Kommerzieller Bereich wegen Überflutung verschlossen

DSC03097
“Der Maulswursmann, ein Sommerkrimi”: Reiner Schlecker(Dorfpolizist) und Max Kempfle (NVA-Soldat) am Keyboard massierten die Lachmuskeln nicht nur des Gastgebers Günter Weiss( zweiter von Links)

Die Ulmer Kulturnacht bis 12

Frisch erquickt von gemeinsamer spiritueller Versenkung, wie mit einem Einhornadapter, der alle zweifelnden Gedanken, Gefühle und Antriebe gerade richtet, versehen beschließe ich noch bis 12 Uhr die Ulmer Kulturnacht einzufilmen. Ich gehe los und kurz vor dem Cafe Intro in der Karl-Schefold-Straße öffnet sich mir vor  einem Zimmer drinnen, und Bänken und einer Feuerschale draußen, ein erstes Weltfenster. Günter Weiss, erklärt mir während seine großen lachenden Augen mich anschauen, das es hier von 21-23 Uhr einen Umweltkrimi geben werde und danach eine Stonescoverband spiele.Hört hört denken sich meine Augen als sie ein freundliches Mädel im Minirock um die Kurve biegen sehen.Ich habe noch den Wokasoma-Schöpfer und Pop-Art-Künstler Florian Schröder und das Ulmer Museum, wo er ausstellen und feiern will, im Kopf. Die Freude der Landnahme in Situationen des Ausnahmezustands wie heute treibt mich also weiter.Heute war auch der Frei-Verkehrstag in Ulm und seiner Umgebung, politische Ideale vor erleben zu können hat etwas erbauliches. Kennt noch jemand die revolutionäre Strategie des “derive” von Guy Debort? Kurz nach dem Intro verkommt mir ein Typ mit einem FCK-ANTIFA-Shirt. Ich halte ihn an und frage wieso er das T-Shirt trage? Er meint: “einfach so, andere trügen FCK-NAZI-T-Shirts.” Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Wir stellen und namendlich vor, er heißt Lukas. Dann meint er er wäre gerade bei einer Demonstration gewesen, wo die Polizisten Angst vor der Antifa gehabt hätten. Die Nazis seien ruhig. Er sei auf einem Vortrag von Alice Weidel von der AFD gewesen. Er und sein Kumpel müssen aber jetzt ins Intro, die Stadt sei eh überloffen und man müsse 12 Euro zahlen weil Kulturnacht sei. Wo er recht hat, hat er recht.An der Straßenbahn vor dem Justizgebäude mache ich durch eine blonde junge Dame mit Geigenkasten angezogen halt. Der Abend scheint sich einzuschwingen als das mit Livemusik und schwankenden Menschenmassen beschickte Gold-Ochsenbierbähnle einfährt. Ich bleibe auf meiner Bank sitzen und empfinde die anhebende Stille bei der Abfahrt als ein Ausatmen Gottes. Erst alles empfangen, dann alles preisgeben. Raus mit der politischen Dialektik von Links und Rechts. Ruhe vor der Achterbahn zwischen Mann und Frau. Einfach nur Stille.

DSC03066
Kontiki-Chef ist in der Mitte, die Bilder sind die Ergebnisse der unten beschriebenen Malsituation

 

 

Kontiki-Portraits vor dem Einsteinhaus

Als ich dann geeinhornt ins Hafenbad einlaufe sind mir die Abstoßungskräfte des engen Fussgängergewimmels zu arg. Ich orientiere mich Richtung meiner alten Schule(Friedrich List), der Rosengasse, dem Einsteinhaus. Ich liebe den Springbrunnen dort und die Sicht, die man durch das erquickliche Medium des hochspringenden Wassers auf das erhabene Münster hat. Genau an diesem Ort, gegenüber der lebendigen Menge vor der Volkshochschule und neben einem oft noch ein zwei andere Szenerien auf der Langbank entlang des Brunnens. Vor dem Einsteinhaus deutet sich schon an wie Überloffenheit sich indoor in Verstopfung transformiert. Draußen hängen gerade die Helferinnen der Kinder- und Jugendkunstschule Kontiki die Ergebnisse einer spannenden Konstellation der Kunstproduktion ab. Schwarz weiße Portraits. Die Helferin schildert schildert das Exerzitium.“Man sitzt sich gegenüber, dazwischen eine Plexiglasscheibe, eine Person darf die andere malen, dann wird das Bild gedruckt. Mitan Teichmüller der Chef von Kontiki weißt darauf hin, dass dieses Verfahren oft  zu spannenden Werken führe, beispielsweise, wenn ein Fünfjähriger seinen Vater male.Am Eingang treffe ich einen Journalistenkollegen, dem ich meine zeitliche Situation schildere, er animiert mich, meine Rolle als Journalist zu nutzen um mir ein Bild von „Chilli con Karma“ machen zu können.

