By the way berichtet: B 311 Report

Theodor Oltean:  Wasser verfließt, Steine bleiben

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Das Haus aus dem Theodor Oltean seine ersten Steine und Balken für Skulpturen holte

Nach dem Besuch auf Schloss Mochental bin ich schon nicht mehr sehr gut in der Zeit, es ist 16.00 Uhr und ich sehne mich nach der B 311 um mir etwas Wind zwischen die Gedanken wehen zu lassen. Leider verwechsle ich einen Kirchturm mit dem Kloster Untermarchtal und finde mich nach der Durchfahrt durch ein Dorf schnell in einer Sackgasse wieder. Innerlich gelöst freue ich mich aber über den Rosenstrauch als ich am Ende der Sackgasse zum Stehen komme.”Stell dir ein Sofa ans Ende der Sackgasse”, erinnere ich einen geliebten  Kalenderspruch aus Freiburger Zeiten. Als ich gerade eine Nase Rosenduft nehmen will, sehe ich einen Mann aus seinem Haus kommen. Ich frage ihn nach dem Weg und wir kommen über die Rosen ins Gespräch. In Transsylvanien dufteten die Rosen kräftiger meint er. Die Steine, die sich in seinem Garten auftürmen schauen aus wie die heute Morgen bei dem Kriegerdenkmal auf der Anhöhe gegenüber des Guten Hirten über Hütten auf der Schwäbischen Alb. Sie sehen mit ihren vielen Löchern und Windungen aus wie Totenschädel, er kann mir auch nicht sagen ob diese besondere Art Steine von hier kommt. Dafür erzählt er eine nicht minder interessante Geschichte. Vor einiger Zeit hätten die Nachbarn ein Haus abgerissen und in der Bausubstanz seien viele schöne Eichenbalken und Steine herausgekommen. Er habe einige Balken und Steine mitgenommen mit dem Gedanken: Da wird was draus.“Ich bin Rentner, da hat man Zeit“ bemerkt der pfiffige Mann, der seine Hündin „Biene“ auf Mallorca vor dem Einschläfern gerettet hat. Dann führt er mich zu seinen Steinen, er lässt sich von Bekannten auch Steine aus aller Welt mitbringen, und danach kommen wir über einen verwunschenen Pfad zu einem dreiecksförmigen Platz. „Hier hat früher die Neuburg gestanden, etwa im 14. Jahrhundert“, meint er.Hier schließt sich der Kreis zum Fund der Steine im abgebrochenen Haus, die Neuburg war über Jahrhunderte der Lieferant für Baumaterial für die umliegenden Häuser.Ein paar Schritte weiter geht es zu einem Aussichtspunkt, der die Stelle überschaut, wo Donau und Lauter zusammenfließen. Im Februar sei die Fläche zwischen Wald und Fluss ganz überschwemmt, ohne diesen Puffer würde möglicherweise auch der Ort Obermarchtal überschwemmt werden, meint der witzige Mann mit feinem Gesicht und blitzenden Augen.“Ich nenne Neuburg das „Tal der Könige“, weil hier so viele Leute König heißen, blinzelt er.DSC02447

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Hier stand laut Theodor Oltean im Mittelalter die Neuburg von der die Leute in den angrenzenden Siedlungen Baumaterial verwendeten

Skulpturen aus Holz, Stein und Metall

Einst war er Bühnenbildner im Theater von Hermannstadt in Siebenbürgen, vorher hatte er in Klausenburg Kunst studiert in den 90er Jahren ist er dann mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Kurz danach war er mit seiner ganzen Familie auf einer Ausstellung von Picasso, die 18 Euro pro Person gekostet hat. Hinterher sei er enttäuscht gewesen, kaum Werke von Picasso, viele Reproduktionen und Sachen von seiner Frau. Dann habe er seinen ersten Picasso nachgemalt, über den friedensbewegten Pablo kamen wir auf ein berührendes Bild von Theodor, erst spät erfahre ich seinen Namen. Es zeigt eine Frau, die eine tote Taube in den Händen hält. „Ich habe es während des Genozids in Ruanda gemalt“, meint er. Sei Zimmer des Hauses sind bevölkert von weit über 100 Steinskulpturen. Bei seiner Ausstellung in der Galerie von Heidi Moll, waren es noch 99, es kommen jede Woche einige hinzu, immer arbeitet der Rentner an einer neuen “dreieinigen” Kreation. Die Ausstellung hieß: „Wasser verrinnt, Steine bleiben, das sei ein rumänisches Sprichwort.Über den unzähligen knorrigen Hölzern und filigranen Metallwindung auf urigen Steinen, die immer Holz, Stein und Metall zusammenfließen lassen thront jeweils ein Jesus am Kreuz. Während des Gesprächs zeigt er einen verblüffenden Stein aus Mexiko, der unten silbern und oben gülden schimmert. Zum Schluss erzählt der begnadete Unterhalter wie seine (zweieinige) Fernbedienung funktioniere. Die Fernbedienung ist auch ein Fundstück aus dem abgebrochenen Nachbarshaus und sieht wie eine Kaffeemühle aus. Ein rustikales Stück Holz darin gefasst ein Metallstück das man drehen kann.„Wenn meine Frau abends die Fernbedienung in der Hand hat, und ich das Heft in die Hand bekommen will, nehme ich meine Fernbedienung und beginne zu drehen, bis sie entnervt von Quietschen ihre Fernbedienung preis gibt und sagt: „Jetzt lass aber deine Fernbedienung.“ Auf meiner Weiterreise auf der B 311 werden mit vier Jugendliche begegnen, mit denen ich ins Gespräch komme.Veröffentlichungschronologisch eine Reise in die Vergangenheit.

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Der Blick auf den Ort wo sich  Donau und Lauter treffen und auf die Türme des Klosters Obermarchtal

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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