Vom Flüchtlingshelfer zum Fluchtursachenbekämpfer?

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Senegal ist laut Wikipedia mit 11000 Quadratkilometeren der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes

Ein Reisebericht aus Gambia 2018

Gambia ist ein kleines Land in Westafrika es ist laut der Reiseleiterin und Vortragenden im Haus der Begegnung in Ulm 180 Kilometer lang und 60 Kilometer breit. Es ist vollkommen vom unbeliebten Senegal umschlossen.Der Legende nach ist es durch die Einschusslöcher eines englischen Kriegsschiffes, das vom Gambiariver links und rechts auf die Ufer schoss entstanden. Aus Gambia kamen unter anderem wegen der Herrschaft von Yahja Yammeh viele Flüchtlinge nach Deutschland. Diese Herrschaft ist nun vorbei und die Flüchtlinge hier haben in Deutschland eine sehr schlechte Bleibeperspektive. Angelika Dauter, die anders als viele andere Flüchtlingshelfer rund um die Gemeinschaftsunterkunft in Dornstadt auch jungen Männern Unterricht gegeben hat, hat die Gambier kennengelernt, als sie im Aufenthaltsraum der Unterkunft eine Schlägerei um das Fernsehprogramm zwischen Eriträern und Osteuropäern verhinderten. Durch die neue Situation ist sie mit 14 anderen Flüchtlingshelfern in Baden-Württemberg ausgezogen um die Fluchtursachen zu erkennen. Zurückgekommen, und sie war zweimal dieses Jahr in Gambia, ist sie mit konkreten Ansätzen den jungen Gambiern vor Ort wieder eine Perspektive zu geben. Unter Yahya Yammeh gab es viele politische Gefangene, aber auch der jetztige Präsident sei alt und kein Hoffnungsträger, schätzt die Flüchtlingshelferin ein. Positiv sei aber das es seit Yammeh, also seit 10 Jahren, richtige, nicht nur Koranschulen gebe, wo die Kinder 3 Sprachen + Englisch lernten. Das ist nötig, denn in dem kleinen Land gibt es sage und schriebe 9 verschiedene Sprachen von 9 verschiedenen Ethnien.Die himmelweite Stadt-Land-Differenz sehe man schon in dem Unterschied der Behandlung Fremder auf dem Markt der Hauptstadt in Banjun und dem unweit liegenden Markt von Serekunda. In Banjun seien die Leute Tourismus gewohnt, man werde freundlich und zuvorkommend behandelt. In Serekunda aber haben die Leute getuschelt und hielten sich den Fremden gegenüber ablehnend bedeckt. In Gambia gibt es 90 Prozent Muslime, so sei es auch als Höflichkeit zu betrachten, wenn ein Mann einer verheirateten Frau nicht die Hand gebe, betrieb die große Frau kulturelle Übersetzungsarbeit.

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Links die Gambiareisegruppe vor einem Baobabbaum rechts die Referentin und Reiseleiterin Angelika Dauter

Eine Perspektive für junge Gambier in Gambia

Die Fruchtbarkeit der Erde sei im Norden weniger gegeben als in der südlichen Feucht-Savanne, wo heutzutage hochgefragte Superfoods wie Moringa und Baobab beispielsweise mit Hilfe einer Entwicklungshilfeorganisation prächtig gediehen. Trotz oder gerade wegen der reichen Vegetation mit über 540 Pflanzen in dem von 6 Morgens bis 8 abends von April bis Juli 40 Grad heißen Land, sei der Großteil der Produktion in ausländischer Hand, ebenso die zweitgrößte Einnahmequelle, der Tourismus. Das gilt auch für  den entlang des Gambiariver angebauten Reis. Ein Maurer verdiene in Gambia 3000 Dalasi, ungefähr den Preis von einem Sack Reis und dem Zucker für einen Monat. Die jungen Leute weigerten sich scharenweise bei diesen Bedingungen für wenig Geld zu arbeiten.Andererseits findet man auf den Märkten gebrauchte europäische Schuhe und auf den Straßen ausgemusterte deutsche Autos. Es gäbe kaum Geld aus dem Inland, die meisten Gelder kämen von ausländischen Investoren, die die Gewinne eben auch ins Ausland abschöpften. Warum die Chinesen das Stadion in Banjul mit 40000 Sitzplätzen finanziert hätten und die Amerikaner den Flughafen der Hauptstadt, lässt die Referentin offen.

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Mohammed Jobarthe(links) ist Sozialarbeiter und Sohn einer Reisbauernfamilie, er will mit Hilfe der Gruppe um Angelika Dauter in Gambia Reis anbauen und auch anderen Gambiern eine Perspektive bieten

 

Keine Einreisemöglichkeiten nach Deutschland für gewöhnliche nicht Kriegsvertriebene

Dann erzählt sie von ihrem Treffen mit dem gambischen Journalisten Maty Jobarteh, der Yammeh, nach dem die Gambier neuerdings wieder rufen würden, stark für seine Gefangennahmen und Kitnappings kritisiert. Für Flüchtlingshelfer, aus denen das Publikum wohl fast ausschließlich bestand weist sie auf die Helpcenter in den gambischen Kommunen hin, hier kann man die, für die Arbeitserlaubnis der Gambier in Deutschland, so wichtigen Geburtsurkunden bestellen. Beim Gambia immigration Department bekommt man hingegen Papiere nur durch Korruption. 100 Euro stimmen die Herren der Papiere milde, dass ist das Doppelte von dem was ein Arbeiter im Monat verdient. Zum Schluss stellt sie Mohammed Jobarteh vor, der 26 Jährige Gambier ist Sohn einer Reisbauernfamilie und möchte durch den von der Helfergruppe unterstützten Reisanbau, als Sozialarbeiter auch anderen jungen Gambiern eine Perspektive bieten. Eine Wasserpumpe zur Bewässerung der Feldes wurde schon gekauft. Um auch anderen jungen Gambiern eine Perspektive zu bieten, wollen sie jetzt noch eine Reismühle zur Entspelzung des Reises kaufen. Früher habe sie um das Bleiberecht für „ihre“ Gambier gekämpft, so Dauter, heute sei die Bleibeperspektive für Gambier äußerst schlecht. Bei vielen Unterstützern seien bei schon lange in Deutschland seienden Asylbewerbern Härteanträge manchmal sinnvoll. Heute sei ihr Ziel aber anders: „Die Gambier sollen nicht mit leeren Händen nach Hause kommen.“ Ein Mann aus dem Publikum hat Seehofers Masterplan zur Migration angefangen, der biete keine Einreisemöglichkeiten für Leute in Not, die guten Willens seien, sich hier einzubringen mehr, dafür lohne es sich doch zu kämpfen, meint er.

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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