Von alten und neuen Wölfen

Matthias Rebers inspirierte die Menschen mit schonungslosem Kabarett

DSC00254
Mit seinem Schnauzbart gewann Rebers, den Bartwettbewerb sogar gegen den bartkündigen Muslim Erdolf

Voll waren die Reihen auf der Sommerbühne trotz wackligen Wetters und Matthias Rebers zeigte sich an diesem Abend mit seinem Programm Amen gut aufgelegt. Zur besseren Einordnung war sein heftiges Programm geprägt von der Wachsamkeit des Schäfers August von Franz Josef Degenhardt: „August der Schäfer hat Wölfe gehört, Wölfe mitten im Mai, mehr als zwei.Und der Schäfer, der schwört, sie hätten zusammen das Fraslied geheult, das aus früherer Zeit und er schreit.“ Mit einer pikanten Vorstellung startete der ehemalige Sportlehrer in sein Programm. Dazu pappte er sich einen Hitlerbart unter die Nase und erzählte mit stolzgeschwellter Heldenbrust über die Hitlerimitationsabende mit dem ungarischen Staatsherren, dem türkischen und dem iranischen in Teheran, der Gazastreifen sei gerade schlecht. Etwas peinlich sei es ihm gewesen als Erdolf, als gestandenes Exemplar Mann, nach der deutschen Führerfront fragte, sagen zu müssen: „Höcke müht sich“. Da kam erstmals der Sportlehrer in ihm durch. „Es gibt nichts schlimmeres als Kinder die sich mühen, da sag ich runter von der Bühne“. Dann meinte Erdolf: Merkel Nazi, Frankreich Nazi, alles Nazi, bei Türkiye, fasste er sich weihevoll an die Brust und schwieg andächtig.Merkel bezeichnete der scharfe Sprachkünstler als „Sphinx von Berlin“ und in seinem ersten Lied entlarvte er die vielgescholtene Staatsführerin auf besonders witzige Weise: „Regungslos, bewegungslos, atemlos und still, die Frau weiß was sie will. Sie ist die Sphinx von Berlin und besteht aus Kanzlerin.“ Nach diesem Warm-Up bestätigte Rebers noch einmal offiziell, was schon klar zu tage getreten war. Er sei nicht aus der Liga „Betreutes Denken und Betroffenheitsclown, er wolle auch nichts mit Toleranz, er sei gekommen um Misstrauen wiederherzustellen, denn der misstrauische Mensch störe beim Regieren.

Das Geschäftsmodell der Demokratie und das Problem der AFD

Das Geschäftsmodell der bundesdeutschen Demokratie sei ganz einfach. Merkel sorgt für offene Geschäfte, die FDP sorgt für verkaufsoffene Sonntage, wenn die Linke was zu sagen hätte wäre auch mal geschlossen, nur die AFD, die komme in diesen Geschäftsmodell nicht vor. Der Spiegel habe es so definiert: „Wir leben im Faschismus ohne Völkermord.“ Um Menschen die in diesem System verirrt seien zum Misstrauen zu bringen, müsse man verrückte Forderungen aufstellen.Wie zum Beispiel eine bedingungslose Einwanderung verbunden mit einem bedingungslosen Grundeinkommen, aber nur für Flüchtlinge. Oder einen U-Boot-Bahnhof in die Blaubeurer Höhle zu bauen. Oder der Forderung alle weltweit inhaftierten Islamisten nach Deutschland zu überführen um sie hier zu amnestieren.Außerdem wolle er das die Tagesschau von einem blinden Legastheniker mit Migrationshintergrund verlesen werden müsse, aus Gründen der Gleichstellung.Hier gelte bei allem Verständnis seinerseits, was gut gemeint sei, müsse nicht immer gut gemacht sein. Gut gemacht war aber sein nachfolgendes Lied am Keyboard:„Ich bin ein unbeschnittner Jude, ein ungetaufter Christ, lass mich doch einfach in Ruhe, leck mich am Arsch mit deinem Mist.“ Und dann kam wieder sein linkes Lebensgefühl auf als er sang „Hey, Hey, I, I Rock ´n´Roll will never die.Ihr Paradies ist alles unser Leben nichts.“ Und ganz tief ging es rein als er die Städte mit islamistischen Selbstmordattentaten mit Bonjour grüßte.

