Eulogick

Wie die Wunden verheilen

verbinden sie

Wie die Szenen erscheinen

verschwinden sie

Die Menschheit liegt jenseits

des Scheines

-finde sie

Wir sind wundenerfahren

und wundergeboren

ham die Wunden geheilt

und uns selber verloren

Wie das Senfkorn tief in der Erde verborgen

nach drei Tagen Nachtmeerfahrt

im Tageslicht neu geborgen

gereinigt von

Kummer um Gestern und morgen

Das Saatkorn befreit durch Willenlosigkeit

Darüber die Menschheit gefunden

die Familie des Glücks hinter den Wunden

in der Weile der Gegend befreit und verbunden

Die geistigen Armen, die vom Lassen

reich geworden sind, die die Werkzeuge

haben und schulen, jeder des Andern Verwandter sind

Mal Mutter, mal Vater, mal Geschwister mal Kind

Die lieben Europa die pheunizische Braut

die im Auge des Stieres die Einheit geschaut

die nicht scheut in Liebe den Geist zu regieren

Das der Stier sie einst nahm, dass hat sie vergessen:


Wie die Wunden verheilen

verbinden sie

Wie die Szenen erscheinen

verschwinden sie

Die Menschheit liegt jenseits

des Scheines

-finde sie

(Farounfirewater, 26.05.2019 am Tage der Transkommunalwahl)



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Ulm:Nachbarschaftsfest im Grünen

Quartiersgarten im Dichterviertel läd zum Tag des Nachbarn

Die AG West setzt sich schon seit 25 Jahren für eine lebenswerte und nachhaltige Ulmer Weststadt ein. Für den morgigen Freitag den 24.05.2019 arbeitet das fünfköpfige Orga-Team bis in die Abendstunden. Der Tag der Nachbarn ist eine bundesweite Aktion und wird in Ulm beispielsweise auch im Söflinger Cafe´ Canape´ in der Söflingerstraße 158 zelebriert. Auch hier ist der Verein für Jugendhilfe und Soziale Arbeit AG West die treibende Kraft. Weitere Gelegenheiten des Kennenlernens von noch unbekannten Menschen aus der nächsten Nähe findet man im Internet auf der Seite tagdernachbarn.de. Wer sich aber auch vorstellen kann im Grünen zu gärtnern um dort gelegentlich seine Nachbarn in entspannter und wachstumsfördernder Atmosphäre zu treffen, sollte morgen zu dem von der Sanierungstreuhand Ulm und der AG West zusammen zum Bürgertreffpunkt transformierten ehemaligen Parkplatz kommen. Hinter der Blauringhalle werden morgen von 15 bis 18 Uhr die Tische reich gedeckt sein mit Kaffee und Kuchen. Auch bekommt man von Antje fast immer Rat was Pflanzenerkennung und -Nutzung betrifft. Gartengeräte, Wasser und bepflanzte Hochbeete zum Einstieg in das Gärtnern in Nachbarschaft können auch begutachtet werden. Birgit erzählt das es neben köstlichen Stärkungen für die Großen gegenüber vom Böblinger Turm,auch für die Kleinen einiges zu erleben geben wird. Es wird eine Jungpflanzenbörse geben sowie die Möglichkeit Sonnenblumenkerne in Töpfe zu pflanzen. So gewinnt Groß und Klein einen Vorgeschmack, des Glückes des Gärtnerns, welches schon jetzt aus den fünf Gesichtern der engagierten Frauen strahlt.

Weiterführende Links:

Der Quartiersgarten im Dichterviertel Ulm:

https://www.quartiersgarten-dichterviertel-ulm.de/

Tag der Nachbarn:

tagdernachbarn.de

Die grüne Erzählung Europas

Winfried Kretschmann und Sven Giegold sprachen im Ulmer Roxy über die Zukunft Europas

