Grenzüberschreitungsservice

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Very british wirkte der Hamburger Kabarettist und Autor von sieben Büchern in Neu-Ulm

Sebastian Schnoy erzählte über Deutschland,

seine Grenzen und Europa

110 Menschen erlebten im Rahmen von Kultur im Museumshof in Neu-Ulm Sebastian Schnoy, mit seinem Programm Dummikratie- warum Deppen Idioten wählen. Dabei verortete er die Dummis ausgewogenerweise auf der linken und rechten Seite des politischen Spektrums und suchte so das grassierende Problem des Populismus zu entlarven. Der Hamburger nutzte die nackte Statue eines Mannes auf der Bühne um sein wetterbedingt ausgezogenes Jaquette zu rechtfertigen. Hamburger würden von Süddeutschen oft als unterkühlt wahrgenommen, das sei aber auch das Understatement, welches sie mit den Engländern gemein hätten. Die seien aber ja jetzt raus aus der EU. Die Leute liebten eben Führer und Könige, die seien so kraftvoll und schillernd. Daraufhin lud der sie Zuschauer zu einer Grenzüberschreitung ein. Zuerst sollten die Leute ihrer rechten Nachbarnin drei mal auf die Schulter klopfen und sagen: „Du bist meine Königin.“ Nach dieser ersten Grenzverletzung, die bei weitem nicht alle vollführt hatten. Ging es nun damit weiter damit dem linken Nachbar drei mal auf die Schulter zu klopfen und ihm zu sagen: „Du bist mein Knecht.“So klare Herrschaftsverhältnisse wünscht sich so mancher Dienst- und Herrschswillige befangen in den bisweilen unüberschaubaren Handlungsketten der Demokratie in der Globalisierung.

Der Brexit zeigt was Engländer alles von den anderen haben

Dann kam er auf Boris Johnson, Leiter der Brexit-Campagne, und bis Anfang Juli dieses Jahres.Außenminister des Vereinigten Königreiches. Dieser hatte statt eines Eu-Vertrages nun 27 bilaterale Handelsverträge mit den europäischen Nachbarn auszuhandeln. Der Hardliner des Brexit, hätte so Schnoy, beispielsweise bei den Verhandlungen mit Italien nicht viel in der Hand, da Italien, außer ein paar Kilo Fish and Chips fürs Außenministerium, nicht viel englische Güter einführe. Die Engländer aber sehr wohl viele italienische Artikel. Gemeinsam mit Brexit Hardliner und Minister für den Austritt Englands aus der EU, David Davis, ist Johnson anfang Juli zurückgetreten. Schnoy forderte England solle alles was nicht englisches Eigentum ist zurückgeben. Dann zeigte er auf das die Angeln, welche den Engländern ihre Sprache gegeben hätten zwischen Eckenförder und Flensburg gesiedelt hätten. Der andere Stamm aus dem die Angel-Sachsen entstanden seien, seinen die Sachsen. Die hätten glücklicherweise nicht zur Sparchbildung beigetragen. Lachen im lauen Innenhof. Die englische Theorie Stonehenge sei die Sonnenuhr der ersten englischen Könige gewesen, fände er schon deshalb doof, weil es in England gar keine Sonne gebe. Wenn der Historiker sich die Anordnung der Steine in Stonehenge ansehe, so ahne er eine Verwandtschaft mit den Hühnensteinen in Niedersachsen. Wieder Sachsen.

EU-Beitritt der Türkei eine historische Betrachtung

Der Austrittswelle sich entgegen werfend forderte Schnoy, auf wenig Gegenliebe im Publikum treffend den Beitritt der Türkei zur EU. Erdogans Ermächtigungsgesetz, lässt den geschichtsbewussten Deutschen mit den Hufen scharren.

Auch wollen die Bild-Leser im Falle der Einführung der Todesstrafe in der Türkei kollektiv ihre Urlaube dort canceln. Nicht im Bewusstsein war wohl vielen die Herkunftsgeschichte dieser Politik der Zerstörung des öffentlichen Raumes. Von 1999-2007 unter Präsident Achmet Sezer habe es intensive Beitrittsverhandlungen zwischen EU und Türkei gegeben. Viel beschlagnahmtes Eigentum von Juden und Christen sei damals zurück gegeben worden. Seit Merkel und Sarkozy 2007 gemeinsam erklärten, sie wöllten den EU-Beitritt nicht, haben die Türken sich nicht mehr angestrengt und der von Erdogan gesteuerte Präsident Gül kam für die AKP an die Macht.

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Alle wollen das Gleiche, vielleicht reden sie zu wenig mit offenen Ohren für die Argumente der anderen miteinander?

