Begegnung: Acht Künstler stellen im Alten Rathaus in Laichingen aus

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Rudolf Kosow: Begegnung, 2014, Öl auf Leinwand, 150*180 cm

Die Ausstellung von acht Künstlern die noch bis 03.10.18 im Laichinger Rathaus zu sehen ist firmiert unter dem Namen Kontraste. Der erste Kontrast, merke ich, bin ich selbst, ich selbst gegen die Ausstellung.Ich komme in den Saal des Alten Rathauses, es kommen mir die vielen Termine die ich hier hatte in den Sinn. Es schmeckt für mich nach Aufführung, nach Verhaltensweisen, Abgekartetem Spiel und ich trage Widerstand in mir gegen all das freundliche Glattgehen, das reibungslose Durcheinander, dasAusagieren der aneinander geketteten Einzelwillen. Gibt es keinen hier der sie nicht mehr halten kann, die gute Miene zum bösen Spiel? Hier sind doch Künstler! Am Eingang mustert mich eine Frau und fragt sind sie von der Presse oder rein privat hier. Ich meine in einem Mischung von Prätention und Larmoyanz: „Keines von beiden“ und versuche Land zu gewinnen. Das Licht das gekonnt aus dem riesigen Bild vor mir bricht, gibt mir einen Anker auch die Skulptur aus Kirschenholz, die den Raum in die geistige Natur schraubt spricht mich an. Ich nähere mich ihr,da sehe ich den Titel: Traumbaum premium. Das lässt in mir eine Bombe hochgehen. Wie kann man nur so marktförmig sein, so ein Objekt mit dem Gütesiegel premium zu versehen. In einem aufgebrachten poetischen “Amoklauf”gebe ich den Objekten und Menschen vorurteilsgewirkte Namen:

 

Lackbilder,

Traumbaum Premium,

a blond one and a black one

LA, ihr wisst schon im Alten Rathaus

U-Topic -You-Topic

Die Sehnsucht verfliegt

Luftballons ausgelassen

Mein Punk heißt Sektempfang

 

Ich war schon vorher als noch niemand außer die angenehm weit zerstreuten Tänzerinnen beim Üben da war in dem Raum gewesen und da hatte ich unter Zeitdruck vier Objekte abfotografiert. Das eine war jenes relativ zu den anderen übergroße Bild, indem der Mann von etwas Unsichtbarem angestrahlt seinen Kopf in Richtung der Quelle senkt und ein bunter Vogel, auch durchdrungen von Licht, auf einem angestrahlten Ast über der Quelle sitzt. Ich war auf dem Weg zu einer Lesung von bekannten Ulmer Persönlichkeiten über Utopie. Da Bild hätte das erste Kapitel dieser sich dann verschließenden Geschichte über die Ortlosigkeit des Idealen sein sollen. In diesem Fall ist mir aber eingefallen, das an diesem Abend noch eine spirituelle Zusammenkunft in Ulm sein sollte und nach einer Meditation am Löwenfelsen in Blaustein, die mir eine Blasmusikkapelle verkürzt hat, war ich entschieden die Ortlosigkeit durch den behaupteten Ort vom Ursprung zu ersetzen. Nach dem Tauchgang in die ursprüngliche Musik, spürte ich einen Glockenapfel lang meinem nächsten Ziel nach und das Licht, welches die erste Verwandlungsform des Tones sein soll leuchtete mir wieder ein.

