Einstein: Die neue Ikone für Ulm?

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Der frischgetaufte Verein „Albert Einstein Discovery-Center Ulm e.V lud ins Ulmer Stadthaus. Nancy Hecker Dehnschlag, die zweite Vorsitzende zeigte die Ziele des Vereines auf. Danach gab es einen Vortrag von Prof. Dr. Sebastian Murken, über Einstein als Ikone. Das große Ziel des zur Zeit 480 Mitglieder zählenden Vereins, der im Frühjahr schon Einsteins 139. Geburtstag öffentlich feierte, ist wie sein Name schon sagt, ein Albert Einstein Discovery Center. Hecker Dehnschlag stellte das 3 in 1 Modell für das Einstein-Discovery-Center vor. Erstens solle es dort ein Science-Center geben, das Mitmachstationen und besonders qantenphysikalische Themen umfasse. Zweitens eine historische Abteilung über Albert Einstein um seine Geburt 1879 und danach. Manche meinen solch ein Center sei unangebracht, weil die Einsteins schon als Albert 1 ½ Jahre war Ulm verließen. Drittens solle es dort eine Technologie-Ausstellung geben, welche Theorien in Einsteins in aktueller Technik aufzeige.Das sei ein Projekt mit internationaler Ausstrahlung, welches die MINT-Fächer im Unterricht stärke und ein neues Freizeitangebot für die Bürger schaffe. „Ulm braucht ein Technikmuseum“, meinte Hecker Denschlag. Zwei Nobelpreisträger unterstützten das Projekt. Und auch die Beratung von Professor Christina Kappel vom Mercedes-Benz Museum sei in der Planungsphase wertvoll. Das Gebäude seiin der Nähe von Einsteins Geburtshaus, beim Sport Sohn, geplant. Das Gebäude solle in der Form einer Raum-Zeit-Krümmung in der Nähe eines schwarzen Loches gebaut werden. Der Baubeginn könne 2024 sein. Eine Mitgliedschaft im Verein zu 25 Euro unterstütze das Vorhaben noch mehr.

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Sebastian Murken: Einstein als Ikone

Professor Dr. Sebastian Murken ist eigentlich Religionspsychologe und Psychotherapeut. Sein Vater hat ihm aber in den 70er Jahren den Grundstock einer Sammlung von Albert Einstein-Bildnissen von 1917-1955 überlassen. Heute besitzt er mit circa 200 Bildern von Einstein, wohl die größte Sammlung von Bildern von Albert Einstein. In einem kurzen theoretischen Teil klärte er was Ikonen sind. Traditionell in der orthodoxen Kirche sollen sie eine existentielle Verbindung zwischen Betrachter und Objekt herstellen. Im politischen Feld, seien es Bilder die aufgrund ihrer Streuung und ihres Aussagegehalts aus der Masse herausstechen. Ikonen bräuchten auch eine visuelle Codierung, die beispielsweise bei Shakespeare und Sokrates, trotz den herausragenden Bedeutungsgehalts nicht gewährleistet sei. Auch werde man den diesjährigen Nobelpreisträger in Physik nicht auf der Straße erkennen. Einstein sei da eine Ausnahme. Das zeige sich auch daran, dass das „Time magazine“ in der letzten Ausgabe des Jahrhundert am 31.12.99 Einstein zur „Person of the century“ erhoben habe. Einstein habe die Physik revolutioniert und neue Denkräume erschlossen. Er stünde für eine unglaubliche Kapazität des Denkens. Und er habe sich über das Denken hinaus für Ideale eingesetzt. Er sei wie der Titel der aktuellen Biographie von Christof Rieber nahelegt ein Leben lang ein Nonkonformist geblieben. Was man beispielhaft an der Geschichte des Zungenbildes, das weltweit bekannt sei ablesen könne. Auf seinem 72. Geburtstag am 14.März 1951 wurde Einstein den ganzen Tag von Fotografen bedrängt. Als er mit zwei Begleitern ins Auto einstieg fotografierte ihn wieder ein Journalist. Einstein streckte die Zunge raus. Das Bild, sei nicht etwa von der Presse verbreitet worden, sondern der geisteswitzige Einstein schnitt sich selber aus und verbreitete das Foto. Der kleine Reim den er hinzufügte ist ungleich weniger bekannt.

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117 von 120 Albert Einstein Briefmarken weltweit hat Erwin aus Ulm schon und der Verein wächst

Ein Ulmer Sammler hat 117 von 120 Einsteinbriefmarken

Das Zungenbild der Rolling Stones funktioniere wohl auch dank Einstein so gut.Es gebe 120 Briefmarken mit Einsteins Konterfei. Schöner Weise hatte ein Sammler aus Ulm 117 der von Einstein bekannten Briefmarken dabei. In Ulm hingegen suchten so manche Japaner den Einsteinbrunnen vergebens, der sei nämlich nicht in der Stadtkarte eingezeichnet, monierte der Sammler. Witziges gab es aus der Werbung. Coca Cola habe Einstein mit einer Coke in der Hand an der Relativitätstheorie schreibend dargestellt. Darunter steht: „Even Einstein counldn´t figure relativity theory.“ Die „Hebrew university of jerusalem“ die die Rechte an Einsteins Bildern inne hat, hat seine Bilder als kulturelles Gemeingut erklärt, das verwendet werden dürfe, auch in geschmackloser Manier.

