Verkehr T

	





Er-kehrt durch dich Nadelöhr der Selbstliebe zu sich,
reich Er und verheerend Er


Er kehrt aus dir was nicht Lieb ist,was nicht Lob ist, was nicht Lab ist
versehrt das Reich deiner Herrschaft,zerstampft die Traube die keinen Wein schafft
bereitet dich für sich in deines Leides Angesicht, denn Gott ist groß und Liebe


V


erkehrt mit den Kämpfern die das
Schöne bewundern und kehrt in sie
als Schenke ein, wohl dem der gibt
wenn der Trinker allen Trankes kehrt nach langer Reise in die Schenke heim


Gesang und Rausch in der Nacktheit der Nondualität
gebet heißt das Gebet
Einkehr und Heimkehr nach seinem
Begehr, liebste Klangschale er macht dich leer
um dir Gehör zu schenken


Er kehrt dich zur Liebe dem Schöpfungsgrund,
der als Übermacht solange schrecklich und Dunkel
Gebannt vom Nadelöhr deiner Dünkel
Jetzt geht die Furcht vor der Macht
und die Furcht vor dem Gegenüber
in die Furcht vor dir Selbst als
des Herren Erscheinungsfeld als kleine Welt
deinem Herren begegnend in dich über
und langsam und einsam allmählich vorüber


Die eindeutige Ausrichtung
macht Heimsuchungen zum Advent
der Ankunft und Einkehr dessen der sich ganz durchdringt
wenn du ihn ganz erkennst


Er reicht dir! nun reicht er dir
die Waffen aus seiner Allmacht
verschenkst mir und andern
sein dich Durchwandern
Wein, Salz und Brot für
die Sucher in der Not




Er hat dich einkehrend zerschmettert,bis du sahst
das du ewig,
den Andern dienend, deiner ledig seinerunendlichen Größe dich nahst


(Daniel Baz, 19.11.2018)
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Om.. Das Hören geht weiter

Schweizer Jazz-Legenden bilden  in Ulm ein selbstschöpferisches Klanggefährt

Kunstwerk e.V und das Einsteinhaus sorgten mit der Zusammenkunft der vier Jungs von Om Raum für das Beiwohnen bei nonkonformistische Spielart der Klangerkundung. Om eilt in Jazz-Liebhaber-Kreisen ihr Ruf voraus, das kurze Bestehen der Schweizer Band, soll kein flackerndes Flämmchen gewesen sein. Nein, von 1972 bis 1982 sollen sie eine der meistgetourten Bands überhaupt gewesen sein. Die durch und durch von Orange durchtränkte Atmosphäre im Club Orange passte so auch zu den wild gebliebenen Alt-Meistern. “Unknown Navigation”der Titel ihrer aktuellen Tour gibt genauso Hinweise auf die Gangart der zwei Stunden mit den “Phononauten” wie ihr Bandname.Den Namen haben sie, laut Urs Leimgruber dem Saxophonisten der Band,aber nicht wegen ihrer Orientierung an Meditation, die sei heute bei ihm präsenter als in den 70ern. Sondern aufgrund des gleichnamigen Albums ihren damaligen Jazz-Vorbildes John Coltrane. Dort sei die Qualität des Om als Urklang, in dem alle danach gespielten Klänge schon enthalten seien, gemäß dem vedischen Werk der Bhagavad Gita beschrieben. Das habe die Band damals umgehauen und jetzt hießen sie eben so.  Zum Konzert: Links steht Christy Doran, an der Gitarre,daneben Urs Leimgruber am Tenor- und Sopran-Sax, daneben gesellt sich Bobby Burri am Kontrabass und links von ihm steht das Schlagzeug seines rhythmusmäßigen Alteregos Fredy Studer.

Bewusstseinserweiterung: Klangkunst die Verfahren und Begriffe herkömmlicher Musik unterspült


Der Klangraum entspinnt sich aus anfangs kaum hörbaren Erkundungen der zunächst relativ voneinander isoliert Zugänge zum Instrument Suchenden. Christy spielt raumgebende Glockensampler ein,während er mit dem Eisen verhalten und hörend auf dem Hals seiner E-Gitarre herumfährt.Das Publikum folgt dem Ritual der Entgrenzung der Begriffe, und damit der Spielformen der Musik, wie in einem Planetarium. Leimgruber bläst behutsam, wie der Schöpfer in eine stählerne Messingform mit Trichter. Der Besen Studers ist noch nicht zu hören evoziert aber das Bewusstwerden, das die Atmosphäre etwas sehr philosophisch-erotisches hat. Nun outen die Klänge das Gegenüber Leimgrubers als Sopran-Saxophon und seinen Zugang als nicht handlich für den hörkomfortorientieren Zuhörer. Die Hervorbringungen des Sax werden unangenehm hoch quietschich, erste Triller entstehen. Sie erinnern an Äußerungsformen der Sufimusik.Aufrütteln, schrill. Schon jetzt deutet sich an das Leimgruber im Laufe des Spinnens des klanglichen Netzes in die Rolle eines tragischen Versponnenen hineinzuwachsen droht. Studer aber hört nicht nur auf sich selbst, er tut sich mit seinen sanften Beckeninterventionen um eine kosmische, schöne, also musikalische Ordnung um. In dieser Manier finden sich die beiden in der traditionellen Musiklehre für den Rhythmus zuständigen Burri am Kontrabass und Studer. Ein ohrenhafter, durch die Eins-Richtung den Gesamtklang musikalisch bewegendes, Töngefüge, gibt nun einen Kontrast zu der Findungsphase der Neuerschaffung der Spielweisen der Einzel-Instrumente. Die Extase steht Fredy Studer ins Gesicht geschrieben,diese und die Vertrautheit der Musiker in der Weiterentwicklungsphase paart sich auch hier, zu einem Experiment allerdings weit ohrenfreundlicherer Ausprägung.