250 Gäste, etwa halb so viele wie bei Annegret Kramp-Karrenbauer jüngst auf dem Ulmer Marktplatz fanden zu der Wahlveranstaltung unter dem Titel „Hier ist Europa zu Hause“ ins Roxy in Ulm. Ein Ex-Korrespondent der Südwestpresse in der Landeshauptstadt Stuttgart spielt mit dem Gedanken, die Grünen könnten bei der am 26.05 anstehenden Europa- und Kommunalwahl die stärkste Partei werden. Manuela Rettig, die Kreisvorsitzende der Partei führte einleitend vor Augen, dass man getreu dem Wahlkampfmotto der Ulmer Grünen „Ulm.Zuhause viel vor.“ auch von hier aus das neue Europa bauen könne. Denn immerhin lebten 10300 EU-Mitbürger im schönen Ulm.Mit Winfried Kretschmann der, mit Blick auf die AFD, ein ebenso engagiertes wie hintergründiges Plädoyer für den Republikanismus hielt und dem Ex-Attac-Vordenker Sven Gießgold waren zwei Männer auf dem Podium, die für große Ideen einstehen. Mit Jana Hoffmann führte eine ebenso schöne wie verständige Moderatorin das Wort. Wenn man sich die jetzige Lage der Welt vor die Augen führt; und das Tat Kretschmann zu Beginn eindringlich, dann wird klar warum die Grünenderzeit in der Wählergunst so hoch im Kurs stehen. Das die robuste Art und die hochmütigen Taten von Stefan Mappus als Ministerpräsident in Baden-Württemberg, mit Kretschmann, den ersten Grünen zum „Landesvater“ machten, war vielleicht schon Teil einer ökologischen Wende, in der sich die Menschen wieder häufiger und lokaler um die Folgen der überbordenden westlichen Wirtschaftsproduktivität sorgen. Kretschmann, als kantiges Original, welches Realpolitik und weite politische Horizonte zu verbinden verspricht sagte es so. Der Kampf gegen den Klimawandel sei ein Gründungsziel der Grünen gewesen. „Heute ist der Klimawandel in der Lebenswelt der Leute angekommen.“ Die Rede Merkels bei den Petersberger Klimagesprächen mache keinen Mut. Deutschland verliere seine Position als Vorreiter im Umweltschutz. 80 Prozent der Deutschen wollten das nicht, so der Ex-Kommunist. Er glaube nicht, dass das 1,5 Grad-Erwärmungsziel eingehalten werden könne. Die am höchsten entwickelten Regionen der Erde, es gebe eine Allianz zwischen Baden-Württemberg und Kalifornien, müssten jetzt der Welt zeigen, dass das 2,0 Grad-Ziel erreichbar sei. Eine „lebensfreundliche Landwirtschaft“ zur Erhaltung einer lebendige Artenvielfalt sei unabdingbar. Er habe politisch drei Leidenschaften sagte der Biologe der auch Ethik studiert hat:„1.Die Rettung der Erde, 2.Europa und 3.Den Föderalismus und die Gemeindefreiheit.

Das geht auch: Wohlstand ohne Naturverbrauch

Baden-Württemberg habe in den letzten Jahren gezeigt, das ökologischer Weitblick auch dazu führe ökonomisch die Nase vorn zu haben. Auf der lokalen Ebene, so steuerte der seit zwei Legislaturperioden im EU-Parlament sitzende Kandidat der Grünen ,Sven Giegold, bei, könne man große Fragen nicht lösen. In Kretschmanns Worten ausgedrückt: „Prosperität, die nicht umweltzerstörend ist, bekommen wir langfristig nur in einem Rahmen hin, den Europa abstecken muss.“ Es gäbe bei den Verhandlungen zu Klimaabkommen zwei Arten von Staaten, die einen seien zu klein, die anderen hätten das Problem noch nicht bemerkt. Konkret merkte Kretschmann an, er fände es uneinsichtig, dass die Bundesregierung gegenwärtig gegen CO2-Bepreisung wehre.Es sei hier wie bei der Künstlichen Intelligenz auch, entweder man sitze am Verhandlungstisch, oder man stehe bald selbst auf der Speisekarte.Dann kam er zum Thema Rechtspopulisten und Demagogen. Die Demagogen in Europa, hätten noch nichts geleistet, auch hätten sie keine belastbaren Versprechen gegeben. „Wenn man die Freiheit hat, verliert man ihren Geschmack“, sagte er an die Adresse derer die die Demokratie nicht gegen ihre Feinde verteidigten. Die Virtualisierung des Lebens führe auch zu immer weniger Ortsbindung, was man an der Wahlbeteiligung von etwa 40 % bei Kommunalwahlen sehen könne. In einer Welt mit komplexen Zusammenhängen sehnten sich die Leute nach Vereinfachung. Sven Giegold hakte hier vehement ein. Die Europäische Idee lasse sich nicht „Verzwergen“ in Umtauschgebühren und Roaminggebühren. Mit Europa stehe oder Falle die Chance für einen weltweiten Klimaschutz und eine Welt mit vergleichbarer Artenvielfalt wie heute. In dieser Beziehung kritisierte er das Einstimmigkeitsgebot im EU-Parlament. Einstimmigkeit sei undemokratisch weil kleine Parteien alles verhindern könnten. Auch aufgrund seiner schmerzlichen Erfahrung das die LBBW Wohnungen auf Geheiß der EU verkaufen musste, gemahnte Kretschmann an das Prinzip der Subsidiarität im EU-Rahmen. Es gehe nicht das Kleinbrenner im Schwarzwald von der EU gegängelt würden. Jede Kommune solle entscheidungsfrei bei den ihren Rahmen betreffenden Themen bleiben.

