2 Jahre Trump

Vor zwei Jahren als der Rabe noch im Ei war und ich, als hatespeachverweigender Regenbogenbauer, von der Kunde über den neuen mächtigsten Mann der Welt, gestreift, erschien dieses Gedicht im Facebook, Facebook hat mir nahe gelegt es heute wieder erscheinen zu lassen;-)


Ein Weg

Wer ist es auf den Ladenhüter und Scharfschützen schimpfen?Wer, der verunglimpfend uns versucht zu verunglimpfen?

Wer ist der kesse Wahrheitsfreund, der unabstrakte real estate?

Wer ist es, der heiß wie seine Tochter ist, fast wie im Film, wie Donald?

Wer ist heiß wie Luft und heißt wie der englische Anfang von Trompete?

Who is it making the state with real estate?

Wer macht aus Clintons Zigarre eine Air Force One , sag wer trifft- wie einstudiert -immer den richtig falschen Ton?

Wer baut die Mauer für die Kukarachas, say who likes what is real?

Wer ist der gut behütete Hirte der Freelanderherde,


der deine liberale Nachbachschaft versicherheitlicht, wer bringt der Statue das Licht?

Ist er der Sexhexer letzter Schlummertrank oder der Bummerrank?

Wer bringt das Geld für das goldene Kalb?

Etwa Disney Donald Episode 2 America´s alternative Skalp?

Nicht Daisy, schon eher Daisy Cutter
Er heißt Trump wie der Tower
und deine Mattscheibe war ohne ihn echt matter

Er heißt Donald Trump wie Triumph
so emphasize my charming commander in chief

let america rice across the Rio Grande

Ramstein, Rammstein alles will gerammt sein

Kein Ronaldlein, kein Donaldlein zertrampelt uns den Eckstein

Daniel Baz 2017+2019

 

Advertisements

TÜR und TOR





Wenn eine Tür sich schließt
öffnet sich eine andere
oder die Tür bleibt zu
und du hast erst mal deine Ruh.


Die Türen öffnen sich
die Türen schließen sich
und Tao schaut vollkommen zu


Und wie schaute wohl Tao das
Licht, wenn nicht durch dich und mich
Hab dich so lieb, Sofia, Du…


Wenn du deine Pflicht tust
und im Glauben an das Licht ruhst
Dann wird das Licht auch wiederkommen
Denk dran wenn es wütet und weht


Wenn sich eine Tür
zu einem großen Zimmer schließt
und du im Umzug in ein kleines Zimmer bist
frag dich was drin war
und was du daraus vermisst


Denn wenn die Türen schlagen
und dich die Dinge jagen
die du brauchst und
nicht haben kannst
bist du isoliert von nagender Angst


In dem Zimmer war der Lärm
der Stadt bei Nacht,
der Lärm hat mich in Wohl und Weh
der Stadt näher gebracht


Dieses Zimmer war ein warmes Plätzchen
in einer fremden Welt
die mich in Wohl und Weh
gemahnte an den Mangel
an Arbeit und Geld


In diesem Zimmer war
ein Ort der Utopie
von ewig Zeit
und Zweisamkeit
und Zeit für die Einigung der Zwei


Die Tür hast du jetzt verschlossen
Die Utopie hat zu viel Zeit genossen
Und das Konto krankt
und da ist niemand der´s dir dankt
außer Ich, Sofi ich liebe dich.


Die Tür ist nun zu
und du hast erst mal deine Ruh
und aus meiner Ruhe entsteht
ein neues Gedicht, ein neues Gebet


In dem Zimmer war der Kern
die Welt zu überwinden
doch auch die brennenden Barrikaden
woll´n die Welt wieder verbinden
in einer besseren Welt


Der Kern der Weltüberwinder
fand kein Licht in der Welt
keinen Boden über Winter
keinen Gärtner in den Gewohnheiten Blinder


Aus dem Zimmer möcht ich
nichts nehmen,
denn was in uns Zukunft
schaffen kann, setzt an dem
was ins uns keimt an


Doch da ist etwas in dir
was mich inspirieren kann
die konsequente Selbstsorge,
der Selbstverwirklichungsdrang


Ich brauche Menschen wie dich
die bereit sind sich zu erkennen
in dem Licht das in Sicht ist
sich anzunehmen gäbe es auch Grund sich abzulehnen
und die bereit sind zu wachsen
und Raum zu schaffen für sich


Mögen sich die Tore der
Arbeitsstätten öffnen
die Luft voll mit Konzentration


Möge ich schonend und pfleglich
Mit mir und Material und Mensch
umgehen, umsichtig und sorgfältig täglich


Möge ich die Affekte nutzen lernen
wie die Maschinen
Möge ich in die Welt wieder geh´n,
meinen Mann darin steh´n
Ein Stück nützlicher und stärker
dir gegenüberstehn


Die Tür zum Liebeszimmer hat sich geschlossen
Das Arbeitszimmer öffnet sich


Der Lärm der Straßen
wird wohl zum Lärm der Maschinen
Wir sind Liebende, Helden
die die Feinde besiegen
indem sie ihnen dienen


Wenn du deine Pflicht tust
und im Glauben an das Licht ruhst
dann wird das Licht auch wiederkommen
denk dran wenn es windet im Wanken zu danken
dem der überwindet
und sich dadurch im größeren Ganzen
wiederfindet

Daniel Baz im Loslassen

Arbeit


Arbeit ist ein fließend Band wechselnd zwischen roter und grüner,
zwischen offner und geschlossner Hand


Arbeit macht die Liebe sichtbar, integriert ins große Ganze
und transformiert, den Formen dankbar, dass was war


Arbeit ist ein Geben von Zeit und eigener Herrlichkeit
sie schleift einen zum werktätigen Leben
Sie ist ein Dirigent kann Rhythmus, Harmonie und Fassung geben



Arbeit braucht Wertschätzung
Maße und Muße
Arbeit braucht Lob und Lab
Arbeit wird gut wenn man sie lieb hat


Arbeit ist wie Leben und Sprache
eine ständig auftauchen könnende
Eingespanntheit aus der Brache


Arbeit braucht Ruhe
versammelte Kraft
Ora et labora
Arbeit ist das Gebet
das promethisch erschafft


