Man muss das Eigene so gut lernen wie das Fremde

Thea Dorn sprach in der Ulmer Stadtbibliothek über aufgeklärten Patriotismus und Europa

200 Gäste hatten sich im Erdgeschoss der Stadtbücherei Ulm eingefunden als Thea Dorn, in einem Gespräch mit der Dramaturgin Nilufar K. Münzing, über aufgeklärten Patriotismus, ihre Auffassung von Heimat und ihre Ansichten zu Europa zur Sprachen kam.Das Gespräch mit der renommierten Schriftstellerin aus Hessen, sollte laut der einführenden Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann, einen Denkanstoß für das „Internationale Fest“ am 4.05. in Ulm geben. Ulm sei eine internationale Stadt, in der es einerseits selbstverständlich sei, dass 140 Nationen relativ friedlich zusammenlebten. Andererseits sei diese Vielfalt manchmal auch eine Herausforderung, die uns zwinge uns mit unserem Eigenen zu beschäftigen. „Wie viel Stolz auf Deutschland darf sein“, fragte die Kulturbürgermeisterin? Und wieviel müsse sogar sein um selbstbewusst auf Andere zugehen zu können? In den letzten Jahren sei eine Verunsicherung bei den Deutschen Intellektuellen zu spüren gewesen, da immer wieder Äußerungen aus deren Reihen laut wurden, die nicht ins alte Bild passten.

Deutsch nicht dumpf

Thea Dorn die mit Belletristik in den 90er Jahren ihre ersten Romanerfolge feierte und laut eigener Aussage eine starke „Anhänglichkeit an die Deutsche Kultur“ hat, ist da vielleicht eine gute Ratgeberin. Gerade nach dem großen Buch von 2011 „Die deutsche Seele“ und dem 2018 veröffentlichten „Deutsch, nicht dumpf. “Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“, in denen sich diese Eigenschaft noch mehr niederschlägt. Mann charakterisierte die Offenbacherin die in Berlin lebt gar als „Intellektuelle im descartschen Sinne, die es verstehe, Impulse zu geben ohne sich von einer Seite vereinnahmen zu lassen. Patriotismus: Vieles ist nachvollziehbar, nicht aber sich auf Trumps Seite zu schlagenIm Gespräch mit der auf reizende Weise Intelligenz und äußere Schönheit auf sich vereinenden Nilufer Münzing, bekam zunächst die Zeitwahrnehmung Dorns viel Raum. 2011 als sie mit dem Buch „Die Deutsche Seele“ in dem sie „liebevoll kritisch“ in Begriffen wie „Abendbrot“, „Wanderlust“, „Abgrund“ und „Zerrissenheit“ der deutschen Seele nachspürt, unterwegs war, hat sie die Stimmung in Deutschland noch anders wahrgenommen. Sie macht es daran fest, dass damals noch keine Partei im Parlament saß, welche den Begriff deutsch auf dumpfe Weise im Munde führte. Sie will auch nicht in den Diskurs „Ich darf jetzt endlich wieder deutsch sein“ einstimmen. Vielmehr springt hier ihr leidenschaftlicher Verstand an. Es gebe im Allgemeinen zwei Lager: Erstens die Kosmopoliten, die international vernetzt seien und auf den Begriff Patriotismus allergisch reagierten. Zweitens seien da die Nationalisten, die ihren Fokus primär nicht auf ihre Anhänglichkeit an das Liebenswerte am eigene Land setzten, sondern auf das was nicht dazu gehöre. „Ich habe einen breitgefächerten Freundeskreis, von ziemlich weit links und ebenso rechts in Berlin“, eröffnet die jung gebliebene 49 Jährige. Wegen Abdriften nach Rechts seien auch dort wie in den USA Freundschaften zerbrochen.Nach ihrem Amerikaurlaub, hätten Freunde in Deutschland zu ihr gemeint: „Hauptsache der Linksliberale Mainstream hat einen auf den Deckel bekommen.“ Vieles könne sie nachvollziehen, nicht aber sich auf die Seite Trumps zu schlagen.

