Eine Blütenlese zum Ende des Ramadan

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Die Mischung von Nüchternheit,Meditation und Koranlese hat mir die Tore zu einer Welt etwas weiter geöffnet

 

Dieser Ramadan(der Heiße), hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Einige meiner Schüler haben wegen Kopfschmerzen aufgehört, viele die hart Arbeiten mussten, haben es nicht geschafft bei der Hitze auch noch zu fasten. Heute am letzten Tag halte ich Rückschau. Die ersten Tage waren für mich noch geprägt vom Einpendeln des neuen Rhythmus, von Nahrungsmitteln, Kompromissen mit dem vorigen Rhythmus und einer Fremdheit gegenüber dem Koran, dem Buch was mich und so viele andere, durch den Ramadan begleitet hat. Heute morgen habe ich bemerkt, dass mit dem Bewusstwerden des baldigen Wegfallens, des den Tag stützenden Ramadanrituales, der Kreis neu geöffnet wird und jetzt fragt sich was tritt an die Stelle der Rituale, wie gestalte ich den Übergang, wird die Fußballweltmeisterschaft mein neuer Taktgeber und wie rette ich etwas von der Achtsamkeit und Besinnlichkeit des Ramadan in die neue Tagesstruktur?

 

Koranlesen will gelernt sein

Eines ist klar, mein erster praktizierter Ramadan war für mich ein Monat der Einkehr, der Kontemplation und des interreligiösen Diskurses und auch der Überforderung in der Verständigung mit dem Koran. Trotzdem konnte ich die einzelnen Suren nur subjektiv betrachten und zu verstehen suchen. Was Mahmut Demir der seit einigen Semestern muslimische Theologie studiert mir sagte, hat sich bestätigt. Um den Koran anständig zu interpretieren, muss wissen wann die Suren herabgesandt wurden und wo und zu dem muss man den Koran schon einige Male durchgelesen haben um die Querverbindungen auf der Ebene der einzelnen Verse entdecken und bewerten zu können. Das konnte und kann ich nicht leisten und ich habe auch gemerkt, dass ich die Ferne des richtenden und strafenden Gottes des Koran oft nicht mehr ausgehalten habe.Dann habe ich etwa in der Bibel gelesen oder habe über einen Gesangsverein berichtet. Ich spüre etwas kraftvolles und unergründliches im Tauhid, der Allah als den Alleinigen, den Beständigen, der nicht geboren hat und nicht geboren worden ist, ausweist.Aber auch etwas kaltes unzugängliches, zutiefst autoritäres und undemokratisches.Der Mann steht der Frau vor und fertig. Macht es sich der Koran da nicht ein bisschen zu einfach, fragte ich mich.Ich habe Jesus als Menschensohn in der Konfrontation mit Allah nochmals schätzen gelernt. Mir ist aber auch klar geworden, dass der ferne Gott sich, wenn er durch Worte zur Sprache kommt auf ebenso innige Weise offenbaren kann. Jesus sagt ja auch ich und der Vater sind eins, oder niemand kommt zum Vater den durch mich. Was für den Koran natürlich ein Sakrileg ist, denn Gott hat nicht geboren, noch ist er erschaffen.Ein Hinweis des fernenn Gottes führt zu einem mir einsichtigen Anteil des Schöpfers.

So ist es mir in der „Nacht der Bestimmung“ gegangen, wo ich bis 3 im Koran gelesen habe und morgens der Psalm 91 zu mir kam. Auch die Zahlensymbolik hat mir als Überbrückung zu der Welt des Koran geholfen und Leute wie der Imam Israfil, Husaifa oder Mahmut Demir.

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“Die Sonne, der Mond, die Erde und alle Himmelskörper unterwerfen sich unter den Schöpfer und Erhalter des Universums, sind daher Muslime” Abu.l-A´la Maududi:Weltanschauung und Leben im Islam, S.17

Kafir oder Iman?

Als ich mit Muslimen betete merkte ich aber Widerstände, dagegen nachzubeten was ich nicht verstehe und auch Vorbehalte die ich noch nicht verstehe. Ich bin einfach ein Denker.Die Bestimmtheit der Religion fasziniert mich, und auch die Abhebung von den „Göttern der Welt“ empfinde ich als etwas wahres und heilsames und entlarvendes. Trotzdem weiß ich von mir und anderen, das man im Orient viel lügt und Missstände mit Süßholzgeraspel unter den Teppich zu kehren versucht.

