Wir alle sind das Volk

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Der Ideengeber und Dirgent Markus Romes und sein vom Publikum gefeierter Interkultureller Chor

               Ein Fanal für Freiheit und Demokratie

Der Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang e.V in Ulm hat nach langen Proben ein neues Kind geboren. „Wir alle sind das Volk Interkultur für Demokratie“ heißt es undspannt mit 19 Episoden, die jeweils einem Land gewidmet sind den Rahmen des „Wir-Alle-Volks.“Die Produktion mit 140 begeisternden Mitwirkenden, so meint auch der Ideengeber, bietet sich an, für größere Tourneen. Ihr Konzept ist stimmig, aus dem letzten Groß-Projekt „Leben und leben lassen“ hervorgewachsen und seine auf zwei Seiten im Programmheft ausgefaltete Idee ist attraktiv, weil notwendig. Den Fragen wo steht dieses Land? Woraus schöpft es seine Kraft? Und Wohin wird es gehen künstlerisch nachzugehen um final in dem Angebot eines Liedes für dieses Land eine Antwort zu wagen.Unter der Leitung von Markus Romes laufen Sänger aus sechs Ulmer Chören zur Bühne um zum riesigen Interkulturchor anzuschwellen.Demokratie brauche gegenwärtig wie selten zuvor unser Engagement, so Romes, deshalb unterstützen auch prominente Politiker von Ulms Bürgermeister Gunter Czisch bis zur SPD Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis das interkulturelle Spektakel. Mattheis hat wie viele andere auch die Freude der Premiere, im voll besetzten Congresszentrum beiwohnen zu dürfen.Eine Linie vor dem Dirigenten Romes bilden die Musiker.Auch ihre Instrumente sind ein Ausdruck verschiedener Kulturen. Die türkische Saz, die aus Peru stammende Cajon, die afrikanische Djembe, die griechische Bousouki und wie eine eigene Farbe im Klangspektrum die chinesische Erhu. Romes, ebenso in weiß, erzählt zu Beginn von seinem Streifzug durch die Wendetage im Berlin von 1989, damals studierte er in der Hauptstadt Musik.Während das weiße Band des Chores sich um das Publikum spannt erzählt der Schauspieler Gunter Nickles von einer 600 Kilometer langen Menschenkette die sich am 23.08.1989 durch Lettland, Litauen und Estland zog, ein Band der Verbundenheit. Aus 2 Millionen Menschen gewoben.

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Der Solist Yueling Li mit seiner Erhu vermochte es auf seinem Instrument das Bewusstsein über China zu weiten

Roter Freiheitsbote aus China?

Ein Lebensband ebenso die Düna, der Fluss, der die baltischen Staaten landschaftlich verbindet.Die drei kleinen Länder waren 1944 von sowjetischen Truppe gewaltsam eingenommen worden. Der weiße Ring der Selbstbestimmung sollte auch bis Juni 1991 angegriffen werden, obwohl Litauen 1990 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, fuhren sowjetische Panzer in der Vilniusser Blutnacht über 14 Menschen und töteten sie. Ähnliche Bilder vom Platz des Himmlischen Friedens in Peking konnte man vom chinesischen Beitrag erwarten. Hingegen leuchtete jetzt, wie ein magischer Freiheitsbote, ein roter Punkt über dem weißen Chor und ein inspirierter Yueling Li aus China zog seien Bogen wie ein Götterbote über die Erhu. Die Erhu ist eine zweiseitige Röhrenspießlaute, die seit 1000 Jahren in China gespielt wird. Wie zwei Gesichter Chinas, einmal leise, verhalten und respektvoll, und einmal gewaltig, selbstbewusst und einer größeren Sache dienend waren diese beiden Bogenzüge. Weckrufe verschiedener und doch in einer Kultur vereinter Qualitäten.Interkultur des Eigenen. Die öffnenden Gesten weckten ein ganzes Kabinett verschiedener Tonalitäten. Die Queerflöte mit ihrem freien Flug, die Violine mit ihrem dramatischen Gezogen-Sein und den starken „Körper“ der Posaune. Ein wahrer Frühling der Demokratie, wo ein Volk unsin Winterstarre erscheinend, plötzlich einen musikalischen Intervolkskongress anleiert.Leider ist so ein spontane Session, die auf Selbstbestimmung, Freiheit und Demokratie fußt in immer weniger Ländern der Erde möglich. Um so kraftvoller der Beweis, das Demokratie das individuelle Leben bereichert und, wie Roms schreibt, das Bewusstsein stets erweitert.

