 über das Werk des damaligen Generalsekretärs der KPDSU “In jedem Fall öffnet Gorbatschow in diesem Buch…politische Perspektiven, auf die der Westen eingehen sollte.”

Schlechte Zeiten, Gute Zeiten für Umgestaltung?

Russland steckt gerade wieder in einer wirtschaftlichen Stagnation, die Bürgerrechte werden eingeschränkt, man setzt auf starke Männer anstatt auf Kooperation.Die Europäische Union ist durch die Schuldenkrise und den deutschen Alleingang der unkontrollierten Grenzöffnungen für Flüchtlinge geschwächt, sowohl was den Zusammenhalt betrifft als auch die Legitimation von Regierungshandeln betrifft. 1996 fünf Jahre nach dem Putsch reformfeindlicher Kräfte mit Hilfe des KGB erhält Gorbatschow nur noch 0,5 % der Stimmen bei der russischen Präsidentschaftswahl, andererseits erhält er im gleichen Jahr den „Preis für planetarisches Bewusstsein“ des „Club of Rome.“„Der Versuch, den Segen der Demokratie mit Waffengewalt aufzuzwingen, löste und löst eine abstoßende Reaktion aus“, kommentiert er Gewalt auch aus der vermeintlich progressiven Antrieben.Es gebe für das 21.Jahrhundert zwei Szenarien, sagt er wieder bipolar: „Das 21. Jahrhundert wird entweder ein Jahrhundert der totalen Zuspitzung einer todbringenden Krise oder ein Jahrhundert der moralischen Reinigung und der geistigen Genesung der Menschheit, ihrer allumfassenden Renaissance.“Viele Deutsche meinen die Integration von 1,3 Millionen Flüchtlingen sei ein Teil der Renaissanceder Menschheit, welche die Solidarität mit Menschen in Notlagen über die durch Landesgrenzen und Ausweise markierten nationalen Verteidigungswälle stellt. Andere Deutsche fürchten sich aber vor einer Überlastung der Sozialsysteme und haben Angst vor dem patriarchal dominierten Islam. Der Golfkrieg 2003 wurde von einer Mehrheit der Deutschen abgelehnt. Die Perestroika war eine von Oben angeordnete Demokratisierung und Ökonomisierung der sowjetischen Planwirtschaft, sie scheiterte am Willen derer, die ihre Macht von ihr bedroht sahen und derer die den größten Teil des zerfallenden Riesen Sowjetunion für sich haben wollten. Wie Glasnost und Perestroika in Deutschland aussehen könnten vermag Gorbatschow in dem Interview nicht zu umreißen.Wie damals in der Sowjetunion war es aber die Krise, welche es dem Land bescherte, seine Grundsätze und Werte neu zu bestimmen und besser zu verstehen.DSC00347

 

Wer die Folgen der Perestroika auch gerne im heutigen Russland aufspüren will dem sei folgendes Buch empfohlen:

Gorbatschow, Michail: Das neue Russland. Der Umbruch und das System Putin

Quellen:

Alt, Franz(2017): Ein Appell von Michael Gorbatschow an die Welt Kommt endlich zur Vernunft- NIE WIEDER KRIEG

Gorbatschow,Michail(1987): Perestroika Die zweite Russische Revolution Eine neue Politik für Europa und die Welt