Rot ist Arbeit weil sie Leiden schafft
den Körper an die Grenzen bringt
um ihn zum Instrument zu machen
das mit dem Ruderschlag im Reiche der Notwendigkeit
sich der Trägheit Macht entrafft


Grün ist Arbeit weil
sie Stoffwechsel und somit
eine Triebfeder des Lebens ist
Förderband des Sprießens und festlichen Gebens
Grundlage des wahren Genießens


Hand in Hand in Freiheit
ist Arbeit gelebte Zusammengehörigkeit
Gebend und teilend
ist sie- die Menschen verbindend-
und ihre Not überwindend
-ein Unterpfand der Gleichheit


Arbeit ist keine Chance
keine Wahrscheinlichkeit
der Beantwortung einer Annonce
Arbeit zu geben und nicht zu verknappen
ist das Unterpfand der Brüderlichkeit
Anerkennung der Arbeit aller ist der Gerechtigkeit Wappen


Arbeit braucht Liebe zum Arbeitgeber
Arbeitsgabe brauch Dankbarkeit für die Gabe der annehmenden Geber
Denn beide- die Verantworter und Arbeiter- sind
Verwalter und Former der Stoffe zum Werk


Arbeit schöpft aus der Kraft der Vergangenheit
und ist doch nur in Verbundenheit
mit Gegenwart und kommend Zeit ein
guter Ökonom


Arbeit ist das stete liebevolle Formen,
Schaffen im Dienste am Andern
Wo gebende Hände und nehmende Hände
die grünenden Rhythmen der größeren
Ehre Gottes rot widmen


Arbeit ist ein fließend Band wechselnd zwischen roter und grüner
zwischen offner und geschlossner Hand


Arbeit ist ein Name für den Weg ins unentdeckte Land,
dass pocht in jedem Lebensschlag an unsre Herzenswand

(Daniel Baz in den Rauhnächten 2018)


Hölderlins Erben..

…wandern und dichten weiter

Erhard Widmeier fällt mir im Kantatenchor Laichingen durch die Muschel auf, die er immer sichtbar um den Hals trägt und dadurch, dass er der einzige ist der es sich traut den Dirigentenn von den hintersten Bänken aus zu berichtigen. Auf einem Probewochenende entpuppt er sich auch als Füllhorn von spannenden Ansichten und Geschichten. Eine wird mich nicht mehr loslassen, die Geschichte von seiner Verwandtschaft mit dem Dichter Hölderlin, der wiederum ausgehend von der „schwäbischen Geistesmutter“ Regina Burckhardt mit einem namhaften Netzwerk schwäbischer Geistesgrößen verwandschaftlich verbunden sei. Drei Jahre und zwei Chöre weiter treffen wir uns in Donnstetten wieder. Eine neue spannende Dimension eröffnet sich nun als er erzählt, dass er nach 73 Jahren ohne Partnerin eine solche gefunden habe und zwar aus dem Kantatenchor in dem wir uns das erste mal begegneten. Erhard Widmaier war angesehener Schulleiter an der Schule in Donnstetten, der Ende 2018 nach 50 Jahren größten Engagements verabschiedet wurde. Nun verlässt er sein Haus in Donnstetten und zieht mit seiner Angetrauten Heidemarie nach Waldkatzenbach im Odenwald. Die letzte Chance das besagte Buch über Regina und ihre Ahnenreihe, Dokumente von Albertine Hölderlin, die in die Familie Widmaier im 19. Jahrhundert einheirate und den widmaierschen Lebensstil einzusehen. Die Frage was Hölderlin und Er gemeinsam hätten, beantwortet Erhard Widmaier neben einem Bildnis von seinem Großvater, in dem spielende Kinder auf einer Schaukel in Öl festgehalten sind. „Wir beide haben am Tübinger Stift Theologie studiert und wir haben beide das Studium nicht abgeschlossen.“Erhard hat nach dem dritten Semester Theologie geschmissen, weil er Zweifel hatte, am Ende sei es die Angst gewesen etwas predigen müssen, was er nicht hätte leben können. Er meint Hölderlin habe sein Studium nicht abgeschlossen, was aber nicht stimmt. Schlagende Gemeinsamkeiten wie die Lust am Wandern und auch die am Dichten und Musizieren, erwähnt der langjährige Chorleiter und Kirchenorganist nicht. Der geistreiche und lustige Rentner, der sich in Sandalen immer seinen Bart wachsen lässt, hat in späten Jahren noch den Jakobsweg,die Reise nach Rom und eine Reise in die französische Partnerstadt St. Pierre Mallimart zu Fuß auf sich genommen. Nicht nur die 3600 Km Jakobsweg sondern alle 3 Wege hat er dokumentiert und mit Hilfe des Dirigenten des Donnstetter Männerchores Hartmut Rommel privat binden lassen.

Herkunft: Kirchenpflege und die Entstehung von Dichtungi

Erhard meint während er die Bildnisse von Albertine Hölderlin zeigt, von Hölderlin unterscheide ihn seine Konstanz im Glauben. Hölderlin habe in einem Gedicht in der antikisierenden Hymne Hyperion geschrieben der Mensch sei wie „Wasser von Klippe zu Klippe geworfen“, so stürze er ins Ungewisse hinab. Genau genommen vergleicht Hölderlin in diesem Abschnitt die „Irdischen“ mit den im Licht wandelnden Himmlischen. Genau heißt der Abschnitt:

„Doch uns ist gegeben,

Auf keiner Stätte zu ruhn,

Es schwinden es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen,

Jahr lang ins Ungewisse hinab.“

Jetzt beginnt unsere Suche nach einem im Glauben gefestigteren Äquivalent der Hölderlinsätze in Erhard Widmaiers Aufschrieben. Nach einigem Überlegen kramt der umtriebige Mann ein großformatiges Buch mit rotem Umschlag heraus, darauf steht in Gold: In Sandalen nach Rom. Die Dokumentation seiner Wanderung nach Rom. Auf Seite 271 ist eine Skizze mit Text zu sehen, er liest vor:

„Wie ein Tröpflein Wasser kamen wir aus Gottes Hand,

flossen, bis uns jede Faser mit dem Strom verband:

Über Felsen stufen rauschten wir hinab,

oft auch träg verweilend, wenn Strömung riss einst ab.