Jazz-Freunde kennen keine Grenzen in der Musik


Ein Heranwachsender Junge genießt, die auf der Ebene der Geräusche und Intensitäten gefischten, sich selbst nicht gleich bleiben wollenden Klangereignis sichtlich. Auch sonst sieht man manche in dem bestuhlten Club Orange körperlich sichtbar mitschwingen. Es entspannt sich eine “Vibrasphäre”großer Entspanntheit von gewöhnlichen Musikkategorien wie Taktung,Melodie und Harmonie. Die Erkundungen bleiben postmodern,indem sich sich nicht neuen Fundstücken aus dem Meer der neuen Möglichkeiten der Klangkunst verschreiben. Sondern auch diese wieder in großer Virtualität und Nicht-Anhaftung der Dekonstruktion preisgeben. So ist das Spiel der Vier, in höchster Weise mental anregend, sowie geisteswissenschaftlich auf die Entnervbarkeit überfrachteter Sinne hinweisend. Auch das Technische ist hierbeivoll da, so hat nicht nur Christy Dorans E-Gitarre unzähligeEffekte, sondern auch der Bass von Bobby Burri. Burris Bass vermag esso sowohl kaum gehörte Weichheit in ein einfühlsames und tragendes Basstongefüge einzubringen, als auch quasi interstellare Interferenzen in das kosmische Musikgefüge hineinzufunken.Linie,Bruch und veränderter Lauf. Der von Intensität getragen sich selbst ähnlich anders bleibt. Burri könnte gut und gerne als Nosferatu durchgehen. Seine Nase ist, sein Spiel im Ohr, die eines Tieftauchers ohne Kamera, eines Gewährsmannes des unentzifferten Subliminalen. Die 25Jahre, welche OM nicht zusammengespielt hätten, so Leimgruber, nach dem Konzert, wären bei allen Musikern immer noch Phasen des„Ganz-Ohr-Seins“ gewesen, und auch die Re-Sonanz auf die Sonanzen der Band im Publikum seien ein ganz besondere Ebene des Ohr-Seins, das Publikum spiele mit den Ohren mit, bei den vielen vielen Konzerten,welche die Band mit ihren Zuhörern schon erleben durfte. In den rhythmisch getragenen Episoden hört man sich teils unter Wasser,teils im Weltall, eine Verschwommenheit in großer Flussstärke führt zu einem entspannt-angeregten Hörerleben, Jazz.Das   Dann melden sich aber lautstark der Saxophonist und die Gitarrist zurück.

Das “Ich” in Räumen erhöhter Vibration

Leimgruber untergräbt den Fluss, in dem er aus ihm auftaucht ,wie ein um sein Überleben tönendes Tier. Duran erzeugt nun eineGitarrenfläche, die den hochreaktiven Strom zu anwachsender Schnelligkeit antreibt. Leimgruber, der äußerlich etwas von Klaus Doldinger hat, gerät nun in schrillen Tönen ausgedrückt, in eine Orgie äußerer Bedrängnis, taumelt ruft sein Instrument und langsam geht das „Tier“ in den gewaltig waltenden Strömen unter. Ein Solo, ist auch eine Form von Ich-Identität, die in dem großen Stirb und Werde des Klanges, keine andere als eine jeweilige Bedeutung hat.Duran´s Gitarrenspiel wird von Flächen zu Kritzelein, die “Vibrasphäre” schreit vom Autor aus nach Ohrenstöpseln.Nun geht auch Studer andere Anspielungswege und kratzt mit dem Kontrabassbogen andem Gehäuse seiner Snare-Drum. Es entsteht nun auch bei Kontrabass, E-Gitarre und Drums eine Zerrissenheit zwischen Rhythmus und klanglicher Selbstbehauptung. In diese Gemengelage inkarniert Leimgruber nun in der Konstellation mit Tenor-Sax. Er entlockt dergebogenen Metalle-Mischung ein ebensolches metallisches Quietschen. Dieses Quietschen führt Studer in seinem Gewand zu einem nervösenTrommeln,  die panische  individuelle Exaltiertheit und die Spannungen welche diese evozieren sind kaum mehr zu ertragen. Das „Konzert“ ist durchaus auch wie eine griechische Tragödie zu hören, es zeigt die Tragik und Krisis des Einzelnen in einer an sich harmonischen, wenn auch mit den Mitteln des  narzistischen Ichs nicht zu erreichenden Ordnung auf.

