Harrycane Orchestra im Einstein Haus zu Ulm

6 Augsburger vermählen Orient und Okzident auf dem Weg zum Weltfrieden

Im Club Orange im Ulmer Einsteinhaus, zu arabisch Club bourdougal, fand das lange angebahnte erste Konzert von Harrycane Orchestra, der sechsköpfigen türkisch-deutschen Band aus Augsburg, am Freitagabend statt. Der Ulmer Verein für Kunst- und Kulturveranstaltungen „Kunstwerk e.V“, so sollte sich in dem Konzert beweisen hatte wieder einmal einen musikalischen Edelstein nach Ulm gebracht. Harry Alt, der die meisten Lieder der Band komponiert, hat durch die Begegnung mit dem blumig strahlenden türkischstämmigen Oberpfälzer Sänger Tarkan Yesil sein Talent Kompositionen mit viel Raum für Improvisationen zu schneidern mit der Tradition der klassischen arabischen Musik veredeln können. Die bis ins achte Jahrhundert nach Christus reichende Tradition der herausragenden Rolle von Gesang und Rhythmik in der arabischen Musik wurde in dem Konzert durch die fremdartige Eintönigkeit arabischer Flötenmusik gekrönt und mit Arabesken wie herausragenden Jazz-Solo´s beispielsweise am Tenor-Sax verziert. Die türkische Laute, die Cümbüc von Joe Ayküt macht mit einem kunstvollen Solo den Anfang, dann setzen Schlagzeug(Alt) und die arabische Riq von Yesil ein. Spätestens als Yesil seinen Sternengesang anstimmt möchte sich der Körper unwillkürlich in die altorientalische Klanglandschaft hinein drehen. Mystisch prangen 3 arabische Schriftzeichen(Harf) auf dem mit Ziegenfell bespannten Fell der Riq. TAM, heißt das Instrument vielleicht tam? Nein, meint der Spieler. Aber Tam, das unter Trommlern ja international ist(Tam Tam machen) scheint das altorientalische Pendant zum englischen Tab zu sein. Bei Rainbows, einem Lied von der letzten Platte der Band namens Phosporus hat das Instrument als Repräsentant der Regentropfen einen weiteren prägnanten Auftritt. So reich wie ein ganzes Drumset, sei das Ausdrucksspektrum für den gut behuften Riq-Spieler und so ist das Lieblingslied des passioniert drummenden Komponisten des Liedes auch ein Beispiel für die rhythmusgetragene Wurzel der Musik mit der die Band räsoniert und das Publikum so sichtlich berührt.

Vom Berg-Bewusstsein bewegt im Wunderland

Einen erfrischenden Schucker Humor goss Alt aus seinem gut behüteten Charakterkopf, in die Ansagen. Pris, sage man auf russisch, wenn man die Katze vom Tisch haben wolle, so der Komponist und Schlagzeuger.Das russische Lied hörte sich sehr viel jazziger an, uferte gar in eine pianistische Entgleisung von David Kremer aus. Auf dem stämmig starken Rhythmus von Schlagzeug und dem exakten und lauten Zupfwerk von Giuseppe Puzzo feierte der „Fantastmus“ fröhliche Urstände.

Solch eine Verausgabung endete realistisch im Zusammenbruch. Daraus erstand, wie Sandelholzduft von Moschus geschwängert, das indische Harmonium, welches übrigens trotz aller Pentatonik vom westlichen Harmonium(damals als Werkzeug christlicher Mission) abstammt.Daraus entspann sich nun ein vormusikalischer, mal rufender, mal tastender mal Rhythmus aufnehmender Klangraum. Eine psychedelisch verschwommene Introspektion nach dem Scheitern des manischen Steigerungsspiels. Das Saxophon entwirrte, die verhedderten Fäden mit seinem einfühlsamen Spiel, bis die Nebelwände sich gen Ende des Katzenjammers zu Gunsten hellblauer Aussichten lichteten. In einer Sequenz umwerfender Lieder erweckte Wonderlanddie größten Bilder. Das Harmonium durchtönt von einem ursprünglichen vokalischen Gesang Yesils, versetze den mit geschlossenen Augen Sehenden in einen Morgen an dem man den ersten Blick aus dem Zelt auf einem Berge tut und von Staunen erfasst wird. Alleinsein ganz Raum für die kühne Schönheit der jungfräulichen Bergwelt.