So – bis heut´- noch immer

fließen unsre Tage hin,

bis von fern ein Schimmer

des Ozeans uns glimmt.

Dort, wenn wir hinkommen,

wird die Weite sein,

werden wir dort aufgenommen

in ein and´res Sein?!

Aus der Hand gekommen,

aber nie allein,

immer hat sie uns ganz fest umklommen,

wird uns gnädig sein!“

Beim Hören der religiös-philosophischer Poesie verbindet sich etwa aus meiner Recherche mit diesem dichterischen Räsonnement über den persönlichen Lebensstrom. Der Name Widmaier kommt genauso wie Widmann oder Wiedmann von dem alten Beruf des Widmaiers. Der war im Mittelalter in Analogie zum Maier, der Widdummaier, der Gutsverwalter, nur nicht für das Königsgut, sondern für das Widdum, das Kirchengut zuständig war. Hier höre ich einen Verwalter des herausgehobenen Guts, des Geistes sprechen, der sich im Glauben mit dem Fall und in Hoffnung mit der winkenden Auferstehung versöhnt hat. Hölderlins direkte Vorfahren waren Klosterhofsverwalter so wie sein Vater Heinrich Friedrich Hölderlin der 1732 in Lauffen bei Stuttgart geboren nur zwei Jahre nach des Dichters Geburt 1772 starb. Und nicht nur das Kirchengut hält Erhard in Ehren auch das Familiengut ist ihm wichtig. In dem obigen Gedicht geben sich nämlich Hölderlin, der Eindruck von heiliger Architektur und das Gedenken an den Vater die Hand. Es ist der 21. März 2010. Des Vater´s 106. Geburtstag. Am 21. Tag auf der Reise nach Rom-auf der Erhard auch den römischen Ursprüngen seines Heimatortes nachspüren will- ist er bis nach Fribourgh gekommen. Nach dem er in der Kathedrale dort eine Szene der Offenbarung bestaunte ,wo die Verdammten auf Jesu Rechter Seite -der Herzseite- stehen, überquert er jetzt eine alte Brücke über die Glane. Dort entdeckt er eine Kapelle die der Heiligen Antonia, der Schutzheiligen der Zahnärzte, geweiht ist, sie bringt ihn zum Aufhorchen -eine Kapelle der Antonia gewidmet- dass hat er noch nie gesehen.Sein Vater war Zahnarzt, er beginnt die Kapelle zu zeichnen, „die Mittagssonne schönt mir die Situation“, hält er in seinem Büchlein fest.Das Gedicht lehnt sich an das von ihm oben erwähnte Gedicht Hölderlins an. Die Worte fließen und lassen im Hier und Jetzt alte und uralte Zeiten in einem ewigen Bild zusammenfließen, so entsteht Dichtung. 


Hölderlins und Widmaiers…

Hölderlin hat seine wohl längste Reise 1801 begonnen von Nürtingen nach Bordeaux. Dort sollte er seine letzte Hauslehrerstelle antreten, die er bald wieder aufgab. Von Friedrich Christian Hölderlin ist bekannt das er auch früher schon auf den wegen zwischen Nürtingen und Lauffen beispielsweise, oder nach Tübingen viel gedichtet hat. „Andenken“ gilt als ein Gedicht das seine Frankreicherfahrung am besten widerspiegelt, es beginnt mit dem „feurigen Geist, hat viele Brüche und endet in der Strophe:

„Garonne meerbreit

Ausgehet der Strom. Es nehmet aber

Und giebt Gedächtniß die See,

Und die Lieb’ auch heftet fleißig die Augen,

Was bleibet aber, stiften die Dichter.“

Diesen bekannten Schlusssatz mag Erhard nicht: „Was bleibet aber, stiften die Dichter“, dass sei so unbescheiden und überhaupt habe sich Hölderlin gerne in die Verklärung der Antike verstiegen, er möge es lieber kontinuierlicher und bodenständiger. Und auch die Frauen haben Erhard bedeutend weniger bewegt, Hölderlin´s Diotima, die zum großen Schock des Dichters in der Zeit der Abfassung des Gedichtes verstorben sei, sei eine bereits verheiratete Frau gewesen, was Hölderlin mit seiner Affäre angerichtet hat, hätte er ja auch mal bedenken können, meint Erhard.Die Liebe zu Heidemarie sei jetzt umso schöner nach so langer Zeit alleine, berichtet Erhard.Die Widmaiers stammen aus dem Raum Stuttgart-Ettlingen-Calw, sie haben gemeinsam mit beispielsweise der Familie Essig als Spender der Kapelle ihr Wappen in der Brückenkapelle in Calw ausgestellt. Die Essig haben sich auch irgendwann mit den Hölderlins verbunden. „Ein bisschen Inzucht, fürchtet Erhard könnte da auch im Spiel sein.“ Albertine Hölderlin(1818-1890) hat Christian Widmaier(1815-1868) aber erst Mitte des 19 Jahrhunderts geehelicht und damit das Blut der beiden Familien verbunden.

Gott und Name als Burg

Die Hölderlins kommen laut der Genealogie der Schwäbischen Geistesmutter Regina die Hans Wolfgang Rath 1927 zur Förderung des Familiensinnes und des Bewusstseins des Einzelindividuums schrieb. eigentlich aus Poppenweiler ganz in der Nähe der Schillerstadt Marbach. Der gemeinsame Ursprung von Dichtern und Denkern wie Ludwig Uhland, Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike und Wilhelm Joseph Schelling ist laut dem Buch die Ehe von Regina Burckhardt die am 5.11.1599 in Tübingen geboren wurde und Carl Bardilli der am 25.05.1600 in Tübingen das Licht der Welt erblickte. 11 Kinder überlebten die Widrigkeiten des Dreißigjährigen Krieges. Die Burckhardt waren ein altes fränkisches Geschlecht. Die Bardilli flüchteten aus Dole im französischen Burgund 1562 vor Protestantenverfolgungen nach Deutschland. Aus der Linie begründet von der Ehe der Tochter Maria Burckhardt mit Samuel Hof entstammt Ludwig Uhland. Aus der Ahnenreihe der Burckhardt-Tochter Maria Magdalena entstammt Wilhelm Joseph Schelling. Was zunächst nicht zu vermuten ist auch die Kinderlosigkeit eines Burckhardt hat der Familie zum Gedeihen gereicht, denn ein begütertes Mitglied des Klans hat eine Stiftung ins Leben gerufen, welche vielen seiner „Nachkommen“ zu Gute kam. Aber auch das hat Erhard im Blut, die Widmaiers waren über hundert Jahre lang Wirte, Bierbrauer und Metzger in Magdstadt. Vielleicht kommt daher die Erdung bei Erhard, welche dem bekannten Verwandten angeblich fehlte auf einer Huldigung der Burckhardt heißt es über höchsten Namen:

