Exposition: Humans of Ulm

Ulmer Gesichter und Geschichten erzählen von der Flucht

Am Freitag fand im Gleis 44 in der Schillerstaße im Rahmen des „Festival contre la rassisme“ die Eröffnung der Ausstellung „Humans of Ulm“ statt. Die Seebrücke Ulm die zusammen mit zahlreichen Seebrücken in vielen deutschen Städten 2018 entstand, als viele Flüchtlingsretterschiffe im Mittelmeer nationalstaatlich gestoppt wurden,, hat die Ausstellung im ersten Stock des jungen Kulturzentrums im Dichterviertel der Einstein-Stadt auf die Beine gestellt. Die engagierte und beherzte Psychologiestudentin Leonie, Abschlussthema: Die therapeutische Wirkung von Hochseilgärten schilderte die Lage von Herzen. Die Zahl der Flüchtlinge weltweit habe eine einmalige Höchstzahl erreicht,die Zahl der Asylanträge in Deutschland einen Niedrigstand. Das Mittelmeer sei noch immer einer der gefährlichsten Fluchtwege der Welt. Ihr ginge es seit ihrem Engagement für Geflüchtete Menschen so, dass sie immer öfter erstaunt mitbekomme, dass Menschen die sie schon lange kenne, eine Flüchtlingsgeschichte hätten. Viele „Deutsche“ hätten bei genauerem Kennenlernen geflüchtete Eltern oder Großeltern. Ihr sei es im Alltag viel wichtiger was ihr für Menschen gegenüber treten, analytische oder künstlerische, introvertierte oder extrovertierte.Hier trete die Herkunft hinter der Gegenwart zurück. Leonie trägt ein mattblaues Kleid mit einem in Makramee gearbeiteten Lapislazuli.

Ankunft des Vaterlandes?

Da treibt die bläulich schimmernde Blase einer Geschichte aus meinem Leben in den Vordergrund. Damals 2014 hatte ich in Überwindung all meines schwäbischen Geizes, von dem edlen Glanz des Lapislazuli in den Händen unserer Buddhastatue im Meditationszentrum angespornt, einen handgroßen Lapislazuli gekauft. Mein Kumpel war unpässlich, und ich setzte mich, den Lapis in den Händen vor seiner Wohnung ,in einem ärmeren Viertel Freiburgs, zur Einkehr hin. Als ich mit guten Wünschen nach einer unermessenen Zeit die Augen auftat, sah ich da ein kleines arabisch aussehndes Mädchen, deren Augen im Angesicht des Steines glänzten. Wie von einem unpersönlichen Mut getragen ging ich zu ihr hin und bot ihr den Stein an. Erst winkte sie verlegen ab, dann schaute ich bis zu der Schicht ihrer Augen die den Stein der Hingabe vorher anglänzte und sie nahm ihn in kindlicher Glückseligkeit an sich und ging. Seit dem weiß ich, dass etwas tieferes Welt- und Bewusstseinsgeschichtliches dahinter steckt, dass Syrien tragischer Weise gerade das Land der Welt mit dem größten Bevölkerungsschwund ist. Mein Vater ist Libanese, sieht sich aber als Phönizier, einer seiner Lieblingsautoren ist Khalil Gibran, ein Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, gerne erzählt er die Geschichte das Uruba der Legende nach eine wunderschöne phönizische Prinzessin war, die Zeus in der Maske des Stieres zur Untreue, aber auch zur Zeugung des Kontinents trieb.

Azraq: Bridge over troubled water?

Von Überwindung von Trennungslinien erzählen auch die Geschichten und Gesichter der Ausstellung „Humans of Ulm.“ Von schlimmen Erfahrungen: Bilder sterbender Mitreisender auf untergehenden Boten. Von staatlicher Diskriminierung in den 70er Jahren geflüchteter Aleviten aus der Türkei. Aber auch von den Früchten der Selbst- und Weltüberwindung. „Pünktlichkeit ist etwas zutiefst syrisches“, parliert ein junger Syrer, der die Brücken die seine geistigen Vorgänger bauten, zu nutzen wusste über seine unpünktlichen Deutschen Freunde. Am Fenster steht im Abendlicht pittoresk ein Mann mit T-Shirt in gedämpften blau, darauf steht in drei selbstgedruckten schwarzen Lettern: MUT. Mein Gesicht des Abends. Es stellt sich heraus, dass es der Ulmer Lyriker Marco Kerler ist, der mein Gedicht „Löse und verbinde“ für die Flugschrift zu dem „Festival Contre Rassisme“ mit 80 anderen abgelehnt hat. Es fällt mir spontan ein Zitat das Perikles, dem Gründer der antiken Athener Demokratie zugeschrieben wird ein. „Das Geheimnis des Glücks ist Freiheit, das Geheimnis der Freiheit ist Mut.“ Wären wir nicht zu intellektuell würden wir uns jetzt geistig in den Armen liegen. Dem Lyriker, dessen Werke laut eigener Aussage nur in Berlin wirklich verstanden werden, ist das zu klar. Eines ist klar Azraq heißt zu Arabisch blau und Lapislazuli Lazaward.Und die Wasser sind schon seit je her das Medium auf denen der mitfühlende schöpferische Geist der auf uns zu kommt schwebt.

Advertisements

Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s