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Der Interkulturelle Chor, vermochte es Verwandlungsfähigkeit und Einigkeit in manigfaltigen Formen zu verkörpern

Volksmusik als Träger der Freiheitssamen

Beide Deutschlands sind unter den 19 Stücken vertreten. Adrian Werum, der „Die Gedanken sind frei“ für den Chor umgeschrieben hat, durfte erfahren, dass die Wurzeln des Liedes viel weiter in die Geschichte zurückreichen als das Veröffentlichungsjahr 1780. Damit kommt uns Freiheitsliebenden auch etwas aus der Vergangenheit entgegen, wenn wir Widerstand leisten gegen unmenschliche Verhältnisse. Eine noch feinere Saite wurde in einer einfühlsamen Choreographie mit dem Lied „Sind so kleine Hände“ aus der DDR angeschlagen. Ein wunderbar auf Sanftmut und Einfühlungsvermögen stimmendes Bild eröffnete sich. Die Erwachsenen beugten den Rücken der Kleinen und sangen Bettina Wegners: „Ist so ein kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht, darf man nicht beugen, weil es sonst zerbricht.“ Wie klare und gerade Menschen, die sich die Sängerin aus Ostdeutschland wünschte singen, sah man an der Arbeit und deren Früchte verbindenden afrikanischen Ode an die Freude namens „Elah.“ Bei der Interkultur der Griechen spürt man die Leichtigkeit die direkt aus der Sonne kommt. Der Autor des Liedes „Du Sonne der Gerechtigkeit“,Mikis Theodorakis, die Seele des Griechischen Widerstands, ist, gerade 93 geworden. Ein Krieger, der zeigt von was man beseelt sein muss um trotz der Erfahrung politischer Gewalt die Sonne im Herzen unter den Menschen zu verströmen.

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Yueliang Li hatte es geschafft eine Einheit in der Musik zu erwecken
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Auch bei den Solisten gab einen Dreiklang

Formengemisch: Interreligiöser Dreiklang

Mit einem weiteren griechischen Sonnengruß entließ der Interkulturelle Chor die glücklich drein schauenden Leute in die Pause. Als sich die Zuschauer wieder im Zuschauerraum versammelt hatte, fühlte man sich durch die Interbeziehungen und das gemeinsame Objekt des „WirAlleVolkes“ verbunden. Der zweite Teil begann mit einer wichtigen Einschätzung Romes „Religionen werfen tiefe Gräben auf…“ „…und dennoch haben sie auf der anderen Seite heilende Kräfte, schaffen Brücken und verfolgen gemeinsame Ziele…“. Deshalb setzte er auch hier auf die Wandelbarkeit von Identitäten und auf Mischformen.Der Interreligiöse Dreiklang: Ein besinnlich, mystisches Anfangsbild der zweiten Hälfte lieferte die einfache und kraftvolle Choreographie zu der Ra Ma Da Sa Sa Se Sohong-Meditation. Die Meditation gehört zu den Schätzen aus dem Fundus der Übungsgemeinschaft der Sikhs, die sowohl Einflüsse des Islam als auch des tausendundeinfaltigen Hinduismus in sich vereinen. Ra bedeutet Sonne und Ma Mond und so verbindet jede einzelne Silbe der Meditation einen existentiellen Aspekt des Kosmos. Endend mit dem für so manche Religionsform anmaßend erscheinenden Sohong, was bedeutet Gott und Ich sind eins. Der Dirigent selbst schöpft Kraft und Inspiration aus der dem Sikhismus nahestehenden Übungsform der weiß gewandeten Kundalini-Jogis.

