Es lebe die Freiheit

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Ein Theaterstück über das Leben von Hans Scholl

Die Obere Donaubastion am Roxy , hier befindet sich die Theaterwerkstatt Ulm, ein Laientheater das gerade mit „Es lebe die Freiheit!“ Zum 100. Geburtstag von Hans Scholl auf der Bühne steht.Die Premiere war am 22. September, dem Geburtstag von Hans Scholl, dem berühmten Gründer der studentischen Widerstandsgruppe „die weiße Rose“ aus Ulm. Das Autorentrio Elvira Lauscher, Jörg Neugebauer und Thomas Laengerer hat lange und gut in den Biographien Hans Scholls und in Dokumenten und Briefen geforscht. Das Stück beginnt aber mit einer Szene aus einem Theaterstück welches der Exilant Berthold Brecht 1938 erstmals in Paris aufführen ließ: „Furcht und Elend des Dritten Reiches.“ Zwei Parteikarrieristen in langen ledernen Mänteln scherzen besoffen „vom Pleitegeier zum Reichsadler“ beglückwünscht der neue Volksgenosse seinen Kumpanen. Die brechtsche Deftigkeit und sprachliche Brillanz wirkt durch die schauspielerische Kraft der beiden Volksgenossen entlarvend. Die Enthemmung ihres Rauches spült den brachialen Opportunismus der neuen Mächtigen an die Oberfläche. Die gesellschaftlichen Umstände des in 9 Szenen entfalteten Werdeganges der Scholls, sollen im Folgenden  durch die Verwebung mit den prägnanten Schilderungen der gesellschaftlichen Zersetzungsprozesse in 5 Szenen von Brechts Stück luzide zum Vorschein kommen. Sehr dienlich zum Nachvollzug der Entwicklungsgeschichte sind auch die kurzen Infoblöcke vor den Szenen. Hans gespielt von Julian Schmid, tritt auf als selbstbewusster junger Mann, der sich in der Hitlerjugend hervortut, seine kleine Schwester Sophie ist stolz auf ihn und will voller Bewunderung zu ihm ins Fähnlein kommen.Heimatliebe und die herrliche Einigkeit welche gemeinsamer Gesang und das vorwärts gerichtete Gesicht in der HJ spendeten, verbanden die beiden 15 und 12 zunächst mit der Hitlerjugend.

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Die beiden Volksgenossen  spielten Mathias Quickmann und Victor Pill

Die korrumpierte Gemeinschaft und das Feuer der Freiheit

Der Vater Robert Scholl hat als überzeugter Antifaschist einen anderen Blick als Hans, der Junge ist gegen seinen ausdrücklichen Willen zur Hitlerjugend gegangen. Nachdem er seine Fahne zum Parteitag nach Nürnberg tragen durfte ist er aber ganz verwandelt. Sein Ideal, dass er in vielen Schriften erworben hatte, heißt das jeder das Besondere aus sich herausholen soll, welches in ihm steckte. Beim Parteitag sieht er aber Drill und Uniformierung bis ins Private hinein und als ihm Bücher von den Leitern weggenommen wurden, beginnt seine Umwendung. Er tritr nun in die verbotene Deutsche Jungenschaft ein. Ein Zeitsprung: In einer Szene mit Sophie und seiner älteren Schwester Inge kommt er gerade aus dem Gefängnis zurück. Er war für Unzucht mit Abhängigen eingekerkert gewesen. Nun äußert er leidenschaftlich seine Abneigung gegen eine Welt in der man für das Rausgehen mit Freunden und Klampfe spielen verurteilt würde. Die rationale Inge meint, das gelte heutzutage eben als geheimbündeln. Die Macht des Zusammenhalts der in Freiheit verbundenen Jugendbewegung zeigt sich als Hans singt:„Freunde im Feuerkreis haltet zusammen Wacht, bis der Morgen verdrängt die dunkle Nacht.“Drastisch zeigt die Szene „der Spitzel“ aus Brechts Schilderung, wie ein Junge in der Hitlerjugend, mit Volksempfänger dargestellt, die nicht nationalsozialistischen Eltern tyrannisiert.Die Wort von der Gesundung des Volkes unter Hitler von seiner Frau lässt den Vater aufstoßen. „Wenn das Gesundung ist, dann wähle ich die Krankheit, meint er entschieden.