Töne klingen schöner nach Sequenzen von Klang


Nun ur plötzlich, dringen gewöhnte und dazu warme Töne aus dem Schalltrichter Leimgrubers. Wie Balsam träufeln sie in die Ohren,des mental herausgeforderten aber akustik- sensorisch überforderten Autors. Duran liefert nun mit seinen sphärischen Flächen im Eindruck von Tönen, eine Hoffnung auf eine Dramaturgie, ja eine führende Thematik im Spiel der Vier. Das Publikum scheint aber die vierstimmige Uneingestimmtheit zu genießen.Bei den vielen Neuerungen, läuft man Gefahr, das das Denken das Gehör verstopft.Denn es ist alles andere als Uneingestimmtheit im Raume, vielmehr spürt man eine Gemeinschaft der Eingespannten im Raume. Es ergeben sich immer wieder Gipfelmomente. Alle Musiker sind hoch konzentriert.Bei Studer möchte man meinen der Ausdruck dezentriert sei angemessener. Er ist mittelpunkt flüchtend auf seine Band und seine Aktionsmittel ausgerichtet. Absolut beeindruckend, auch ein inspirierender Solodrummer. Duran, der in seinem Gitarrenspiel über eine verblüffende Technik verfügt ist mit seinerExperimentierfreude und seiner Nicht-Anhaftung an liebgewonnene Soli eine Triebfeder des selbstschöpferischen Klanggefährts. Als Leimgruber nochmalsandachtsvoll in die Öffnungen seines Tenorsax, ohne Munddstückbläst, hebt eine neue Schöpfungsgeschichte an, das Ego wird zum Super-Ego der Externalisierungsgesellschaft.Und in der Begegnung mit übermächtigen Klangstrukturen geht es laut schallend einen Mittelpunkt im Meer der Klänge suchend unter. Om ein neuer Schöpfungston hebt an; am Anfang war der Klang.

Zwischenzeiten

	


Das Alte vergangen
Das Neue noch nicht begonnen
bist du aus dem Tritt gekommen


Ich fahr durch den Nebel,
fühl mich eigentlich ganz frei
ohne Vergangenheit und Zukunft
und Schaumschlägerei


In der Welt bin ich krank,
Hier bin ich ohne Warum
Ein Gedanke der aufnimmt
was auf ihn zukommt lächelnd und stumm


Das Nichts-Tun ganz seltsam erlöst
von der Narkose des Alltags gelöst
Gibt dir die Blöße, als Raum
der die Fülle der Dinge umhüllt


Das Gedächtnis geht still durch die Zeiten
reuet und sühnet und sehnet
Übet sich die Welt zu lassen
Geld verdient es eh net


Aus dem Tritt gekommen
sinkst du nach unten
durch das kühle Dunkel
ganz ungebunden


Und am Grund angekommen
Lichtet sich des Lebensschiffes Anker
Es nimmt wieder Fahrt auf
das Ufer der Welt erscheint immer kranker


Der Zwischenraum war nötig
und seine Einsamkeit
Um in ihm einzusäen
das Saatbeet der Alleinsamkeit


Ewig still ruht die Vergangenheit
angenommen in großer Dankbarkeit
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen
Du bist nun der der zieht


Daniel Baz 05.12.18
(Vers 1 und 3 sind entlehnt von Vers 1 aus dem Gedicht "Sprüche des Konfuzius" von Friedrich von Schiller)

Über Licht, Beleuchtung und das Heilige in der Materie

oder: wider die Teelichtisierung des Abendlandes

aus dem Facebook von Katrin Uhl

Aufgewachsen in den 80ern war ich begeisterte Jungschargängerin,vermutlich wegen des Singens bis zur Ekstase (außerdem hatte ich schon immer ein Faible für Jesus). Ich erinnere mich noch gut daran,wie wir von Haus zu Haus gezogen sind, um Aluminium zu erbetteln,welches sich in den Haushalten angesammelt hatte – um es der Wertstoffsammlung und –wiederverwertung zuzuführen. Und zwar, weil Aluminiumgewinnung ein saumäßig schmutziges Geschäft ist und wirdamals lernten, mit diesem Material sollte man seeeehr sparsam und seeehr bewusst umgehen.
Und heute? Heute haben wir Gelbe Säcke,die wer weiß wo landen (macht Euch selber drüber schlau, besser als Krimis!) und – noch besser: wir haben Kaffeemaschinen, die pro Tasse Kaffee mit ein bis zwei Alukapseln befüllt werden.Hauptsächlich aber wird es verwendet in Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffsbau. Leitungen, Baustoffe, Verpackungsmaterial – und –(sicherlich ein sehr kleiner Anteil but) just saying…Teelichthülsen.

Einige Details zum  Aluminiumabbau


Aluminium wird aus Bauxit gewonnen, Bauxit findet man hauptsächlich im Tropengürtel und es wird Regenwald zerstört,um es zu gewinnen. Hauptabbaugebiete sind Guinea, Jamaika, Indien,Australien, Brasilien. Laut „Rettet den Regenwald“ wird z. B. für die Mine Porto Trombetas in Brasilien, die inmitten unberührten Regenwalds liegt 100 Hektar Wald gerodet. Von den Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und soziale Strukturen mal ganz zu schweigen.Vielleicht erinnert Ihr Euch an das umstrittene Belo Monte Staudammprojekt? Schlimme Bilder gingen um die Welt, von indigenenMinderheiten, die versuchten, ihren Lebensraum zu schützen. Richtig.Das Belo Monte Projekt ist Teil der Bauxitgewinnung und Bauxit istder Rohstoff, aus dem Aluminium ist.
Und was zum Geier haben diese unappetitlichen Fakten jetzt mit Licht oder gar Spiritualität zutun?

Wohlstand ohne Verantwortung?