Eine grüne Idee: Die republikanische Föderation Europa

In 40 Jahren im Landtag in Stuttgart habe er eine ähnliche Situation wie gerade mit dem Einzug der AFD noch nicht erlebt. Die Republikaner seien aggressiv gewesen und immer auf das selbe Thema zurückgekommen. In der AFD aber sei der Anteil der Promovierten von allen Parteien am höchsten, stellte Kretschmann fest. Die seien klug und gerissen. Eine Möglichkeit aber ihre falsche Ideologie des Nationalismus zu entlarven, sei gerade der Klimawandel. Alle rechtspopulistischen Parteien leugnen den Klimawandel. Warum? Klimawandel hat doch nichts mit Identität zu tun. Nein, so Kretschmann, das politische Konstrukt des Nationalismus müsse den Klimawandel aber gerade deshalb leugnen, weil sein national begrenztes Hoheitsgebiet gar nicht in der Lage sei, die grenzüberschreitende Umweltverschmutzung nachhaltig zu bekämpfen. Im Gegensatz zu der von der AFD propagierten Stammesgesellschaft, gehe es im von ihm verteidigten Republikanismusnicht „darum woher man komme, sondern wohin man wolle.“ Die alte Erzählung Europas, sei die von Frieden, Wohlstand und Freiheit, heute käme mit dem ökologischen Europa aus grüner Sicht ein weiterer zentraler Baustein hinzu.Das „globale“ an seine politische Leidenschaft des Föderalismus rückbindend, meinte er: in der Ulmer Stadtgesellschaft sei jeder willkommen der am Gemeinwesen mitgestalten wolle, unabhängig von Stand und Herkunft.In politischer Emphase lobte er sein Baden-Württemberg. „In einem Land in dem 50 % ehrenamtlich engagiert sind, da regiert man gern.“ Auch wendete er die relativ niedrigen Wahlbeteiligungen bei Kommunalwahlen positiv „die 30 % die zur Wahl gehen, die kümmern sich das so richtig um Ulm.“ Dieses „ringen“ und „schmieden“ in der Demokratie, so sagte er enthusiastisch, sei einfach „eine schöne Sache.“ Am Ende einer packenden Unterhaltung forderte Giegold dann zusammenfassend und mutig die föderale europäische Republik. Diese Republik müsse genauso nachvollziehbar und transparent sein wie die Kommunalpolitik. Der giegoldsche Satz: „Wir brauchen die EU, weil wir sonst auf der Erde keine Chance haben“, hallte in vielen Gesprächen der Ulmer Bürgerschaft mit Freigetränken der Ulmer Grünen nach. Hier hat man oft das Gefühl, die Umweltkrise schaffe gerade die nötige demokratische Betriebstemperatur um die von den Grünen angestrengte “Ökologische Wende” in Tatleben und Infrastrukturen der alten Ratsdemokratie herbeizuführen.

Termine:

Sonntag 19.05, 13.00 Uhr, Internationale Demonstration “Ein Europa für Alle” Arnulf-Klett-Platz Stuttgart direkt am Bahnhof

https://www.ein-europa-fuer-alle.de/

Sonntag 19.05, 18 Uhr, “Ich denke, also wähle ich” Kundgebung für Demokratie, Menschenrechte und Solidarität!, Marktplatz Ulm

Das Denken ging den Taten voraus!

