Einsamkeit schmerzt, wirklich!

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Das Bild zeigt den Gehirnbereich der laut Spitzer sowohl bei Schmerz als auch bei Einsamkeit anspricht. Der Gehirnbereich  hat laut(http://www.gehirn-atlas.de/cingulum.html) auch noch ganz andere Funktionen als Schmerz und Abscheu im Gehirn zu repräsentieren

Gehirnforscher Manfred Spitzer über eine Krankheit unserer Zivilisation

Bernhard Schweizer von den Freien Wählern, führte den Vortragenden ein. Für die Freien Wähler hatte Spitzer die Inhalte seines aktuellen Buches „Einsamkeit die unentdeckte Krankheit“ auf das Thema Ehrenamt zugespitzt. Der Rektor der Uniklinik Ulm hat dazu an der Schnittstelle von Neurologie, Psychologie und Soziologie geforscht. Ehrenamt das sehe man auch an der aktuellen internationalen Tagung zum Zeitpunkt des Vortrages in Augsburg, sei ein großes Thema in Deutschland. Ehrenamt -siehe Flüchtlingskrise- wachse mit staatlichen Engagement, sagte er unkritisch und Ehrenamt finde meist erst nach der beruflichen Karriere statt. Später nach seinem bedeutend informierteren Vortrag über die Megatrends Singularisierung(Vereinzelung), Urbanisierung und Mediatisierung und ihrem Einfluss auf sein Thema Einsamkeit kam er auf das Thema Ehrenamt zurück.Er habe das Buch schreiben müssen, da er 2003 mit der Erkenntnis anhand eines Versuches, dass Einsamkeit schmerze und 2009, als er wissenschaftlich untermauert herausfand das Einsamkeit ansteckend sei Erweckungserlebnisse hatte. Der Fakt das Einsamkeit tödlich sei habe das erschreckende Bild abgerundet. Der Vortrag war gekennzeichnet von einer durch wissenschaftliche Distanzierung bewirkten Härte.Seine Argumentation zum Thema Einsamkeit begann er mit der Langzeitstudie, die das beweist. Hier habe man Leute mittleren Alters zum Thema Alter befragt. Dann habe man 40 Jahre abgewartet. Die dem Alter gegenüber negativ Eingestellten seien meisten schon weg gewesen. Leute mit einem guten sozialen Netzwerk hätten häufiger überlebt.

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Empathie und Hilfe für Andere haben laut Manfred Spitzer den besten Effekt gegen zu frühes Ablegen

150 als Obergrenze für Bekanntschaften?

Das habe seinen Grund in der Evolution, die Menschen seien die sozialsten Primaten, sie lebten schon seit tausenden Jahren in Gruppen bis 150 Mitglieder, viel mehr als andere Affenarten.Ein zweites Alleinstellungsmerkmal des Menschen sei nicht etwas das Lernen, dass täten andere Affen viel, sondern das Lehren. Deshalb halte er nichts von individuellem Lernen. Autoritatives Lernen(Einer weiß und sagt) sei viel schneller. Mit individuellem Lernen würde ein Medizinstudium 20 Jahre dauern, meinte der Hirnforscher.150 Mitglieder habe die kleinste Einheit des römischen Heeres gehabt, behauptete Spitzer.Geschenkt:Nach Kenntnisstand des Autors hatte eine Zenturie nur 80 Mann.  W.L der Gründer von Gore-Tex spallte seine Tochterfirmen immer ab einer Größe von 150 Mitarbeitern in Neue auf. Ebenso täten es die Amish-People in Amerika. Hofgemeinschaften hätten dort höchstens 150 Mitglieder. Die nächst nähere Kategorie nach Bekannten seien Freunde. Diese könne man leicht eingrenzen mit der Frage, wen man zu seinem Geburtstag einlade. Hier hätten Männer im Schnitt 15 und Frauen 19 Freunde. Durch ihre entwickeltere Sprachlichkeit schon auf der Ebene des Gehirns seien sie durchschnittlich besser vernetzt. Die nächste und seltenste Kategorie seien beste Freunde. Diese könne man daran messen, das man denke man könne bei ihnen nachts um drei vorbeikommen und sie würden einen aufnehmen und einem morgens einen Kaffee machen. Dies seien bei beiden Geschlechtern etwa 3-5. Dadurch das das Thema Einsamkeit verschränkt sei mit den drei gesellschaftlichen Großtrends Singularisierung, Urbanisierung und Mediatisierung, könne mal laut Spitzer damit rechnen das das Problem in den kommenden Jahren noch zunehme.