In unseren zivilisierten Breitengraden bricht gerade die dunkle Jahreszeit an. Deshalb kam ich überhaupt auf die Idee zu diesem Text. Zum Trommelkreis hatten sich Menschen angekündigt, die nochnie da waren. Also wollte ich den etwas dunklen und abschüssigen Weg mit schönen Lichtern garnieren.
Was nimmt man da im 21.Jahrhundert in diesen Breitengraden? Richtig: die unheimlich praktischen und günstigen Teelichte.
Auch kenne ich das vonvielen „spirituellen“ oder anderen Veranstaltungen in derEsoterikszene oder deren Dunstkreis, dass man großen Wert aufangenehme, heimelige und heilsam wirkende Beleuchtung legt. Meist inForm von massenhaft aufgestellten Teelichten. Im Outdoorbereich nachder Party, der Zeremonie, dem Ritual auch gerne mal vergessen. SeitJahren grübele ich darüber nach, ob den Menschen das gar nichtbewusst ist, was für eine Sauerei Aluminiumproduktion ist? Aber es ist mit dem Alu wie mit so vielem heutzutage: was wir in den 80ern und frühen 90ern als dringendes bis drängendstes Problem benannten,Probleme, von denen klar war, wir müssen sie unbedingt (!), dringend(!!), ganz schnell (!!!) und gemeinsam angehen und lösen, diese Themen und Probleme werden heute schlicht nicht mehr diskutiert und teilweise einfach mal komplett ausgeblendet.

Licht in den Konsum?



Wir leben auf einem unfassbar hohen materiellen Niveau und dennoch muss es immer billig und noch billiger sein – Geiz ist geil!
Ist das so? Geiz ist eben nicht geil. Der Geiz der Menschen, die in den reichsten Nationen dieser Erde leben – also unserer! – bewirkt an anderen Orten der Welt viel Leid und Zerstörung. Wir – und mit diesem Wir meine ichjetzt Menschen, die sich mit Themen wie Bewusstheit, Bewusstsein,Umweltschutz oder Spiritualität identifizieren – sollten uns einfach ab und zu mal überlegen, ob es nicht mehr Licht in die Welt bringt, manchmal eben nicht zum billigsten Massenprodukt zu greifen.Vielleicht können wir durch den Griff zur Qualität unsere Achtung  der Materie gegenüber zum Ausdruck bringen. Gerne werden die Großpackungen Teelichte bei einem schwedischen Einrichtungsriesengekauft, weil die so schön günstig sind. Preis-Leistungsverhältnistop. Ist das so?
Sind es dann nicht dieselben Menschen, die empörtaufschreien, wenn verzweifelte Indigenas und Indigenos halb nackt inKriegsbemalung vor riesigen Maschinen und Militärpräsenz in dieKnie gehen und die Fotos rund um die Welt teilen, Petitionenunterzeichnen etc.? (Siehe Belo Monte Staudamm-Projekt…)

Die heilige Materie


Und jetzt kommen wir zum „Heiligen in der Materie“ (Indigene sind doch immer eine wunderbare Überleitung zu diesem Thema, wenn das auch ein bisschen nach kulturimperialistischer Denke riecht, aber stilistisch einfach elegant, also Schwamm drüber!)
Natürlichdenke ich nicht, dass die sagen wir mal… – und das ist eineSchätzung – gefühlt 5000 Aluteelichthülsen, die jemand einspart die Welt retten würden. Bei den Massen an Autos und Flugzeugen undSchiffen, die wir verheizen, macht so was die Kuh nun wirklich nichtfett. Und man sollte sich auch nicht selbst kasteien finde ich. Aber:ich denke, wenn man irgendeine Form der Spiritualität pflegt, diedas heilige in der Schöpfung sieht, so sollte man doch ab und zu einwenig Bewusstheit und Reflexion ins eigene Handeln bringen. Und dieBeleuchtung für die eigenen religiösen, spirituellen, rituellen„Events“ hat für mich hier symbolischen Charakter.
Es ist ohne Zweifel wunderschön und berührend, in eine Spirale aus Licht zu wandeln und sich nach der Berührung mit der Mitte wiederhinauszuschrauben. Aber müssen wir diese Spirale unbedingt mitTeelichten von namhaften Billiganbietern arrangieren?
Und jetztkommt endlich die gute Nachricht: es gibt auch Alternativen!

Es gibt Alternativen zum Alulichtkonsum


Esgibt nämlich zum Beispiel auch Teelichte ohne Aluhülsen zu kaufen.Die sind gar nicht mal so teuer. Zum Beispiel (Obacht Werbung!)Waschbär hat welche im Programm (dm übrigens ganz früher auch, siewaren die ersten. Ist dort aber scheinbar out, haben sie nicht mehr im Programm. Waren auch merkwürdigerweise immer teurer als die mit Aluhülse…). Bei Waschbär z. B. gibt es welche aus Paraffin(Erdölprodukt), welche aus Stearin (Palmölprodukt – darauf kommich gleich noch mal zu sprechen…) und – meine bevorzugteVariante, auch wenn sie ein wenig glitschig sind: welche aus recyceltem Speisefett. Außer der haptischen Fettigkeit sind die ganznormal, wie andere Teelichte auch. Ich hab mir einfach angewöhnt,jedes Mal, wenn ich irgendwas mit einem normalen Teelicht geschenktbekomme die Hülse aufzubewahren. Ich habe inzwischen ein stattlichesSammelsurium an Hülsen. Es gibt aber auch sehr schöne Behältnisseaus Glas oder Ton zu kaufen.