DSC03070
erdig, hart, gefühlvoll und ganz Ohr für die anderen Chillis und Carnes, die erste Dschembe, von “Chilli Con Karma” im Einsteinhaus

 

 

Chilli con Karma im Einsteinhaus

Ich mache es so und die acht Leute auf der Fläche des wie ein antikes Theater mit terassierten Sitzreihen aufgebauten Raumes sind eng umstanden und umsessen von Leuten.In das relativ festen Fundament von E-Bass, Dideridoo und zweiter Djembe fließen charmante Saxophonklänge und erdig harte Djembetonabfolgen zusammen. Gewürzt wird das ganze noch mit solistischen Ergüssen von E-Gitarre und stark tonisierten Bongos.Um etwas ablichten zu können muss ich durch. Zum Glück erspähe ich das feine Gesicht einer Asiatin, welches mich in eine gute Fotographierposition hineinzieht.Darauf kommt der langhaarige Frank mit einer besonderen Art von Harfe auf die Bühne. Dieses orientalische Instrument zusammen mit Obertongesang schafft einen Klangraum der unbeschreiblich ist und so ist es vielleicht ein Zauber der Exotik, dass sie einem Transzendenzen liefert die man  sprachlich oder  körperlich versuchen kann auszufüllen.Als die Asiatin sich weg bewegt, hatte ich auch genug gesehen und gehört und erinnerte mich des Öko-Krimis, der gerade angefangen hatte. Glücklicherweise sollte sich herausstellen das der Krimi, ebensowenig auf der verstehbaren Ebene angelegt war wie die musikalischen Imporovisationen im Einsteinhaus.Komischer Weise war das erleuchtete Zimmer der Joga-Schule Mars auch in der Karl-Schefoldstaße, trotz vorbereiteter Gitarre, noch immer verschlossen. Vielleicht ist die Erleuchtung ja ein Nachtphänomen und die Jogis und Joginis warteten noch auf tiefere Dunkelheit, vor der Öffnung ihres erleuchteten Zimmers an.

DSC03112
Komisch, urkomisch, gerne fotografiert Schlecker(links) und Kempfle

Trefflicher Teppichmacher trifft auf moderne Moritat

Als ich ankomme sind schon 20 Minuten gespielt. Der „Maulwurfsmann“, dass sind Rüdiger Radomski mit seiner NVA-Uniform an den Keys und Rainer Schlecker mit deutscher Polizeiuniform am moritatenmeistlichen Zeigestock. Eine Moritat, dass muss man heutzutage erklären, ist eine moralische Geschichte mit selbstgemalten Bildern und Musik. Die Bilder hat Krekel, ein befreundeter Kneipier gemalt. Allein schon als Standbild ist diese Konstellation wertvoll. Denn auf beiden Officer-Mützen steht „Fuck the system.“ Der Autor des kriminalsatirischen Textes  Rainer Schlecker ist selbst Polizist. Und es gibt Indizien das Radomski Lehrer ist.Ich steige ein beim Bild eines untergehenden Schiffes, nicht etwa an die Wand, sondern an die Decke projiziert. Darauf das hämisch, halbstarke: „Die Natur ist immer der Sieger.“Der Polizist als Ordnungswidriger, macht eigentlich Sinn. Der Beginn der Geschichte spielt aber in einer Dürre und geht weiter mit einer unangenehmen hochtechnisierten Bushaltestelle. Bis es dann bei einer Flussputzete im ausgetrockneten Fluss zu einer Kuriositätensammlung kommt, die sonst fast nur Zollbeamten vergönnt ist.Vielleicht sollte man erwähnen, das die beiden Protagonisten in ähnlichen Rollen im Postheimatfilm „Landrauschen“ mitgespielt haben- sie verstehen also ihr Geschäft.Der größte Schock aber ist ein einbetonierter Mann im Fluss, der im nächsten Bild von seiner harten Schale befreit wird. Verblüffend neben ihm kam ein menschliches Ohr zum Vorschein.Jetzt kommt Kommissar Schnitzer ins Spiel. Er eröffnet in einem Bauwagen in der Papierfabrik sein Ermittlungsbüro. In der Papierfabrik ist zum ersten Mal die blau gekleidete Frau zugegen, Schnitzer aber nimmt sie nicht wahr. Als Schnitzer durch einen „anonym abgelegten Papierfetzen“ auf seiner Spurensuche in das Lokal für nicht eheliche Interessen „Das schmale Handtuch“ geleitet wird. Er klingt ein ausgelassener Blues wie ihn Radomski auf dem Keybord mit Gesang so fett vom Stapel lässt., darin erklingt es „You only live ones, and when your dead you go.“