Europa als Ort des gemeinsamen Besten?

Mit dem Goethefreund Johann Gottfried Herder, der sich mit dem Dichterfürsten verstritt, auch weil Herder die Französische Revolution 1776 gut hieß, erklärt Thea Dorn ihre Haltung zur Nation. Der sagte auf die Frage „Was ist eine Nation“: „Ein großer ungejäteter Garten voll Kraut und Unkraut.“ Hier seien „Vortrefflichkeiten“, „Fehler“ und Tugenden so unübersichtlich versammelt, das man nicht im Namen einer Nation das Schwert gegen eine andere erheben könne. Und gerade diese „Zerrissenheit“, auch ein deutsches Wort dem sie auf der Suche nach der Seele dieser Nation nachgeht, sei für die mit das spannendste an dieser Nation. Auch sei ihr Europa, als Ausgangspunkt des Kolonialismus, als der Ort so lieb, an dem das Abenteuer der Individualisierung begonnen habe. Herder bringt in seinem Zitat Menschen, Geschlechter und Nationen zusammen, wenn es darum ginge zu lernen, dass keines das allein auserwählte Volk sei, sondern alle in mannigfacher Verschiedenheit am Garten des „gemeinsamen Besten“ bauen müssten. In der Jugend galt es auch bei Dorn als Kosmopolit, „alles Allgemeine abzustoßen“, nun fragt sie sich nach der Rolle der Kultur aus der sie kommt und kann bei Lesungen mit Wanderschuhen dabei kleinen Käfern im deutschen Hinterland genauso viel abgewinnen wie Metropolen wo der ICE hält. Das globale Ich ohne Prägungen sei eine Lüge. Und „digital native“ Jugendlichen, die kaum noch deutsch könnten, seien kein Modell sondern ein Problem. Klar finde sie gut das jetzt endlich gegen arabische Clans in ihrer Wahlheimat Berlin vorgegangen werde. Das sei für sie Ausdruck einer selbstbewussten freiheitlichen Demokratie. Sie spräche 3 Sprachen ordentlich und könne sich schon als Europäer ansehen. Wenn Jugendliche drei Sprachen sprächen, aber richtig, dafür aber den ganzen Tag Bildchen wischend im Wohnzimmer säßen, sei das ein weiteres Problem. Man müsse gesellschaftlich auch die Frage stellen was mehrere Herkünfte ausmachten.

Das Grundgesetz als Wahlheimat?

Was den Begriff Heimat betrifft, so möge sie den Begriff Wahlheimat. Wenn es um Heimat gehe, sagten 80% etwas über Essen, dann folgten Gerüche und Lieder, bei denen das Gefühl von Heimat aufkäme. Sie sei in der Jugend 10 Jahre lang immer mit ihren Eltern in die Brittannie gefahren, der Begriff Heimat habe als auch eine Schicksalskomponente. Heimat habe etwas mit Sicherheit und Geborgenheit zu tun. Herder habe gesagt: „Heimat ist dort wo ich mich nicht erklären muss.“Hier müsse man sich nicht dafür entschuldigen wie man ist. Deshalb möchten, so viele Berlin als Wahlheimat. Weil man hier anders als manchmal im Herkunftsort, sich nicht dauernd rechtfertigen müsse.Wenn Heimat so etwas wäre, wie eine verlorene wahre Kindheit, was wäre dann ein Heimatministerium, etwa ein Ministerium für die wahre Kindheit? Alle lachten. Vielleicht birgt das dornsche Gespäch mit Marc Jongen, ein philosophischer Schüler Peter Sloterdijk´s und kulurpolitischer Sprecher der AFD im Bundestag, das ihr zu Folge bald im Deutschlandfunk ausgestrahlt werden soll, dahingehend mehr Aufklärungspotential? Wenn Deutschland politische originell wird, dann geht immer viel zu Bruch, meint die Publizistin, die sich nach dem Mitbegründer der Kritischen Theoretie Theodor Wiesengrund Adorno benannt hat. Kulturpatriotismus und das habe sie auch in dem Gespräch mit Jongen erfahren, diene oft zunächst als Grundlage für die Ausgrenzung Anderer. Als sie eine Dokumentation über einen Syrer der Förster wird, ganz ohne die Waldmetapher in der deutschen Literatur, gesehen habe, habe sie das berührt. Wer sage, da stimme etwas nicht, sei kein Patriot sondern ein Rassist. Im herderschen Sinne, sei das Deutsche Grundgesetz eine Heimat angeleitet von einer Leitzivilität, die als Konsequenz der Hybris einzelner Nationen als auserwählter Völker entstanden sei. An ihre äußerst anregende kurze Lesung aus „Deutsch nicht dumpf“ wo sie einen Europafreund und einen Europagegner disputieren lässt schließt sie philosophische Erwägungen an. Am Grunde der Europäischen Geschichte stünden Sätze wie die des dunklen Heraklit: „Der Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“ Oder „Der Krieg ist Vater von Allen, König von Allen.“ Auch stünden zwei widerstrebende Pole der vom „Vordenker“ und Feuerräuber Prometheus und der des gottergebenen Märtyrers Jesus am Ursprung der europäischen Zivilisation. Die östliche Kultur fände in ihrem Jin- Jang-Symbol einen höheren ausgleichenden Pol. Europa ob Individualisierung ob gewaltsame Inbesitznahme der Welt, halte den Widerstreit aus.