Öl- und Bienenwachskerzen


Zum Stearin: in vielen Bio- und Esoterikläden gibt es die wunderschönen, gitterartig strukturierten Stearinkerzen. Ich vermute, das rührt aus der Zeit, in der die Biobranche vor allem nach Alternativen zum Erdöl suchte. Heutesollte man sich aber durchaus auch überlegen, ob man wirklich Kerzenauf Palmölbasis braucht.
Als weitere – wunderschöne –Alternative (sofern man nicht hardcore-vegan lebt) sind Kerzen aus Bienenwachs. Denn: sind wir uns nicht alle einig, dass Bienen wunderbare Geschöpfe sind, für deren Erhalt wir uns einsetzensollen und wollen? Support your local Imker. Natürlich ist so eine Bienenwachskerze auch wieder teurer als viele andere Kerzen. Aber sollte es uns das nicht Wert sein, ab und zu ein wenig Bewusstsein inunseren Umgang mit Licht zu bringen? Und so eine Bienenwachskerze zaubert nicht nur wunderbare Stimmung, sondern hat auch eine beruhigende Wirkung durch bestimmte Duftstoffe, die frei werden beim Verbrennen. Hab ich mal irgendwo gelesen.
Auch gibt es als weitere Alternative die Möglichkeit, Öllämpchen aufzustellen. Auf vielenWeihnachtsmärkten z. B. gibt es Stände mit getöpferten Öllämpchen.Oder man kauft oder bastelt sich Dochtschwimmer. Da kann man aus alten Gläsern wunderbare Lichter zaubern.
Ich denke, dass ein großer Teil unserer Probleme auf dieser Welt daher rührt, dass wir– und damit meine ich das kulturelle Kollektiv – vergessen haben,das Heilige in der Schöpfung und damit in der Materie zu sehen undauch in unserem Handeln zu ehren.
Gerne tun wir das abgespalten von unserem Alltag in Form von Ritualen oder auch mal in Form vom Kauf eines besonders schönen Edelsteins etc.
Aber meiner Ansicht nach sind es unsere alltäglichen Handlungen, die diese Wirklichkeitformen. Deshalb lasst uns doch ein kleines Licht anzünden in derdunklen Jahreszeit, und ein wenig Bewusstheit in unser Handelnbringen, was die Beleuchtung unserer Rituale und Zeremonien angeht.Vermutlich wird dadurch weder der brasilianische Regenwald geschützt noch der süße kleine Orang-Utan, der grade durch das Internet kursiert, weil das britische Fernsehen ihn verbannt hat. Aber wir bringen ein wenig bewusstes Handeln in diese Welt. Ein wenig Innehalten und ein wenig Nachdenken. Und vielleicht ein bisschen mehr Liebe und Respekt der Materie gegenüber, mit der wir uns täglich umgeben – und somit auch uns selbst.


“If we could change ourselves, the tendencies in the world would also change. As a manchanges his own nature, so does the attitude of the world changetowards him. … We need not wait to see what others do.” (Mahatma Gandhi)


Klarheit spielt den Schatten ins Gesicht

Ausstellungseröffnung: Lichte Momente im Stadthaus in Ulm


25 Jahre ist es nun her, dass das Stadthaus zu Ulm, ein moderner Bau, direkt neben dem erhabenen Alten Münster, eingeweiht werden konnte. Die Feier dessen, die mit einer kostenlosen Ausstellung bis 10.März 2019 und turnusmäßigen Tanzperformances weitergeführt wird begann mit einer ebensolchen.  In einer aufweckenden Melange aus Tanz und einprägsamem Spracheinsatz flutete die Strado Compagnia Danza, ganz in schwarz,  geleitet von Domenico Strazzieri das volle Stadthaus mit Licht, Form und Bewegung. Klares Signal, brachial enthüllt die Existenz von Transzendenz. Zum Ende der dynamisch-symbolträchtigen Performance erschien in einer verschleierten Säule ein Tänzer, im Blaulicht ästhetisch sich windend. Dann hielt Bürgermeister Czisch eine Rede. Das Stadthaus, geformt wie ein Schüssel, sei zum Unbehagen mancher Praktiker selber ein Kunstwerk. Und die Konzeption habe damals schon für Aufbruch und Weitblick gestanden. Es habe sich gegen Widerstände in einem offenen Diskurs in der Stadt durchsetzen müssen, und heute sei es selbst ein wichtiger Ort des Diskurses in Ulm und darauf sei er stolz. Ähnlich wie die umstrittene Wissenschaftsstadt sei das Stadthaus heute ein Erfolgsmodell und in einer Stadt mit so ausgeprägter Diskurskultur wie Ulm genau am rechten Platz, auch wenn dafür Parkplätze geopfert werden mussten, sagte Czisch selbstbewusst.Wie reimte Ken Wilber einmal über den Lauf seiner spirituell erweiterten Evolutionstheorie: “Transzendenz und Integration sind die zwei Beine der Evolution.”


