Biodeutsch?!

Kultur aus der europäischen Völkermühle

Christa Mayerhofer, die zuletzt mit ihrer „Rentnermoritat“ Freude, Bewusstsein und Mitgefühl auf die Kleinkunstbühnen der Region zauberte, hatte letzten Donnerstag mit ihrem neuen Programm „Biodeutsch“ Premiere. Diese Beziehungsgeschichte des Neandertalers auf der Suche nach der deutschen Kultur, nahm ihren Anfang in Mayerhofers Stadtteil Wiblingen in Ulm.

Ein Fanal für demokratische Organisation war es schon einmal, dass in dem schönen Raum im Quartierstreff in Wiblingen aufgrund von Mayerhofers exzellenten Beziehungen und Überzeugungskünsten das erste Mal überhaupt eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Anlass abgehalten wurde. Der Generationentreff Wiblingen und die vom Land gesponserte Partnerschaft für Demokratie als Veranstalter durften trotz wenig öffentlicher Werbung mit etwa 50 Gästen ein volles Haus begrüßen.

Während der Einführung der Künstler, auch Tom der Wolf, gibt sich mit seinen kraftvollen Protestsongs die Ehre, ging ein Glas zu Bruch. Wenn auch Tom hätte offiziell beginnen sollen, so

lieferte die schmähreiche Salzburgerin sofort die auflockernde Erklärung. „Das war der Kegelverein.“

Dramaturgie, Kraft, Bedeutsamkeit und Persönlichkeit manifestierten sich in dem Eingangssong „Wolf unter Wölfen“ von Tom. Der Bogen spannte sich vom Refrain: „Du kannst nicht schlafen, weil du nicht vergisst, dass das Mensch dem Mensch der Teufel ist.“ aus auf. Zog sich über Szenen,

die Menschen als Diener der Ungerechtigkeit und Ausbeutung anderer Menschen und Lebewesen zeigte und rundete sich ab in dem synthetischen Schlussrefrain: „Du sollst nicht schlafen, da du nicht vergisst, dass du ein Teil der Veränderung bist.“ Tom der Wolf ein Musiker dessen Intensität und Textideen zum Gutteil aus den Erfahrungen eines 35 jährigen Engagements gegen Atom- und Kohlestromgewinnung rühren.

Mischungsverhältnisse im Neandertal

In der gespannten Atmosphäre begann dann Christa ihr Thema „Biodeutsch“, biodeutsch ist eine Wortschöpfung der Identitären Bewegung um den ethnischen Wert, vor dem rein passdeutschen Status herauszustreißen. Schon der Nendertaler sei damals in kulturunvordenklichen Zeiten einem

Einwanderer aus Afrika, dem Homo Sapiens nämlich, auf erotische Weise mit Kindesfolgen begegnet, davon zeuge ein Oberschenkelknochem im Ulmer Museum. Eine detailierte Geschichtserzählung sieht zwar anders aus und auch der Sprung vom Stelldichein der Urtypen zur Völkerwanderung darf als harsch bezeichnet werden. Die Schilderung des Raufens, Saufens und Mordens von Allemannen, über Franken bis hin zu Vercingertorix dem Gallier, dessen Tochter der Jubiäumsasterix, zum 60. gewidmet ist, und darüber hinaus gab allerdings lustige und triftige Indizien für einen gesamteuropäischen „Spermienmix.“ Die Franken, die sie nicht nur als besonders frei, sondern als besonders brutal einstufte, verband sie mit dem aus Nürnberg-Schweinau stammenden Markus Söder. Der müsse wissen, dass die Bayern ein Volksstamm seien die aus Illyrern und zu einem Gutteil aus Geflüchteten aus der Schweiz und besiegten Langbarden bestünden. Der Höhepunkt, sie forderte in ihrer wunderbar roten bulgarischen Volkstracht von Markus: „Mach eine Psychotherapie, denn alles was du ablehnst bist du selbst.“

Nach dieser langen geschichtlichen Herleitung gab es dann zur Belohnung für die kognitive Anstrengung einen poetischen Song von Tom über eine stigmatisierte blinde Japanerin. „Old picture,It could be me, it could you thousand mildes away.“ Prädikat: tränentreibend.

Das dann der Begriff Kelten noch mit Stellen aus Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ bemerkenswert erhellt wurde, zeugte davon das es Mayerhofer, durchaus um das Deutsche war. Nicht aber das „Biodeutsche“, sondern das Kulturdeutsche und zum Schluss gar das „Demokratiedeutsche“. In einem Abschnitt, der nur als mystisch und episch zu umschreiben ist schildert Zuckmayers General Harras auf einer dreiviertel Seite die Menschen die im Laufe der Zeiten alle am Rhein inkarniert sind. Vom jüdischen Händler über den französischen Liebhaber bis hin zum preußischen Soldaten um hernach, das Rheingebiet als die „europäische Völkermühle“ zu charakterisieren und solche wie der Goethe seien auch von da fügt er hinzu. Das sei also die Kelter, ein Verfahren um aus verschiedenen Trrauben Wein zu gewinnen.

Auch seien die meisten Flüchtlinge nach dem 2.Weltkrieg nach Bayern und Baden Württemberg gekommen. Da sei es doch lachhaft wenn ihr Verwandter Thorsten sich bei den Identitären wie ein direkter Abkömmling von Herman dem Cherusker brüste. Obama habe auch Deutsche Gene, das sehe man ihm auch nicht an der Nase an. Biodeutsch, meint sie das gibt es nur bei Kartoffeln. Und die sind ja nicht wie die Deutschen nach Amerika ausgeandert, sondern anders rum, denke ich.

Harte und klare Worte verlor sie in Richtung Puffgänger. Bei den Nutten, die in der Blaubeurerstraße, von starken Männern beschützt.in der Horizontale ihre Schleppergelder abarbeiten dürften, da könne es gar nicht bunt genug sein. Nur rassisch bräuchte man es rein.

Bei den Nutten darf´s bunt sein

Da sei ihr ihr Volk, von dem es heißt, dass es aus Promenadenmischungen bestehe, die Österreicher schon lieber. Da mache man zwischen den Ausländern einfach gar keine Unterscheidungen, das seien die Tschuschen, von denen es auch Kapellen gebe, die man beim Danaufest in Ulm auch sehen könne. Es gebe da einen tollen Rahmen, auch beim Brunch der Kulturen im Haus der Begegnung könne man so manche Tänze mit ungewöhnlichen Taktfrequenzen tanzen.

Einen tollen Schluss fand das Programm in einer innigen Rezitation des Fischers von Goethe. Hier sah man wieder auf gemeinschaftseröffnende Art das Eros und Arbeit, wie Alexander Kluge erforschte, die wichtigsten Praxisgebiete des werdenden Kulturdeutschen sind.

Der Fischer

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
»Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie’s Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew’gen Tau?«

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
Netzt’ ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war’s um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1779)

Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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