Die europäische Kultur: Grundlage Freiheiten zu teilen

In China sehe man gerade wo westliche Datentechnologien ohne den Geist der Aufklärung und kritische Individuen hinführten. Was Big Data betreffe gehe es nicht, dass Künstliche Intelligenzen Schlüsse zögen,die Menschen aufgrund von unermesslichen Datenmengen als Grundlage nicht mehr nachvollziehen können. Bildung sei wichtiger denn je. Denn heute drohen die Menschen durch die Annäherung an Algorithmen mehr und mehr technikgetrieben zu werden.Der europäische Kerngedanke sei jedoch, dass man durch Bildung zu einem verantwortungsfähigen Menschen werden könne. Identitätspolitische Gemeinschaften neigten zur Homogenisierung. Der deutsche Kräutergarten und seine Zerrissenheit in Ähnlichkeit,sei ein gutes Beispiel. Wie man von der Gemeinschaft wieder zur Gesellschaft kommen könne. Wanderstiefel und der Besuch kleiner Käfer mit kulturell Verbindendem im Gepäck seien dabei das dornsche Mittel. Kulturkenntnis und Kulturschutz seien dabei zwei verschiedene Paar Stiefel. Denn wie sagte laut Dorn schön Friedrich Hölderlin: „Man muss das Eigene so gut lernen wie das Fremde.“

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Bald Gartenstammtisch im Quartiersgarten im Dichterviertel

Schon Anfang April eröffneten einige Gärtner und Gärtnerinnen im Quartiersgarten, neben dem Böblingerturm in der Böblingerstraße in Ulm, die Gartensaison. Als die vier Gärtner zu Gange waren und ein junges Pärchen hinzukam, welches ein neues Beet anlegen wollte, entstanden botanische Erkenntnisprozesse. Ein vermehrungskräftiges Wildkraut, das früher landläufig unter dem Begriff Unkraut rubriziert worden wäre, wurde rehabilitiert. Spätestens als es seine besondere Kressenote im Mund entfaltete wurde der Einwanderer Gartenschaumkraut wertgeschätzt. Ein reicher Tisch mit Tees ,in der noch beträchtlich kalten Zeit, gab dem Ort, ,der von Bäumen und Blumen vor den Geräuschen der B10, nähe Hindenburgring geschützt ist, seine letzte Wohnlichkeit. Nach dem Frühstück bewaffnete man sich mit Gartenkrallen, Gartenkellen und Schubkarren um die Bedingungen für das Ernte- und Blütejahr 2019 im Quartiersgarten zu schaffen. Riesige Regenwürmer im neuen Beet kündeten von einem guten Boden. Hier wird Kompost durch das Aufeinanderschichten von Blättern, Küchenabfällen und erst zum Schluss Erde -in den Beeten selbst- langsam und nachhaltig hergestellt.Ein weiteres Aufgabenfeld, erhab sich also in dem Anheben der Erdhöhe einiger der Beete des Quartiersgarten´s, der ein “Garten für alle” sein will, die sich letztes Jahr um 30 Zentimeter abgesetzt hatte. Ein Mann kam Mittags beim gemeinsamen Mittagessen vorbei und interessierte sich.Er hat Glück am Donnerstag den 25.04. um 19.00 Uhr wird der Gartenstammtisch, der bisher immer im Cafe´ Blau stattfand, erstmals im Garten stattfinden.