Die Ausstellung: Zwischen Licht, Form und Landschaft


Auf der Suche nach meiner Partnerin erfasst mich die Berühungsmacht der Lichten Momente zuerst beim Aufgang in den dritten Stock. “Klares Signal brachial enthüllt die Existenz von Transzendenz.” Dieser Satz beschreibt passgenau was ich fühle  als sich mir im Treppenaufgang zuerst das schlanke Ulmer Münster durch die weigerahmten Scheiben Meter für Meter entblößt und dann im Raum ein Blitz die kolossale Aufrichtung des Baues im lichten Moment des Einschlagens in eine Palme abwärtsgerichtet spiegelt. Das ist vollendete um nicht zu sagen heilige Geometrie. Selbst der Name des Künstlers ,Julius von Bismarck, der das Objekt talking to thunder genannt hat passt. Und selbst die Methode: Er hat Blitze künstlich angezogen,was man seinem berühmten Namensvetter Otto von Bismarck auf politischer Ebene auch nach sagt. So zum Beispiel in der bewussten Brüskierung des französischen Königs in Vorbereitung der 1871er Operationen. Blickt man nach rechts eröffnet sich einem in einem anthraziten glänzenden Dreieck eine über einem gemusterten Steinboden schwebende Transzendenz symbolischer Natur. Wer Joga macht kennt das nach unten schauende Dreieck als die eine Hälfte des Symboles für das Herzchakra. Auch tritt es einem im Davidstern, der gelichzeitig für Mittelalterbegeisterte der Stern der Brauer ist entgegen. Diese leichtschwebende Figur, dann auch noch über einem Viereck und in der Örtlichkeit des Pantheon in Rom, des Tempels aller Götter,  wird Gedanke für Gedanke immer mehr zum Schwergewicht. Informiert man sich näher über den 2013 verstorbenen Künstler Klaus Heider der sie erschaffen hat, klärt sich vieles. Heider hatte in den 80er Jahren ein Stipendium in Rom und wollte ursprünglich eine  Dreieck in das Zentrum des Pantheon in Rom lasern. Leider wurde das Gebäude wegen Sicherheitsbedenken geschlossen und das unten stehende Dreieck ist die Vorarbeit, die auf den Kopf gestellt ist, weil der Laser unten positioniert so ansetzen musste.


Die zweite Lichtstudie spielt mit der Ähnlichkeit der Kuppel und ihrer Öffnung mit dem menschlichen Auge. Der Künster, der stets in Bereichen zwischen Wissenschaft und Kunst forschte ist ebenfalls im ersten Stock mit Lichtzeichnungen vertreten, die er damals erst nach dem Entwickeln des Filmes begutachten konnte, auch das sehr inspirierend und keineswegs veraltet in seinem pionierischen Charakter.

Vom Licht zur Landschaft zwischen Licht und Dunkel

Auf blickbannende und verweilen lassende Weise hat sich der Perkussionist Jürgen Grözinger mit einer Freundin zu Beginn des Jahres 2018 auf eine photographische Reise in das Island zwischen Dunkel und erstem Licht gemacht. Sowohl in Bildern als auch in Bilderreihen auf Monitoren zeigt sich der gewaltige Reiz zwischen Schneemassen, Sturm und unwirklichem Blau. Einen Weg Farbe, Form und Licht völlig zu verschmelzen zeigt rosalies Austellung “Mahler 8”, in der sie die Symphonie Gustav Mahlers in Lichtsäulen wiedergibt und die Menschen mit den Kopfhörern zu ausdrucksvollen Bewegungen anreizt. Die Installation wurde für die Aufführung des Werkes in der Hamburger Elbphilharmonie entworfen. Immer Donnerstags um 18.00  Uhr , 18.20, und 18.40 gibt es eine kostenlose Performance von  Domenico Strazzeri und seiner  Strado Compagna Danza, diesmal ist ein Lichtschlauch der Tanzort, dessen Licht-Schattenspiel sich durch das Tanzen intensiviert.Am 14. Dezember 2018 um 19 Uhr werden in die drei  abdunkelbaren Kabinettsräume des Stadthauses weitere Lichtobjekte einziehen, durch die Performance des Lichtschlauches von unten nach oben geleitet warten dort unter anderem der Round Rainbow von Olafur Eliason, die Soft-Volume-Körper von Rosalie aus Stuttgart und die Lichtprojektionen der Windows to go von Ulrich Vogel aus Berlin.

Austellungsführungen: Do. 28.12,18 Uhr / Do.21.02, 19 Uhr

Anmeldung: Tel. 0731/1617700 oder unter stadthaus@ulm.de

Weiteres: Stadthaus.ulm.de und/oder 0731/161 770

                                                  

Mozarts Requiem:Versuch einer gnostischen Interpretation

Ulmer Kantorei sang verstärkt in Unterelchingen

Das Requiem in D-Minor von Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart zu hören ist für den Klassikliebhaber an sich eine Wohltat. Die neue Ulmer Kantorin Ulrike Blessing sich damit in “ihrer” Barockkirche in Oberelchingen mit einer um 50 Sänger verstärkten Ulmer Kantorei einführen zu sehen ist eine Gnade. Lange hat deshalb der Artikel auf sich warten lassen. Er wählt eine gnostische Herangehensweise an das musikalische Geschehen des Requiems. Seit langen Jahren hat musikalisch eher spärlich gebildeten Autoren, die Sehnsucht welche das Requiem verströmt begleitet. Und in dieser Spannung zwischen Fühlen und verständlich machen beginnt auch die Beschäftigung mit dem Werk. Einer der großen Wahrnehmenden des 20. Jahrhunderts, Rudolf Steiner sagte einmal: “Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist zu schweigen”. Die Gnosis, also die Gotterkenntnis sucht die Sehnsucht nach dem Unsagbaren ebenso zu vermitteln, deshalb wähle ich sie als Herangehensweise. Mozart dessen voller Name Goldmund der mit dem Wolf kämpft Gottesfreund heißt, hat durch sein außerordentlich produktives Leben, aber auch durch seinen freiheitlichen Lebensstil und durch seine Mitgliedschaft in der Wiener Freimaurerei, aus der zum Beispiel die Freimaurerkantaten entstammen viele Menschen inspiriert. Mozart war, wie vorallem die Zauberflöte zeigt ein Meister der Intgeration von Einfachem und Hochkomplexen.