Ausstellung über Kranke und behinderte Menschen im NS-Regime in Ulm

„Es ist normal verschieden zu sein“ dieses Postulat von Ex-Bundespräsident Richard Weizsäckerscheint in Ulm´s Bürgergesellschaft ganz normal zu sein. Bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ die vom 29.April-15.Mai im EinsteinHaus dem Sitz der Ulmer Volkshochschule am Kornhausplatz 5 in Ulm gastiert, wird das große Bild anhand von Einzelbiographien Betroffener klar. Bei der Eröffnung konnte man erfahren, dass in dem Gebäude wo heute noch immer das Ulmer Amtsgericht ansässig ist, mit tödlichen Folgen über Lebenswert und Lebensunwert von Menschen entschieden wurde. Nicola Wenge von der KZ-Gedenkstätte „Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg“ machte darauf aufmerksam, dass es für den heutigen Diskurs über Krankheit, Wert und Würde wichtig sei zu wissen, dass es in Ulm´s Geschichte schon das Erbgesundheitsgericht Ulm gegeben habe. Über 150 psychisch kranke Menschen aus Ulm wurden im Zeitraum von 1934-1945 ermordet, 1500 Menschen zwangssterilisiert.Es ist kein Zufall,dass Adolf Hitlers Erlass, unheilbar Kranke, worunter unter Umständen auch psychisch kranke Menschen gezählt wurden, den „Gnadentod zu gewähren“ auf den Tag des Kriegseintritts Deutschland am 01.09.1939 fällt. Die wissenschaftlichen Gedanken als gut bewertetes menschliches Erbgut zu fördern und als schlecht bewertetes Erbgut auszusondern waren der fruchtbare zeitgeschichtliche Boden in den die vom gesellschaftlichen Wert für die Volksgemeinschaft ausgehenden Selektionen der NS-Ärzte vielen.

Kriegerische Integration führte zu Exklusion von unproduktiven Minderheiten

Sonja Eilks, von der ig mittendrin, einem Zusammenschluss Ulmer Organisationen im Bereich Soziale Arbeit und Selbsthilfe knüpfte den Faden der Vergangenheit unter dem Stichwort Inklusion an die bundesdeutsche Gegenwart an. Arbeitsunfähigkeit, Bildungsunfähigkeit und Zukunftsunfähigkeit sind im Nationalsozialismus die Kriterien gewesen um einem psychisch kranken Menschen zunächst das Recht auf körperliche Unversehrtheit(Zwangssterilisation) und dann auf Leben(Tötung) absprachen. So wurden im Laufe des NS-Regimes in Deutschland 400000 Menschen aus Heilanstalten zwangssterilisiert und 200000 ermordet. „Die Erinnerung daran ist unverzichtbar, um unseren heutigen Umgang mit Behinderung und Krankheit, über Exklusion und Inklusion nachzudenken und sich für Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe einzusetzen“, definiert die ig mittendrin ihr Ziel im Flyer zur Ausstellung.Das ein Hauptträger der Ausstellung die DGPPN, die Deutsche Gesellschaft Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde ist,war bis 2009 noch nicht denkbar. Denn erst seit dem arbeitet die Organisationdie Mitverantwortung ihrer Vorgängerorganisationen in der nationalsozialistischen Gleichschaltung auf. Die Ausstellung beleuchtet persönlich die Vita von Tätern(Verwalter, Krankenpfleger, Psychiater, Neurologen) Opfern(Schizophrene, Epileptiker, Alkoholkranke, Manisch Depressive) und Opponenten(Kirchenvertretern).

Das Innere und das Innerste: Individuelle Würde und gesellschaftlicher Wert

Die Kirchen deren Weltbild vom wissenschaftlichen dahingehend abweicht, dass sie Menschen nicht nur einen Wert in Beziehung zu anderen Größen wie Gesellschaft oder Gemeinschaft beimessen, sondern eine unantastbare Würde wehrten sich auf verschiedene Weise gegen die 1940 als T4 bezeichnete „Geheime Reichssache“ der Euthanasie an psychisch Kranken. Das Aktion T4, durch eine mutige Predigt des katholischen Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen gestoppt werden konnte, hängt wohl damit zusammen, dass Hitler nach dem Beginn des Russlandfeldzuges 1941 eine geschwächte Position im Deutschen Volk hatte und somit bei Beibehaltung des in weiten Kreisen abgelehnten Euthanasieprogrammesum die Sicherheit im Inneren fürchtete. Die evangelische Kirche befürwortete jedoch die erbbiologische Ausrichtung des Reichsanstaltswesens, inklusive der Zwangssterilisationen, sie Tötungen hingegen verurteilte sie.Um die Machteliten der verhandelnden Geistlichen zu schützen untersagten sie offene wie verdeckte Unterstützung der „geringsten Knechte.“ Die Aktionen wurden später unter anderer Regie weitergeführt, das lebensgefährliche und manchmal auch tödliche Bestreben weniger, eine ungeliebte Minderheit zu retten war misslungen. Die Anstalten verbrachten die als lebensunwert erklärten in Vergasungsanlagen wie in Grafeneck bei Münsingen oder gaben ihnen tödliche Spritzen oder Kuren um ihren „Gnadentot” herbeizuführen. Unter Angaben falscher Todesursachen wurden die Angehörigen informiert. Die Bestattung der Urnen erfolgte kostenfrei.