Links:

https://www.quartiersgarten-dichterviertel-ulm.de/

Gemeinsame Ulmtriebe:

Circa 1500 Leute beim Flohmarkt im Gleis 44

Bestes Wetter, bunte Menschenbäche strömen in den Innenhof des Überraschungsraumes des Flohmarktes des Gleises 44. An Großmutter erinnerndes Nähwerk mit Inhalten mit klarer Kante von du bist so heiß, bis gegen Nazis sticht als erstes samt der Verkäuferin ins Auge. Der gestern noch leere Innenhof ist immer noch geräumig gesäumt von einem Cafe einer Creperie, einem Steakhaus, die alle mobil sind. In einer leuchtenden Menschendolde glänzt Jonathan von gestern hervor. „Wenig Kosten um die 1500 Menschen im Durchlauf“ meint er freudig, „da schaut für unsere weitere Arbeit was raus.“ Kreativ und anspielungsreich ist die Dinosaurierschießbude, die sowohl Kinder als auch Erwachsene zur Armbrust greifen lässt. Eine Gute Mischung aus kulinarischem, Plätzen zum Verweilen und Waren bietet sich dem Flaneur wie eine orientalische Uferpromenade an.

Warenfetisch mal anders

Drinnen oben blitzen einen Waren an, die neben mayoritären dem Geld-Ware-mehr Geld-Spiel ein „Alles was du siehst gehört dir“ eröffnen. Freude über die Früchte gemeinsamer Arbeit strahlt aus den Augen der Helfer. Noch frischere Freude aus den Augen des Ulmer Imkers Tobias Neukamm als er die süße antiseptische Frucht der lokalen Mensch-Natur-Kooperation in die Hände einer Käuferin drückt. Wir sprechen über Nektar für Schmetterlinge, den der Windbestäuber Mais nicht bringt. Über die Lobby der Bienen und über Sinn und Zweck von gärender Biomasse für das terrestrische Energiesystem.Der Raum atmet süße Subversion, ethisch Ironie und die gelassene Entschlossenheit von handlungsfähigen Mitwissern der erforderlichen Schritte in diesem Abschnitt der Weltgeschichte in der Schillerstraße 44 . Hinter einem Stand gegenüber lugt eine schwarzgekleidete junge Frau hinter dem goldenem Brillenrahmen hervor. Sie sieht aus als ob sie in Tokio, Prag und Berlin Philosophie und Kunst studieren würde. Unter ihr ein Schild: schwarz auf grün. Detox your soul. Auch für Flohmarkt im Gleis,erfahre ich, von einer älteren Frau musste man sich bewerben um einen Standplatz zu bekommen. Ich falle aus der Rolle des souveränen Beobachters als ich das erotische Objekt des Gürtels aus Fahrradschlauch anprobiere.

Vielleicht sollte ich es zunächst schaffen weitere Löcher in meine vorhandenen Ledergürtel zu stanzen.Die Ware schillert zwar und jenseits ihrer Grillen weißt sie in meine Zukunft: Werde praktisch.