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Uwe Köhle, Traumbaum premium

 

Ein Holzkünstler unter 7 bildenden Künstlern

Genau wie das Holzkunstwerk, welches Gewachsenheit, Bearbeitung und Ausstellungssituation so trefflich verbindet. Während des dichterischen Ergusses, fasst mich ein blonder Mann am Rücken. Ob er mir helfen können könne? „Ich bin Uwe Köhle“, ich bin Holzkünstler. „Traumbaum premium“ denke ich und mustere ihn. Er sieht bisschen aus wie Uwe Ochsenknecht, nur ein bisschen natürlicher. Er erzählt mir von seiner Ausstellung 2017 beim Karl Lämmle-Preis in Laupheim, Karl Lämmle ist der Erfinder von Hollywood, und dass er dort auch seine Hochzeit gefeiert hätte. Offenbar denkt er ich sei von der Presse. Er meint er fälle keine Bäume die nicht krank seien, habe peruanisch schamanische Einweihungen bekommen(Krafttier Adler), die Bäume dürften in seiner Holzkunst weiterleben. Er fände auch den Raum des Alten Rathauses, vor allem die uralten Eichenbalken, die ihn trügen „affig geil“. Irgendwie wirkt er beruhigend, mein ganzer kritischer, abgespaltender Geist verschwindet. Er verwende nur heimische Obsthölzer. Hergekommen sei er weil Kai Kresse von dem Laichinger Verein Kunst und Kultur gesehen und angefragt habe. Irgendwie ein sympathischer Typ, der vom Stahl als Schlosser zu dem seiner Seele näheren Holz gefunden hat und wertvolle Ästhetiken aus diesem mit der Motorsäge heraussägt und dann Geduld aufbringt. Der premium Traumbaum, so meint er, habe vier Jahre gebraucht. Die Holzkunst sei zum in den Garten stellen gedacht. Weitere Exponate seiner Holzkunst seien in seiner Kunstgalerie Achtal in Schelklingen zu besichtigen. Seine nächste Ausstellung heiße Lichterloh: „Die Würfel sind gefallen.“ Dafür habe er Würfel in einer speziellen Masse gebannt. Sie finde ab dem 31.Oktober um 18 Uhr in seiner Galerie statt.Jetzt müsse er aber weg, denn er gebe morgen einen Sägekurs.

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Rudolf Kosow: Quelle, 2015, Öl auf Leinwand, Hochformat 50*100cm

Lichtgestalten Lichterloh

Als der sympathische uns informative Mann abgeht wendet sich mein Blick schnell wieder Richtung der Bilder von Rudolf Kosow. Das Bild das mein Auge bannt zeigt eine Frau auf einem Felsen, mit einer losen Tür in der Hand, unter dem ein flammendes Inferno stattfindet. Ich habe das Bild schon ein mal gesehen und ich freue mich das es Quelle heißt. Auf einem anderen Bild Kosows liegt ein man mit den Händen vor den Augen auf ebenso einem Felsen. Eine Taube ist ungesehen von ihm im Anflug, das Bild heißt Freunde. “Ach Herr Kosow, sie sind der geistige Haudegen unter den Malern hier”, ob ich mich getraut hätte ihm das so zu sagen?  Aus Kasachstan stammend ist der studierte Maler Kunstlehrer hier am Gymnasium am Ort. Wohl der Schule die solche Lehrer hat. Kosow vermag es in erstaunlich vielfältigen Konstellationen die Transzendenz und die kaum zu ertragende Kraft des „ursprünglichen Wesens“,das er in seiner neuen Ausstellung mit „Lichtgestalten“ umschreibt ,mal ironisch mal surreal, auszudrücken. Und sieht man auf die andere Seite, dann steuert er in einem wunderbar realistisch gemalten überdimensionalen Hund der, durchaus das Licht aushaltend, nach oben lugt eine andere Facette der Transzendenz an. Der Hund, in einem anderen Bild der Wolf ist lichthafter als der kleine moderne Mensch, der seinen Hut zum Schutz hinuntergezogen, an dem gigantischen Hund lehnt.Auch der von Detektiven untersuchte Riesenmuffin mit Sahnekirschhaube will vermutlich auf die Unfähigkeit des rationalen Verstandes hinweisen die Köstlichkeit des Stoffwechsels zu verstehen.Leider war der Künstler nicht mehr da, so das er meine Interpretationen hätte dementieren können.Die Bilder von Kosow sind auf so vielen Ebenen nahrhaft und anregend, dass man auf die Idee kommen könnte Zufriedenheit bestünde darin mit einer schönen Frau vor einem seiner Bilder zu stehen. Immer mal wieder zu den Künstlern lugend gehe ich weiter.

