Mit Füßen getreten: Die Menschenrechte

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Ivo Gönner sprach für die Freunde des Museums Laupheim

Ausstellung Achtung Menschenrechte startete mit Festakt im Schloss Laupheim

Erstes Ziel erreicht: 250 Freunde und Gäste bevölkerten den Ottmar-Schick-Saal des Schlosses Großlaupheim. Grund: Die Sonderausstellung des Museums zur Geschichte von Christen und Juden: Achtung Menschenrechte öffnete ihre Pforten. Bürgermeister Gerold Rechle hatte nach einer musikalischen Einstimmung zweier Musikschülerinnen an Geige und Marimbaphon, das erste Wort. „Die Ausstellung Achtung Menschenrechte, kommt zur richtigen Zeit, sicher nicht zu früh.“ Das Oberhaupt der Laupheimer erinnerte daran, dass 1942 die gesamte jüdische Gemeinde ausgelöscht war. „Wie konnte es so weit kommen?“, fragte er in den Saal. Dann griff er den doppeldeutigen Titel Achtung Menschenrechte auf. Achtung bringe Frieden. Dann dankte er der Kuratorin Gabriele Lüdke, die sich über zwei Jahre um Idee und Gestaltung der Ausstellung gekümmert habe. Aufgelockert durch Bela Bartok wiederum von Jessica Oster(Marimbaphon) und Lena Tann an der Geige zum Besten gegeben, hatte Ivo Gönner, selbst Laupheimer, das Wort. Er sprach im Namen des Förderkreises des Museums Laupheim. Er erinnerte daran, dass im 1.Weltkrieg viele Reiche, nicht nur die K.u.K-Monarchie zugrunde gegangen seien. 

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Die Austellungsgestalterin Gabriele Lüdke

Für Menschenrechte einstehen wo man kann

Neue Reiche seien entstanden welche noch nicht so gefestigt gewesen seien. Der 2. Weltkrieg sei nur einen Wimpernschlag entfernt gewesen und der endete mit heftigster Gewalt gegen einzelne Gruppen. Dieser beider verheerender Kriege Konsequenz sei die Formulierung der Menschenrechte im Dezember 1948 in Paris, welche dieser Ausstellung den Anlass biete. Im Mai habe auch das Deutsche Grundgesetz(1949), welches vieles der 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte übernommen habe 70.Geburtstag. Darin stehe auch nicht die Würde des Schwaben oder des Deutschen, sondern die Würde des Menschen sei unantastbar. Das dürfe nicht nur so dahingesagt werden, sondern müsse gelebt werden, dafür stünde der Verein, dem man auch beitreten könne. „Denn wer etwas von der Gemeinschaft nicht der muss auch etwas zurückgeben“, endete der gediegene und humorvolle Alt-Bürgermeister Ulms. Gabriele Lüdke, die die Sonderausstellung konzipiert hat dankte den Künstlern Patricia Hagner-Pitterle, Marc Hautmann, Marianne Hollenstein, dem Laupheimer Fotokreis, Stefanie Schenk, Andrea Triebe-Quast und Anke Zapf sowie 8 Schülern des Wielandgymnasiums in Biberach für ihre Mitgestaltung. Außerdem bedankte sie sich bei der Stadt, dass die „die oft bedückenden Themen zumindest geräumiger darstellen konnte. Danach führte Museumsleiter Niemetz virtuell durch die Ausstellung und wies anschaulich darauf hin, dass der menschliche Intellekt verführbar, bis zum Brudermord verführbar sei.

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Auf dem Weg zur Ausstellung gab es nur einen Weg: Über die Menschenrechte

