Alle Hände voll Zukunft

Oberbürgermeister Czisch schwört auf Ulms Bürgerschaft

22.07.2019 es ist fünf vor 10 Uhr und glutheiß. Auf dem Ulmer Weinhof versammeln sich hunderte festlich gewandete Bürger Ulms unter dem geschmückten Schwörhaus einen Steinwurf von der Ulmer Münz. Schön aufgeputzte Offiziere der Bundeswehr, Geistliche der beiden Konfessionen und jede Menge politische Würdenträger und engagierte Bürger verbinden drei Dinge:Hitze, Hüte und Verschworenheit. Einen großen Bogen über die Geschichte die solch eine illustre und doch tief ernsthafte Versammlung der Ulmer möglich gemacht hat spannt Oberbürgermeister Czisch dann schon zu Beginn. 500 Jahre gebe es dieses „Verfassungsfest“ dessen Zentrum die Schwörrede sei, nun schon. Diese längere Tradition mache erst die Bedeutung des anderen Verfassungsfestes in diesem Jahr klar, die des Deutschen Grundgesetzes, welches vor 70 Jahren in Kraft getreten sei deutlich.

Das Freiheit, Gleichheit und Mitbestimmung der Bürger, die heute stark unter Beschuss stünden, gelebt werden könnten, hänge mit einer engagierten Bürgerschaft zusammen, die auf dem festen Grund der Tradition kraftvoll und entschieden in die Zukunft gehen könne. Läuft man vom Metzgerturm, einem ehemaligen Teil der Stadtmauer des mittelalterlichen Ulm, stadteinwärts sieht man an der Südfassade des Ulmer Rathauses auf eindrucksvolle Weise den Stand der Ulmer Wirtschaftsvernetzung zur verbürgerlichten Renovierung anno 1905(siehe Bild oben) prangen. Auch heute so Czisch sei der „Ulmer Blick entschieden europäisch.“ Und nicht nur das, wie in Ulm das ehemals größte Festungswerk Europas, 2030, zur Gartenschau, durch ein grünes Band verbinden will, so wolle Ulm auch eine mitfühlende und soziale Stadt sein.

Bürgerschaft als Schatz, Ordnung als Schutz

Deshalb habe der Ulmer Gemeinderat, so Czisch, jüngst beschlossen, die deutschlandweite Solidaritätsinitiative „Seebrücken schafft sichere Häfen“ (wir berichteten….) zu unterstützen.Zu Ulm als wichtigem Nato- und Rüstungsstandort aber schweigt er. Viel mehr setzt er sich dafür ein, dass die Polizeipräsenz in Ulm verstärkt werde. In Ulm könne man sich wohlfühlen, doch Freiheit brauche Sicherheit und „Wer Leib und Leben anderer schützt, dem gebührt Lob und Anerkennung.“ Glaubwürdig, fast wie ein starker gütiger Löwe wirkt der strahlende Politiker als er sich vehement dafür einsetzt, dass „die Korridore frei äußerbarer Meinungen“ in Ulm nicht verengt werden und die Kunst frei bleibe. Mit dem 2019 sechzig gewordenen Donaubad beginnend, der hundertjährigen Künstlergilde fortfahrend und dem 30 jährigen Roxy nicht endend war die Liste der von Höchster Stelle beglückwünschten Kulturbetriebe Legion. Aus der Zukunft die Ulm laut Czisch selbst anpacken wolle, strahlt auch das Konzept Zweiländerstadt, welches zum 150 jährigen Geburtstag des bayerischen Neu-Ulm die durch die Donau geographisch getrennten Städte national und international zusammenrücken lassen soll.