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Die kongeniale Sängerin Debora Vilchez aus Peru, die das peruanische Instrument Cajon spielte

Das Mischgefäß peruanischer Poesie

Der zweite Teil des Interreligiösen Dreiklanges widmete sich so Romes „fortgeschrittenen Muslimen“, nämlich den bosnischen Derwischen. Dazu verstärkte der bosnisch-muslimische Jugendchor die Sängerschaft. Die melodieführende Querflöte erhöhte die Seele und die treibende Trommel führte Körper und Seele im Mysterium des Herzens zusammen. „Demokratie“ so das Programmheft, lebt vom „Teilen und Mitteilen, vom „Verstehen und Auseinandersetzen“ der Weg der Derwische ist eine Möglichkeit, sich komplexen Themen auf ganz eigene, tiefe Weise anzunähern“, heißt es im äußerst lesenswerten Programmheft.Den Schlusston des Interreligiösen Dreiklanges machte ein Beitrag aus Israel, mit der Überschrift „El Haderech, auf dem Weg“, Israel als im Glauben tiefst verwurzeltes Land, in seiner temperamentvollen, schmerzenssatten Musik eine Feuersäule, der Überzeugtheit „das Ziel“ zu erreichen. Die bisher tiefste Poesie atmete aber der Text „Schöne Gestalt“ aus dem Lied von „Fina Estampa“, der Repräsentant von Peru, dessen Übersetzung Nickles vorher verlas. Dieser Pfad eines stolzen Reiters kündet von seidener Sanftmut und Demut. Der Pfad leuchtet unter dem Fuß des edlen Rosses und errötet ob der Eindrücke in rot, ob von Geranien,ob von den Wangen erröteter Mädchen.Die Sängerin Debora Vilchez fühlte sich in das Lied auf kongeniale Weise ein und ein Stück Bewusstseinserweiterung verhauchte zart im gereinigten Äther.

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Der Solist aus Syrien: Mohammed Alouf

Wir werden frei sein ob wir leben oder sterben

Harter Schnitt.Wir befinden uns in Amerika, Mona Schmid und Leolo Vukic singen „What a wonderful world“das man von Louis Armstrong kennt. Neu ist vielen bestimmt, das es für die US-Bürgerrechtsbewegung geschrieben wurde und in dem Film „Good Morning Vietnam“ in den 80er Jahren von neuem Menschen bewegte. Leolo´s Mutter, der mit viel Überschuss und Ausdruck sang, war selbst Sängerin in New York und Mona ließ ihre wunderbare Stimme in größer Präsenz erstrahlen. Das Stück Südafrikas macht auf tödliche Naturkatastrophen aufmerksam, das Heimatloswerden vieler und die Zusammenhänge mit unserer Wirtschafts- und Lebensform und nimmt in der Zukunft eine magische Wende. Margarete Lamprecht wird zum Ende des Stückes „Heimatlos“ erfolglos wiederbelegt. In dem Vorgängerstück spielten noch Kinder mit dem Erdball, wem er denn gehöre? Die Antwort: „Uns Allen“.Jetzt strecken sich alle Hände des gut koordinierten Chores Richtung eines überdimensionalen gelben Balles auf dem Fake steht.

