Ohne-Schlüssel-Kind

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Mistral-Wind, du Wolken-Jäger,
Trübsal-Mörder, Himmels-Feger,
Brausender, wie lieb ich dich…                                                                                                                                                                                                            (Friedrich Nietzsche, An den Mistral Strophe 1, erster Teil)

Ich habe als ich meinen Vater,  Samstagmorgens, von Blaubeuren geholt hatte, meinen Schlüssel verlegt. Dummer Weise hatte mein Vater seinen Rucksack inklusive Geldbeutel darin. Ich suchte und suchte, bis es 12.30 Uhr schlug. Um 13.05 Uhr hatte ich einen Termin. Mein Vater wollte das ich ihn mit meines Bruders Auto heim fahre. Ich war etwas widerwillig, da ich unsicher war meinen Termin, zum Singen von „Oh happy day“ auf einer Hochzeit, noch zu schaffen. Ich schaffte es, fand aber daheim abermals meinen Schlüssel nicht, und so entfiel der nächste Termin, die Chorprobe ebenso. Von dem Ausmaß der Unauffindbarkeit des Nutzraum öffnenden Teiles entgeistert, fing ich an mein Zimmer aufzuräumen, und machte beim anderen gleich weiter. Die Stunden vergingen bis zur Abendbrotzeit und der Schlüssel war noch immer in der Unauffindbarkeit vergraben. Ich ließ in los und preiste Gott, die Zeit in Ruhe und dem Aufklären von Raum. Welch ein Geschenk nicht wegzukönnen, nicht umhinzukönnen, die Schichten des Vergangenen zu sichten, zu lichten und umzuschichten. Welch ein Gefühl für Themen Fächer geschaffen zu haben und die Fächer sich füllen zu sehen. Welche eine Gunst sich selber transparent zu werden in Ordnungsystemen, das Unverfügbare stehen oder liegen lassen zu können, dazusitzen und den Schlüssel zu kontemplieren mit der Parabolschüssel des ruhigen Empfangens. Und dann sich zu lösen, hinabdösen zu lassen in den Traumraum im Wissen um die Geborgenheit auch im Ohne-Schlüssel-Raum in gewienerter Weisheit. Am nächsten Morgen aufzustehen glaubend an die eigene Verbundenheit, den Lift nicht im Telefonbuch findend, das kaputtelnde weiße Handy anzuschmeißen und es die Telefonnummer ausspucken zu sehen. Sieg der Kooperation. Glucksend vor Glück. Saved by rock´n´Roll. Auf seligen Sohlen zum Abholplatz laufen und Räder bekommen ohne Schlüssel-Macht und breitlatschigen ökologischen Fußabdruck. Und dann dankbar wandernd, längs der einmarschierenden Wolkenmassen, mit den Winden drehend, blau vom Blau, licht vom Licht, ganz Sang, ganz Tanz ganz Abglanz vom Glanz der sich eintrübenden Welt. Die letzten Sonneninvasionen wirklich aufsaugend, des Hutes ledig ob der stürmenden Strömungen in denen er nun ästhetischer Anzeiger der wuchtig wühlenden Winde wird.Windwilden Blättern auflauernd wie ein Fischer, doch auch hier ist nichts von ereignishaftem Stellenwert je zu stellen, zur Stelle sein empfiehlt sich trotzdem. Bei den ersten Salven der lange versammelter Wolkenheere bin ich schon fast in der rettenden Schlüssel-Burg. Die Sicherheitsmenschen haben schon wieder Stunden lang gesucht. Ich schäme mich etwas, dass ich indirekt zu solchen Obsessionen Anlass gebe. Ich sage ihnen gegenübefr von der Natur gestärkt: Wie man keine Freundin findet, so man eine sucht, so findet man auch nicht ohne schwingungsfähige Gelassenheit je eine Schlüssel. Und einen Text sollte ich, obwohl ich ja abends als der Friedensabend war noch immer immobil war, auch noch schreiben. Dann schreib ich halt über den zeitweiligen Schlüsselverlust. Und das Gedicht was ihn mich tragen lässt.

 

                  Glück

Solang du um Verlornes klagst

und Ziele hast und rastlos bist,

weißt du noch nicht was Friede ist

 

Solang du nach dem Glücke jagst

bist du nicht reif zum Glücklichsein,

und wäre alles Liebste dein

 

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,

nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,

das Glück nicht mehr beim Namen nennst

Dann reicht dir des Geschehens Flut

nicht mehr ans Herz und deine Seele ruht

 

(Hermann Hesse)

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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