Populismus von Rechts: Ausländer raus

Alle Lager wollten Arbeit und Wohnungen für Alle. Nur die Wege dahin seien verschieden, so der gut aufgelegte Schnoy. Die Rechten sagten: „Schmeißt die Ausländer raus.“ Die Linken sagten: „Enteignet die Großunternehmen.“ Die Liberalen sagten: „Vermindert die Einkommenssteuer.“Aus der Türkei flüchte heutzutage niemand, da hätten alle Türken Arbeit. Arbeit befriede, „30 Jahre abzuzahlen für das eigene Haus, das verwurzele. Flüchten würden nur die, welche keinen Besitz und keine Arbeit hätten. Wenn ein arabischer Mann im Jobcenter in Neu-Ulm aufschlage und auf die Frage was er so gemacht habe sage: „Ich war in Raqua beim IS, aber da läufts nicht mehr.“ Müsse der Berater doch gleich auf einen Job bei DHL kommen. „Du legst das Paket direkt vor die Wohnung des Hauses und gehst dann schnell wieder weg“, kommentierte der Schalk mit Understatement. Auf Sylt bei seinem einzigen reichen Freund im Haus, sehe Schnoy immer wie wenig der von sich habe. Das Dach ist mit Reed aus Südost-Asien gedeckt, der Wein sein aus Italien und die bezahlten Frauen aus Bulgarien. Kaum hatte er ausgesprochen, schon schlug die Glocke der Pauluskirche. Sünde!, sagte er mit einem agnostisch genießerischen Augenzwinkern. Im Cafe um die Ecke tragen Kellner sylter Trachten in Bangladesch genäht und die sind Albaner die Türken spielen.

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Der Museumshof des Edwin Scharffmuseums in Neu-Ulm bot einen schönen Ort um locker über brisante Themen zu sprechen

Populismus von Links: Wir sind am Leid der Welt schuld

Seine Freundin Melanie sei eine nervige Linkspopulistin. So eine die immer korrigiere wenn man Flüchtling sage. „Das heißt Geflüchteter, Worte mit ing als Nachsilbe sind diskriminierend“, ja Liebling, lachte Schnoy und verwies, selber eher links zu verorten darauf, dass man die Menschen befreien solle und nicht die Worte. Demletzt sei er in der Mongolei gewesen. Da habe sie gesagt „Man sagt nicht Mongolen, sondern Menschen mit Down-Syndrom. Unter Linken höre man auch Argumente wie: „Kein Wunder das die Leute zu uns Flüchten wenn sie T-Shirts für ein Euro für uns nähen müssten.“ Das sei aber ein Fehlschluss, nochmal: nur die Leute die keine Arbeit haben flüchten. In Bangladesch sei die Kindersterblichkeit seit 2000 um 50% gesunken und seit der Brandkatastrophe in einer Fabrik verdienen die Leute dort auch mehr. „Die Leute dort sind auf dem Weg ins Glück. So wie wir nach dem Krieg, nur geht es da schneller. China ist heute da wo wir 1960 waren. In den Sechzigern hat mein Vater in der Elbe gebadet und konnte gleichzeitig seine Fotofilme in dem Wasser entwickeln. Da steht China jetzt auch.“ Ein weiterer Grund für unseren Popoulismus sei das germanische Erbe. Die Germanen häben die Schlachten gegen die Römer gewonnen weil sie nackt aufs Schlachtfeld gelaufen sind. Die gut gestylten Römer habe das in die Flucht geschlagen. Die germanische Technikablehnung und Primitivität läge uns noch tief in den Adern. Aber auch das „Alles bis zum Schluss durchziehen.“ Wie viele englische Blindgänger gebe es doch gerade in Neu-Ulm. Man habe aber noch nie von einem deutschen Blindgänger gehört. Das wäre ja ein Garantiefall, ergänzte er. Er habe sich ja schon gewundert als der deutsche Verkehrsminister von der CSU gefordert habe Autobahnen für den Transport von Panzern nach Osten auszubauen. Man solle die Autobahnen doch erst mal für Autos befahrbar machen, konterte Schnoy, Panzer schafften es auch übers Gras und er sei nebenbei so wie so für den Beitritt Russlands zur EU. Die hätten wenigsten Hubschrauber die fliegen könnten.

BRD: Nicht mehr alles bis zum bitteren Ende machen

Eigentlich müsse Deutschland ja alle 50 Jahre Russland angreifen, sonst stimme die Logik nicht mehr. Hätte er von der Neu-Installation eines Truppenverschiebungskommandos der NATO Richtung Osten gewusst, gleich über der Donau in Ulm, wäre er vielleicht länger bei dem wenig besprochenen Thema geblieben. Die Deutschen seien ein besonderes Volk. Das deutsche Spazieren gehen gebe es so, nirgends auf der Welt, Sigmund Freud habe es als eine subtile Technik beschrieben das Territorium zu kontrollieren. Er lud zum Abbau dieser Problematik alle anwesenden Deutsche ein beim nächsten mal Altglaswegbringen, eine grüne Flasche in die weißeTonne zu tun. Auch jetzt in der Urlaubszeit, riet er den Deutschen sich nicht mit Wanderungen auf den Brocken, sinnlos selbst zu quälen sondern endete mit dem lockeren Deutschen Heinrich Heine: „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine.“

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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