Zweifel, Hochmut und Vielgötterei weißt der Koran, denen zu die von der wahren Religion abgewichen sind. Und auch ich bin davon nicht frei. Zeitweilig glaubte ich daran, das wer klug ist eben Zweifel hat, weil er sich es auch anders und noch anders vorstellen kann.Bei Aussagen die ich verstanden habe, habe ich wenig Zweifel gehabt, weil ein klarer Rahmen da war den ich durchschauen konnte. Der Islam verweist den Zweifler in das Reich Gannahans(die Sphäre der Hölle). Und auch denjenigen, die versuchen die Zeichen des Islam zu entkräften droht er die Hölle an. Der Islam sagt in mir fast als naiv anmutender Bestimmtheit, alle die Atome, die Zellen, die Tiere und Galaxien seien Gotterergebene, oder mit anderen Worten Muslime, nur der Mensch sei anfällig für Verirrungen. Die ungläubigen Menschen zumindest. Die Menschen seien schwach geboren und auf die Hilfe Allahs angewiesen. Islam sei Frieden heißt es, das bedeutet das man wirklichen Frieden nur durch Unterwerfung und Gehorsam gegenüber Allah finden könne(Weltanschauung und Leben im Islam S.16).Der Mensch werde erst durch Gott zu etwas Besonderem, nicht durch sein eigenes Zutun.Es gibt nur zwei Richtungen im Koran: Erstens die Rechtleitung, den Glauben(Iman) und zweitens Ungläubigkeit(Kafir).Kafir heißt auf Arabisch so viel wie Verberger, derjenige der Gott verleugnet.

Strafen für Spötter und Hochmütige

Jede Widerrede wird wiederholter Maßen als schwer sträflich dargestellt, ich denke anhand meiner Bibelkenntnis kann ich sagen, dass ist ein Unterschied zur Bibel. Der Koran weist weiter daraufhin, dass in der Art wie Allah Himmel und Erde gemacht haben „Zeichen für Denkende“(Sure 45, Vers 13) seien. Das spricht mich an, da denke ich an die Demut die einem nächtlich wachend beim Koranlesen die Sterne und das Firmament bereitet haben.Einige arabische Christen meinen der Islam sei lebensfeindlich, definieren was Leben ist können sie allerdings nicht.Eine Bekannte meinte als ich auf Reisen am Chiemsee war die Verschleierung der Frau, sei eine selbstherrliche Faulheit der Männer um sich vor ihren eigenen Begierden zu beschützen. Sie hat ein pfundiges Wort, denn sie ist Biologiestudentin. Sozusagen die Stimme der Evolution: Schön, verwirrend, anziehend und gefährlich.In der langen und reichhaltigen Sure Al Baqara, die von vielen als Koran im Koran gelesen wird, stehen viele mich ansprechende Dinge.Aber auch bestimmte wie „Und die Verführung ist schwerwiegender als Töten.“(Al Baqara, Vers 217). In der Ansicht der Bekannten verharrend, könnte man den Koran als Legitimationsschrift für Männerherrschaft dekonstruieren. Es stehen aber auch wieder Dinge Dinge im Koran, die zum Beispiels in Bezug auf die Flüchtlingskrise aufhorchen lassen: „Wahrlich, jene, die glauben und ausgewandert sind und sich auf dem Weg Allahs mit aller Kraft einsetzen, die sind es, die auf die Barmherzigkeit Allahs hoffen.“Das hört sich doch an wie biblische die Seligpreisung „Selig die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich(Mätthäus 5,8). Nur eine Seligpreisung im Koran die wie in der Bibel die Friedfertigen anspricht habe ich bisher noch nicht gefunden. Aber der Hauptgrund, warum ich das Fasten und Lesen begonnen habe, Geduld zu lernen, der ist erfüllt worden. Die Propheten sind auch dort ein Thema, sie dienen immer als leuchtende Beispiele des Glaubens, Phasen der Anfechtung und des Hin und Hergezogenseins, habe ich weder bei Abraham, noch bei Jajah(Johannes der Täufer) und bei Jesus, dessen Geschichte in der Sure Al-Baqara erzählt wird, gelesen. Die Propheten werden als makellose Heilige ohne Entwicklungsgeschichte dargestellt, auch fehlt in den Stellen die ich bisher gelesen habe nie die Erwähnung, dass sie das fünfmalige Gebet verrichtet und die Armensteuer entrichtet hätten.

Der Kampf ist im Islam wichtig

„Wer nun gegen euch gewalttätig handelt, gegen den handelt im gleichen Maße gewalttätig, wie er gegen euch gewalttätig war, und fürchtet Allah und wisst, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist“(Al Baqara,Vers 194). Kriegsdienstverweigerer haben es in einem Land das von einer regulären muslimischen Regierung geführt wird schwer. Den die Bereitschaft zum Kampf für den Glauben wird im Koran immer wieder als Hauptkriterium für den Glauben überhaupt angesehen. Da aber der Koran herabgesandt wurde als Bestätigung des Vorigen(Juden,Christen) aber auch als Rechtleitung legt der Koran mit seinem eigenen Duktus der Allerhabenheit den anderen Selbstverständnissen und Kulturen der abrahamitischen Religionen eine schwere Hürde auf um im Frieden mit ihm leben zu können.

Bass überrascht liest man dann tolerante Sätze wie: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“Der richtige Weg ist nur klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen“(ebd. Vers 256).