Des höchsten Name ist gleich einer Burg gebauet

auff Felsen/ wer Gott recht in aller Noth vertrauet/

der stehet fest/ wann schon die Sturm-Wind hefftig weh´n/

So bleibt der Gläubige doch auf dem Grunde steh´n

Wann auch es hart hergeht/ das Meer und alle Wogen

Hochsteigen/ wird ein Christ von Gott nicht abgezogen/

Er ruht in Gott/ und Gott ist seine Zuversicht/

Sein Trost in aller Noth/sein Schild/Sein Heil und Licht.

Diß hat BURKHARDI G´schlecht schon längsten wohl erfahren/

GOTT hat dasselbige beschirmt in vielen Jahren:

Es stunde Felsen gleich und wie ein festes Schloß/

Wie eine starke Burg in Gottes Schutz und Schoß.

Davon zeigt diese Schrift/ es ist ja doch zu mercken/

Wann GOTT sich offenbahrt in sondern Gnaden-Wercken.(…)

Und er wandert und dichtet weiter

Bei der Ehrung für 50 Jahre Engagement in Donnstetten überreicht Erhard Widmaier einem Vertreter des Männerchores Donnstetten um den er sich als Dirigent und Sänger verdient gemacht hat ein Exemplar seines Buches In Sandalen nach Rom


Dieser Glaube einerseits an Gott und andererseits das Ehren der Ahnenreihe gibt Erhard diese Festigkeit im Fluss der Zeit die sein Gedicht so schön einrahmt. Die Muschel trägt Erhard immer noch, vielleicht ist es eine Erinnerung daran niemals stillzustehen. Doch zum Schluss soll mit einem seiner Verse an seinem feinen Humor und seinen Sinn für das Wesentliche im Leben erinnert werden. Voller Vorfreude auf seine wachsendes Domizil mit Heidemarie in Waldkatzenbach im Odenwald schüttelt er beim Abschiedsempfang in Donnstetten die Hände die ihn vielleicht manchmal davon abgehalten haben den Schlussvers zu verwirklichen.

Warum denn immer eilen?

Besser mal verweilen!

Morgen ist heute schon gestern;

Vergänglichkeit und Zeit sind Schwestern!-

Was vor Menschen scheint beständig,

ist in Wahrheit wetterwendig-

was doch bleibt ist Gott allein

und auch das, was Gott bescheint.

(Erhard. F. Widmaier: In Sandalen nach Rom, S.141-142)


Epiphanias Addendum





Wenn Aion das Telos
dir zeigt,
sich das Licht der
Gegend von Gott und Welt neigt
die Jungfrau gebiert aus dem Seelenland
Hast du es in Auge und Hand


Wenn die Lebenszeit und die
Ewigkeit in eines Knaben Spiel
zusammen sich finden
kann man auf Erden binden
was im Himmel wird frei


Im dreißigsten Jahr
wird der Herr durch den Wegbereiter offenbar
getauft mit Wasser und Geist
der Friedefürst in die Wüste reist


Wenn das Gold den Anfang macht
und auch der Weihrauch ist gebracht
dann ist der Körper aus Gott und Mensch
mit Myrre vermacht am vierzigsten Tag


Und der Stern der scheint
hat Ost und West vereint
und das Kind das wächst
hat Hab und Gut gelassen
in seinem Siebenschlaf
wird es zu Löwe und Schaf


Wird es den Stall verlassen
wird es das All erfassen
wird es die La-Sprache lehren
die Weisen beschämen und ehren


Wenn das Äon den Anfang dir zeigt
sich das Licht der Begegnung
von Geist und Welt in dich neigt
Hast du es in Herz und Hand
zu Epiphanias


meine Segnung  

(Daniel Baz, 06.01.2019)

Beitragsbild: Klaus Heider, Licht-Pyramide im Pantheon, Ausstellung Lichte Momente,Stadthaus Ulm

Mein langsamer Ferrari

Eine lyrisch-musikalische Selbstdekonstruktion


Vier Männer, ein Sprecher Jörg Neugebauer, drei Musiker, E-Bass ,Reinhard Köhler, Schlagzeug, Armin Engeter und Andreas Heizmann am Baritonsaxophon und verschiedenste Klarinetten trafen sich auf der Bühne der Theaterwerkstatt Ulm um durch Musik und Poesie ihrem Lebensgefühl und ihrer Weltdeutung Ausdruck zu verleihen.„Philosophie dürfte man eigentlich nur dichten“, meinte einst Ludwig Wittgenstein, dieser Satz könnte als eine sehr ungerechte, weil auf die bewusste Bedeutsamkeit abgestellte Zusammenfassung des Abends in der Theaterwerkstatt Ulm sein. Ungerecht konkret weil der dem Sprecher gehorchende Ferrari und all seine anderen Symbole und Allegorien der Stimmungen bedurfte, welche die Musiker hervorzubringen vermochten. Vor einem Jahr hatten sich der Lyriker Neugebauer und der bemerkenswerte E-Bassist Köhler getroffen um Fäden der Zeilen und Wellenverläufe der Klänge in eins zu bringen. Nach und nach kamen die beiden anderen Musiker hinzu. So begann das Kunstwerk auch in dem zwei rot gekleidete Männer, einer mit einem Bart wie ein umgekehrter Dreizack des Neptun, Luftröhren kreisend, windhafte Töne erzeugten.

