Mozarts Requiem:Versuch einer gnostischen Interpretation

Ulmer Kantorei sang verstärkt in Unterelchingen

Das Requiem in D-Minor von Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart zu hören ist für den Klassikliebhaber an sich eine Wohltat. Die neue Ulmer Kantorin Ulrike Blessing sich damit in “ihrer” Barockkirche in Oberelchingen mit einer um 50 Sänger verstärkten Ulmer Kantorei einführen zu sehen ist eine Gnade. Lange hat deshalb der Artikel auf sich warten lassen. Er wählt eine gnostische Herangehensweise an das musikalische Geschehen des Requiems. Seit langen Jahren hat musikalisch eher spärlich gebildeten Autoren, die Sehnsucht welche das Requiem verströmt begleitet. Und in dieser Spannung zwischen Fühlen und verständlich machen beginnt auch die Beschäftigung mit dem Werk. Einer der großen Wahrnehmenden des 20. Jahrhunderts, Rudolf Steiner sagte einmal: “Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist zu schweigen”. Die Gnosis, also die Gotterkenntnis sucht die Sehnsucht nach dem Unsagbaren ebenso zu vermitteln, deshalb wähle ich sie als Herangehensweise. Mozart dessen voller Name Goldmund der mit dem Wolf kämpft Gottesfreund heißt, hat durch sein außerordentlich produktives Leben, aber auch durch seinen freiheitlichen Lebensstil und durch seine Mitgliedschaft in der Wiener Freimaurerei, aus der zum Beispiel die Freimaurerkantaten entstammen viele Menschen inspiriert. Mozart war, wie vorallem die Zauberflöte zeigt ein Meister der Intgeration von Einfachem und Hochkomplexen.

Gnosis als Herangehensweise

Durch sein tändelndes lustreiches Leben, hatte er viele Einblicke in das Leben der gewöhnlichen Leute. Mozart war kein Theoretiker sondern ein Macher mit einer feinen Nase. An der Grenze zur Romantik stehend schaut sein  Requiem auf die deutsche Requiemtradition zurück, wo das Requiem vorallem seit dem 15. Jahrhundert am Totensonntag nach römischer Liturgie aufgeführt wurde. Damit vereint er aber die österreichische, spätbarocke und frühklassiche Messenpraxis. Trotzdem sind die meisten Passagen des Requiems nicht von ihm selbst komponiert. Denn sein eigener Tod am 5.Dezember 1791 kam der Fertigstellung dazwischen. Deshalb heißt es auch Mozart habe die Auftragsarbeit für den Grafen Walsegg-Stuppach, im Wissen um seinen Gesundheitszustand für sich selber komponiert. 400 Leute sitzen in der prunkvollen mit weißem Marmor ausgekleideten Klosterkirche in Oberelchingen als das I.Introit, der Part der noch ganz vom Meister selbst komponiert wurde, anhebt.

Die schrecklichen ersten Schritte auf dem Weg zur ewigen Ruhe

Das kleine klassiche Orchester bestehend aus Hörnern, Posaunen, Klarinetten, Oboen, Pauken und Trompeten. Die vier Solisten und der 130 Menschen starke Chor schweigen zunächst in der Mehrzahl.Geigen und Oboen erzeugen jenes schaurige Schreite, welches zunächst ohne prätentiöse Auftakte und Brüche einzigartig leise bleibt.  Dann erst kündigen vier Trompetenstöße, von Geigenzügen beantwortet den Chor an. Die Bässe und Soprane singen nun die gnostische Kernbotschaft des Requiems. Bässe: “Requiem aeternam dona eis, domine”  und hernach die Soprane: “Et lux perpetua luceat eis.” Was Mozart der Überlieferung nach noch war, war ein gottesfürchtiger Christ, und verlässt man sich nicht auf die Intuition beim Hören, so darf man ihm trotz Geldnot, doch unterstellen, dass er das Requiem gefühlt hat.

“Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,

und ewiges Licht leuchte ihnen”,

bedeutet dieser lateinische Wechselgesang zwischen Männern und Frauen.

