Die neun Flüsse vom Dach der Welt

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In Ermangelung eines Beamers  im Haus zeichnete der findige Andreas Zumach selbst eine Karte auf den Flip Chart

Gefährliche Konflikte um das Wasser aus Tibet

Die Ulmer Regionalgruppe der Tibet Initiative Deutschland hatte zu dem Vortrag vom Korrespondenten am Hauptsitz der UNO in Genf Andreas Zumach geladen. Eine kleine Gruppe von 20 Interessenten fand sich im Ochsenhäuser Hof  in Ulm zusammen. Zumach der wie immer mit seinem Faltrad zum Vortrag kam wurde von Sonia Putz vorgestellt, die darauf aufmerksam machte, dass die Zahl der Selbstverbrennungen von Tibetern aus Protest gegen die chinesische Unterdrückung 2018 enorm gestiegen sei. In der Region zwischen Indien, China und Russland lebten 1,8 Millionen. Gleichzeitig gebe es doch sowohl im deutschsprachigen, als auch im englischsprachigen Raum kaum Journalisten. Auch traue sich keine der großen Wirtschaftsmächte die Region anzusprechen. Nicht Trump und nicht die EU. Beide, so Zumach hofften auf Großaufträge, denn in Tibet befände sich nicht nur die größte Seenfläche der Welt, sondern hier entsprängen auch die neun wichtigsten Flüsse Asiens. Als erstes der Yarlung Tsangpo, der in 3200 Meter Höhe in der Nähe des den Tibetern heiligen Berges Kailash entspringt und wegen seines hohen Flussgefälles ideal zur Gewinnung von Wasserkraft geeignet ist. Auf indischem Gebiet wird er Brahmaputra genannt und ist nicht nur der wasserreichste Strom Asien´s, nein er führt alleine mehr Wasser als die anderen neun Flüsse. Zweitens der 2170 Kilometer lange Irawadi.Drittens der Salween, tibetisch Lancongjiong, der nach China, Thailand und Burma fließt.Viertens der Mekong, der nach Laos und Vietnam fließt.Fünftens der Jangtsekiang, der lange Fluss, der nach 6380 Kilometern ins ostchinesische Meer mündet.Sechstens, der Ganges, der heilige Fluss Indiens.Siebtens der Indus, der fast gang Pakistan durchfließt. Achtens der Sutlej, ein Nebenfluss des Indus. Und neuntens der gelber Fluss, als der zweitlängste Fluss Chinas.Wie auf traurige Weise bei der Räumung des von Umweltaktivisten besetzten Hambacher Forstes auch hierzulande zu sehen war, berichtete Zumach, führten Erschließungen von Rohstoffen immer wieder zu Konflikten.Der Journalist prangerte es als skandalös an, dass in Zeiten des Klimawandels und des Pariser Abkommens, RWE immer noch Kohlevorkommen anzapfe und ein Journalist dabei ums leben gekommen musste um die Zerstörung eines der ältesten Wälder Deutschlands zumindest zu unterbrechen.Auch im Himalaya mit Berglandschaften von 500 bis 8000 Meter Höhe gebe es wertvolle Nadelholzwälder, klimawichtige alpine Gletscher und Seen. Die 18000 Gletscher spielten eine zentrale Rolle für den hydrologischen Kreislauf.

Ausbeutung: Widerstand zwecklos

Das Gebiet sei die zweitgrößte Wärmesenke(Landschaft die thermische Energie aufnimmt und wieder abgibt) der Welt nach dem Nordpol. Heute seien die tibetischen Gletscher bei einer Temperaturerwärmung die dreimal höher als die globale Durchschnittserwärmung sei schon zu 20 %, in manchen Gebieten 40 % abgeschmolzen. Fünf der neun Flüsse aus Tibet, gehören zu den bedrohtesten der Welt. Auch das Luftzirkulationssystem verändere sich, dieses beeinflusse auch unsere Gegend. In allen Quellen seien die Chinesen als Hauptverursacher genannt. Dafür das manche Gletscher ganz schwarz seien, so räumte Zumach ein, sei auf der indische Ausstoß mitverantwortlich. Die Wasserqualität des Brahmaputra leide aber auch an der rücksichtslosen Ausbeutung von Zink und Goldvorkommen der Chinesen; welche die giftigen Flüssigkeiten die dabei entstünden in den Fluss leiteten. Wer protestiere werde vertrieben oder umgebracht. Wasser sei für Indien und China ein großes Thema zur Energiegewinnung. Heute seien 140 Staudammprojekte, die meisten in China in Planung.Der drei Schluchten-Staudamm staut den Jiangtsekiang und beherbergt mit 22.4 Gigawatt bisher das leistungsfähigste Wasserkraftwerk der Welt. Er wurde durch eine Flutkatastrophe im Jahr 20000 bei der 30000 Menschen obdachlos geworden seien bekannt. Auch jetzt seinen wieder Risse im Staudamm gesichtet worden.Ein Ex-EU-Diplomat in China zog die Gefahr in Zweifel: Die Chinesen hätten gerade Gestein vom Mond auf die Erde gebracht, da seien sie auch fähig Risse im Damm zu stopfen. Sein Wort in Gottes Ohr.