Ost und West:Zusammenfließen für die Freiheit

Atmen, mit jedem Atem lachender überfließender werden. Aufstehen müssen, wie Nietzsche´s Altorientale Zarathustra, der nach 30 Jahren genossener Einsamkeit hinunter gehen muss. So floss man mit Yesils bewegendem Gesang zusammen hinunter in lustwandlerischer Manier. Diese Menschen müssen es sein, dachte man da als man vom Gesang eingenommen seine warmen braunen Augen zwischen den herzigen Wangenknochen hervorleuchten so, solche müssen es sein, die das Licht bringen, dass nicht blendet sondern nährt.Diese inkorporierte Freiheit, könnte doch Mississippi und Euphrat, Ostwind und Westwind wie Musik zusammenfließen lassen in ein wahres Wunderland, wie arabisch-okzidentale Musik von deutscher Hand komponiert und türkischer Stimme beseelt. In dem einzigen Cover des Abends dem linken türkischen Freiheitslied „Uzun Ince“ zeigte sich das die sechs lieben „Schwaben“(Schwaben ist groß) aus Augsburg auch selber so ähnlich dachten. Der „enge lange Weg mit zwei Türen“ ist nunmal zu durchmessen um sich für den „Weltfrieden mit Musik hergestellt“ zu adeln. Denn die Vision des Orchesters, so sagte der etwas kontraintuitiv urbayrisch sprechende Sänger Tarkan Yesil sei „eine liebevolle kosmische Synthese der Kulturen.“ Wer so weit kommen will braucht kraftvolle Gefährten und so besang der oberpfälzer Kulturverschmelzer gen Ende vermehrt Raumsonden, wie die Voyager 1 . Der Song an die Einsamkeit der „Voyager 1“, die abermilliarden Kilometer entfernt von der bergenden Erde durch den kalten und leeren Kosmos fliegt, sei als Schlussstein des Berichtes dokumentiert. Den Weg der Sonde, die schon seit Anfang der 80er Jahre auf ihrer Mission der Erkundung unentdeckter Teile des Weltraumes begann mit einem ewig bewegenden Vibrato auf Yesils Stimmbändern und synthetisch erzeugten Klängen.Auch die Dimension das große Werke der Menschheit in dieser Sonde auf Anschauung außermenschlicher Augen harren transzendierte noch einmal den kommunikativen Willen der Jungs sich selber auf das Andere hin zu überschreiten. Die Berge, hier die Ideale, machen einsam, doch die geben uns die Kraft der menschlichen Möglichkeit einen Körper wachsen zu lassen. Die Menschheit in der Kulturen, laut Yesil „sehr wohl harmonisch zusammenleben können. Kay Fischer, der rastafizierte Saxophonist und Flötist steht zu einem orgiastischen Schlusssolo auf und der Club bourdougal steht Kopf.Man übe sich in Ursprüngen…

Links:

Harrycane FB: https://www.facebook.com/rockyoulikeaharrycane/

weitere Veranstaltungen von Kunstwerk:

2.05.2019 “Seltsam im Nebel zu wandern”, Roxy Ulm, Schillerstraße 1,Tanz-und Medienperformance vin Kurt Theinert mit der Tänzerin Kathrin Knöpfle

03.05 Obradovic kroatisch-französische Musik im Einstein Haus Ulm, Kornhausplatz 5

Kunstwerk: http://www.kunstwerk-ulm.de


Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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