Entgiftungspoesie auf indische Arbeit geschrieben

Nach dem ich meine sieben bis siebenundzwanzig Sachen wieder zusammen habe gehe ich zu der feinen Verkäuferin. Sie stellt sich als Michelle aus Biberach vor. Sie verkauft Fairtrade-T-Shirts aus Indien mit ihren Logos und Botschaften unter dem Label „Instable Fairies.“Gruselige Gesichter verbunden mit Entgiftungspoesie. Silas ihr Fahrer hat eine Botschaft verfasst:

„Es gibt keinen Weg zurück in den Schlaf mehr

Und nichts bleibt mir übrig als das Wach-Sein

lieben zu lernen“

Der Preis und die Herkunft der Shirt´s, sowie das Gehen der liebgewonnen beiden zeigen mir direktwie wahr der Spruch ist. Ich gehe raus und sammle mich in einem hoffentlich ausreichenden Abstand zur Feuerschale. Gesunde junge Körper fangen an sich zu berühren und zu küssen. Ukrainische Computer Science-Studenten tanzen in der Stille ums Feuer. Einer kommt zu mir her und meint: „Your head highlights your personality, he say´s what you should be.“Als ich meine Sachen weggebracht habe spüre ich meinen Körper schwer und doch lustvoll, die Türe ist schon gesäumt von Türstehern, ich fühle mich einsam ohne Geld und Spiel und Hut, gemeinsam.

Links: Instable Fairies faire sinnvolle Kleidung

Instagram: Instable Fairies

Kontakt: michelle.roehl@web.de

Honig aus Ulm:

Tobias Neukamm

Konatkt: Info@ulmerhonig.de

Harrycane Orchestra im Einstein Haus zu Ulm

6 Augsburger vermählen Orient und Okzident auf dem Weg zum Weltfrieden

Im Club Orange im Ulmer Einsteinhaus, zu arabisch Club bourdougal, fand das lange angebahnte erste Konzert von Harrycane Orchestra, der sechsköpfigen türkisch-deutschen Band aus Augsburg, am Freitagabend statt. Der Ulmer Verein für Kunst- und Kulturveranstaltungen „Kunstwerk e.V“, so sollte sich in dem Konzert beweisen hatte wieder einmal einen musikalischen Edelstein nach Ulm gebracht. Harry Alt, der die meisten Lieder der Band komponiert, hat durch die Begegnung mit dem blumig strahlenden türkischstämmigen Oberpfälzer Sänger Tarkan Yesil sein Talent Kompositionen mit viel Raum für Improvisationen zu schneidern mit der Tradition der klassischen arabischen Musik veredeln können. Die bis ins achte Jahrhundert nach Christus reichende Tradition der herausragenden Rolle von Gesang und Rhythmik in der arabischen Musik wurde in dem Konzert durch die fremdartige Eintönigkeit arabischer Flötenmusik gekrönt und mit Arabesken wie herausragenden Jazz-Solo´s beispielsweise am Tenor-Sax verziert. Die türkische Laute, die Cümbüc von Joe Ayküt macht mit einem kunstvollen Solo den Anfang, dann setzen Schlagzeug(Alt) und die arabische Riq von Yesil ein. Spätestens als Yesil seinen Sternengesang anstimmt möchte sich der Körper unwillkürlich in die altorientalische Klanglandschaft hinein drehen. Mystisch prangen 3 arabische Schriftzeichen(Harf) auf dem mit Ziegenfell bespannten Fell der Riq. TAM, heißt das Instrument vielleicht tam? Nein, meint der Spieler. Aber Tam, das unter Trommlern ja international ist(Tam Tam machen) scheint das altorientalische Pendant zum englischen Tab zu sein. Bei Rainbows, einem Lied von der letzten Platte der Band namens Phosporus hat das Instrument als Repräsentant der Regentropfen einen weiteren prägnanten Auftritt. So reich wie ein ganzes Drumset, sei das Ausdrucksspektrum für den gut behuften Riq-Spieler und so ist das Lieblingslied des passioniert drummenden Komponisten des Liedes auch ein Beispiel für die rhythmusgetragene Wurzel der Musik mit der die Band räsoniert und das Publikum so sichtlich berührt.