Hier leuchtet ein bisschen Freiheit, Spielraum, Unbestimmheit auf, nach der man im Koranlesen teils mehr verlangt hat wie im Fasten nach Wasser und Brot. Auch sagt Mohammed hier Weises zum Spenden. Das was man an Gutem spendet für einen selber sei. Und auch Hartes Inspirierendes: „Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen nicht anders dastehen wie einer der vom Satan erfasst und zum Wahnsinn getrieben wird“(ebd. Vers 275). Nach Karmalehre riechen die Sätze zum Schluss der großen Sure: „Allah fordert von keiner Seele etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermag. Ihr wird zuteil, was sie erworben hat, und über sie kommt, was sie sich zuschulden kommen lässt.“(ebd. Vers 285). Es erschließt sich mir aber nicht als richtig was Hamed Abdel-Samad in seiner Abrechnung mit Mohammed über die Aufteilung der Suren meint. Er sagt, die mekkanischen Suren seien eher ethisch-moralisch, die medinischen eher kriegstreibend und hart. Die Sure Al-Baqara endet beispielsweise trotz ihrer weisen Passagen mit: „So hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen.“

Die Frauen im Islam

Wie der Koran zu den Frauen steht, steht vorwiegend in der vierten Sure(An-Nisa) des Koran.Das und das der Mann der Frau in Verantwortung vorsteht, weil Allah die Männer vor den anderen ausgezeichnet hat(An-Nisa Vers 34) Aber in dem Buch steht auch viel über konkrete Anteile von wem beim Erben. Grundsätzlich gilt der Mann erbt das Doppelte als die Frau. Das die Frau also vom Mann geführt wird ist im Koran unzweifelhaft. Auch in der Bibel gibt es Stellen die in diese Richtung deuten. Der modernen kämpferischen Identität der Geschlechter entspricht das nicht und auch nicht dem Feminismus und manchen modernen Gerechtigkeitstheorien und -Empfindungen. Trotzdem kann man sich ja einmal von diesem fremden Vorschlag des fernen Gottes ansprechen lassen. Als Mann ist das natürlich blöd, weil man dann Gefahr läuft zu den positionslosen überzähligen muslimischen 2-4.Söhnen zu gehören, welche durch Schriften wie den Koran ihren Heilige Männerkrieg um Anerkennung und Positionen im westlichen System rechtfertigen.

In diesem Zusammenhang muss ich ein Zitate des linkskonservativen deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zu den Grenzen des institutionalisierten Islamismus anführen:

„Sosehr es also zutrifft, das die islamistische Theokratie auf dem formal und materiell totalitären Anspruch beruht, alle Lebensvollzüge in einer virtuell islamisierten Weltgesellschaft nach koranischem Recht zu ordnen, so wenig wäre sie imstande, den ökonomischen, politischen, technischen und künstlerischen Tatsachen des gegenwärtigen Zeitalters zu begegnen.“(Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, S.348)

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Der Mondkalender hat 10 Tage weniger, deshalb wird der Ramadan bald früher und deshalb vermutlich und hoffentlich auf kühler sein

Islam: Ein Rückschritt von Fortschritt als Fortschritt

Da geht es jetzt um die Länder die vom Koran regiert werden. Ich habe sogar zwischen arabischen und türkischen Muslimen einen Unterschied was die Offenheit für die moderne Leistungsgesellschaft betrifft gespürt, möchte da aber nichts über einen Kamm scheren.Man kann nicht einmal unbedingt sagen der Koran sei an sich wissenschaftsfeindlich.So kriegsfreundlich wie er ist, hätte er eigentlich die besten technischen Errungenschaften aus der Rüstungsindustrie heraus bringen müssen, so wie die christlichen Gesellschaften. Das Haus des Islams ist nun auch nur durch Mohammed Auswanderung aus Mekka und seine Bündnispolitik in Medina und den Bruderkrieg mit seiner Heimatstadt Mekka entstanden. Deswegen sind vermutlich auch die Kämpfenden in der Sache Allahs von Koran als Ranghöchste gewürdigt(Sure An-Nisa Vers 94).Vom Koran kann aber eine Gesellschaft die strukturell und gewissensmäßig im Pflegenotstand ist sich fragen lassen ob sie den langfristig richtigen Wertekanon auf Tableau gehoben hat. Sowohl in der Bibel als im Koran steht man soll Vater und Mutter ehren. Im Koran ungleich ausführlicher und auch bestimmter. Die islamischen Gesellschaften leben diesen Wert, die Christlichen spüren hier erste Auswirkungen der in der breite machbaren Selbstverwirklichungsbiographie.Was mir zum Schluss in einem zufälligen Gespräch zu denken gegeben hat ein Mann meinte vor hundert Jahren waren die Alten in Mehrgenerationenhaushalten in der Landwirtschaft auch noch bis zum Ende integriert. „Schau dir mal die islamischen Gesellschaften in 100 Jahren an, da werden die auch Altenheime haben“, meinte der ältere Mann.Angela Merkel, meinte einmal sinngemäß jetzt wo wir so viele gläubige Muslime hier in Deutschland haben, müssen wir auch wieder mal unsere Bibeln in die Hand nehmen. In diesem Sinne

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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