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Mehrheitlich Frauen interessierte das brisante Thema

 

Anderen das Wasser abgraben

Projekte anderen das Wasser Dämme abzugraben kenne man von der Türkei. Das Vorhaben die Flussrichtung des Jarlung Tsangpo auf rein chinesisches Gebiet umzuleiten gewinne aber eine nie dagewesene Dimension. Gerade auch weil der „Tsangpo“ im strategisch bedeutsamen Gebiet zwischen Indien, China und Russland liege. Es gebe jetzt schon einen Konflikt zwischen Indien und China. Auch wenn die Menschenrechtsverletzungen in Tibet nicht Thema des Referats seien, so stünde doch die internationale Unterstützung der Zivilgesellschaft für Selbstbestimmung des tibetischen Volkes und die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet in einem scharfen Widerspruch zu Chinas Interessen. Ein eingestehen der Rechte für die Tibeter, bedeutete für das chinesische Großreich, ein Signal für die zig anderen Minderheiten es den Tibetern in ihren Abspaltungsbestrebungen gleich zu tun. Geopolitisch gesehen hat China mit der Eroberung Chinas, ob es nun seit hunderten Jahren unter der Vorherrschaft Chinas stand oder nicht sein Territorium um 25 % erweitert und die neun Flussursprünge unter seine Herrschaft gebracht. Da die Flüsse auch ihre Nachbarn, vor allem Indien als Babyboomer-Staat versorgen, drohten militärische Konflikte um Wasser. Indien und China hätten beide enormes Interesse an Wasser. Indien setzt bisher auf Kohle. China auf Öl und Kohle. Die Staudammprojekte seien jeweils zum Schaden des anderen.Die Staatschefs verhandelten zwar, weigerten sich aber Verträge abzuschließen.Es gebe bestenfalls Notfallpläne für den Fall der Katastrophe, bei den hochriskanten Riesenprojekten. Der größte chinesischerseits geplante Staudamm solle sage und schreibe 38.5 Gigawatt Strom produzieren, fast das doppelte des drei Schluchten-Staudammes. Da erinnert man sich an die wahnwitzigeAktion Tschang KaiTschekseinen Staudamm zu fluten um das japanische Heer aufzuhalten, die eine Million Menschen das Leben gekostet haben soll. Seit 2015 gibt es eine UN-Konvention über Rechte an grenzüberschreitenden Flüssen. Angesichts der virulenten Gefahr, das die zwei Atomwaffenmächte Indien und China sich in den nächsten 20 Jahren militärisch begegnen, sollte sich eine breite zivilgesellschaftliche Bewegung für die Einhaltung der UN-Konvention bilden.Der demographische Druck käme dabei schärfer aus Indien, das China 2030 in der Anzahl der Einwohner überholt haben dürfte.

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Der EU-Diplomat bereicherte die Debatte um China positiver gesinnte Argumente

Was kann die internationale Gemeinschaft tun?

Die Zeit in der Deutschland ein Vorreiter in der Klimapolitik war sei längst vorbei.Von Merkel würden große Worte geschwungen, in Wahrheit herrsche eine große Diskrepanz zwischen Sein und Schein. Die Verhandlungssituation des Nordens, der bisher 80 % der Klimaschäden verursacht habe sei denkbar schlecht. Man könne die Länder Südostasiens nur erreichen wenn man mit gutem Beispiel voran ginge. Auf der bahnbrechenden Klimakonferenz deren konkrete Ziele laut des EU-Diplomaten durch China ermöglicht worden seien, wurde eine Messlatte beschlossen. Bis 2050 muss der globale Ausstoß von CO2 um die Hälfte der Werte von 1990 gesenkt werden. Das käme in Deutschland einer Pro-Kopf-Senkung des Ausstoßes um 80 % gleich. Schaut man sich die Tendenzen an, käme das einer Revolution in Konsum, Ernährung und Mobilität gleich.Der persönliche ökologische Fußabdruck, den man im Internet errechnen lassen kann gibt eine herausfordernde Orientierung wie groß die Lücke zwischen unserem persönlichen Ausstoß und der Nachhaltigkeit für den Planeten ist.Auch Australien und Kanada seien keine Klimavorbilder, auch nicht Brasilien.Ebenso sei die hinduistisch-nationalistische Partei in Indien an der Macht, die kein guter Verhandlungsführer mit China sei.

Links:

Die Tibet Initiative: https://www.tibet-initiative.de/

Teste deinen ökologischen Fußabdruck:

                                     https://www.fussabdruck.de/

Es wird am 5.Oktober eine zentrale Demonstration gegen die Abholzung des Hambacher Forstes geben zu der in der Ulmer Gegend  ein Bus fährt :

http://www.stop-kohle.de

Plakat:

https://3c.gmx.net/mail/client/attachment/view/tmai155665d4043f75e4/aW1hZ2UwMDIuanBnQDAxRDQ1MUFBLjgyMTI4OTEw;jsessionid=CBF20C0D7EE21C6A48EEC492CE51534F-n2.bs48a

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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