Gnosis als Herangehensweise

Durch sein tändelndes lustreiches Leben, hatte er viele Einblicke in das Leben der gewöhnlichen Leute. Mozart war kein Theoretiker sondern ein Macher mit einer feinen Nase. An der Grenze zur Romantik stehend schaut sein  Requiem auf die deutsche Requiemtradition zurück, wo das Requiem vorallem seit dem 15. Jahrhundert am Totensonntag nach römischer Liturgie aufgeführt wurde. Damit vereint er aber die österreichische, spätbarocke und frühklassiche Messenpraxis. Trotzdem sind die meisten Passagen des Requiems nicht von ihm selbst komponiert. Denn sein eigener Tod am 5.Dezember 1791 kam der Fertigstellung dazwischen. Deshalb heißt es auch Mozart habe die Auftragsarbeit für den Grafen Walsegg-Stuppach, im Wissen um seinen Gesundheitszustand für sich selber komponiert. 400 Leute sitzen in der prunkvollen mit weißem Marmor ausgekleideten Klosterkirche in Oberelchingen als das I.Introit, der Part der noch ganz vom Meister selbst komponiert wurde, anhebt.

Die schrecklichen ersten Schritte auf dem Weg zur ewigen Ruhe

Das kleine klassiche Orchester bestehend aus Hörnern, Posaunen, Klarinetten, Oboen, Pauken und Trompeten. Die vier Solisten und der 130 Menschen starke Chor schweigen zunächst in der Mehrzahl.Geigen und Oboen erzeugen jenes schaurige Schreite, welches zunächst ohne prätentiöse Auftakte und Brüche einzigartig leise bleibt.  Dann erst kündigen vier Trompetenstöße, von Geigenzügen beantwortet den Chor an. Die Bässe und Soprane singen nun die gnostische Kernbotschaft des Requiems. Bässe: “Requiem aeternam dona eis, domine”  und hernach die Soprane: “Et lux perpetua luceat eis.” Was Mozart der Überlieferung nach noch war, war ein gottesfürchtiger Christ, und verlässt man sich nicht auf die Intuition beim Hören, so darf man ihm trotz Geldnot, doch unterstellen, dass er das Requiem gefühlt hat.

“Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,

und ewiges Licht leuchte ihnen”,

bedeutet dieser lateinische Wechselgesang zwischen Männern und Frauen.

Vom Standpunkt der Gnosis aus ist die Seele unsterblich, wenn man sie, ebenfalls gnostisch, als den Resonanzkörper der Musik ansieht, so muss der Verstorbene wie der trauende Zuhörer sich von seinem Körperverstand  lösen um die Seele nach dem Versterben des Körpers zu befreien. Wie der Strudel der Läuterungen gestuft hinabsteigt, ertönt das exaudi, exaudi orationem meam. Erhöre mein Gebet, ertönt es wie eine verzweifelte Ausrufung, die immer wieder von Schmerz und Schluchzen unterbrochen wird. Nach dem eindringlichen Flehen des Chores im II.Kyrie nahm einen der Chor noch wieter mit zum Abstieg in die Sphären der Läuterung. Es begann im Allegro der Dies Irea, der Tag des Zornes, der die Welt in Asche verwandelt. Gott der Ursprung der Seele und Inbegriff der Grundgesetze des Kosmos erscheint nun um zu richten. Im Tuba Mirum, der wundertönenden Posaune klingt etwa von der größe und Veränderungsfähigkeit Gottes an unter dem Marienbild mit der Überschrift: Deo Matri que virgini. Gottes Mutter und Jungfrau gaben sich die tiefen Solisten  ohne Sopran ein erstes wohlklingendes Stelldichein um ihre Angst vor den Aufzeichnungen Gottes kund zu tun. Das dreimalige Ehrfurcht gebietende einleitende Rex des Chores beim Rex Tremendae weißt darauf hin das der Urquell der Schrecken zugleich Urquell der Gnade ist.Das Recordare eröffnen I-chiao Shih, die Mezzosopranistin aus Taiwan und Markus Francke der Tenor aus Freiburg gemeinsam mit einer Bitte das Jesus ihnen gedenken solle.Dann tritt die bezaubernde  Sopran-Solistin Maria Rosendorfsky, die schon an der Wiener Staatsoper gesungen hat auf. Sie bittet, noch unsicher was vor dem Ratschluss Gottes bestehen kann, “lass mich jetzt nicht untergehn.Jesus ist gnostisch die Erkenntnis des Gesetzes der Liebe.

