By the B 311: Barri ante portas

Gut gerochen sein auf Schloss Mochental

Die Präposition:Es war ungefähr 11 Uhr, lange war ich noch verharrt, an der kleinen Kapelle auf der Anhöhe beim richtungsweisenden Guten Hirten über Hütten. Zurück lief mein Geist zum Aufwachen am Badesee in Ludwigsfeld am Vortag, die Stille, um die 6 Uhr herum und die Kreise die sich, ganz Auge, in den See meines Bewusstseins zogen. Dies ist eine Schule des Schreibens, hallte es da von meinem gestrigen Gespräch beim ehemaligen Barfüßer unter dem Münster in Ulm wieder, und jede Entscheidung, wenn sie getroffen ist, kann sich mit neuen Informationen ändern. Aber wie Sonne und Mond sich nur in einem klaren See spiegeln können, so vermag sich Gott-der Schöpfer- nicht in einem Bewusstsein zu spiegeln, welches von der Idee des „ich und mein“ getrübt ist, eine indische Weisheit. Manchmal rutschen Dinge ineinander, gerade wenn man durch Unentschiedenheit für sämtliche Einfälle geöffnet wir und es entsteht eine Synthese.Von vielen Einflüssen gespeist und durch die ruhige und zugleich überlaufende „Schale“ des Sees entspringt ein Fluss, eine Kraftlinie, eine Richtung, die einen gehen macht- Meine Synthese ist hier, offen zu sein für die Begrenztheit der eigenen Ressourcen; mit dem alten Generalfeldmarschall von Moltke gesprochen: „Man kann einen Krieg nur bis zu seinem Anfang planen.“ Und andererseits offen für die scheinbare Unendlichkeit in einer Verbundenheit mit dem in Ruhe Einflüsse ansammelnden See des Bewusstseins, das von größeren Kreisen anregend durchzogen ist. In meinem Zwischenziel, das auch ein Hauptziel zu werden vermöchte, steht ein Satz auf einem französischen Gymnasium, der auch von Moltke, diesem Kriegerdichter, zugeschrieben wird: „Erst wäge, dann wage.“Als ich die Augen öffne, weiß ich das ich mit diesen Haltungen zur Reise, und meinem Neuen Testament in der Tasche nicht fehlgehen kann, auch wenn meine Ängste, beispielsweise im Angesicht der Komplexität der Planungen ohne Navigationsgerät in Frankreich zu fahren groß sind. Genauso mein e Gedanken zu den Kosten. Eigentlich reizt es mich ja immer so billig wie möglich davon zu kommen, Mautgebühren und private Autobahnen hält etwas Mächtiges in mir für ein Verbrechen. Genauso weiß ich aber, dass es das Geben ist, das den Gabentausch eröffnet und das habe ich von einem Bauern auf dem Markt in der Freiburger Wiehre gelernt, der mich genau einen Tag ausprobiert hat. Ich fahre also los in Anbetracht der Bibel denke ich: „Triffst du Buddha auf dem Weg, dann töte ihn.“ Mein virtueller Reisebegleiter ist Andreas Altmann, der ein Buch über die spirituelle Reise geschrieben hat, welches auf diesem buddhistischen Ausspruch beruht.„Kill your idols“, darin ist die fein schreibende atheistische Leseratte ein gutes Vorbild.Altmann ist ein Gigant der Feder und der Reise, ich bin ihm einmal begegnet und er hat mir empfohlen sein Buch das „Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ zu lesen. Ich habe angefangen, es ist mir aber im Hals stecken geblieben, weil ich noch nie so etwas schonungslos negatives gelesen habe. Danke Andreas, aber wie sagte mein kluger Schulfreund unter dem Münster beim Guinness „Wenn du eine fette Portion Schnitzel mit Pommes ist, dann schiebst du sie dir auch nicht ganz rein, nein du isst sie Bissen für Bissen.“