Vater Aether

Dann trat ein distanziert wirkender Mann vor ein Mikrofon.“Ach tut die Seeluft gut“, deklamiert er zunächst, dann merkt er: „Aber ich bin ja im Wald“, verblüfft sammelt er sich wieder atmend aus Geisteswirren, „aber die Luft, die Luft, die tut trotzdem gut.“ Stille und nachklingen der Luftschläuche.In diesem ersten Stück wird die Luft und damit auch der Klang ins Wesentliche gehoben, die Orte, werden zu reinen Kulissen des uns zuträglichen Strömenden. Auch die S-Bahn als modernes Mittel zum Zweck wird in einem klanggebetteten Traumbild von einem Geigenbauer mit Violinschlüssel aufgeschlossen, während fahren zu Sein wird, indemfall zu Gesang. In Sätzen wie „wir fahren gemütlich während wir singen und zaubern uns Hüte weil wir Kaninchen sind, die Ohren eingeklemmt in die S-Bahn“ zeigt sich die alte Wege romantisch-ästhetisch ablehnende Warte des „age of aquarius.“ Der 1949 geborene Neugebauer hat schon in den 70ern Gedichte über Entgrenzung in Sex und Musik geschrieben. Doch es kommt noch das Mädchen hinzu, dass das Hippi-Schauspiel wie einen Film konsumiert. Ein Bild für Entzauberung. Und doch verströmt die Musik, wie aus der Anderswelt, einen Zauber wie bei Schubert´s Liedern. Das märchenhafte bekommt etwas surreales und das Surreale wird durch die emotionslose Distanz und Klarheit der neugebauerschen Lyrik und Diktion konstruiert und dekonstruiert.

Der langsame Ferrari als Herrschafts-Zeug

Ohne das Bett aus Klang und die Gestimmkeit des Humorigen wäre dieser hochprozentige Cocktail vielleicht manchem zu viel. Auch der langsame Ferrari, würde ohne dieses Netzwerk aus dichtender Kontraktion(Sprecher) und denkender Extraktion(Zuschauer) das durch die Ströme von Musik fließt auch getränkt wird, ohne Sprit da stehen. „Mein langsamer Ferrari“, kündigt Neugebauer an: “Sag, ich Ferrari lauf, dann läuft er. Wenn ich sag steh, dann steht er“ ,„Manche sagen mein langsamer Ferrari ist Kunst.“Gekonnt arbeitet Neugebauer mit Wiederholungen. Um dann zum Schluss zu sagen. „Immerzu bleibt er stehn mein Ferrari.“ Das Ferrari-Fahr-Zeug als Symbol der herrschenden Macht wird hier mit dem Wort langsam konterkariert. Man kann dabei auch an die leise und zurückgenommene Musik von Köhler und Co. denken, Kunst als Zurücknehmen des eigenen Vermögens im Dienste der ruhebedürftigen Menschheit. „Kunst ist mein langsamer Ferrari.“ Lebenskunst, möchte man dazu sagen. Auch der eigene Kopf, den man bei dem ehemaligen Lehrer, laut eigener Aussage, als kaputt wähnen könnte, erfährt in einer Nummer eine Abwertung. „Ich habe einen billigen Kopf, gestern war er noch teurer. Doch was kümmert mich gestern, heute, heute“. Im Hintergrund abgründige bis verstopfte Töne von der prägsamen riesigen Kontrabass-Klarinette von Andreas Heizmann, der mit einer riesigen Präsenz begleitet. „Heute ist er billig, greifen sie zu bald ist er weg, preist Neugebauer seinen Abschluss nach oben an.

Den Morgen zur Tüte falten und in die weiche Nacht

Pure Präsenz und Spielfreude beim Jamstück. Immer aber Präsenz und Eingestimmtheit der Ton-Werker auf auf das neugebauersche Sprech-Werk ergaben das Kunst-Werk

Ein bisschen politisch aber in abstrakter Erhabenheit wird es beim Tugendmop.In bekannt lakonischer Weise berichtet Neugebauer von seinem Tugendmop.„Ich habe mir einen Tugendmop zugelegt, den Mop gegen politisch inkorrekte Gedanken. Bevor ich mich äußern kanngeht der Mop dazwischen und mopt und mopt.“ Herzfates Gekicher, währendder schlacksige Mann mit der beschlagen scheinenden Brille weiter erzählt. „ Nochmals im Preis gesenkt.“ Dann eine Wiederholung des ersten Textes. Ein sehr prägnantes Stück unverstrickter Nonkonformus, vom Publikum auch nach der Aufführung noch gefeiert.Eine glänzende und skurille Allegorie zur Alltagsbewältigung ist auch „ Den Morgen zur Tüte falten.“ Mit dem auf den Kopf gesetzten gefalteten Morgen fährt das Lyrische Ich nun Straßenbahn um ausgestiegen die Tüte abzusetzen und dem Mittag entgegen zu schreiten. Auch hier ist die minimalistische Klangumgebung nicht eine wahllose Improvisation sondern bildet ein Text-Klang-Gefüge als integralen Bestandteil der Gediegenheit des Kunstwerks. Etwa so wie Nacht und Tag.”Die Nacht” ist das vielleicht am wenigsten dekonstruktive Stück des Abends und atmet daher eine ungebrochen strömende Poesie. „Die Nacht könnte noch schöner sein als der unsichtbare Tag. Weit und weich ist sie und sie hat immer Zeit, das ist vielleicht dass Beste an ihr“, spricht Neugebauer, auch ein bisschen angeturnt vom Strömen der Klänge. Doch seine sprachlich-geistige Distanz geht nicht flöten. „In der Nacht hat niemand Geburtstag“, welch ein Satz. Dunkel und potentiell, man weiß das er Wichtiges anspricht. Und dann die Wiederholung, schon ein bisschen verstandener. Eine tolle Performance für den der sich selbst und seine Welt verstehen will.