Ein Gedanke aus der Predigt des Bischofs von Münster am 03.August 1941 sei hier als Anregung für das Nachdenken über die Gegenwartsgesellschaft der Externalisierungen zitiert:

„...Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den unproduktiven Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir altersschwach werden! Wenn man den unproduktiven Menschen töten darf, dann wehe den Invaliden, die im Produktionsprozess, ihre Kraft, ihre gesunden Knochen eingesetzt, geopfert und eingebüßt haben! Wenn man die unproduktiven Menschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unseren braven Soldaten, die als schwer Kriegsverletzte, als Krüppel, als Invaliden in die Heimat zurückkehren…“

Man muss das Eigene so gut lernen wie das Fremde

Thea Dorn sprach in der Ulmer Stadtbibliothek über aufgeklärten Patriotismus und Europa

200 Gäste hatten sich im Erdgeschoss der Stadtbücherei Ulm eingefunden als Thea Dorn, in einem Gespräch mit der Dramaturgin Nilufar K. Münzing, über aufgeklärten Patriotismus, ihre Auffassung von Heimat und ihre Ansichten zu Europa zur Sprachen kam.Das Gespräch mit der renommierten Schriftstellerin aus Hessen, sollte laut der einführenden Ulmer Kulturbürgermeisterin Iris Mann, einen Denkanstoß für das „Internationale Fest“ am 4.05. in Ulm geben. Ulm sei eine internationale Stadt, in der es einerseits selbstverständlich sei, dass 140 Nationen relativ friedlich zusammenlebten. Andererseits sei diese Vielfalt manchmal auch eine Herausforderung, die uns zwinge uns mit unserem Eigenen zu beschäftigen. „Wie viel Stolz auf Deutschland darf sein“, fragte die Kulturbürgermeisterin? Und wieviel müsse sogar sein um selbstbewusst auf Andere zugehen zu können? In den letzten Jahren sei eine Verunsicherung bei den Deutschen Intellektuellen zu spüren gewesen, da immer wieder Äußerungen aus deren Reihen laut wurden, die nicht ins alte Bild passten.

Deutsch nicht dumpf

Thea Dorn die mit Belletristik in den 90er Jahren ihre ersten Romanerfolge feierte und laut eigener Aussage eine starke „Anhänglichkeit an die Deutsche Kultur“ hat, ist da vielleicht eine gute Ratgeberin. Gerade nach dem großen Buch von 2011 „Die deutsche Seele“ und dem 2018 veröffentlichten „Deutsch, nicht dumpf. “Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“, in denen sich diese Eigenschaft noch mehr niederschlägt. Mann charakterisierte die Offenbacherin die in Berlin lebt gar als „Intellektuelle im descartschen Sinne, die es verstehe, Impulse zu geben ohne sich von einer Seite vereinnahmen zu lassen. Patriotismus: Vieles ist nachvollziehbar, nicht aber sich auf Trumps Seite zu schlagenIm Gespräch mit der auf reizende Weise Intelligenz und äußere Schönheit auf sich vereinenden Nilufer Münzing, bekam zunächst die Zeitwahrnehmung Dorns viel Raum. 2011 als sie mit dem Buch „Die Deutsche Seele“ in dem sie „liebevoll kritisch“ in Begriffen wie „Abendbrot“, „Wanderlust“, „Abgrund“ und „Zerrissenheit“ der deutschen Seele nachspürt, unterwegs war, hat sie die Stimmung in Deutschland noch anders wahrgenommen. Sie macht es daran fest, dass damals noch keine Partei im Parlament saß, welche den Begriff deutsch auf dumpfe Weise im Munde führte. Sie will auch nicht in den Diskurs „Ich darf jetzt endlich wieder deutsch sein“ einstimmen. Vielmehr springt hier ihr leidenschaftlicher Verstand an. Es gebe im Allgemeinen zwei Lager: Erstens die Kosmopoliten, die international vernetzt seien und auf den Begriff Patriotismus allergisch reagierten. Zweitens seien da die Nationalisten, die ihren Fokus primär nicht auf ihre Anhänglichkeit an das Liebenswerte am eigene Land setzten, sondern auf das was nicht dazu gehöre. „Ich habe einen breitgefächerten Freundeskreis, von ziemlich weit links und ebenso rechts in Berlin“, eröffnet die jung gebliebene 49 Jährige. Wegen Abdriften nach Rechts seien auch dort wie in den USA Freundschaften zerbrochen.Nach ihrem Amerikaurlaub, hätten Freunde in Deutschland zu ihr gemeint: „Hauptsache der Linksliberale Mainstream hat einen auf den Deckel bekommen.“ Vieles könne sie nachvollziehen, nicht aber sich auf die Seite Trumps zu schlagen.