Mit Füßen treten und beschneiden führt zum Bewusstsein über Menschenrechte

Nach den langen Grußworten waren alle froh, dass im Foyer eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken bereit stand. Währenddessen hielten Schüler der Friedrich Adler Realschule in Laupheim Tafeln mit den dreißig Artikeln der Menschenrechte hoch. Der Pfarrer meinte „30 send a bissle fill, meine 10 kennad sei auswendig.“ Dann gestaltete es sich für nicht Ortskundige etwas schwierig die Ausstellung im dritten Stock zu finden. Hatte man den Stock erreicht war man mit einem meterlangen Banner beschäftigt, auch dem die Menschenrechte standen. Von allen Seiten hieß es „Hier muss man die Menschenrechte mit Füßen treten.“ Dann kamen die Schüler von unten und bewegten sich geschlossen in Richtung des dritten Raumen, Thema:Flucht. Hier wurden nun rituell die Tafeln mit den Menschenrechten in einem Schlauchboot niedergelegt. „Mögen sie nur nicht untergehn“, war zu hören. So viel Verunsicherung zum Thema Menschenrechte wurde im ersten Raum noch durch Bilder mit dem Titel Respekt und dem Untertitel verletzt bestärkt. Menschenrechte, so hatten die Macher der Ausstellung wohl bemerkt sind etwas was erst im defizienten Modus sichtbar wird. Auf einem Bildschirm erhielt man in 16 Minuten einen Überblick über Menschenrechte heute und gestern. An der Wand hing ein Zitat von Martin Luther King, welches den westlichen Materialismus und sein sich selbst ausdehnendes Ich entlarvte. Im Raum zur Flucht wurde Bemerkenswertes zum Thema internationale Vertraglichkeiten lebendig.

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Der verkleinerte Tankraum des Flucht-BMW mit Luftschlauch für den DDR-Flüchtling. Die Hunde so Tiebel-Quast rochen in wegen des Benzins nicht

Internationale Verträge ermöglichen deutsch-deutsche Familienzusammenführung

Der Vater der Künstlerin Andrea Tiebel Quast, so dokumentierten originalgetreue Nachbauten des Fluchtwagens konnte im Jahre 1983 durch einen BMW mit verkleinertem Tank, in dessen Raum er sich versteckte von Ost- nach Westdeutschland flüchten. Die Familienzusammenführung konnte aufgrund dessen 2 Jahre und 2 Monate später gefeiert werden, dass West- und Ostdeutschland die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) ratifiziert hatten. Ein wichtiger Grundsatz, der von den ganzen Erklärungen zu den Menschenrechten hängen bleibt: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Vorbei an Mahnmalen(schwarz mit weißen Schuhen) für die Palästinensischen Flüchtlinge und der Esther-Rolle, die das jüdische Volk auf der Flucht Schützen soll und der graphischen Darstellung der Flucht Mose kommt man in die Gegenwart. Sechs Bilder von Flüchtlingen in Deutschland mit der Unterschrift angekommen. Marc Hautmann hat 36 Videos in 36 Sprachen gedreht, sag noch einer Künstler arbeiten nichts, und mit einem Programm gekoppelt, welches willkürlich 10-15 Sekunden davon herausschneidet und abspielt. Die Menschenrechte beschnitten, wieder erscheinen sie so am klarsten. Und auch die Mediatisierung der Politik kommt hier gut raus. Hautmanns Haltung zu dem Dilemma heißt die Menschenrechte als Leitfaden annehmen und im Kleinen handeln jeder für Jeden. Ein beeindruckender Typ mit viel Können und Widmung, sowie Nonkonformismus im Erscheinungsbild. Daneben sind alte Diaprojektoren auf einem werden mit Massaker, Völkermord Dinge aufgezeigt, welche Menschenrechte zerstören. Ein anderer Bildschirm zeigt Firmen auf die mit ihren Wertschöpfungsketten Menschenrechte mit Füßen treten. Syngenta, C&A, Nike, BASF, Unilever, Deutsche Bank, Deichmann, Commerzbank, Procter and Gamble, Salzgitter, RWE und leider viele mehr. Mit Füßen treten und beschneiden, dass hat man sich nun gemerkt. Und das die Menschenrechte die Konsequenz der Missachtung von Gruppen waren, welche durch ihre Schänder jeden Rechtes entrechtet waren. Menschenrechte sind deshalb heute die Basis von Solidaritäten, die nicht mehr von Staaten zu Staaten oder Unternehmen zu Unternehmen gehen, sondern von Mensch zu Mensch.

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“Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt für den Aufbau einsetzten. Ein Zehntel der Energien, ein Bruchteil des Geldes wären hinreichend um den Menschen aller Länder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.”(Albert Einstein)

 

Links:

http://www.museum-laupheim.de

Ulmer Erklärung zu einer menschenrechtlichen und solidarischen Flüchtlingspolitik:

https://www.engagiert-in-ulm.de/ulmerneu-ulmer-erkl%C3%A4rung-f%C3%BCr-eine-menschenrechtliche-und-solidarische-fl%C3%BCchtlingspolitik-deutschland

 

 

 

 

 

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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