Mit Biss bis Schloss Mochental

Noch nie bin ich auf meinem Weg auf der B 311 durch Ehingen durchgefahren, Ehingen ist aber by the way berichtet, eine Stadt des Genusses, noch heute gibt es dort mindestens fünf selbstgebräute Biere. Ehingen ist aber auch eine Stadt der Integration von geistig und psychisch Behinderten Menschen. Es gibt dort beispielsweise eine Tagungsstätte der Bruderhausdiakonie und einen Ableger der von der Gruppe der Normalisierten sprichwörtlich verschrienen Psychiatrie Schussenried. Wie im unfernen Munderkingen spricht einen eine mittelalterliche Innenstadt an, so fern man sich ansprechen lässt. Und wem es zu heiß wird der hängt die Füße in den gut bewirteten Groggensee oder fährt nach Rottenacker an den tollen eintrittsfreien Badesee.Nur acht Minuten von Ehingen auf der B 311, nutzt der buddhistisch in Stille gepackte Betonerfahrer die Abfahrt zum Schloss Mochenteil. Wie selten sonst, bin ich bestens in der Zeit und der Raum, der sich entlang von gülleduftigen Wiesen hochschraubt auf die Schlössern oft zu eigene Exponiertheit, poliert Augen und vertieft die Körperbelüftung. Ich parke ohne die üblichen städtischen Parkplatzfindungsprozesse. Es duftet immer noch, eine dicke Kuh nickt mir über den Zaun zu, oder versucht sie außerhalb der Schwanzreichweite die Mücken in ihrem Gesicht zu beseitigen. Ich interpretiere, wir mögen uns. Das barocke zweiflüglige Schloss, ist bemerkenswert, weil links ein altes Tor offen steht aus dem die Schnauze eines Traktors lugt. Die Bänke, die noch nicht vom Regen am Morgen abgewischt sind, deuten auf eine Gastwirtschaft hin. Als ich das Tor des Schlosses, den anhaltenden dunghaften Ruch genießend, durchquere, bewegt sich von rechts etwas auf mich zu. So als ob es hier wohnen würde. Es ist braun-weiß und so groß, das Angst in mir aufkommt, denn Krieg kann man nur bis zum Anfang planen. Ich beschließe mich zu ergeben, wie eine Freundin mir gesagt hat muss man Hunden die Hand vorsichtig hinstrecken. Es ist ein Bernhardiner, ich habe schon lange keinen so großen Hund mehr gesehen. Und jetzt schmiegt er sich um mich als wollte er einen engen südamerikanischen Tanz mit mir veranstalten, nur eben mit der Leidenschaft eines Meditationsmeisters. Er kann mich riechen, ich ihn nicht, aber ich kraule ihn innig.

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Morgenstund macht  Schlossberichte rund

An der Kasse des Schlosses, wo schon Popartplastikskulpturen in verschiedenen Farben um die Aufmerksamkeit, des Merkfähigen wetteifern, begegnet mir der neue Praktikant der Ausstellung Victor Jette. Er wird mir als ausgebildeter Architekt, der bedauert noch nicht alles über Schloss und Exponate zu wissen, in äußerst bereichernder Weise sein „Auge leihen.“ Um mein Vorurteil preiszugeben, Kunst beginnt für mich wo das Faktische in Frage gestellt wird. Nicht um Postfaktisches als Schutzschild für die eigene Egologe zu produzieren, sondern als Mittel der Sichtbarmachung der Anders-Ansichten.So sehe ich auch die Plastikplastik mit dem Fernglas in der Hand vom Künstler Ottmar Hörl, das er sie „Weltanschauungsmaschine“ nennt geht natürlich noch weit darüber hinaus undreißt mich aus der sicheren Barrikade meiner Ansicht. Nachher werde ich in der Gastwirtschaft erfahren, das der Hund an der „Pforte“ Barri heißt und mit Leo noch einen Zwilling hat.2800 qm Meter Kunst auf zwei Stockwerken erwarten den Gast, wenn er den Geldbetrag von 5 Euro Eintritt als Hüter der Schwelle zahlt. Die Privatgalerie gehört Ewald Karl Schrade und wohnt hier auf Schloss Mochental seit 1985. Das Konzept des erfolgreichen Galeristen, ist es moderne und zeitgenössische Kunst von verschiedenen Künstlern gleichzeitig auszustellen.Das junge Architektenauge Jetters interessiert sich aber gerade für den gebauten Raum.Im Erdgeschosszeigt er die herzigen Öfelchen entlang des Ganges und die modernen Pelletöfen, sowie die Pelletbeigen. „Das Schloss wird ganz mit Holz geheizt“, so Jetter.Im Winter brauche es einen Mitarbeiter der den Feuermeister gibt. Vorbei an einer Bild gewordenen Grünstudie, fasst er zärtlich das Geländer der Treppe zum ersten Stock an. „Das ist ein Baum, schauen sie wie er oben dünner wird.Wegen Brandschutzverordnungen müssen wir die ganzen Türen auswechseln, manche sind es schon.Und die Treppe, diese hier ist neu, vergleichen sie mal mit der zweiten, die ist original.“Ohne dämpfenden Stoffüberzug ist die zweite Treppe sichtbar, man hört und sieht ihr ihr Alter an.

