Klimaschutz: Man müsste es einfach machen

Circa 1800 Menschen bei Demo für mehr Umweltschutz in Ulm

Seit einigen Monaten demonstrierte das schwedische Mädchen Greta Thunberg für einen konsequenteren Klimaschutz. Auf dem Klimagipfel in Kattowitz eroberte sie mit einem dreiminütigen Impulsreferat die Herzen. Heute standen wieder hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt auf der Straße. Schüler, Eltern und Lehrer im Schulterschluss für die Zukunft. Und trotz strömendem Regen, den der isolierte Denker resignativ mit dem Klimawandel in Verbindung bringen konnte, rollten bei der Begegnung mit dem singenden und hüpfenden Strom der Regenschirme die Steine förmlich vom Herzen. Vor dem Rathaus, einem mit Tugendlehren verzierten Symbol der noch bis ins 14. Jahrhundert reichenden Rätedemokratie der Reichen, versammelten sich die rund 1800 meist jungen Menschen. Von der an Festivals erinnernden Gummipuppe bis zum Plakat „Change the system, not the climate“ war die Meinungs- und Gesinnungsvielfalt groß.

Am Rande des Weges meinte eine Mutter einer Demonstrierenden: „Sie laufen zwar, aber nicht richtig, sie demonstrieren zwar, wissen aber nicht gegen was.“ Am Münster wo eine Gruppe von Schülern aus Ehingen mit ihren Transpis wartete, ergab sich die erste Gelegenheit zu einem Gespräch. Laila aus der 10. Klasse, meinte ,nicht bei ihnen, aber beispielsweise in Blaubeuren seien die Demonstrationsgänge von der Schulleitung organisiert worden. „Ich persönlich finde es wichtig mitzulaufen, weil wir Schüler so mithelfen, dass mehr Aufmerksamkeit auf den Klimawandel gelegt wird.“ Auf die Frage des Klimaschutzes in ihrem Leben meinte sie „Ich gehe bewusst mit CO2-Ausstoß um, fahre kaum Auto, laufe fast alles.“ Achim, einer der fünf eher Schüler ist Vegetarier geworden, allerdings wegen einer Wette mit seinem Bruder, die er gewonnen hat. „Ich bin jetzt seit 3 Jahren Vegetarier und mittlerweile auch wegen der positiven Gründe“, lacht Achim.

Schier kein Ende nehmende Kolonnen auf der Ulmer Hirschstraße


Das Thema Zukunft und Zeitdruck ist stark repräsentiert in den Reihen der jungen Demonstranten. Kaum enden wollende Kolonnen ziehen sich unter immer wieder anhebenden Rufen von „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, Richtung Kundgebungsplatz auf dem Geschwister-Scholl-Platz vor den Museumscafe in Ulm. Auf der Höhe des Stadthauses frage ich mich noch warum man sich eigentlich nicht vor dem Münster versammelt? Da sehe ich Toni. Toni ist erwachsen und ist einfach von der Arbeit gegangen um hier dabei zu sein. Er findet die Stimmung gut, doch eigentlich sei es eine Schande, dass die Kids hier total durchnässt auf die Straße gehen müssten, während die Entscheidungsträger seit Jahrzehnten ja Jahrhunderten auf ihren Händen säßen, einzig die Frage im Kopf „Werde ich denn wieder gewählt“? „Es gibt Leute die könnten von heute auf morgen Änderungen herbeiführen. Man muss es einfach machen, die Leute wollten auch keine Sicherheitsgurte, die Kids wollten nicht durch den Regen gehen, nur manchmal ist es einfach nötig, es gibt nun mal kein Menschenrecht auf die Produktion von SUV´s“ „Die Zeit läuft“ steht auf einem Plakat auf einem anderen „Wenn ich nicht erwachsen handelt, dann müssen wir es eben tun.“ Das ist der eigentliche Grund für Toni hier zu sein, wenn die jungen Leute mit dem Finger zeigten, dann meinten sie ihn. Ja, er habe die Welt gesehen, aber heute verzichte er wo es geht auf Plastik und fahre mit der Bahn in den Urlaub. Klimawandel gehe nicht nur durch alternative Energien. Der Verbrauch sei das Problem. Auch das Nabada sei im Nachgang ein reines Müllfest. Auch hier gebe es die Möglichkeit sich zu besinnen. Wahre Worte denen Taten Folgen. Eine inspiriernde Begegnung mit einem Menschen bei dem das Bewusstsein scheinbar das Sein zu prägen vermag.

Das Ende ein Anfang

Auf dem Kundgebungsplatz ist nach meiner langen Unterhaltung mit Toni der letzte Redner in den letzten Zügen. Es sind schon weniger Leute welche nun hüpfend singen. „Wer nicht hüpft der ist für Kohle“, auch der Geist des Hambacher Waldes weht hier. Expect resistance, when you destroy existence, steht auf einer schwarzen Mütze. Eine Schülerin der Waldorfschule Illerblick stellt sich mit ihrem Plakat auf dem steht „ Wir sind nicht die Lösung aber Teil einer Antwort“ in die Erde des großen Plakates vom Ulmer Bündnis zum Weltklimaaktionstag. Die Namen der Redner auf der Abschlusskundgebung hat der Regen verwischt.Am Abend eines Tages an dem eine Tagung zur Einsamkeit, unter anderem in Haft, zeigt, dass man erst das Wesentliche sieht, wenn man alles Unwesentliche verloren hat, spielen zweit Leute der alten visionären Band „Ton Steine Scherben“ im Hemperium a capella. Zwei Männer die sich von der Demo erkennen, schauen sich hoffnungsfroh und lebensgesättigt in die Augen. „Der Traum ist aus, aber ich werde alles tun, dass er Wirklichkeit wird“, tönt ein altes Lied von Leben und Kraft. Wir sind zuversichtlich.

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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