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Die Anzahl der Single-Haushalt wächst ungebrochen, die Familienhaushalte aber fallen nicht mehr so stark, so Spitzer

Singularisierung(Vereinzelung)

Eine Auswirkung der Singularisierung sei die Tatsache das zwischen dem Jahr 2000 und 2014 die Anzahl der Singlehaushalte in Deutschland von 14 Millionen auf 17 Millionen angewachsen sei.Eine andere wissenschaftliche Erkenntnis konnte auch verblüffen. In US-Amerika seien über in den letzten 50 Jahren die Wörter in den Büchern gezählt worden. In dieser Zeit habe das Wort Ich um 42 % zugenommen, hingegen das Wort Wir um 10% ab. Dann brachte er ein persönliches Beispiel, sein Vater, ein leidenschaftlicher Fotograf, habe ihm vor 40 Jahren einen Fotoapparat geschenkt.„Damals wäre ich nie auf die Idee gekommen mich selbst zu fotografieren, ja es wäre mir peinlich gewesen, da hat sich offensichtlich etwas geändert.

Urbanisierung

Die zweite große gesellschaftliche Transformation sei die Urbanisierung. 1913 hätten noch 13 % der Weltbevölkerung in Städten gelebt, im Jahre 2030 so schätze man, lebten schon 60 % der Weltbevölkerung in urbanen Zentren. In der Stadt habe man viel mehr Erlebnisse der Nicht-Gemeinschaft als im Dorf, wo sich noch jeder grüße. Die Stadt sei viel ungesünder zum Alt-Werden. Psychiatrisch sei klar das es doppelt so viele Schizophrene in der Stadt gebe als auf dem Land.

Mediatisierung

2 Milliarden Menschen seien im Internet-Community-Portal Facebook. 3 Millionen mehr in anderen „Zuckerberg-Medien.“ Eine Studie von 2013 belege, dass man je mehr man im Facebook sei, desto mehr Depressionen bekomme. Also nach der Anwendung steigere sich die Depressivität. In Dänemark habe man „Facebook-USer“ nach einer Woche Enthaltsamkeit befragt, sie zeigten laut Spitzer zufriedener mit ihrem Sozialleben. In direkten Begegnungen sehe man Mimik, Gestik, Sprachmelodie, da gebe es Unmittelbarkeit. Das sei das Gegenteil von Medien. Medium heiße ja schon das Vermittelnde, es sei mittelbar und deshalb unbefriedigend. Auf Ernährung übersetzt sei Facebook:“heiße Luft und leere Kalorien.“ Ja es sei sogar nachweisbar, dass die Selbstmordrate mit der Häufigkeit des Medienkontaktes steige. In einer amerikanischen Studie an 4524 Personen, sei raus gekommen, das die positive Wirkung von Schlaf und Sport nicht so stark sei wie der negative Effekt von häufiger Nutzung von Bildschirmmedien.Auch habe demletzt ein 7-Jähriger eine Demonstration gegen Handies bei den Eltern organisiert.DSC04040

Vertrauens- und Interaktionsverlust durch Handies

Die Smartphonenutzung bei Müttern vermindere die Interaktionen beim Essen. Die Großen gingen voran.Aktionäre hätten Apple vor Verlusten gewarnt, falls sie den Konsumenten nicht mehr Optionen geben würden ihr Telefonnutzungsverhalten zu kontrollieren. Darauf hin habeApple auf einer Entwicklerkonferenz eine Software zur Einschränkung der Telefonnutzung vorgestellt.Den Gesellschaften gingen durch die individuelle Verfügbarkeit aller Informationen auf Handies die vertrauenskonstitutiven Mikrorituale verloren. Kurz: Die Leute fragen nicht mehr nach dem Weg oder der Uhrzeit. Dadurch gehe Vertrauen verloren. „Die kleinen Interaktionen in Gesellschaft sind der Schmierstoff für Vertrauen, insistierte der viel gescholtene Erfolgs-Autor. Auf dem Land in Norwegen sehe man eine andere Entwicklung, da könne man in unverschlossenen Hütten schlafen und alle mitgenommenen Wanderartikel, auf Vertrauensbasis aufschreiben. „Das hat mich fasziniert“, gestand der 60-Jährige. In Oslo klappe das schon nicht mehr. Da sei der urbane Empathieverlust schon zu spüren. Die Muttersprache lerne man durch das soziale Umfeld, ganz ohne Pauken.Was aber krass sei, heute hat ein Oberschichtenkind bei der Einschulung schon 300 Millionen Worte mehr gehört als ein Unterschichtenkind. Schichtspezifische Bildungsunterschiede schon bei der Einschulung, da müsse mehr mit den Kindern in prekären Verhältnissen von 0-6 gesprochen werden. Eine Ansatzpunkt für das Ehrenamt. Wenn aber wie eine amerikanische Studie beweise die Kinder durchschnittlich 7 Stunden am Tag in sozialen Medien und lediglich zwei Stunden am Tag mit Freunden spielen, dann ist klar das Mediatisierung ein Faktor für Einsamkeit ist.