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Gleich zu Beginn lud die Skulptur Weltanschauungsmodell 3 die Zuschauer zum hinzoomen aus einer gefestigten Perspektive mit Abstand ein

Cornelia Schleime: Im Bermudadreieck der Verweisungen

Sie ist echt, urig und sperrig und sie passt gut zu der Welt die in einem in ihren verschiedenen Rahmen jetzt anbrandet. Frauen, heftige Frauenportraits. Das Malen für die 1953 in Ost-Berlin Geborene mit dem „Kratzen, Ritzen und Zeichen setzen beginnt“, merkt man wenn man sich auf ihre Bilder einlässt, am eigenen Leibe.Die alte Treppe, die überall verbaut, einem vielleicht zu sehr auf die Nerven gehen würde, gibt auf ihren letzten rissigen Stufen einen neuen Blick frei. Zuerst reißt einen links die laszive Konstellation einer geheimnisvoll anziehend wegblickenden mit traditioneller Kopfhaube hin. Dannreißt der gedreht in die Augen blickende Blick, eines dünnlippig musternden Kindes, das ebenfalls traditionell gekleidet ist die Aufmerksamkeit an sich. Die anthrazifarbene Büste von Joseph Beuys,deren Schöpfer Ottmar Hörl ist schaut in die gleiche Richtung wie die Begehrenswerte.Dieses Bermudadreieck der Verweisungen, macht der Geist so körperlich wach und ist eineEinladung, dieses Verwirrspiel im Raume der Intensität mitzumachen, auf das einen die fast unheimlich eindrücklichen Bilder Schleimes mitnehmen wollen. Welche Glück, dass es andere Künstlerinnen auf dem Flur gibt, die andere Gehirnbereiche ansprechen. Susanne Züehlke bringt einen von Raum des sich Positionieren-Müssens unter heftigen Zug- und Druckkräften in ein feines Spiel mit Farbe und Emotion. „Der Fluss fragt sich durch“ gibt als Bildtitel für das Bild im Spektrum des Blauen, eine anregende Spannungslinie.

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Irgendjemand angeregt zwischen einem Bild aus der Reihe “See you” von Cornelia Schleime und einer von Ottmar Hörl  erschaffenen Büste der Künstlerikone Joseph Beuys