Liquit Lillith und das Gewehr

Es gäbe noch einiges zu sagen zu diesem klingenden Konzept aus Stimme und Klang, wäre es das letzte seiner Art gewesen. Dabei wird es ja neu aufgeführt. Die vielfältigen Instrumente von Klangschalen über Gongs, Rahmentrommeln bis hin zum kurios das Wasser erklingen lassenden Waterphone. Der Abschluss des Berichtes gebührt einem nach der Pause mit einer Tanz-Choreographie der vier Damen von Liquid Lilith vermählten Gewehr. Lilith als Symbol der weiblichen Kraft hat ihren Namen übrigens auch von der Luft. Im Gang der Theaterwerkstatt trafen sich die Darsteller und Zuschauer.In seiner eiseskalten Art begann Neugebauer: Ich habe gerade das Gewehr geputzt mit dem ich mich erschieße, sonst wäre ich immer der selbe und das wäre schlecht für die Anderen“, die Tänzerinnen machten in Formation eine abweisende Geste. Er erschieße sich aus moralischen Gründen. Jeder solle sich öfter mal erschießen, empfahl er. In dieser Nummer kulminierte nun die Dekonstruktion von Ansichten und Deutungen in eine Destruktion des Eigenen. Die Mehrdeutigkeiten und Verwandlungen der vorigen Nummern zeigten hier auf den Kern des Unmoralischen, die eindeutige, keinen Unsinn verstehende Persönlichkeit. Welche sich dann auch nicht als billig, oder erschießenswert ironisieren kann, sondern den Ferrari des eigenen Zeugs und Gehabes voll ausfährt. Das Ichaber, welches Neugebauer ins Schaufenster stellte, war ein gebrochenes, selbstironisches, welches zwischen null und zero anstrebt, durch gelegentliche Selbsterschießungen, wenigstens für die anderen genießbar zu bleiben. Der Abend war ein Kunstwerk in dem Sinne, nicht das er die Wahrheit nachahmte, sondern in dem Sinne, dass er vielschichtig und gekonnt ins Werk setzte wie die Dinge wirklich sind.Zumindest bis zur nächsten Erschießung.

Nächste Aufführung: 22. März in Schäfers Kulturstadl in Wain südlich von Ulm

So nah, so fern

Chorklänge weltweit in der evangelischen Pauluskirche Ulm

Nah?Solo-Sopran Caroline Schlenker sang von der Sehnsucht des Westens, die in einer Traumwanderung zwischen Weihnacht und Epiphanias als Läuterung der stoffgeborenen Seele zum Himmel aufstieg

Fern?Yueliang Li, bescheiden wie ein Arbeiter gekleidet, bei der Beglückwünschung schon weg aber mit seiner Erhu äußerst prägsam für das musikalische Verständnis der Sehnsucht des Fernen Ostens

Viel Grund zur Vorfreude auf So Nah So Fern gaben die letzten Konzerte des Ulmer Chores Klangreich unter dem Motto „Garten meines Lebens“ 2017. Auch der Aufführungsort in der Pauluskirche, die wegen ihrer guten Akustik als die Konzertkirche Ulms gilt, stimmte einen gespannt. Der Dirigent des Konzertchores Klangreich Markus Romes gilt als Perfektionist und harter Arbeiter an seinen teils visionären Konzepten. Als man am Abend des 09.12. die imposante Kulisse der 1909 erbauten evangelischen Garnisonskirche erblickte und zwischen robusten Arkaden in der Mitte ein Bildnis des Herrn sehend aufblicken durfte zu dem modernen bunten Bildnis der Offenbarung, darüber fünf Fenster, war die Vorfreude kolossal. In diese Raumesfülle zog nun ein Chor in der ersten Reihe im Spektrum zwischen rot, orange und gelb, in den Farben eines Sonnenaufganges gekleidet, der seine Strahlen links und rechts ausbreitete. In dramaturgisch intelligenten Stellungen sollten die 39 Sänger noch öfter für Abwechslung jenseits des Gesanges sorgen.

„Past life melodies“ zog nun wie ein sanfter vorweihnachtlicher, noch vorsprachlicher Hauch in die gespannte Kirche ein. Der vollendeter Chorklang viel keineswegs hinter der baulichen Substanz ab. Nein die zarten vokalischen Kompositionen wechselten einhellig zwischen den Lautqualitäten und das letzte jä, jä, jä bildete harmonisch schon den Tonfall des schwedischen Allt Är Nära vor. Zum Schluss des Liedes erhob sich dann Timber A. Hemprich´s Obertongesang unterstützt von Chor-Bass Matthias Mehne. Als ob man ansänge was zwischen den Sternen ist tönte diese hochfrequente Gesangstechnik unterstützt von der Präsenz und den zum Mudra zusammengeführten Daumen und Zeigefingern des präsenten Stuttgarters. Um einen 23 Stücke und 7 Nationen weiten Spannungsbogen zu halten kam zu den wechselnden Choraufstellungen die Sprecherin Margarete Lamprecht. Sie führte mit den berührenden Worten: „Alles ist nah, Alles ist weit von mir, und dennoch nah. Bald wird es mir genommen-dennoch-jetzt nah…“ in das Thema So Nah So Fern ein.Fern: „Die zwei blauen Augen“ aus den fahrenden Liedern des Gustav Mahler, zogen die liebende Seele auf die Wanderschaft, in die Natur, das Abenteuer. Dieses entbrannte in den „flackernden Flammen“ des Zigeunerlebens von Robert Schumann vollends.Mal mystisch, mal tänzerisch, mit klarer Phrasierung und den Stoff verstehend vorgetragen, war das Zigeunerleben ein Glanzlicht des Konzertes. Die beiden Lieder waren in ihrer vollen Klangkraft genau richtig in der Kirche mit den granatenförmigen Türmen. Und man spürte auch, das Liedgut, welches hier schon lange lebt auch auf einen breiteren Seelengrund stößt.