Geheim bündeln für die Freiheit

Der Vater, der Angst hat, der hitlertreue Sohn,bekomme etwas von seiner kritischen Haltung mit, ist Lehrer. Er Lehre ja alles, was man ihm auftrage zu lehren; nur die Jugend erziehen? „Furcht habe ich vor ihr“, meint der Studienrat. Die Atmosphäre, die die Situation vermittelt ist bestürzend.Es ist als würde die Luft aus dem Raum gezogen um Misstrauen,Egoismus und ängstlichem Schweigen zu weichen.In der Liebesszene mit Lisa Remppis, der fünf Jahre jüngeren Freundin und Geliebten, spürt man das Hans sich sehr intensiv beginnt mit Philosophie, Religion und Mädchen zu befassen. Seine Anschauung der Liebe, als rotes Band welches alle Menschen verbinde, treibt ihn jenseits des nationalsozialistischen Treue- und Ehregebots zu Abenteuern.Als Hans Inge und Sophie von einer geheimen Ausfahrt des verbotenen Jugendbundes nach Schweden erzählt, zeigt sich eine wachsende Verschränkung von Glaubensgewissheit und Erfahrungstiefe in ihm. In die Pause leuchtet das Zitat von Paul Claude auf Hans Lippen: „Das Leben ist ein großes Abenteuer hin zum Licht.“Im Gespräch mit Rose Nägel, einer unkonventionellen Freundin der Familie und Hans Geliebter, trauert er darüber das Sophies Individualität in den sklavischen Disziplinen eines NS-Arbeitslager geschändet würde. Auch reflektiert er seine vielseitige Verliebtheit poetisch „Ich bin eine unstetig flackernde Flamme.“

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Vl: Mareike Bladt als Lisa Remppis, Ursula Straschewski als Mutter Scholl, Julian Schmid als Hans Scholl

Auf der Suche nach dem Licht

Hitler´s Aufstieg zum Führer ging über die Versprechen von Arbeit und dem Aufheben der Klassenunterschiede. Die nächste Szene zeigt nun was es mit der Arbeit auf sich hatte, die Hitler und seine Genossen geschaffen haben; der große Krieg hat bereits begonnen. Die um ihren gefallenen Mann trauernde Nachbarin begegnet einem Mann, der glücklich über seine neue Arbeit ist und seiner Frau. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er nun Teile für den Bomber herstellen muss, mit dem der Mann der Nachbarin in den Tod geflogen ist. „Eine schöne Arbeitsbeschaffung”, meint die mitfühlende Frau. Der Mann spielt den Zusammenhang als normal herunter.Ein jüdische Lied von Regisseur Thomas Laengerer gesungen, leitet die Szene eines Abschieds einer jüdischen Frau von ihrem Mann ein. Hier sieht man wie selbst Eheleute, den anderen aufgeben mussten um ihre eigene Haut zu retten. Ein Satz der intensiven Szene bleibt als ethische Quintessenz hängen, die Jüdin Judith sagt: „Nur eines dürfen sie nicht bewirken, dass wir uns in der letzten Stunde nicht in die Augen sehen.“ Nach seiner Erfahrung im Russland Feldzug mit Alexander Schmorell zusammen, radikalisiert sich Hans und damit auch die Weiße Rose. Sein Glaubensgewissheit wird immer größer.In der letzten Szenem einem Gespräch zwischen Hans und Sophie, meint Hans: “Das echte Leid ist wie ein Bad, aus dem der Mensch wie neu geboren herausgeht.”Er distanziert sich von den Täuschungen der „Geschlechterliebe“ und sagt „der Irrwege bin ich genug gegangen, jetzt wird es rein.” Sophie erwidert: „Mit deiner Eloquenz überspielst du nur deine Unfähigkeit deine Seele zu öffnen. Das suchende Herz wird das Ziel finden. Hans:„Das Licht wird es finden, das Licht.“

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Vl: Julian Schmid als Hans Scholl, Julia Knaut als Sophie Scholl

Kartenvorbestellung: http://www.tw-ulm.de; 07348/408596

Weiter Vorstellungen von “Es lebe die Freiheit”:

19.10.18, 20 Uhr, Theaterwerkstatt Ulm

20.10.18,20 Uhr, Theaterwerkstatt Ulm

26.10.18, 20 Uhr, Theaterwerkstatt Ulm

27.10.18,20 Uhr, Theaterwerkstatt Ulm

weitere Termine: http://www.tw-ulm.de

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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