Die Humorigkeit des Alltäglichen

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Uli Keuler spielte vor ausverkauften Rängen auf der Sommerbühne Blaubeuren

Uli Keuler Jahrgang 1952, Rhetoriker, Germanist, Schwabe. Wenn man in zum ersten Mal seine Szenen entspinnen sieht, ohne jegliche Requisiten, von Instrumenten und Mitspielern ganz zu schweigen, dann hilft einem die Information weiter. Denn er ist ein versierter Liebhaber der Sprache und des Skurilen. Für die Szenerien die er malt, braucht er keine Leinwände und Pinsel, des als Rhetoriker weiß er, dass der Geist, zumal der freie, kreative und humorvolle, die schärfste Waffe ist.Zugleich kennt er aber seine Situationen und Personen und er zaubert das Lachen durch seine geistigen Warten auf ganz alltägliche Situationen den Leuten auf die Lippen. Und das ohne jemanden persönlich anzugreifen, oder gar anzufeinden und bloßzustellen. Grandios ist seine Themenwahl, vom Museum und seiner neuen Erlebniskultur die er mit „Verhütungskursen im Mittelalter“ überzeichnend sichtbar macht, bis zur Auto-Wellness greift er oft an die Wurzeln des Zahns der Zeit. Fast immer weist er mit seinem Humor auf einen Queer- oder Missstand hin, nie wird er aber oberlehrerhaft. Er hebt das Potential der Sprache selbst, etwa in dem er umständliche Soziolekte und einfache Dialekte ineinanderfallen lässt. Zum Beispiel als der schwäbische Automechaniker am Telefon meint: „Da ist eine Energieblockade zwischen Batterie und Scheinwerfer“, s` Licht got halt et.“ Das Mensch-Technik-Verhältnis schildert er an dem ersten Kontakt eines Ehepaares mit dem neuen Kochschrank. Der fragt zuerst ob man ein Gericht 1-2-3-4-5-6-7 oder acht Tage vorgekocht wolle. Dann wird das Internet erst mal nach Kochrezepturen durchkemmt.

Pränatale Gehirnbildung und Mutter-Kind-Ablösung

Als der neue Besitzee seine Frau Isa anspricht, zeigt der interaktive Automat die “Initiative zum Schutz der Alpensalamander” an. Als er nur Wasser im Topf kochen will, freut er sich mit einem Gluck, Gluck, Gluck über den befolgten Befehl. Der Minicomputer meint aber Gugelhupf verstanden zu haben. Das Gerät sei noch etwas trainingsbedürftig. Dafür könne man aber Onlinebanking damit machen, sowie die Temperaturen von Reisezielen auf dem Schneebesen speichern und Isa könne auch jeder Zeit gegen die Kochplatte Halma spielen. Aber nicht nur die Beziehung zwischen Technik und Mensch rückt Keuler in ein schrilles Licht. In der Badewanne auf einem Brett, Köstlichkeiten von Rehpastete bis Trüffel, liegt ein Mann, als seine Frau an die Badezimmertür klopft: Was machst du da drin? „Ich feire unseren Hochzeitstag heute allein.“ „Warum?“, fragt sie verwundert. „Letztes Jahr warst du verärgert, als ich in der Oper meinen Nebenmann gefragt habe, ob er auch etwas zu feiern habe, oder freiwillig da sei?“ Solche köstlichen Szenen, werden als Geschichten nie zu lang, dass etwas ältere Publikum, feiert diese multithematische und eloquente Kreation von skurrilen Szenen. Ein jüngerer Gast findet den Stil etwas altbacken. Auch die Mutter-Kind-Ablösung bringt Keuler in ein gutes Bild, das er durch die Rückblende auf das vorgeburtliche Engagement der Mutter für ihr Kind noch verstärkt. Die Mutter habe beispielsweise pränatal eine halbe Dose Lachölkapseln zur Förderung der Gehirnbildung des Ungeborenen geschluckt. Nun macht die Mutter sich während der ersten Studienexkursion des Geographiestudenten auf die Schwäbische Alb sorgen und ruft an. Es stellt sich heraus, dass er mit seinen Kommilitonen in einer Gastwirtschaft 300 Meter von den Zelten der Exkursion ist. Der Sohn meint zu der treusorgenden Mutter, „du brauchst nicht extra kommen um mich heim zu fahren, ich habe schon ein Taxi bestellt.“

KFZ-Wellness und das Drama mit dem Bügelbrett

Es sei heutzutage jedem Hobbyarzt klar, dass man nicht nur Gesundheit sondern auch Wellness brauche, und wer ökologisch denke, der käme auch drauf, das nicht nur Menschen sondern auch Tiere, ja sogar Autos Wellness bräuchten. Der KFZ-Wellnessberater frage dann bei einem unfitten Auto ob man es in letzter Zeit vielleicht geschimpft hätte, oder zur Bestrafung statt Diesel Benzin getankt habe und dann empfehle er  vielleicht eine Hydrotherapie mit dem ersten Tagungsordnungspunkt des “Aquaplaning in der Gruppe”. Danach gebe es für das gestresste Auto noch eine Motorraumpflege nach Hildegard von Bingen. Das Drama, das sich um einen Mann spinnt, welcher versucht zu Bügeln und dabei zu trinken anfängt, nimmt nicht nur skurille, sondern auch grosteske Züge an und lässt Keulers Phantasie und Erzählkraft auch jenseits des Humors beeindruckend aufleuchten.  Regina Autenrieth aus Blaubeuren kennt ihn seit 30 Jahren und fand ihn wieder toll.“Ich mag seine Art, witzig aber nicht boshaft.“DSC02001

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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