DSC03093.JPG
Auch die Bilder die der Wirt und Musiker Krekel beigesteuert hat waren eine ästhetische Säule des Kunstwerks “Maulwursmann”, hier im Lokal für nicht eheliche Interessen

Einstürzende Krimiidyllen

Nach dem Schnitzer entmutigt aus dem Laden läuft,ertönt in Adaption eines Rock´n roll Welthits der 50 er „Go, Go Schnitzer go.“ Zu „Riders on the Storm“, von den Doors trifft Schnitzer jetzt die blaue Frau und diese schenkt ihm eine Tellersulze. Ihre Zuneigung zum Einfachen und Deftigen zeigen die beiden in dem sie den Song über einen Killer mit dem Einsprechen von „Weißwurst ohne Senf“ und einem emphatischen „ohne siasa Senf“ belegen.Nachdem Schnitzer nicht aufgibt wird er Opfer eines „Dachplatten-Attentats” und Radomski singt wie für einen bei schlechter Küche Internierten „I have the blues.“ Immer wieder stellt der Umweltkrimi fragen wie „Ist die Papierfabrik vielleicht der Schlüssel“, eine Aufklärung liefert das komisch-intensive Werk aber nicht.Musik, Bilder, Schauspieler und Text sind aber eins a.  Irgendwann gibt Rainer Schlecker auch das Textbuch ins Publikum, welches das letzte Drittel begeistert vorliest.Als Sich Schnitzer beispielsweise mit der blauen Frau in seinem Bauwagen trifft meint er nur die Tellersulze habe prima geschmeckt, nicht zu sauer, nicht zu salzig. „Ein,Stock höher wird sein Schicksal schon in eine Blechwanne geschaufelt“, heißt es als die behelmten Bösewichte“ Schnitzer einbetonieren wollen.Warum immer diese Helme, denk man sich. Der Mann mit dem Maulwurfsgesicht rettet Schnitzer aber in letzter Sekunde,ob der wackere Tellersulzenesser seinen Auftrag wohl erfüllt?Die beiden charismatischen Männer haben beide polnische Ursprünge. Vielleicht kommt daher diese aberwitzig Humor, der heute bist zwölf auf der Kulturnacht auch nur den Teppich ausgelegt hat für so manche weitere Vergnügung und Lehren. Als die Asiatin vom Chilli con Karmakonzert nach der Show auch noch in den Laden einläuft scheinen Chilli und Karma auf einer neuen Stufe vereinigt zu sein. Ich informiere sie darüber, dass ich mich weitestgehend über Zahlen und Attraktionen durch die Stadt bewegt habe und das sie vorher meine Leitattraktion gewesen sei. Ihrem Freund versuche ich etwas von der Zügelung des triebhaften Pferdes durch Kommunikation zu erzählen. Er rät mir mit Hermann Hesse, wenn man die Bildungspyramide zu hoch erklettere, dann sei man einsam. Ich solle also einfacher sein. Guter Rat. Ich bedanke mich und gehe, es ist schon nach 12 Uhr.

 

Links:

Der Lesbenfilm “Landrauschen” ist gerade in den Kinos. Trailer:

 

Advertisements

Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s