Frasconi, A. E59, 0058
Antonio Frasconi, 1952,Quelle: Sammlung Murken

 

Einsteinbilder von 1917-1955

Die folgende Sequenz von Einsteinbildern pries der Sammler als Weltneuheit an und so durfte man die Bilder auch nicht fotografieren. Max Planck holte Einstein 1913 aus der Schweiz nach Berlin. 1914 schrieb er dort seinen Entwurf der Relativitätstheorie. Am 29.05.19 wurden empirische Beweise für die Richtigkeit der Theorie erbracht und Einstein wurde über Nacht berühmt.Das erste Einstein-Bild von Erich Büttner zeigt den kosmischen Menschen, ohne Einstein dabei zu porträtieren. Nach der Erfahrung der 1. Weltkrieges stand auf einem Stern von Sternen und Kräften umrundet. Ein Einstein Zitat aus den 50er Jahren hört sich vor dieser Folie wie ein Aufruf an den egoistischen und nationalistischen Menschen aus seiner selbstverschuldeten Katastrophe aufzuwachen an: „Es ist mir klar, dass das so verlorene religiöse Paradies der Jugend ein erster Versuch war, mich aus den Fesseln des „Nur-Persönlichen“ zu befreien, aus einem Dasein, das durch Wünsche, Hoffnungen und primitive Gefühle beherrscht ist…” Einstein war sich sehr bewusst über seinen Einfluss und stand bereitwillig Porträt und signierte Bilder von Künstlern mit wenig Mitteln.Max Liebermann malte ihn in Berlin. Genauso Julius Turner, 1920 in frontalen Porträts.

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Julius Collen Turner, 1920, Quelle: Sammlung Murken

Einstein ein Poet des Zukünftigen

Leonid Pasternak malte ihn farbenfroh und mit Geige. Einstein bedankte sich immer für die Kunstwerke und gab etwas zurück. Als Moshe Ziffer ihn beispielsweise gemalt hatte schrieb er in einem Brief: „Du bist ein Ziffer und ich bin Ein stein aber die arbeitest mit Stein und ich arbeite mit Ziffern.“Boris Georgiev malte Einstein 1929 numinos, mit leeren Augen. Die Spuren des spirituellen Wanderers der auch Rabindranath Tagore gemalt hat, verlieren sich in Indien.Kurz vor der Machtergreifung der Nazis unterzeichnete Einstein noch den „dringenden Apell“, derSPD und KPD dazu auffordert gemeinsame Kandidaten aufzustellen. Der Maler Kurt Isenstein malt ihn. Bald darauf fliehen beide. Einstein setzt sich bei der Kunsthochschule in Kopenhagen dafür ein, dass Isenstein eine Anstellung bekommt. Genau wie die Geliebte Rilkes Lou Albert Lazard malte Emil Orlik, der zur Zeit in Neu-Ulm ausgestellt wird Einstein.Wunderbare Zeichnungen stammen von dem Inder Mukul Dey, das Spirituelle, scheint eine Dimension zu sein, die den kosmischen Menschen Einstein gut zu fassen vermag.1921 in New York, als der zionistische Kongress sich noch für einvernehmliche Lösung mit den Arabern einsetzte, malte ihn Bernhard Wall dort. Einstein bedankte sich mit einem Zweizeiler: „Gut gemacht in kurzer Frist, dass Modell zufrieden ist.“Als Hitler-Deutschland Einstein 1934 ausbürgert, weilt er in Belgien. Eugen Spiro, einem der bekanntesten Porträt Maler des damaligen Berlins, erteilt Einstein in den frühen 30ern eine Absage. Er habe es nicht nötig ihn zu malen, meint er. 1942 treffen sie sich im Exil wieder. „Nun bin ich mittellos“, meint Spiro und Einstein lässt sich malen. Aus der Zeit nach dem Krieg sticht das Bild welches Antonio Franconi 1952 für die Collage-Buden in Princeton gemalt hat heraus. Wie witzig und selbstreflektiert die Ikone war zeigt ein letztes Bild. Nach dem Vortrag gab es runde Tische um die Idee eines Einstein-Research-Centers weiter zu diskutieren. Es begleitete die Band „Hackberry“ aus Ulm.

Links:

Den Leuten vom  Verein der sich für ein Albert Einstein Museum stark macht kann man bei einem Infostand am 20.10. in der Hirschstraße gegenüber von Gerry Weber, direkt am Ulmer Wochenmarkt begegnen

Dicovery Center im Netz:

http://www.aemuseum-ulm.de/

Professor Sebatian Murken:

http://www.sebastian-murken.de

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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