 Andante geht es nun weiter mit dem Sanctus, wo der Chor seine Stärke ganz in seinem Osanna in excelsis ertönen lassen kann. Nach den drei Sanctus, fließen die angefochtenen und doch schon bestärkten Stoßgebete wie warmes Gold nach unten.Nach dem schon recht  harmonischen und geläuterten Hossana in der Höhe von Chor und Solisten im Benedictus folgte nun der Höhepunkt des Agnus Dei. Eine stetige und bestimmte Ordnung ging dabei stets vom Dirigat Ulrike Blessings aus. Der siebte Teil steht für Jesus als denjenigen der in der Welt von der Dreieinigkeit Gottes in Wille, Weisheit und Liebe Zeugnis gibt Agnus Dei das Lamm Gottes. Das von dem Assistenten des Goldmund Gottesfreund Mozart namens Süßmayr fertig komponierte Requiem endet wie es begonnen hat mit dem ewigen Licht. Nur noch erweitert um die Heiligen, die im Prozess der Läuterung des Geistes, ob in Leben oder dem Grenzland des Todes, zu Gott zurück gekommen sind und zu seiner Schau, so wie Shakespeare Lorenzo in seinem Kaufmann von Venedig seiner Geliebten sagen lässt:

“Komm, Jessica, sie wie die Himmelflur ist eingelegt mit Scheiben lichten Goldes! Auch nicht der kleinste Kreis, den du da siehst, der nicht vibrierend wie ein Engel singt zum Chor der hellgeagten Cherubim. Solch´ Harmonie lebt in der Seel´unsterblich! Nur wir(weil dieses alte Kleid von Staub uns grob umhüllt), wir können sie nicht hören.”

Die Sehnsucht welche das Requiem, auch wenn ich sie musikalisch nicht auszudrücken vermag liegt in diesen Wünschen von Chor und Sopran:

Ewiges Licht leuchte ihnen, Herr, mit deinen Heiligen in Ewigkeit, denn

du bist gut.

Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,

und ewiges Licht leuchte ihnen,

meit deinen Heiligen in Ewigkeit,

denn du bist gut.


Nix als Rattlesnake

Halb Rock halb Hippi Ganz da

Die blaubeurer Lokalhelden  von Rattlesnake Ende 2018 das erste Mal zu sehen und das als ehemaliger Lokalreporter ist vielleicht nicht gern gesehen. Dem mindestens ebenso verdienten fröhlichen Nix-Wirt nach einem wegen eines verlorenen Autoschlüssels abgesagten Auftritts ins Auge zu sehen gestaltet sich auch als schwierig. Danach, spätestens bei “Shakin´ Hands with Holy Ghost” von Blackberry Smoke” tritt die Musik und die Atmo im kleinen aber seelenduftgeschwängerten Nix langsam und noch etwas unsicher in den Vordergrund. Sänger Achim hat  “Smoke” in der Stimme und performed in wilden Bühneninteraktionen mit dem den langhaarigen Songstiftern der Black Crows frisurtechnisch aus dem Gesicht geschnittenen Perkussionisten Hasi. Die Kleinkunstkneipe ist gesteckt voll, die meisten Haare sind grau in den hinteren Reihen tummeln sich aber auch Joungsters. Vor zwanzig Jahren haben die sieben Schwaben sich aus Freundeskreisen in Ulm und Blaubeuren gegründet. Seit sie seit vier Jahren auf der gr0ßen Sommerbühne am Blautopf spielen sind sie zu zehnt.Die drei Sängerinnen Leonie, Derya und Nora sind dazugekommen.

10 Schwaben für ein Blues-Rock-Brett

14 Lieder spielen die Jungs allein in der ersten Hälfte und langsam werden Nix und Sound wie Hülle und Inhalt, es herrscht Harmonie beflügelt von Extase. Als sich bei Alberta, nochmals der fretless Bass von Reinhard, der seiner Meinung nach dem Kontrabass im Klang am nächsten kommt, in Szene setzen kann, naht schon die Pause. Als der alte Bluessong zum Schluss erklingt sind alle froh, manche durstig und hungrig.  Nach der Pause eröffnen die Jungs mit “Like a rolling stone” vom Altmeister Bob Dylan, jetzt lösen sie sich etwas vom Südstaatengenre. “Wir sind halb Hippies halb Rocker und halten wenig von der conferderation Flag”, meint Reinhard in der Pause. “Wir orientieren uns am ursprünglichen Amerikanischen, wo jeder sagen kann was er fühlt und für richtig hält, weniger am Aufrechterhalten alter Traditionen, wie Kid Rock, der als Südstaatenrocker Trump unterstützt”, so Reinhard aus Blaubeuren. Bei “Thorn in my Pride” von Blackberry smoke war einer der Momente in denen sich der Gesang der frei Sängerinnen im Wechsel mit Achim entfalten konnte. “The angels, the devils, the thorn in my pride.”Auf der Zielgerade rackerten Wolfi auf der Rhythmus-Gitarre und Dirk auf der Open-Tuning-Akkustikgittare noch mal richtig “Brown Sugar” und “Gimmy Shelter” von den Rolling Stones erklangen von der Menge gefeiert. Eine Erkenntnis aus der Mucke die zwischen Sonnenfeeling und Wüste oszillierte hätte man ziehen können. Männer sehnen sich nicht nur nach  ehemals gefährlichen Steaks und fremden Stuten. Das letzte Lied von den “Rolling Stones” gab trotz des anderslautenden Titels “You can´t always get what you want”ein anderes Votum ab. “Du bekommst was du brauchst.” Nix als Rattlesnake.