Ein Bild für die Götter: Der Obertonsänger Timber A.Hemprich im Mittelfenster begegnet dem Alphornisten Manuel Zieher von Empore zu Empore im Klang

Margarete Lamprecht gesteht am hohen Fenster ihre Liebe

Die Tiefe des Nationalen, die Sehnsucht nach dem Internationalen

Das im Individuum, welches sich nicht identitär selbst limitiert hat, durch alte Völker und ihre Musiken, noch tiefere Schichten der Seele angesprochen werden, zeigte das Stück die „Schöne Nacht“ von Thiamin Liuj.Vorher bekommt die Sprecherin einen Glückskeks von Erhu-Spieler Yueliang Li,daraus verliest die Schöne eine Weisheit des Konfuzius: „Was du liebst das lasse frei, kehrt es wieder gehört es dir für immer.“ Danach entführte der berüchtigte Yueliang Li in die feine Klangwelt der zweiseitigen Erhu auf eine Weise das einem nicht das hören aber das beschreiben verging. Das einzige Mal im Konzert bedankte sich der Dirigent mit vor der Brust zusammengeführten Händen sich verbeugend bei einem Solisten. In Värmlandvisan kehrte wieder das warmherzige, leise der ersten beiden Lieder und auch der Obertongesang, bei dem man dieses mal ans Polarlicht dachte. Auch die Inhalte von Liedern wie dem litauischen Volkslied „Es gulu gulu“ wurden durch die Vorspiele von Margarete Lamprecht und Helfern besser verständlich. Ein nahes und doch fernes Highlight war dann der Sehnsuchtssong aus den Alpen„Weit weit weg“ von Hubert von Goisern. In die 90er versetzt, bracht der Text in Analogie zu den eröffnenden „Zwei blauen Augen“ tiefere Schichten der Sehnsucht im Empfangssaal der romantisch-modernen Kirche auf. Text und Ton perfekt intoniert bei einem Stoff der schon bekannt war kam die Pauluskirche in innige Schwingung.

Hohe Präsenz und groß Sangesfreude zog sich durch den ganzen Liederreigen

.

Das gebrochene Herz als Initialzündung zur selbstlosen Extase

Ein weiterer Dammbruch in Richtung Nähe, war das Margarete Lamprecht sich während einem ausgedehnten Frustlebkuchenessen dazu durchrang sich das Herz jetzt doch von ihrem Geliebten brechen zu lassen, was sie ja ursprünglich als „heiliges Örtchen“ für sich behalten wollte.In großer Charakterdifferenzierung, Inbrunst und feiner Ironie wob Lamprecht einen glänzender roten Faden durch die Aufführung. Nun zeigt sich der Chor wieder anders verteilt, es sind sich zugewandte und abgewandte Pärchen aufgestellt während „And so it goes“ von Billy Joel gesungen wird. Ab jetzt wächst der Chor bei Liedern wie Engel, die als schwierig für Chorarrangements gelten, über sich hinaus. Dramaturgisch perfekte Textaufteilungen zwischen Männern und Frauen,ein  tolles Intro von der Sprecherin und eine äußerst klare Phrasierung.Die Männer machen die Beatbox und der Sopan singt: „Erst wenn die Wolken schlafen gehen, kann man uns am Himmel sein.“ Schaurig schöne prägnante Kontraste.

Iuppiter-Chor: eine koordineierte Entladung

Die temperamentvolle hymnische aber melancholische Stimmung bei der „Hymne des (heiligen) Chrysostomos“(griechisch für Goldmund) von Tschaikowski führt hin zum unangefochtenen Höhepunkt des Abends, dem felsensprengenden „Iuppiter“, bei dem man sich fragt wie ein Laienchor solch eine komplexe Stimmführung mit solch heftigen gesanglichen und sprachlichen Herausforderungen so klar und packen darzubringen im Stande ist? Hier zeigt sich wohl die Handschrift des Perfektionisten Romes am deutlichsten. Die Übersetzung des lateinischen Textes und die Erinnerung an die Bedeutung des Jupiter im alten Rom von Margarete Lamprecht helfen das das gewaltige Klanggefüge den Zuhörer nicht vollends überfährt. Romes, der seit ein paar Liedern mehr tanzt als dirigiert stößt zu Beginn von Iuppiter mit den Armen quasi in den Chor hinein. „Im Namen des Sieghaften, des Zertrümmerers“ und ihm schlagen erschreckende und klare Wortfetzen wie „omnipotente“ entgegen, gespannte Geigen-Tremolo umrahmen den Sangesdienst am Jupiter, man kommt sich vor wie bei einer Messe zu Ehren des Göttervaters vor der Versammlung eines Heeres auf dem Marsfeld in Rom. Man erinnert sich wo man hier ist, in der evangelischen Garnisonskirche. Wieder so ein Erwachen: Form, Inhalt und Dynamik fügen sich fast synästhetisch ineinander. Die Arkaden und die fünf Fenster über ihnen:eine gewaltige Kulisse für eine Entladung von höchster Präzision und Koordiniertheit.

Yueliang Li, bescheiden wie ein Arbeiter gekleidet, bei der Beglückwünschung schon weg aber mit seiner Erhu äußerst prägsam für das musikalische Verständnis des fernen Ostens

Je weiter entfernt, desto größer die Sehnsucht

Nun begegnen zwei außerirdisch anmutende Tonalitäten, das Alphorn von Manuel Zieherund der Obertongesang von Timber A. Hemprich einander. Beide von exponierter Position, Hemprich aus einem der fünf Fenster über den Altararkaden, Zieher von der Empore aus. Viele schließen die Augen, ein magischer Moment. Die ausgeklügelte Dramaturgie macht es möglich die Sequenzen in großer Wachheit zu erleben, in einer flussartigen Angeregtheit, einer Harmonie im Wandel der Beiträge. In die „Straße wo der Wind wohnt “, einem chinesischen Volkslied ist es erneut die Erhu welche windesgleich die ebenso chinesische wie kongeniale erste Geige Juki Kojima beflügelt und auch die edlen Schwingen vom japanischen Kontrabass Kiyoshi Takeda und die blutsvolle Cellistin Amanda Britos erheben sich gravitätisch durch das Anwesen fernöstlicher Sehnsucht angehoben.Sein Spiel ist wie eine Erweckung und Verneigung gerade vor der hohen  Hingabe von Juki Kojima sowie der Tiefe der am Dritten Auge geschmückten Cellistin Amanda Britos.Wieder ein Moment erotisch-philosophischer Ladung in den man in seiner reinen Geschmeidigkeit schon Agape, die selbstlose Liebe hineinsehnen kann. So nah so fern. Daraufhin scheint die tiefschürfende Arbeit der Kulturvölker getan und im philippinischen Padayon wird die Choreographie tänzerischer und die Musik irdischer, einfacher, unbeschwerter.

