Klarheit spielt den Schatten ins Gesicht

Ausstellungseröffnung: Lichte Momente im Stadthaus in Ulm


25 Jahre ist es nun her, dass das Stadthaus zu Ulm, ein moderner Bau, direkt neben dem erhabenen Alten Münster, eingeweiht werden konnte. Die Feier dessen, die mit einer kostenlosen Ausstellung bis 10.März 2019 und turnusmäßigen Tanzperformances weitergeführt wird begann mit einer ebensolchen.  In einer aufweckenden Melange aus Tanz und einprägsamem Spracheinsatz flutete die Strado Compagnia Danza, ganz in schwarz,  geleitet von Domenico Strazzieri das volle Stadthaus mit Licht, Form und Bewegung. Klares Signal, brachial enthüllt die Existenz von Transzendenz. Zum Ende der dynamisch-symbolträchtigen Performance erschien in einer verschleierten Säule ein Tänzer, im Blaulicht ästhetisch sich windend. Dann hielt Bürgermeister Czisch eine Rede. Das Stadthaus, geformt wie ein Schüssel, sei zum Unbehagen mancher Praktiker selber ein Kunstwerk. Und die Konzeption habe damals schon für Aufbruch und Weitblick gestanden. Es habe sich gegen Widerstände in einem offenen Diskurs in der Stadt durchsetzen müssen, und heute sei es selbst ein wichtiger Ort des Diskurses in Ulm und darauf sei er stolz. Ähnlich wie die umstrittene Wissenschaftsstadt sei das Stadthaus heute ein Erfolgsmodell und in einer Stadt mit so ausgeprägter Diskurskultur wie Ulm genau am rechten Platz, auch wenn dafür Parkplätze geopfert werden mussten, sagte Czisch selbstbewusst.Wie reimte Ken Wilber einmal über den Lauf seiner spirituell erweiterten Evolutionstheorie: “Transzendenz und Integration sind die zwei Beine der Evolution.”


Die Ausstellung: Zwischen Licht, Form und Landschaft


Auf der Suche nach meiner Partnerin erfasst mich die Berühungsmacht der Lichten Momente zuerst beim Aufgang in den dritten Stock. “Klares Signal brachial enthüllt die Existenz von Transzendenz.” Dieser Satz beschreibt passgenau was ich fühle  als sich mir im Treppenaufgang zuerst das schlanke Ulmer Münster durch die weigerahmten Scheiben Meter für Meter entblößt und dann im Raum ein Blitz die kolossale Aufrichtung des Baues im lichten Moment des Einschlagens in eine Palme abwärtsgerichtet spiegelt. Das ist vollendete um nicht zu sagen heilige Geometrie. Selbst der Name des Künstlers ,Julius von Bismarck, der das Objekt talking to thunder genannt hat passt. Und selbst die Methode: Er hat Blitze künstlich angezogen,was man seinem berühmten Namensvetter Otto von Bismarck auf politischer Ebene auch nach sagt. So zum Beispiel in der bewussten Brüskierung des französischen Königs in Vorbereitung der 1871er Operationen. Blickt man nach rechts eröffnet sich einem in einem anthraziten glänzenden Dreieck eine über einem gemusterten Steinboden schwebende Transzendenz symbolischer Natur. Wer Joga macht kennt das nach unten schauende Dreieck als die eine Hälfte des Symboles für das Herzchakra. Auch tritt es einem im Davidstern, der gelichzeitig für Mittelalterbegeisterte der Stern der Brauer ist entgegen. Diese leichtschwebende Figur, dann auch noch über einem Viereck und in der Örtlichkeit des Pantheon in Rom, des Tempels aller Götter,  wird Gedanke für Gedanke immer mehr zum Schwergewicht. Informiert man sich näher über den 2013 verstorbenen Künstler Klaus Heider der sie erschaffen hat, klärt sich vieles. Heider hatte in den 80er Jahren ein Stipendium in Rom und wollte ursprünglich eine  Dreieck in das Zentrum des Pantheon in Rom lasern. Leider wurde das Gebäude wegen Sicherheitsbedenken geschlossen und das unten stehende Dreieck ist die Vorarbeit, die auf den Kopf gestellt ist, weil der Laser unten positioniert so ansetzen musste.


Die zweite Lichtstudie spielt mit der Ähnlichkeit der Kuppel und ihrer Öffnung mit dem menschlichen Auge. Der Künster, der stets in Bereichen zwischen Wissenschaft und Kunst forschte ist ebenfalls im ersten Stock mit Lichtzeichnungen vertreten, die er damals erst nach dem Entwickeln des Filmes begutachten konnte, auch das sehr inspirierend und keineswegs veraltet in seinem pionierischen Charakter.

Vom Licht zur Landschaft zwischen Licht und Dunkel

Auf blickbannende und verweilen lassende Weise hat sich der Perkussionist Jürgen Grözinger mit einer Freundin zu Beginn des Jahres 2018 auf eine photographische Reise in das Island zwischen Dunkel und erstem Licht gemacht. Sowohl in Bildern als auch in Bilderreihen auf Monitoren zeigt sich der gewaltige Reiz zwischen Schneemassen, Sturm und unwirklichem Blau. Einen Weg Farbe, Form und Licht völlig zu verschmelzen zeigt rosalies Austellung “Mahler 8”, in der sie die Symphonie Gustav Mahlers in Lichtsäulen wiedergibt und die Menschen mit den Kopfhörern zu ausdrucksvollen Bewegungen anreizt. Die Installation wurde für die Aufführung des Werkes in der Hamburger Elbphilharmonie entworfen. Immer Donnerstags um 18.00  Uhr , 18.20, und 18.40 gibt es eine kostenlose Performance von  Domenico Strazzeri und seiner  Strado Compagna Danza, diesmal ist ein Lichtschlauch der Tanzort, dessen Licht-Schattenspiel sich durch das Tanzen intensiviert.Am 14. Dezember 2018 um 19 Uhr werden in die drei  abdunkelbaren Kabinettsräume des Stadthauses weitere Lichtobjekte einziehen, durch die Performance des Lichtschlauches von unten nach oben geleitet warten dort unter anderem der Round Rainbow von Olafur Eliason, die Soft-Volume-Körper von Rosalie aus Stuttgart und die Lichtprojektionen der Windows to go von Ulrich Vogel aus Berlin.

Austellungsführungen: Do. 28.12,18 Uhr / Do.21.02, 19 Uhr

Anmeldung: Tel. 0731/1617700 oder unter stadthaus@ulm.de

Weiteres: Stadthaus.ulm.de und/oder 0731/161 770

                                                  

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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