Umweltschutz: Bewegung aufnehmen und um Lösungen ringen

Danach folgt ein Lob auf die Ulmer Bürgerschaft. Die zahlreichen Beteiligungsmodelle zum Beispiel in der Weststadt hätten zu einem neuen Quartiersgarten im Dichterviertel, nahe dem Böblinger Turm der alten Befestigungsanlage geführt. Hier und an so vielen Orten in Ulm zeige sich, dass „die Bürger in ihrer Lebenswelt“ die besten „Experten“ seien.Im Ziel sei Ulm mit der Jugendbewegung zur Erwirkung eines konsequenteren Klimaschutzes einig, im Weg müsse man um eigene Lösungen ringen. Bei den Klimazielen für 2050 will sich der aus Dietenheim stammende OB an die Vorgaben des Landes halten. Pionier sei Ulm allerdings nicht nur beim Thema autonomes Fahren, sondern auch mit den meisten E-Ladestadtionen pro Kopf in Baden-Württemberg. Jeder Baum sei „ein kleines Stück mehr Klimaschutz.“ Das Kredo der Einsteinstadt sei aber, dass die Herausforderung des Klimaschutzes nur technikoffen lösbar sei.

Armen und Reichen ein gemeiner Mann

Schon wenn man an die sage und schreibe 239 Brücken der Stadt Ulm denkt kommt man auf das Thema der Finanzen. Mit 103 Millionen Euro habe Ulm vergleichsweise wenig Schulden. Denen 118 Millionen Euro auf den Sparbüchern entgegenstünden so der altgediente Diplom-Verwaltungswirt. Gegen Schluss der Rede traditionell von 10 Uhr bis 11 Uhr dauernden Redesprach Czisch die „Harte Nuss“ des Wohnungsproblems in Ulm an. Die neue Notunterkunft für die steigende Zahl Wohnungsloser mit 40 Plätzen sei eine erste Maßnahme. Angesetzt werde aber im großen Stil beim Wohnungsbau, die UWS die von 2019 bis 2027 gerade mal 50 neue Wohnungen baue bezeichnete er als „Pfeiler“ in der Ulmer Wohnungsbaupolitik. Darüber hinaus werde das Baugebiet Safranberg ausgebaut und 2027 komme das Baugebiet Kohlplatte. Wiederum beherzt sein Aufruf an die Ulmer Vermieter, wieder mehr zu vermieten: „Jede einzelne Wohnung zählt!“Staatsmännisch und wertschätzend „manchen war es zuviel, manchen zu wenig“ bedankte er sich auch für die Engagierten in der FlüchtlingshilfeDie Nordfassadenfresken des festlich beflaggten Ulmer Rathauses aus dem 16. Jahrhundert zeigen Szenen aus der griechischen und römischen Mythologie, die sich mit Krieg, Schutz, und Tugenden wie Gehorsam und unverzagtem Mannesmut beschäftigen. Die Ostfassade handelt von biblischen Beispielen von Liebe, Selbsterkenntnis und Gerechtigkeit. Um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen habe Ulm jede Menge zu tun. In einer Welt wo Individualismus Leitwert sei, da könne er alleine schnell zum Egoismus werden. Für Vandalismus an Ulmer Schulen oder Müllsünder hatte er vorher betont, habe er kein Verständnis. Wer sich in einer so pluralen Stadt wie Ulm, die in Wissenschaft wie Arbeitswelt von ausländischen Kräften lebe, trotz verschiedener Weltanschauungen zu einer Ulmer Zusammengehörigkeit zusammenfinden wolle, der müsse sich mit Ulm und seinen Werten und Tugenden identifizieren. Bei den Worten des OB „…Ulmer aus dem Herzen sein“ klatscht einen Frau in wildem Enthusiasmus voraus. Mit der Schwörglocke zusammen schwört leutselige Gönnernachfolger den uralten Schwur: „Reichen und Armen ein gemeinen Mann zu sein…“Als der frischgewählte Ulmer Gemeinderat hernach vereidigt wird spürt man eine Zusammengehörigkeit: “Wir haben alle Hände voll zu tun.” Alle Hände voll Zukunft.”

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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