Unantastbar glänzten und schillerten bei Rock dein Leben

Es regnet. Doch wie singen die Brixener Unantastbar: Leben ist Leiden. Die Leute hier auf auf dem Laichinger Flugplatzgelände tragen es mit Fassung. Ein Mädchen freut sich sogar über einen von der Security gesponserten Poncho vom Wacken-Open Air. Gerade spielt noch die Skaband Elbrebellen. Alle möglichen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zeigen auf dem Zeltplatz Flagge. T-Shirts von Freiwild mit Aufschriften wie: “Wir leben das Gegengift”, “der Teufel trägt Geweih” oder “Im Geist liegt die Freiheit” zieren ihre Träger und Trägerinnen.  Es hört jetzt grad auf zu regnen, und als ich mir eine trockene Garnitur Klamotten hole läuft gerade Raphi aus Memmingen mit seinen Freunden auf. Er freut sich heute vorallem auf Unantastbar, die gleich spielen werden. “Ich bin selber Schlagzeuger und komme aus der Punk-Rock-Szene meint er. Unantastbar ist noch Punkrock, Freiwild waren auf Alben wie “Feinde deiner Feinde” auch noch härter, mittlerweile sind sie mir aber zu still”, meint der sympathische Bayer. Was beide Bands gemeinsam haben ist das sie aus Brixen in Südtirol stammen. Barbian, hat selber Wurzeln dort in der Nähe. “Wenn du da aufwachst und nur die hohen Berge siehst, dass ist einfach wunderbar”, schwärmt er. Politik sieht er irgendwie als Gift. “Die Rede von Links und Rechts ist doch Arschgelaber, Hauptsache man kann zusammen Spaß haben.”

Unantastbar, unbelehrbar, unverkennbar

Unantastbar haben schon angefangen als Torsten mit klar macht: “Wir können morgen nüchtern gerne über Politik reden, hier beim Konzi will ich keine Politik haben.” Und als wir vor der Bühne angekommen sind ist das erste was der auch im Gesicht tätowierte Unantasbar Sänger Joggl uns in die Ohren pustet: “Mir egal scheißegal, fick dich selbst du kannst mir mal.” Die Band und das Publikum sind wie Bräutigam und Braut, sie kennen sich und gehen in einem liebevollen Wechselgesang ineinander auf. Die Texte sitzen die Bier fließen. Selber filmen die Brixen er die Stimmung dicht in einem Lied, von bauchig unpolitischer Schönheit, welches sich fabelhafter Weise kriegerischer Methaphern bedient. “Lichtgewitter, kalter Rausch, tiefer Bass drückt in den Bauch, kämpft mit uns gegen die Stille, zieh mit uns aufs Schlachtfeld der Klänge, wir wolln das man das Schweigen nicht mehr hört. Dann wird der Erbauer des Freiraumes Rock dein Leben Andi Kamm von der Bühne aus zur Welle mutierend dem schwäbischen Meer seiner Besucher übergeben. Sie feiern ihn, sich fühlen sich hier richtig, sie wollen, dass es wieder ein Rock dein Leben geben wird.

Schillernde Symbole und glänzende Stimmung

Die Ästhetik des tätowierten Berserkers mit weißen Hosenträgern, der sich gegen Mitläufer wehrt, kündet von einem radikalen Individualismus Marke: “Meine Regeln, meine Gesetz”, wie es in einem weiteren Song der “Unbelehrbaren” heißt. Die Menge wogt wie Himbeersoße und man hat Lust auf die Leute hier, die Stimmung einzusaugen und sich von ihr einsaugen zu lassen. Einer meint: Die Schränke mit ihren Glatzen schauen bedrohlich aus aber eigentlich sind die Leute total friedlich und Lieb. Klar man fragt sich schon, was dann die weißen Hosenträger und Schuhbindel sollen, aber irgendwie ist das gerade wichtiger. Sich treiben zu lassen, offen zu bleiben, mitzugröhlen, das Bier erfrischend auf sich herabrieseln zu lassen zu flirten und sich zu verbrüdern. Die eingängigen Refrains kann ich bald auch mitsingen. “Wir lassen und treiben, wir lieben und leiden, verschließen die Augen um frei zu sein.” Trotzdem bringt mich der Satz “Wir verschließen die Augen um frei zu sein, durch das Pogen an den linken Rand des Publikums gestrieben steht jetzt ein Kollege neben mit der auf auch weiße Schuhbindel trägt und nur einen Spruch auf seinem freien Oberkörper stehen hat: “In dubio pro reo”, steht da auf seinem breiten Kreuz, auch das gibt mir zu denken. Man sieht T-Shirts der Böhsen Onkelz, der im Anschluss auftretenden Krawallbrüder und von Freiwild. Joggl singt gerade von seiner überbordenen Liebe, die viel zu groß sei um normal sein zu können. Hooligans muss man sich als liebe Menschen vorstellen. Dann singen sie “was zählt bist du  allein dein Leben, deine Regeln dein Gesetz”, über uns lacht der rote Teufel, das Symbol des Festivals. Schuhe fliegen durch die Luft. Starke Männer fassen sich an den Armen um im Schleudertanz zur Zentrifuge zu mutieren. Und dann dringen immer wieder unglaublich erfahrene ja weise Textfetzen an mein Ohr: “…doch du weißt, das was Wahrheit ist nicht Wahrheit bleibt.”

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Unanstastbar machten aus dem Publikum einen Brodelofen

Im Pogo gegen den Gleichschritt

Eine Absage an die Kollonnen im Grau in Grau ist “Lass sie im Gleichschritt marschieren, alle Zweifel ignorieren, im Gleichschnitt in den Abgrund.” Der Sänger verfügt über eine bemerkenswerte Präsenz und Körpersprache, wirkt aber nicht emotional befangen, sondern klar. Er trägt sein Leben in der Haut und berührt darüber hinaus Hunderttausende mit punkig unterlegten Lebensbekenntnissen. Dann kommt seine rosahaarige Frau mit dem Statement auf die Bühne: “Home is not where your from, it´s where you belong. Zu Beginn des fabelhaften Konzerts, auf dem man jedes Wort der Texte verstanden hat, hätte man meinen können die Band wäre eher etwas zu professionell distanziert, aber zum Schluss wurden die Heißmacher auch warm und gebane 2-3 viel Zugaben Bengalos brannten, bei dem Gassenhauersong “Das Stadion brennt” und es war auf Laichingens Heide wirklich so tumultig, entfesselt, geil wie es der Song transortiert “Das Stadion brennt, bengalische Feuer zeigen wo wir stehn.Und zu allerallerletzt Lagen sich Freund und Find in den Armen als Joggl zu einer instumentalen Ballade die Menge zu den Feuerzeugen rief. Philip, (38) aus Laichingen war begeistert über die Leute, die man hier treffe. “Wir warmherzig die Leute hier sind, ganz anders als der Vorbericht in der Schwäbischen Zeitung nahegelegt hat, ich bin froh das ich mir mein eigenes Bild gemacht habe.”

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Zum Schluss reichten die Jungs eine Flasche Jack Daniels und betörten die “Gemeinde” mit einer ruhigen Ballade

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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