Dem Reichtum begegnen auf dem Weg zur Spitze

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Samantha Koeliker(Sw) beim Aufschlag gegen Mary Issler(Ger)

Der Internationalismus im Gewande des Tennissports

In Mengen angekommen, hat sich herausgestellt, dass Silvio nicht direkt dort wohnt, wo er mir das Gemüse gegeben hat. Auch habe ich keine Nummer von ihm.Trotzdem bin ich müde und entscheide mich von Samstag auf Sonntag vor der Bioland Gärtnerei etwas außerhalb im Auto zu pennen und aufzubrechen, wohin auch immer, bevor der Morgen graut. Mittlerweile war es anhaltend schlecht Wetter und ich merkte wie sehr mein Reiseplan auf gutes Wetter ausgelegt war. Ich hatte zu wenig geschlafen, wollte einen Campingplatz ansteuern um mich bis morgen zu regenerieren und dann wollte ich noch einen Tag ins Elsass fahren. Heute am 01.09 wäre der erste Tag des Jogacamps mit Sahra gewesen. Also hängte ich es an den Nagel. Denn je mehr ich nach Frankreich suchte desto mehr fand ich Deutschland. In Sulzburg begegnete mir morgens zum Beispiel ein verwunschener Bergweg, den ich bewanderte und danach fand ich ebenfalls ganz im Wald einen Campingplatz. Ich sprach mit einem Mann der mir einiges zu erzählen hatte, aber incognito bleiben wollte. Das Forstamt bedrohe den Campingplatz in der Wachstumsphase jetzt im September. Die Kommune sei voller Raffgier. Es solle immer mehr gebaut werden, immer mehr verbraucht.Nach dem ich in Münstertal am Fuße des Belchen, der mich so angezogen hatte, von einer Frau mit Hund vertrieben worden war, als ich wild campen wollte, befragte ich den sympathischen Mann dazu.

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Der Reichtum des Markgräflerlandes zeigt sich hier in den von mir eigenmächtig aus Badenweiler Busen bezeichneten bewaldeten Weinbergen

Wenigverbraucher werden beim Camping benachteiligt

„Die Wohnmobilisten haben eine Lobby bei den Kommunen, die bekommen sogar eigene Stellplätze am Rande der Städte. Die Wohnmobilisten lassen Geld in den Orten, die dürfen auch wild campen, nicht aber die Zeltenden.“ Auf einem Campingplatz wie hier bei der alten Sägemühle zelten heuzutage nur noch drei von Hundert.Das sei auch kein Wunder denn der Campingverband Baden-Württemberg rede nur dem Fünf-Sterne-Camping das Wort. „Die Gesellschaft ist nicht bereit die Kleinen, Wenigverbraucher, die Naturverbundenen die vielleicht mehr Raum brauchen zu akzeptieren.“ Auch Biowinzer wie Wendelin Brugger im benachbarten Laufen seien vor 30 Jahren noch ausgelacht und von der Presse durch den Kakao gezogen worden. Das habe schon angefangen als die Nazis an die Macht kamen, einige, Kirchgänger hätten da steile Karrieren gemacht. Die seien auch nach dem Krieg noch von ihren Leuten gedeckt worden. Eigentlich sei Sulzburg eine lebenswerte Gemeinde, sagt er und deutet auf den Davidsstern an dem Tor vor und, das Tor zum jüdischen Friedhof. Die Juden die in Freiburg im Mittelalter vertrieben worden seien, seien hier in Sport- und Gesangsvereine integriert worden und niemand habe ihnen etwas zu Leide getan.Nach diesem Gespräch entscheide ich mich doch nicht zu campen, fühle mich irgendwie wohl in meiner rebellischen Haut.

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Traktoren beschirmen ein werdendes Ehepaar vor dem Standesamt im Rathaus in Sulzburg

Badenweiler Open

Bald merke ich aber, dass es hier nirgends öffentliche Mülleimer zu geben scheint, nicht in Münstertal, nicht in Stegen. Eine starke Gemeinschaft scheint es hier aber zu geben. Rund zehn Traktoren und anderes schweres Gerät sind mit Herzen und Bändeln geschmückt, ein Schaufellader trägt das weiße Paar, ein Traktor eine weiße mit herzen bemalte Kiste, die wohl die Mitgift für die Ehe beherbergt. Beim Rathaus in Sulzburg hupen alle und laden die beiden zum Eheschließungsritual im Rathaus ein, hier gibt es einen Mülleimer. Einen Ort weiter in Badenweiler gibt es auch keinen Mülleimer aber zwei Thermen, eine Ruine einer römischen Therme und ein literarisches Museum, vor allem geht es hier ohne Absperrungen und Fahrverbote den Blauen hinauf, den zweithöchsten Berg Südbadens. Bei den ganzen prunkvollen Anlagen zweifle ich ob ich einen bezahlbaren Parkplatz finden werde. Als mir ein Tennisplatz verkommt wittere ich weitere Privaterie. Vor Gabi´s Tennisklause gibt es aber dann einen Parkplatz und darinnen sowohl einen Pfefferminztee als auch die Begegnung mit der Kultur des Tennis. Denn es finden hier die Badenweiler open statt, ein Internationales Damentennisturnier der International Tennisfederation(ITF).Heute am Samstag ist der erste Tag der Qualifikation, das Turnier geht bis nächsten Sonntag. Das ist bei allen Vorurteilen gelebter Internationalismus, es sind hier Damen aus Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Belgien, Weißrussland, Österreich und den USA am Start im Kampf um Punkte und Ranglistenplätze. Das Preisgeld liegt bei 15000 Euro. Neben mir sitzt ein man neben einer jungen Dame, der mir sofort wie ein “Trainervater” vorkommt. Auf dem Center Court, dem zentralen Tennisplatz spielen gerade Mary Issler(Ger) gegen Samantha Koeliker(Sw).Spitzig und aufschlagsstark entscheide ich mich für Koeliker, links zu sein. Das Spiel ist wirklich spannend auch wenn ich nicht mehr genau weiß wie gezählt wird.