Europa als Ort des gemeinsamen Besten?

Mit dem Goethefreund Johann Gottfried Herder, der sich mit dem Dichterfürsten verstritt, auch weil Herder die Französische Revolution 1776 gut hieß, erklärt Thea Dorn ihre Haltung zur Nation. Der sagte auf die Frage „Was ist eine Nation“: „Ein großer ungejäteter Garten voll Kraut und Unkraut.“ Hier seien „Vortrefflichkeiten“, „Fehler“ und Tugenden so unübersichtlich versammelt, das man nicht im Namen einer Nation das Schwert gegen eine andere erheben könne. Und gerade diese „Zerrissenheit“, auch ein deutsches Wort dem sie auf der Suche nach der Seele dieser Nation nachgeht, sei für die mit das spannendste an dieser Nation. Auch sei ihr Europa, als Ausgangspunkt des Kolonialismus, als der Ort so lieb, an dem das Abenteuer der Individualisierung begonnen habe. Herder bringt in seinem Zitat Menschen, Geschlechter und Nationen zusammen, wenn es darum ginge zu lernen, dass keines das allein auserwählte Volk sei, sondern alle in mannigfacher Verschiedenheit am Garten des „gemeinsamen Besten“ bauen müssten. In der Jugend galt es auch bei Dorn als Kosmopolit, „alles Allgemeine abzustoßen“, nun fragt sie sich nach der Rolle der Kultur aus der sie kommt und kann bei Lesungen mit Wanderschuhen dabei kleinen Käfern im deutschen Hinterland genauso viel abgewinnen wie Metropolen wo der ICE hält. Das globale Ich ohne Prägungen sei eine Lüge. Und „digital native“ Jugendlichen, die kaum noch deutsch könnten, seien kein Modell sondern ein Problem. Klar finde sie gut das jetzt endlich gegen arabische Clans in ihrer Wahlheimat Berlin vorgegangen werde. Das sei für sie Ausdruck einer selbstbewussten freiheitlichen Demokratie. Sie spräche 3 Sprachen ordentlich und könne sich schon als Europäer ansehen. Wenn Jugendliche drei Sprachen sprächen, aber richtig, dafür aber den ganzen Tag Bildchen wischend im Wohnzimmer säßen, sei das ein weiteres Problem. Man müsse gesellschaftlich auch die Frage stellen was mehrere Herkünfte ausmachten.

Das Grundgesetz als Wahlheimat?

Was den Begriff Heimat betrifft, so möge sie den Begriff Wahlheimat. Wenn es um Heimat gehe, sagten 80% etwas über Essen, dann folgten Gerüche und Lieder, bei denen das Gefühl von Heimat aufkäme. Sie sei in der Jugend 10 Jahre lang immer mit ihren Eltern in die Brittannie gefahren, der Begriff Heimat habe als auch eine Schicksalskomponente. Heimat habe etwas mit Sicherheit und Geborgenheit zu tun. Herder habe gesagt: „Heimat ist dort wo ich mich nicht erklären muss.“Hier müsse man sich nicht dafür entschuldigen wie man ist. Deshalb möchten, so viele Berlin als Wahlheimat. Weil man hier anders als manchmal im Herkunftsort, sich nicht dauernd rechtfertigen müsse.Wenn Heimat so etwas wäre, wie eine verlorene wahre Kindheit, was wäre dann ein Heimatministerium, etwa ein Ministerium für die wahre Kindheit? Alle lachten. Vielleicht birgt das dornsche Gespäch mit Marc Jongen, ein philosophischer Schüler Peter Sloterdijk´s und kulurpolitischer Sprecher der AFD im Bundestag, das ihr zu Folge bald im Deutschlandfunk ausgestrahlt werden soll, dahingehend mehr Aufklärungspotential? Wenn Deutschland politische originell wird, dann geht immer viel zu Bruch, meint die Publizistin, die sich nach dem Mitbegründer der Kritischen Theoretie Theodor Wiesengrund Adorno benannt hat. Kulturpatriotismus und das habe sie auch in dem Gespräch mit Jongen erfahren, diene oft zunächst als Grundlage für die Ausgrenzung Anderer. Als sie eine Dokumentation über einen Syrer der Förster wird, ganz ohne die Waldmetapher in der deutschen Literatur, gesehen habe, habe sie das berührt. Wer sage, da stimme etwas nicht, sei kein Patriot sondern ein Rassist. Im herderschen Sinne, sei das Deutsche Grundgesetz eine Heimat angeleitet von einer Leitzivilität, die als Konsequenz der Hybris einzelner Nationen als auserwählter Völker entstanden sei. An ihre äußerst anregende kurze Lesung aus „Deutsch nicht dumpf“ wo sie einen Europafreund und einen Europagegner disputieren lässt schließt sie philosophische Erwägungen an. Am Grunde der Europäischen Geschichte stünden Sätze wie die des dunklen Heraklit: „Der Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“ Oder „Der Krieg ist Vater von Allen, König von Allen.“ Auch stünden zwei widerstrebende Pole der vom „Vordenker“ und Feuerräuber Prometheus und der des gottergebenen Märtyrers Jesus am Ursprung der europäischen Zivilisation. Die östliche Kultur fände in ihrem Jin- Jang-Symbol einen höheren ausgleichenden Pol. Europa ob Individualisierung ob gewaltsame Inbesitznahme der Welt, halte den Widerstreit aus.