Ein schönes Bild: Die humorvolle und lebensfrohe Sprecherin hält das von der Höhe herabgewanderte Albhorn Manuel Ziehers

Das nahende Geheimnis des fernen Westens

Der „Dreamweaver“ ist eine zeitgenössische Lieder-Reihe von dem norwegischen Komponisten Ola Gjeilo.Seine Sieben Lieder sind der Grund warum Romes Aussage an das begeisterte Publikum vor der Zugabe „das er sie nicht überfordern wolle“ berechtigt war. Die Liederreihe spielt an Weihnachten. Ein Träumender schläft an Weihachten ein und träumt bis zum Epiphanias, dem Weihnachten der Orthodoxen, einer Zeit die von alten germanischen Kulten als die Rauhnächte bezeichnet wird.Schafft es dieser interkulturelle Tausendsassa und Dirigent des Klangreiches, jetzt auch noch einen fernen Westen, in die sehnende Zeit des Adveniat, der Ankunft des Herrn, dem Publikum näher zu bringen. Fern: der Schläfer am Morgen der Erscheinung(Epiphanie) des Herrn erwacht ist voll der Geschichten. Im Mikrokosmos der sieben Lieder, die Zahl der Vollkommenheit, verwebt sich der ganze Erzählfaden der Chorklänge noch einmal auf das große Werk der Erleuchtung und Verwandlung in Christus hin. Seeliger Schlaf in den “Past Life Melodies´” und “Allt Är Nära”. Das Erwachen in der Liebe zum anderen Geschlecht, die Fülle und das Abenteuer der Suche nach dem Partner in den “zwei blauen Augen” von Mahler und dem “Zigeunerleben” von Schumann. Die Sehnsucht die sich in Anbetung höherer Sphären  in” Engel”, “der Hymne des Chrysostomos” und “Iuppiter” entläd. Und dann die treue Liebe und ihr im Selbstloswerden über das Objekt hinausweisender Charakter. Am besten sprachlich repräsentiert in der zweiten Zeile von „bist du auch Meere weit“, von einem Autor mit dem klingenden Namen Karl Marx.

Mag die Wirklichkeit uns trennen,

sei Dein Fernsein selbst gesegnet,

denn das Herz wird heller brennen,

wenn es Dir im Traum begegnet.“

 

„Prologue“ und „Dreamsong“ geben der bisher gehörten warmen nordischen Musik noch einen anderen Spin. Eine Feierlichkeit, die etwas in Tschaikowsky´s Chrysostomos anklang, die sich aber mehr noch nach Edvard Griegs Solveig´s Song anhört nur getragener weniger melodiös, weniger persönlich und dramatisch.

Solo-Sopran Caroline Schlenker sang von der Sehnsucht des Westens, die in einer Traumwanderung zwischen Weihnacht und Epiphanias als Läuterung der stoffgeborenen Seele zum Himmel aufstieg

Geh weiter gen Westen…

Während der Erwachende dem Traumweber, dem allwissenden Wanderer vertrauen schenkend, nach geht führt ihn dieser zunächst in ein schroffes und unversöhnliches Land.Vorher schon beim Gottesdienst an der Schwelle der Tür-von unsichtbarer Hand befähigt, die Erlebnisse der 12 Tage sagbar zu machen- gelangt er nun zu einer Brücke. Zu „The Bridge“ hebt die blonde Caroline Schlenker zu ihrem ersten Solo an,  welches ehrfürchtig vor Gott, von der Brücke und ihren Bewohnern aus dem Schattenreich, den reißenden Tieren der gottlosen Begierden berichtet.Weiter geht der Träumer seinem Traume nach- immer gen Westen, gen Westen. Intermezzo, dient als viertes Lied als Mitte und Scharnier zwischen der Herkunft der sündigen Seele und dem im Traume verheißenen Reich der gnadenvollen Sündenvergebung. Hier singt der Chor alleine im läuternden Schwange des „Dies Ira“ eines katholischen Reqiuems. Ein Licht aus der Höhe ist nun das von Janis Pfeifer mit seinem Flügel leisfühlig eingeleitete „Paradise.“ Die noch unter dem Eindruck der durchbohrenden Blicke der Monster stehende Solistin reißt sich- einem tief im Dreck mit einem roten Mantel bekleideten Mann- intuitiv folgend, los aus dem Purgatorium- hier als Eisbrücke zum Paradies- dargestellt.Sie schickt sich in die Nacktheit der Seele- welche jede Sünde  Gott hinlegt um sich in bloßer Sehnsucht-wir sind im Lied sechs, dem “Dominion”- der Allgewalt des Thrones anzunähern.Im “Epilog”(Lied Sieben)-darf man das als Weisheit des Westens deuten-verlor eine Frau ihr Leben aus Angst vor der Hölle. Das in Liebe entflammte Herz Jesu lies hingegen die Schande des Träumenden verglühen, allein aus Gnade wird er in seiner Furchtlosigkeit erlöst.Zu Gnade aber braucht es Einsicht. Dann einfühlsam und verwandlungsfähig und in Richtung „Paradise“ und „Dominion“ mit Haut und Haaren richtig im Format des Liedes glänzt die  äußerlich wie stimmlich passende Solistin Caroline Schlenken in schlichter Hingabe. Durch die Sünden hindurch- von Michael auch in ihrer Sünde verteidigt- formt Jesus am Ende aus Gnade die Seelen neu. Der ferne Westen ist in unseren technischen,nationalen und internationalistischen Utopien  äußerlich allen so nah gekommen, das der christliche Weg der Nächstenliebe ganz verlassen schien.Das Konzert zeigte auf das die durch ihre Gleichnisse in der Welt gefundene Liebe Christi die wahre Freiheit bringt.Das Licht der Welt. So nah so fern.Ein Konzert das den Sinn von Sehnsucht und Annäherung gut ausgelotet hat, bis hin zu der  frohen Botschaft, dass das Licht in der Dunkelheit und in der Fremde geboren ist.Irgendwie spiegeln diese nordischen Gesänge und Gemüter das gut wieder. Die Zugabe hieß aber „Weit weit weg“ von Hubert von Goisern, dass noch Tage später im Kopf weitersingen wollte. Die letzten Worte gebühren dem letzten Vers von Karl Marx: „Bist du auch Meere weit.“ So nah so fern:

Da das Leben des Verliebten

schwindet mit des Liebchens Licht

hab ich Deinen Glanz dem Auge

meines Seins verinnerlicht.