Bodo Korsig: Windows of the mind

Das Hinterfragende verkörpert sich auch im Glanzlicht des Hubertussaales der von Bodo Korsigs „Windows of the mind“bevölkert wird. Wie die Industrialisierung damals, werde das Paradigma der Digitalisierung heutzutage angezweifelt, so der Galerist und Hausherr Ewald Karl Schrade. Korsig setzt unter den hedonistischen Fresken der ehemaligen Sommerresidenz der Äbte von Zwiefalten Maschinenteile. Internet der Dinge oben, Maschinenteile weiß auf schwarz. Werden wir selber zu den Teilen, wenn uns unser Kühlschrank in seine Gewohnheitsmuster zwängt. Oder wird unser Freiheitsdrang einmal so diametral zu diesen technischen Bequemlichkeiten sein, das wir die Maschinen demontieren oder gar zerstören müssen. Oder zerstören sie uns, wenn wir für das bequeme Fressen alles fortschrittliche und solidarische des Menschen abgelegt haben. Bodo Korsig, der auch in seinen ikonographischen Anspielungen einige kreative und Denkrichtungsänderungen zu evozieren vermag macht Lust auf Einkehr und Umkehren. Das Art-Cafe und die Terrasse dahinter, von der aus man die Klöster Obermarchtal(männlich) und Untermarchtal(weiblich) sehen kann bieten auch Kunst in sich. Jetter meint, passend zum Thema Regeneration, Nahrungsaufnahme und Entspannung, die Nonnen von Obermarchtal hätten einen Klosterladen, ich werde ihn später aufsuchen, und so backten Brot, das man im Norma in Munderkingen kaufen könne. Abends, wenn er hier alleine noch gieße, dann schaue er nur dem Windspiel zu, ein Exponat der „kinetischen Kunst von Jörg Wiele, die auch schon am Eingangsbereich grüßt. Einkehr und Besen, passen spätestens seit Beppo dem Straßenkehrer in Michael Ende´s Roman Momo leicht einsehbar zusammen. Und so „erhole“ ich mich von den erotisch-existentiellen Stillleben der Bilder von Ernst Heckel im zweiten Stock im Besenmuseum, welches so Jetter ein Traum des Galeristen war. Es habe jüngst einer aus Ost-Deutschland einen Besen hier beigesteuert. Auch der mystischen Bedeutung der Besen wird reichhaltig nachgegangen. Ich bin aber für heute reif für´s abendliche Einkehren. Es wäre noch viel zu sagen. Aber wenn der See des Bewusstseins über voll ist sollte man sich den See, voll von Einflüssen eine Richtung finden lassen, wenn man nicht gleich die Zeit zum schreibenden Ausfluss hat.

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Im in die Austellung eingebetteten Art-Cafe und der Terasse begegnen einem bei einer Stärkung  Kunstwerke wie einer der seriell produzierten Dürer-Hasen von Ottmar Hörl und die Windspiele von Jörg Wiele

Das Schloss-Stüble und die Bernhardiner

Das Schlossstüble gehört dem Bauer, der auch der Inhaber der beiden Bernhardiner ist, sagt mir Frau Mauz. Ihre Schwiegermutter habe mit ihrem Mann noch Holz gerückt. Das Schloss-Stüble hätten sie schon 1938 von der Familie Dolpp übernommen. Ich interessiere mich für die Bernhardiner. „Bernhardiner sind wie Pförter sagt mein Hundeführer, die spüren die Leute ganz gut und verhalten sich dementsprechend,“ verriet die Wirtin. Hier in der Gegend, zum Beispiel in Schlechtenfeld und Kirchen gebe es auch Bernhardiner als Hofwächter, das sei Tradition.Der Wurstsalat ist mir von Jetter empfohlen worden, ich bin aber Vegetarier. Mir steigt bei dem Preis von 5 Euro wieder der Geiz auf. Dankbar für den Tag und hungrig besiege ich diesen Anflug. Wie eine Belohnung entbergen sich hinter dem bescheidenen Schild „Käsebrot“ zwei Brote, genug Camembert, eine knackige Gurke und eine Scheibe Käse für das andere Brot. Von meinem illustren Nebentisch erfahre ich sowohl über das Angebot der Indios beim Dreh von Fitzcarraldo, den unerträglichen Klaus Kinsky zu töten, als auch von den großen und guten Kuchen. Die Wirtin ergänzt im Nachfassen: Wir haben Käsesahne, gerade Johannisbeerkuchen mit Sahne und Pflaumenkuchen und andere.Unser Kuchenangebot ist saisonal. Der kunstvolle Geschichtenerzähler am Nebentisch meint: „Jedes mal wenn ich hier bin, bin ich restlos begeistert“, seine schön-farbig gekleidete Tischnachbarin meint: „Inhalt und Form sind hier wunderbar in einander gefügt.”

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Bodo Korsig bringt ästhetisch zum Nachdenken, so wie hier, wo er im Hubertussaal des Schlosses barocke Fresken wie die des Festmahles mit Maschinenteilen in Beziehung setzt

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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