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Die erlösende Wiederkehr aus Argentinien Margarete Lamprecht singt Rinascero

Argentinien: Die Freiheit hat den längeren Atem

Plötzlich Platz der Ball und aus ihrer Filterblase geschleudert, bricht sich die vormals mediale Menschenfeindlichkeit in offenen Kämpfen Bahn.Der Same der Freiheit in der schönen und blutsvollen, viel zu früh verstorbenen Frau, sprengt nun die Ketten des körperlichen Todes. Nicoles spricht den surreal, kraftvoll Denkrahmen sprengenden Text. Im Jahr 3001 will sie wiederkehren,eine mächtige Stimme wird ihr Kraft geben, mit einer Rose im Knopfloch, wiedergeboren aus all den Dingen,aus den Früchten des kleinen Marktes, die sie lieb hatte, aus dem zerstörten Dorf heraus, aus der Wut der Leute des Südens.“ Und dann kommt sie das Lied „Rinascero“ furios hinausspeiend in bandoneonischer sich weltwärts entspannender Ausgerichtetheit. Hinein sich sehnend in all die die geliebten Dinge die sie lassen musste kulminierend in der Wut der Leute des Südens. Einen längeren Atem beweisend,als die Foltern und Räder des Autoritarismus, mit neuen Leuten alles wieder aufbauend im Jahre 3001. Im letzten Projekt des Vereines war, aus aktuellem Anlass, ein Schwerpunkt auf arabischer Kunst und Kultur gelegen. Nun zeigte der schöne langhaarige Mohammad Alouf mit einem Lied der arabischen Sänger-Ikone Fairuz, das Freiheit nicht mit äußeren Mechanismen zu ersticken ist. Vor dem Lied bekannte er ins Mikrofon: „Wir werden frei sein, ob wir leben oder ob wir sterben.“ Die arabische Vibration machte entgegen der Religion des einen Gottes, einen unglaublich vielfältigen, auf den Tanz gemünzten und unzähmbaren Eindruck, den der tiefe, wilde und reine Ausdruck des Sängers perfekt unterstrich.

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V. l:Der Texter von “Ein Lied für dieses Land” Chris Werneke, Deutschland und Markus Romes: Ideengeber und Dirigent des Interkulturellen Chores

             Weltpremiere: Ein Lied für dieses Land

Wie Deutschland, als fortgeschrittene liberale Gesellschaft die humanitäre Pflicht die vor dem Unheil eines Stellvertreterkrieges des Westmächte flüchtenden Menschenmassen aufzunehmen auf sich genommen hat und nun am Rande einer konservativen Revolution steht. So hat Chris Wernicke, der mutig als Mann im Damenkleid im Chor agierte, die Aufgabe angenommen, einem seit der Verfassung der Deutschen Nationalhymne(1841) verändert erscheinenden Land ein neues Lied anzubieten. Adrian Werum komponierte die monumentale Musik. Jenseits von nationaler Identitätskonstruktion und Republik des Eigentums, heißt es in dem final mit voller Seele gesungenen Chor: „Meine Hand soll dir gehören, Meine Tat dich weiterführ´n. Für die Freiheit sollst du steh´n. Allen offen die dich lieben.“ Solisten und Kinder singen Strophen im Wechselgesang mit den Erwachsenen des Chores.Wieder ein Dreiklang. Es herrscht eine weihevolle erhebende Stimmung. Zukunft und Vergangenheit sind sich in Müttern und Kindern nah, bauen aufeinander. Im Wissen das Deutschland seine Freiheit einst aus den Händen gab, wird sie nun auf den Schwingen der Musik als Verpflichtung und Licht in alle Länder getragen, das bleibt zumindest zu hoffen. Und so schließt sich der Reigen mit der 19.Episode in einem tosenden,minutenlangen, stehenden Applaus. Man kann es noch nicht begreifen, aber man weiß, das dieses singende tanzende Feuerzeichen um die Welt gehen muss. Wir ALLE EIN interkulturelles Volk.Romes verrät alle 140 Mitwirkenden wollen weiter machen. Eine Deutschland- und eine sind Europatournee ist in Planung.

 

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weitere Vorstellungen:

24.11.18 Konzertsaal der Waldorfschule in Heidenheim

16.12.18 Stadthalle Aalen

18.01.18   Ort wird noch bekannt gegeben Ulm

weiter Infos:  https://www.ulminterkulturell.de/

 

(Karten ab 29.10 bei reservix.de )

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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