Vom Berg-Bewusstsein bewegt im Wunderland

Einen erfrischenden Schucker Humor goss Alt aus seinem gut behüteten Charakterkopf, in die Ansagen. Pris, sage man auf russisch, wenn man die Katze vom Tisch haben wolle, so der Komponist und Schlagzeuger.Das russische Lied hörte sich sehr viel jazziger an, uferte gar in eine pianistische Entgleisung von David Kremer aus. Auf dem stämmig starken Rhythmus von Schlagzeug und dem exakten und lauten Zupfwerk von Giuseppe Puzzo feierte der „Fantastmus“ fröhliche Urstände.

Solch eine Verausgabung endete realistisch im Zusammenbruch. Daraus erstand, wie Sandelholzduft von Moschus geschwängert, das indische Harmonium, welches übrigens trotz aller Pentatonik vom westlichen Harmonium(damals als Werkzeug christlicher Mission) abstammt.Daraus entspann sich nun ein vormusikalischer, mal rufender, mal tastender mal Rhythmus aufnehmender Klangraum. Eine psychedelisch verschwommene Introspektion nach dem Scheitern des manischen Steigerungsspiels. Das Saxophon entwirrte, die verhedderten Fäden mit seinem einfühlsamen Spiel, bis die Nebelwände sich gen Ende des Katzenjammers zu Gunsten hellblauer Aussichten lichteten. In einer Sequenz umwerfender Lieder erweckte Wonderlanddie größten Bilder. Das Harmonium durchtönt von einem ursprünglichen vokalischen Gesang Yesils, versetze den mit geschlossenen Augen Sehenden in einen Morgen an dem man den ersten Blick aus dem Zelt auf einem Berge tut und von Staunen erfasst wird. Alleinsein ganz Raum für die kühne Schönheit der jungfräulichen Bergwelt.

Ost und West:Zusammenfließen für die Freiheit

Atmen, mit jedem Atem lachender überfließender werden. Aufstehen müssen, wie Nietzsche´s Altorientale Zarathustra, der nach 30 Jahren genossener Einsamkeit hinunter gehen muss. So floss man mit Yesils bewegendem Gesang zusammen hinunter in lustwandlerischer Manier. Diese Menschen müssen es sein, dachte man da als man vom Gesang eingenommen seine warmen braunen Augen zwischen den herzigen Wangenknochen hervorleuchten so, solche müssen es sein, die das Licht bringen, dass nicht blendet sondern nährt.Diese inkorporierte Freiheit, könnte doch Mississippi und Euphrat, Ostwind und Westwind wie Musik zusammenfließen lassen in ein wahres Wunderland, wie arabisch-okzidentale Musik von deutscher Hand komponiert und türkischer Stimme beseelt. In dem einzigen Cover des Abends dem linken türkischen Freiheitslied „Uzun Ince“ zeigte sich das die sechs lieben „Schwaben“(Schwaben ist groß) aus Augsburg auch selber so ähnlich dachten. Der „enge lange Weg mit zwei Türen“ ist nunmal zu durchmessen um sich für den „Weltfrieden mit Musik hergestellt“ zu adeln. Denn die Vision des Orchesters, so sagte der etwas kontraintuitiv urbayrisch sprechende Sänger Tarkan Yesil sei „eine liebevolle kosmische Synthese der Kulturen.“ Wer so weit kommen will braucht kraftvolle Gefährten und so besang der oberpfälzer Kulturverschmelzer gen Ende vermehrt Raumsonden, wie die Voyager 1 . Der Song an die Einsamkeit der „Voyager 1“, die abermilliarden Kilometer entfernt von der bergenden Erde durch den kalten und leeren Kosmos fliegt, sei als Schlussstein des Berichtes dokumentiert. Den Weg der Sonde, die schon seit Anfang der 80er Jahre auf ihrer Mission der Erkundung unentdeckter Teile des Weltraumes begann mit einem ewig bewegenden Vibrato auf Yesils Stimmbändern und synthetisch erzeugten Klängen.Auch die Dimension das große Werke der Menschheit in dieser Sonde auf Anschauung außermenschlicher Augen harren transzendierte noch einmal den kommunikativen Willen der Jungs sich selber auf das Andere hin zu überschreiten. Die Berge, hier die Ideale, machen einsam, doch die geben uns die Kraft der menschlichen Möglichkeit einen Körper wachsen zu lassen. Die Menschheit in der Kulturen, laut Yesil „sehr wohl harmonisch zusammenleben können. Kay Fischer, der rastafizierte Saxophonist und Flötist steht zu einem orgiastischen Schlusssolo auf und der Club bourdougal steht Kopf.Man übe sich in Ursprüngen…