Die europäische Kultur: Grundlage Freiheiten zu teilen

In China sehe man gerade wo westliche Datentechnologien ohne den Geist der Aufklärung und kritische Individuen hinführten. Was Big Data betreffe gehe es nicht, dass Künstliche Intelligenzen Schlüsse zögen,die Menschen aufgrund von unermesslichen Datenmengen als Grundlage nicht mehr nachvollziehen können. Bildung sei wichtiger denn je. Denn heute drohen die Menschen durch die Annäherung an Algorithmen mehr und mehr technikgetrieben zu werden.Der europäische Kerngedanke sei jedoch, dass man durch Bildung zu einem verantwortungsfähigen Menschen werden könne. Identitätspolitische Gemeinschaften neigten zur Homogenisierung. Der deutsche Kräutergarten und seine Zerrissenheit in Ähnlichkeit,sei ein gutes Beispiel. Wie man von der Gemeinschaft wieder zur Gesellschaft kommen könne. Wanderstiefel und der Besuch kleiner Käfer mit kulturell Verbindendem im Gepäck seien dabei das dornsche Mittel. Kulturkenntnis und Kulturschutz seien dabei zwei verschiedene Paar Stiefel. Denn wie sagte laut Dorn schön Friedrich Hölderlin: „Man muss das Eigene so gut lernen wie das Fremde.“

Bald Gartenstammtisch im Quartiersgarten im Dichterviertel

Schon Anfang April eröffneten einige Gärtner und Gärtnerinnen im Quartiersgarten, neben dem Böblingerturm in der Böblingerstraße in Ulm, die Gartensaison. Als die vier Gärtner zu Gange waren und ein junges Pärchen hinzukam, welches ein neues Beet anlegen wollte, entstanden botanische Erkenntnisprozesse. Ein vermehrungskräftiges Wildkraut, das früher landläufig unter dem Begriff Unkraut rubriziert worden wäre, wurde rehabilitiert. Spätestens als es seine besondere Kressenote im Mund entfaltete wurde der Einwanderer Gartenschaumkraut wertgeschätzt. Ein reicher Tisch mit Tees ,in der noch beträchtlich kalten Zeit, gab dem Ort, ,der von Bäumen und Blumen vor den Geräuschen der B10, nähe Hindenburgring geschützt ist, seine letzte Wohnlichkeit. Nach dem Frühstück bewaffnete man sich mit Gartenkrallen, Gartenkellen und Schubkarren um die Bedingungen für das Ernte- und Blütejahr 2019 im Quartiersgarten zu schaffen. Riesige Regenwürmer im neuen Beet kündeten von einem guten Boden. Hier wird Kompost durch das Aufeinanderschichten von Blättern, Küchenabfällen und erst zum Schluss Erde -in den Beeten selbst- langsam und nachhaltig hergestellt.Ein weiteres Aufgabenfeld, erhab sich also in dem Anheben der Erdhöhe einiger der Beete des Quartiersgarten´s, der ein “Garten für alle” sein will, die sich letztes Jahr um 30 Zentimeter abgesetzt hatte. Ein Mann kam Mittags beim gemeinsamen Mittagessen vorbei und interessierte sich.Er hat Glück am Donnerstag den 25.04. um 19.00 Uhr wird der Gartenstammtisch, der bisher immer im Cafe´ Blau stattfand, erstmals im Garten stattfinden.