DSC00266
Rebers brachte  ein großes Repertoire antipathischer Emotionen und Handlungsweisen gegen Frau Hammer geschiedene Sichel auf

Schluss mit Ponyhof

Für einen Lehrer sei das einzige Motiv eigentlich Hass überzeichnete er gekonnt. Er verstehe ja nicht warum die Lehrer sich heute so von ihren Schülern auf der Nase herum tanzen ließen. Er würde einfach Jilmaz und Sergej schicken um die ungehorsamen Kandidaten auf dem Schulweg richtig „herzuschlagen.“Er sei auf einer Ponybraterei in Schlesien groß geworden, dass sei nun mal das Gegenteil von einem Ponyhof. Die grünen Kinder seien dünn, die Unternehmerkinder dick, dass Proletariat sei tot, denn es fresse Glutamatburger. Früher als Sportlehrer habe er dicke Kinder ins Tor gestellt und dann bekamen die anderen 100 Freischüsse. Die glitschigen Hände dicker Kinder am Reck und sie dann abrutschen zu sehen, dass sei herrlich. Wenn da nur nicht Frau Hammer geschiedene Sichel wäre, diese studierte Sozialpathologin von der integrativen Murmeltiergruppe, die immer nur Kitaplätze fordere. Die nervige Piepsigkeit ihrer Stimme imitierte Rebers ebenso wie den Hitlergestus gut. Er aber komme aus München, das brauche man Parkplätze. In dieser Sache sei Fräulein verständnisvoll so nützlich ein Arschloch am Ellbogen. „Teilen, teilen das macht Spaß, wenn jeder teilt hat jeder was“, singe sie in der Murmeltiergruppe. „Damit wird man nichts bei der Deutschen Bank“, kommentierte er lakonisch. Wenn das Erdolf sehe, dann denke er mit Recht: „Die sind am Arsch.“ Doch im besten Song des Abends mit der Quetschkommode bekam auch Erdolf wieder sein Fett weg: Im hamburgisch Hans albersschen Schmäh sang er sein „Volkslied“: wo es beispielsweise hieß „Die Frauen verhängt er mit Stoff und betet mit Kalaschnikow.“ „Während Zeitgeistschlampen sich über Kreuze in Schulen beschweren fordern sie gleichzeitig mehr Kopftücher. Was auch immer man von Atatürk halten will, er hat einen vernünftigen Satz gesagt: „Jeder soll beten wie er mag, aber er soll seinen Nachbar nicht damit stören.“

Wenn Religion dann selbstgegründet

Nun blickte er zu der alten Klosterkirche in deren Schatten das Publikum der Sommerbühne lauschig sitzt auf. „Diese Kirche erst katholisch, dann evangelisch und jetzt leer. Sie ist ein Zeichen der Zeit, Kabarett ist Kirche“, meinte er selbstbewusst. „In seiner Kirche sei man Freizeitjude und Teilzeitchrist mit ein bisschen Jing und Jang. Seine Kirche sei Testsieger, den es gebe drei Feiertage die Woche und nur das Verbindende würde angebetet. Ihre Kirchen hießen Mompel und den ersten habe die türkische Architektin Sophia Hagia gebaut. „Wir grillen gern Fleisch, denn wir wissen, dass man unseren Herrn nicht mit Auberginen besänftigen kann“, deswegen müsse man als Einweihungsritual auch eine Wurstsemmel essen. Frau Hammer ist Vegetarierin, deshalb konnte sie nicht eintreten. Sie hat dann ihre spirituelle Heimat in der Kirche von Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth gefunden, hier müsse man den ganzen Tag nachbeten, dass nur ein schlechtes Gewissen ein gutes Gewissen sei. Auch Hammer habe dann irgendwann Bekanntschaft mit Jilmaz und Sergey gemacht, als er sie ins Krankenhaus gefahren habe, habe er wegen der frischen Luft für Hammer auch die Route durch den Bayrischen Wald gemacht. In der Pause meinten manche Leute Rebers lehne sich heute extrem weit aus den Fenster und sei ausgesprochen bissig.Einige sagten er spricht eben aus was viele hinter vorgehaltener Hand auch denken würden