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Von der Burg Baden in Badenweiler aus kontrollierten die Zähringer ab 1122 ihren Silberabbau, dort gibt es auch ein Denkmal für Friedrich den ersten von Baden, der(1826-1907) für eine Epoche stand in der das Großherzogtum Baden ein eigener Staat war

Internationalismus von unten nach oben

Ein Satz für Issler, Ein schwer erkämpfter Satz für Koeliker und dann der Entscheidungssatz.Der Mann der sich als Anwalt aus Erfurt outet, aber ansonsten bedeckt bleiben will, hat eine rechte Freude mir das Spiel und seinen Reiz zu erklären.Die ITF halte in diesem Moment Turniere in Ungarn, Paraguay, Japan, Italien und der Tschechei ab. Bis 1969 habe es in Wimbledon keine Profis gegeben. Der Weg im Tennis gehe immer von unten nach oben. Tennis sei deswegen so faszinierend, weil man die eins zu eins Matches habe und man sich immer wieder neu auf seine Gegner einspielen müsse. Tennis sei Leistungsgesellschaft pur. Man müsse bereit sein sich zu quälen und immer wieder neu zu motivieren, man könne aber auch wieder zurückkommen, ein Turnier gewinnen, wenn man zehnmal hintereinander verloren habe. Tennis, wenn man es internationale turniermäßig betreibe, sei aber auch nicht billig. Beim Fußball brauche sein Sohn 40-50 Euro Mitgliedsbeitrag und 20 Euro im Jahr für die Wäsche. Wenn seine zwei Töchter auf Turnieren, Unterkunft und Kost und Logis zu zahlen hätten, sei das eine andere Dimension. Die Ausfahrten zahle im Fußball der Verein, im Tennis müse man selber dafür aufkommen. Mittlerweile hat Issler gewonnen. Der Tennisbegeisterte erklärt was Tennis alles trainiere. Allem voran die Koordination: Mit dem Schläger den Ball treffen. Dann den mentalen Bereich: Meine Stärken, gegen deine Schwächen, Rückhand unterlaufen und so weiter. Dann die Gelassenheit, akzeptieren, dass Fehler entstehen, die Bereitschaft sich zu quälen und immer wieder Dinge zu üben in denen man schwach ist. Tennis sei im Gegensatz zum Fußball lange nicht so verletzungsanfällig, außerdem beherrsche man das Spiel nie,man müsse sich stets auf neue Situationen einstellen. Auch gebe es im Tennis eine gute Gemeinschaft, wenn man den Ort wechseln müsse habe gleich wieder Anschluss im Tennisverein.

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Blick auf die Vogesen vom Blauen in 1165 Metern Höhe

Hochblauen Ein Überblick

Jetzt wird es Abend und ich will noch einmal versuchen ob ich nicht mein Zelt auf einem der badischen Berge aufgebaut bekommen. Ich bin sehr beeindruckt von den steilen Serpentinen und das Restaurant Hochblauen ist auch sehr nett. Es ist aber nicht wie der Köterberg bei Kassel beseelt von einer lebendigen Gastronomie, sondern eher auf wenig Personal und Selbstbedienung angelegt. Das schafft eine anonyme und ungesellige Atmosphäre. Die Aussicht vom Gleitschirmfliegerabflugplatz entschädigt aber für alles. Von hier aus sieht man die Alpen, die Vogesen, den Schwarzwald und den Schweizer Jura und auch die Oltimer und ihre Begleiterinnen sind imposant. Ich schlafe heute wieder im Schatten eines Geld bringenden Wohnmobiles, ein bisschen niedriger wie die 1165 Meter auf der windigen Spitze des Blauen. Morgen will ich heim fahren, denn ich bin der Geschichten übervoll und die rebellische Form des Schlafens zehrt mehr und mehr an der Substanz. Morgen will ich vielleicht noch die 100 Kilometer nach Frankreich hinein mit dem Ziel Delle fahren. Aber habe auch schon wieder das Gedicht: „Solang du nach dem Glücke strebt, bist du nicht reif zum Glücklichsein…“ im Ohr. Gnädige Weisheit die um die eigenen Grenzen wissend, Pläne lassen kann um das willkommen zu heißen was ist und auch vergeht.

 

Blauenworte

Wie wäre es, wäre dieses Wollen und Haften

nicht ein Verschlungenwerden in schon Verfügtem,

das zielend ausgeschafft werden muss,

wie ein Anrennen fremder Armeen an Burgen

Ein Ärgernis ist es so zumeist

Ein Aufhebens machen

vor übermächtigen Obstruktionen

Ist es wirklich Integrazie sich so zu bekriegen

und nichts zu bekommen als einen etwas erotischen Tritt?

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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