Links:

https://www.quartiersgarten-dichterviertel-ulm.de/

Gemeinsame Ulmtriebe:

Circa 1500 Leute beim Flohmarkt im Gleis 44

Bestes Wetter, bunte Menschenbäche strömen in den Innenhof des Überraschungsraumes des Flohmarktes des Gleises 44. An Großmutter erinnerndes Nähwerk mit Inhalten mit klarer Kante von du bist so heiß, bis gegen Nazis sticht als erstes samt der Verkäuferin ins Auge. Der gestern noch leere Innenhof ist immer noch geräumig gesäumt von einem Cafe einer Creperie, einem Steakhaus, die alle mobil sind. In einer leuchtenden Menschendolde glänzt Jonathan von gestern hervor. „Wenig Kosten um die 1500 Menschen im Durchlauf“ meint er freudig, „da schaut für unsere weitere Arbeit was raus.“ Kreativ und anspielungsreich ist die Dinosaurierschießbude, die sowohl Kinder als auch Erwachsene zur Armbrust greifen lässt. Eine Gute Mischung aus kulinarischem, Plätzen zum Verweilen und Waren bietet sich dem Flaneur wie eine orientalische Uferpromenade an.

Warenfetisch mal anders

Drinnen oben blitzen einen Waren an, die neben mayoritären dem Geld-Ware-mehr Geld-Spiel ein „Alles was du siehst gehört dir“ eröffnen. Freude über die Früchte gemeinsamer Arbeit strahlt aus den Augen der Helfer. Noch frischere Freude aus den Augen des Ulmer Imkers Tobias Neukamm als er die süße antiseptische Frucht der lokalen Mensch-Natur-Kooperation in die Hände einer Käuferin drückt. Wir sprechen über Nektar für Schmetterlinge, den der Windbestäuber Mais nicht bringt. Über die Lobby der Bienen und über Sinn und Zweck von gärender Biomasse für das terrestrische Energiesystem.Der Raum atmet süße Subversion, ethisch Ironie und die gelassene Entschlossenheit von handlungsfähigen Mitwissern der erforderlichen Schritte in diesem Abschnitt der Weltgeschichte in der Schillerstraße 44 . Hinter einem Stand gegenüber lugt eine schwarzgekleidete junge Frau hinter dem goldenem Brillenrahmen hervor. Sie sieht aus als ob sie in Tokio, Prag und Berlin Philosophie und Kunst studieren würde. Unter ihr ein Schild: schwarz auf grün. Detox your soul. Auch für Flohmarkt im Gleis,erfahre ich, von einer älteren Frau musste man sich bewerben um einen Standplatz zu bekommen. Ich falle aus der Rolle des souveränen Beobachters als ich das erotische Objekt des Gürtels aus Fahrradschlauch anprobiere.

Vielleicht sollte ich es zunächst schaffen weitere Löcher in meine vorhandenen Ledergürtel zu stanzen.Die Ware schillert zwar und jenseits ihrer Grillen weißt sie in meine Zukunft: Werde praktisch.

Entgiftungspoesie auf indische Arbeit geschrieben

Nach dem ich meine sieben bis siebenundzwanzig Sachen wieder zusammen habe gehe ich zu der feinen Verkäuferin. Sie stellt sich als Michelle aus Biberach vor. Sie verkauft Fairtrade-T-Shirts aus Indien mit ihren Logos und Botschaften unter dem Label „Instable Fairies.“Gruselige Gesichter verbunden mit Entgiftungspoesie. Silas ihr Fahrer hat eine Botschaft verfasst:

„Es gibt keinen Weg zurück in den Schlaf mehr

Und nichts bleibt mir übrig als das Wach-Sein

lieben zu lernen“

Der Preis und die Herkunft der Shirt´s, sowie das Gehen der liebgewonnen beiden zeigen mir direktwie wahr der Spruch ist. Ich gehe raus und sammle mich in einem hoffentlich ausreichenden Abstand zur Feuerschale. Gesunde junge Körper fangen an sich zu berühren und zu küssen. Ukrainische Computer Science-Studenten tanzen in der Stille ums Feuer. Einer kommt zu mir her und meint: „Your head highlights your personality, he say´s what you should be.“Als ich meine Sachen weggebracht habe spüre ich meinen Körper schwer und doch lustvoll, die Türe ist schon gesäumt von Türstehern, ich fühle mich einsam ohne Geld und Spiel und Hut, gemeinsam.

Links: Instable Fairies faire sinnvolle Kleidung

Instagram: Instable Fairies

Kontakt: michelle.roehl@web.de

Honig aus Ulm:

Tobias Neukamm

Konatkt: Info@ulmerhonig.de