DSC00267
Der Arsch am Ellbogen, Rebers kraftvolles Bild für unnützen Quatsch

Kabarett der radikalen Mitte

Als er dann wieder auf die Bühne kam gab er sich verwundert, dass fast alle noch da seien, denn in letzter Zeit hätten ihn schon viele wegen zerschlagener Erwartungshaltungen verlassen.Nun stieg er in ein persönliches Gespräch mit Frau Hammer ein. Sie erwarte von einem politischen Kabarettisten eine Stellungsnahme zum Syrienkonflikt. „Wir liefern doch die Waffen“, piepste sie.Da meinte Rebers unbeeindruckt: „Nee, ich nicht, dass sind ganz wenige.“ Wenn Nahles meint, die seien alle so gut ausgebildet, dann muss Assad ja einiges richtig gemacht haben, rührte er an ein diskursives Tabu. Und er zog sich aus der Schlinge in dem er auf die Niederländer verwies, dass seien doch auch nur Deutsche, bloß handlungsfähig.Darauf folgte ein intelligentes,einfühlsames Lied im Stile der Neuen Sachlichkeit über den Linienrichter am Keyboard. „Der Schiri zückt die Karten, deine Taschen sind leer, die Laola wird gemeistert aber ganz bestimmt nicht wegen dir, Linienrichter, Linienrichter tausend Jahre Einsamkeit.“ Gegen Frau Hammel geschiedene Sichel, holte Rebers nun zum letzten Schlag aus. Er wolle im Wald ein Murmeltier erlegen, es an ein Kreuz hängen, es über die Türe des Zimmers der Murmeltiergruppe hängen und drunter schreiben: „Allah hu akbar.“ Da fragte Frau Hammer was haben sie gegen Islam? „Er habe nichts gegen Haschemiten, Sunniten, Schiiten, Alawiten, aber gegen Dynamiten da habe er etwas und da sei er sogar mit Erdolf einig. Da sich Adolf und Erdolf ja auf Wolf einigen, bearbeitete er das Lied „Wölfe im Mai“ vom sozialistischen Dichter Franz Josef Degenhardt. Und kam auf das Lob, dass die Deutschen ihre alten Wölfe gut in Blick hätten. Was aber sei mit den neuen Wölfen, beispielsweise den grauen Wölfen, den Nationalisten aus der Türkei? Der türkische Moscheen-Verein DITIB habe jetzt die Zuschüsse für Imame im Ausland von Erdolf verdoppelt bekommen.Als manche ihn schon als ins Rechte Lager abgedriftet anstaunten, eröffnete er gegen Schluss sein kabarettistisches Ethos. „Ich will das die wichtigen Themen in der Mitte verhandelt werden, dann werden sie es nicht giftig. Und es gibt immer Leute die gerne vom Giftschrank Gebrauch machen.“ Nach seinem umjubelten Abgang kam er nochmal wieder und spielte:

DSC00269
Die Kirche eine gute Kulisse für die neue Kirche des Kabaretts

„Wenn der Wind durchs Fenster weht, lernt der Teppich fliegen, doch meistens bleibt er liegen weil Frau Hammer darauf steht.“

 

Advertisements

Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s