Vom Standpunkt der Gnosis aus ist die Seele unsterblich, wenn man sie, ebenfalls gnostisch, als den Resonanzkörper der Musik ansieht, so muss der Verstorbene wie der trauende Zuhörer sich von seinem Körperverstand  lösen um die Seele nach dem Versterben des Körpers zu befreien. Wie der Strudel der Läuterungen gestuft hinabsteigt, ertönt das exaudi, exaudi orationem meam. Erhöre mein Gebet, ertönt es wie eine verzweifelte Ausrufung, die immer wieder von Schmerz und Schluchzen unterbrochen wird. Nach dem eindringlichen Flehen des Chores im II.Kyrie nahm einen der Chor noch wieter mit zum Abstieg in die Sphären der Läuterung. Es begann im Allegro der Dies Irea, der Tag des Zornes, der die Welt in Asche verwandelt. Gott der Ursprung der Seele und Inbegriff der Grundgesetze des Kosmos erscheint nun um zu richten. Im Tuba Mirum, der wundertönenden Posaune klingt etwa von der größe und Veränderungsfähigkeit Gottes an unter dem Marienbild mit der Überschrift: Deo Matri que virgini. Gottes Mutter und Jungfrau gaben sich die tiefen Solisten  ohne Sopran ein erstes wohlklingendes Stelldichein um ihre Angst vor den Aufzeichnungen Gottes kund zu tun. Das dreimalige Ehrfurcht gebietende einleitende Rex des Chores beim Rex Tremendae weißt darauf hin das der Urquell der Schrecken zugleich Urquell der Gnade ist.Das Recordare eröffnen I-chiao Shih, die Mezzosopranistin aus Taiwan und Markus Francke der Tenor aus Freiburg gemeinsam mit einer Bitte das Jesus ihnen gedenken solle.Dann tritt die bezaubernde  Sopran-Solistin Maria Rosendorfsky, die schon an der Wiener Staatsoper gesungen hat auf. Sie bittet, noch unsicher was vor dem Ratschluss Gottes bestehen kann, “lass mich jetzt nicht untergehn.Jesus ist gnostisch die Erkenntnis des Gesetzes der Liebe.

 Andante geht es nun weiter mit dem Sanctus, wo der Chor seine Stärke ganz in seinem Osanna in excelsis ertönen lassen kann. Nach den drei Sanctus, fließen die angefochtenen und doch schon bestärkten Stoßgebete wie warmes Gold nach unten.Nach dem schon recht  harmonischen und geläuterten Hossana in der Höhe von Chor und Solisten im Benedictus folgte nun der Höhepunkt des Agnus Dei. Eine stetige und bestimmte Ordnung ging dabei stets vom Dirigat Ulrike Blessings aus. Der siebte Teil steht für Jesus als denjenigen der in der Welt von der Dreieinigkeit Gottes in Wille, Weisheit und Liebe Zeugnis gibt Agnus Dei das Lamm Gottes. Das von dem Assistenten des Goldmund Gottesfreund Mozart namens Süßmayr fertig komponierte Requiem endet wie es begonnen hat mit dem ewigen Licht. Nur noch erweitert um die Heiligen, die im Prozess der Läuterung des Geistes, ob in Leben oder dem Grenzland des Todes, zu Gott zurück gekommen sind und zu seiner Schau, so wie Shakespeare Lorenzo in seinem Kaufmann von Venedig seiner Geliebten sagen lässt:

“Komm, Jessica, sie wie die Himmelflur ist eingelegt mit Scheiben lichten Goldes! Auch nicht der kleinste Kreis, den du da siehst, der nicht vibrierend wie ein Engel singt zum Chor der hellgeagten Cherubim. Solch´ Harmonie lebt in der Seel´unsterblich! Nur wir(weil dieses alte Kleid von Staub uns grob umhüllt), wir können sie nicht hören.”

Die Sehnsucht welche das Requiem, auch wenn ich sie musikalisch nicht auszudrücken vermag liegt in diesen Wünschen von Chor und Sopran:

Ewiges Licht leuchte ihnen, Herr, mit deinen Heiligen in Ewigkeit, denn

du bist gut.

Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,

und ewiges Licht leuchte ihnen,

meit deinen Heiligen in Ewigkeit,

denn du bist gut.


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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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