Die Reise als Schule des Schreibens

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Der Süden ist das zentrale Restaurant in der Vauban, wie noch in einem anderen Haus gegenüber sind hier Gemeinschaftsräume eingerichtet in denen von Joga bis Bandproben allesmögliche stattfindet

Die Vauban als Ort der Reifung

Gestern war ein Tag des ruhigen Innewohnens und Schreibens.Der heutige Tag beginnt mit einem Schock, die Reihe von Missverständnissen mit meinem Arbeitgeber beim Zeitungsaustragen scheint sich fortzusetzen. Meine Mutter meint in ihrer resoluten Art, die Zeitungen sind vor der Tür komm bis Mittag zurück und trag sie aus. Ich telefoniere mit dem Chef und der gibt Entwarnung. Wohl aus Gewohnheit wurden die Zeitungen zu mir geliefert, er veranlasse, dass sie ausgetragen würden. Mich an die Herberge oder den See erinnernd, die alle Einflüsse gastfreundlich willkommen heißen, habe ich die Klippen für die Schule des Schreibens umschifft. Bei meiner letzten Reise mit dem Initial einer spirituellen Arbeitswoche war ich vier Wochen unterwegs und habe bis jetzt nichts aufgeschrieben. Der Unterschied war im Nachhinein betrachtet, dass ich keine Freiräume gelassen hatte/lassen konnte, um zu verarbeiten und über das dokumentieren hinaus zu konzipieren und zu schreiben. Ich habe dieser Reise auch keine geplanten Grenzen gesetzt und sie ist deshalb an den Rändern zerfasert, hat meinen Körper durch oftmaliges im Auto schlafen mehr und mehr erschöpft. Folgen des Unabhängigkeitsstrebens, des Stolzes und der Armut, die es nicht gut genug versteht, mit ihren andersartigen Gefühlsintensitäten und Zeiträumen, eine Gabe an die materiell Reichen zu sein. Heute ist ein Tag an dem ich erst einmal die Voraussetzungen schaffe um gut beobachten zu können, weltwach zu sein. Ich kaufe Saft um ihn in meiner Trinkflasche mit Wasser zu mischen, Medikamente und Deo, einen Block bekomme ich von Rieke, der Vermieterin von Robert. Nur ein Brot brauche ich noch auf dem Weg zum Alnatura rast ein Sufi, an seinem Turban mit grüner Spitze erkenntlich auf dem Fahrrad über die rote um schnell noch auf die andere Seite zu gelangen. Beim Brot bin ich wählerisch, weil es für das mobile Sein weder zu groß noch zu klein sein darf, ich finde beim Alnatura ein ein Kilogramm Roggenhaferbrot und einen Granatapfel Deoroller von Weleda, an den falschen Stellen zu sparen kann erfahrungsgemäß sehr unangenehm werden.Nach dem ich von der Linde auf dem Spielplatz angezogen frühstücke, fühle ich mich zwar schon etwas beobachtet, aber das werden die anderen ja auch.

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Ausgedehnte und urige Spiellandschaften ziehen sich durch die Vauban, so wie das idyllische kleine Flüsschen an dem man Natur wie sonst nur außerhalb der Stadt genießen kann

 

Wir sind die Treibenden

Das man immer an der Grenze ist, wo einiges ausbrechen und umschlagen kann, dass gehört zu den Ambivalenzen des Extremen. Und die SUSI, ja die ganze Vauban war ja aus Sicht der damaligen Norm auch ein Extrem. Heute ruhen diese tollen Spielplätze und Anlagen auf einer Kultur die als eine immer noch treibende Tradition unverstellter Natürlichkeit sprießt. Auf einem abgelaufenen Plakat einer Veranstaltung steht: Leise Generäle befehlen Poesie. Ich gehe wieder zur SUSI, sie hat etwas magisches und doch abweisendes zugleich. Unbekannte mit bekannten Gesichtern, gesunde schöne Mütter und Bekannte die mich vergessen zu haben scheinen bevölkern das Spielplatzschiff. Neben dem steht ,in von Schlingpflanzen umgürteten Stahlbenzinkanister geschnitten: Fünfundzwanzig Jahre SUSI. Ein Mädchen biegt mit einem Transporter in den Parkplatz ein und übersieht einen Autoanhänger der dort geparkt ist. Sie fährt auf ihn auf, ich mache sie darauf aufmerksam und bewege den ungesicherten Anhänger etwas nach vorn, so das sie reinkommt.Das Mädchen bleibt heiterer Stimmung, gerade weil der ungesicherte Anhänger nachgegeben hat, scheint nichts passiert zu sein. Als ich das Karrenfett an meinen Fingern sehe und schmecke, fühle ich mich deutlich näher am Spirit der Wägler, der viel mit selber machen, Gelassenheit und Solidarität zu tun haben scheint.Ein Blatt fällt auf meinen Block, während ich sein letztes Blatt beschreibe. Zeit durchzuatmen, Augen zu und durchatmen.Es ist gerade Mittag und immer wenn ich drohe bitter zu werden weil ich glaube etwas zu verpassen sage ich mir mindestens die erste Strophe des Sonettes 22 an Orpheus von Rainer Maria Rilke vor: „Wir sind die Treibenden. Aber den Schritt der Zeit, nehmt ihn als Kleinigkeit im immer Bleibenden.“

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Trotzdem lebt der kleinste Stadtteil Freiburgs, der offiziell zu St.Georgen gehört vom Reisen, den Kontakten und Lebensformen, die dadurch evoziert werden
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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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