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Unmittelbarkeit, Empathie und die Fähigkeit sich in die Situation anderer hineinzuversetzen seien in der singularisierten, urbanisierten und mediatisierten gesellschaft drastisch am Abnehmen so Manfred Spitzer(Bild)

Einsamkeit schmerzt, steckt an und tötet

Empathie und die Fähigkeit sich in die Situation des Anderen hineinzuversetzen seien auch in Deutschland am bröckeln. Nur ein Beispiel sei die Meldung am 20.09.17, dass ein Mann einen verunfallten sterbenden, statt ihm zu helfen fotografiert habe um das Video ins Facebook zu stellen.Jetzt gebe es ein Gesetz, das sanktioniere Sterbende zu fotografieren. Die letzten 100 Jahre seit der Verbreitung von Fotoapparaten sei das selbstverständlich gewesen.Zurück zum Thema Einsamkeit.Soziale Isolation sei nicht gleich Einsamkeit. Ältere Männer seien oft sozial isoliert, aber erfahren und nicht einsam. Ältere Frauen seien zwar eine große Gruppe, aber durchschnittlich nicht besonders einsam. Eine einsamkeitsanfällige Gruppe seien hingegen die jungen Frauen. Da sie vernetzter sind, trifft sie die Einsamkeit härter. Männer könnten eher den „Höhlenmenschen“ oder „einsamen Wolf“ spielen, wenn sie vom Verein geächtet würden. Die Studie, welche er jetzt dozierte, habe ihn nachhaltig beeindruckt. Sie beweise Einsamkeit schlägt im gleichen Hirnareal an wie Schmerz.Das Setting: Drei Leute spielen am Computer Ball, der der am Scanner angeschlossen ist wird plötzlich vom Spiel ausgeschlossen. Das gleiche Hirnareal weist eine erhöhte Tätigkeit auf, da anspricht, wenn man jemand an der Hand verletzt. Schmerz. Das bedeute Gesellschaft lindere Schmerzen. Ein Beispiel aus Spitzers Erfahrung als Psychiater. „Was liegt auf den Nachttischen im Krankenhaus?. Offen Obst,dann Schokolade, ein bisschen versteckt ein Piccolo, aber immer ein Bild vom Partner.“ Das wirke wie Schmerzmittel. Aber auch umgekehrt Schmerzmittel hülfen gegen Einsamkeit. Aber die hätten eben auch Nebenwirkungen und bekämpften die Ursachen nicht.Das soziale Umfeld hingegen sei aktive Schmerztherapie. Der negative Effekt eines Einsamen auf uns sei ebenso groß. Deshalb sei Einsamkeit auch ansteckend. Man sage „der zieht mich runter.“

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Da Einsamkeit laut der obigen Statistik ansteckend ist setzt Spitzer auf Einsamkeitsresiliente

Einsame aller Länder verbindet euch

Umso wichtiger sei es das dagegen Immune die Einsamen zu sozialer, am besten helfender Aktivität animierten. Stress verursache die meisten Krankheiten. Und Einsamkeit verursache in unseren Breitengraden den meisten Dauerstress. Anderen zu helfen so hatte Spitzer schon zu Beginn gesagt, sei viermal so gesund wie Aspirin, was er mit einer Statistik untermauerte. Wenn man Einsamen helfen wolle, könne man nicht einfach sagen: „Geh unter die Leute.“ Denn genau das könnten sie ja nicht. Man müsse wiederum Empathie und Einfühlungsvermögen walten lassen. Zum Beispiel wenn einer gern und gut lese, der Vorschlag mal im Kindergarten eine Geschichte zu lesen.Die Dramatik des Problems zeige auch das die Antieinsamkeitsministerium eingerichtet hätten. Einsame könnten davon zu Orten und Plätzen überwiesen werden, wo Gemeinschaft sei.Dann kam Spitzer in der Zielgeraden seines zweistündigen Vortrages wieder zum Ehrenamt zurück.Man brauche nicht nur Gemeinschaft sondern interaktive Gemeinschaft, das Ehrenamt sei perfekt. Oder auch gemeinsames musizieren, sporten, Kunst schaffen oder Theater spielen.Auf eine Frage aus dem Publikum ob es nicht auch negative Formen von Zusammensein gebe, antwortete er bejahend. Es gibt auch ein zu zweit allein. Die Beziehungsqualität sei dabei wichtig.Der Musikverein Blaustein hat den freien Wählern bei der Bestuhlung geholfen. Weiter so in der interaktiven Einsamkeitsauflösung.

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Acetaminophen ist ein ähnlich wie Paracetamol in Deutschland in den USA gebräuchliches Schmerzmittel
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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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