 

The black one: Der Schönheit begegnen

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Nici Diener, Struktur/Acryl, 100*100 cm

Ein Bild in Kupferästhetik mit vielen Bodenwellen, hat eine glitschige Anmutung. Es erinnert mich an die Brunnen, aus denen in Thermen täglich das Wasser die Oberfläche transformiert. Beeindruckt laufe ich zu den in gemütlicher Runde sitzenden Künstlern. Die schwarzhaarige schwargekleidete Frau die vorher eines der beiden weiblichen Inspirationselemente meines Gedichtes war outet sich als Nicole Diener. Ich sage ihr ihr finde ihre Bilder glitschig, fast eklig, aber sehr ansprechend. Das Bild das mich auf sie aufmerksam gemacht hat ist 60 auf 60 cm. Sie meint sie sei keine Malerin in dem Sinne, sondern sie experimentiere schon seit der Kindheit mit Materialien, hier habe sie Folie verwendet, welche den glitschigen Effekt mache, bei einem andern Bild silbern schimmernde Rettungsfolie.Freundinnen sagten sie habe einen guten Stil und so kommt auch ihr rot-orangesTriptychon daher. Es hat griechische Ornamente und ist einfach nur klassisch schön.„Schönheit zu erschaffen, dass ist was ich will,“meint Diener.Sie arbeite auch an der Grundschule Westerheim mit Kindern, die auch manchmal dächten voll in die Farbe rein zu fassen sei eklig. Aus den Vollen zu schöpfen sei ihr Ding. Eine tolle Frau und bemerkenswerte Künstlerin. Landschaftsbilder in Acryl hängt in dem ehrwürdigen Gemäuer von Kerstin Weber. Elfi Bäumler Ehni macht serielle Kunst. Sie arbeitet seriell und meditativ, an mehreren Bildern gleichzeitig, so zeigen sich sowohl die Einheit der Serie als auch die Abweichungen der einzelnen Bilder im Malprozess. Andrea Bräuning hat als Malerin, wie Klaus Schrag auch einen tiefen Bezug zur Musik. Sie hat drei Frauenportrais in der Austellung hängen. Der Blickfang ist das Bildnis einer nackten grazilen Frau im blau-weißen Raum, die erhaben und frei ihre Arme über dem Kopf verschränkt. Ich meine zu Andrea, so ein Bild von einer Frau gemalt, hilft mir Frauen besser zu verstehen. Darauf meint sie Frauen sind leicht zu verstehen, es gibt einfach nichts geileres als eine Frau zu sein. Das türkise „Blue carpet“ und das bunte „Fallen lassen“ lohnen auch. Schrag bringt wieder Bewegung und Energie in die Ausstellung. Seine spannungsreichen, hochformatigen Bilder. Sind geprägt von einer Aufteilung in Unten und Oben, wobei unten für Energie steht(Frauen, Kinder) und oben für Bewegung, meint Kreise die immer mit anderen Materialien gewirkt sind. Das Schönste von ihm das hier hängt finde ich das Bild wo ein Mädchen gerade unter einem bewegenden „Gestirn“ ihre Luftballons auslässt. Pure Sehnsucht nach Freiheit, von der Bräuning meint: „Sehnsucht? Ich habe schon die Freiheit.“ Acht Künstler auf engstem Raum, wenn auch manchmal unter schwierigen Lichtverhältnissen Schönheit, Denkanstöße, Begegnungen und Trost.

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Andrea Bräuning: Blue Dreams, Öl auf Leinwand, 60*80 cm

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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