Links:

Harrycane FB: https://www.facebook.com/rockyoulikeaharrycane/

weitere Veranstaltungen von Kunstwerk:

2.05.2019 “Seltsam im Nebel zu wandern”, Roxy Ulm, Schillerstraße 1,Tanz-und Medienperformance vin Kurt Theinert mit der Tänzerin Kathrin Knöpfle

03.05 Obradovic kroatisch-französische Musik im Einstein Haus Ulm, Kornhausplatz 5

Kunstwerk: http://www.kunstwerk-ulm.de


Gleis 44 unter Palme: Flohmarkt am Samstag

Im und um das Gleis 44 in der Schillerstraße 44 im Ulmer Dichterviertel gibt es am Samstag den 30.03 ab 16 Uhr einen Flohmarkt. Es wird, laut Jakob vom Orgateam, draußen lecker Essen vom Foodtruck der Illerbuben, sowie einen Crepestand geben. Für eine vielfältige Palette an Getränke ist wie immer ebenfalls gesorgt. Um die werdende Palme, welche den Biergarten zentriert, wird es einen Stand der Ulmer Buchhandlung Aegis geben. Dort wird der DJ “Blumenpanzer”, der für den Sound auf dem Flohmarkt sorgen wird, am elften April auflegen. Der nachhaltige Ulmer Modeladen “Fischerin´s Kleid” wird die Besucher mit Kleidern aus eigener Kreation und Fertigung beglücken. Auch die zum Gleis 44 gehörige Surfwerkstatt wird sich zur Feier des Flohmarktes nach außen stülpen und einen Surf- und Skatebrettermarkt auf die Beine stellen. Drinnen im Raucherraum wird Vibes.de, das Jugendmagazin der Südwestpresse, Bierpong mit attraktiven und flüssigen Preisen ausrichten. Ebenfalls drinnen launcht sich die Ausstellung “Space-Race” ab 18.00 Uhr. Dahinter verbirgt sich eine Reise per Joystick durch die Geschichte der Raumfahrt, bei der am Ende jeder für Amerika oder Russland votieren darf. Konzept und Umsetzung stammen vom 2.Semester der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Wer sich auf Location und Leute eingeschwungen hat kann, laut Jakob, den um 22.00 Uhr endenden Flohmarkt gerne auch zu feinstem Techno vom “Kollektiv Schillerstraße” drinnen bis 5 Uhr morgens ausklingen lassen. Wenn das mal kein Frühlink ist.

Schiffart

Ich bin dicht um auszulaufen

Bin offen um weiter zu wehn

Bin eine Stufe im Meer das die Wellen

sich an mir selbst erkennen im zerschellen

Und auch die Welle die mich hebt

weiß in mir schon das sie nicht überlebt

ich muss manchmal so tun als ob ich etwas wär

doch das Meer ist einfach so viel mehr

(Farounfirewater,26.03.19)

Wellenherz

Zerbrochene Seele mit Leimspuren

Gebrochene Geilheit auf Schleimspuren

Freibaderlebnisrutsche im Businessanzug

Du fühlst dich schuldig als alter abgefahrener Zug

der leise auf die lebendigen Gleise lugt.

Wellenherz kennt keine Grenzen nur Frequenzen

kennt keine Zeiten, springt in die Fluten

die wässrigen Weiten…

Wellenherz schlägt frei und empfänglich

für schwungvolle Koinzidenz

Wellenherz im Lenz fliegt mit dem

Zitronenfalter der einzig und alleine das Spielfeld bekränzt
(Daniel Baz, 2018)