Wunderhorn der Ewigkeit

175 Jahre Liederkranz Donnstetten

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Der Männerchor gespickt mitherausragenden Persönlichkeiten und doch im Einklang

Weile gern im Reich der Töne; denn im Liede blüht das Schöne“ ist der Wahlspruch des Liederkranzes Donnstetten. Die Ewigkeit ist heute an diesen besonderen Konzert das Thema.3 ½ Stunden soll das Konzert gehen an dem Männerchor, Gemischter Chor und der junge Chor Intakt mitwirken, lange, aber noch lange keine Ewigkeit. In den Reihen des Vereines sollten heute zwei Sänger für 50 und einer für 60 Jahre Sängerschaft im Liederkranz, geehrt werden, ganz schön lange, aber noch lange keine Ewigkeit. Der Zauber der Heimat im sehnsüchtigen Fenster der Erinnerung an die blühende Jugend hob schon im Eröffnungslied „das Ringlein“des Männerchores an. „Es geht ein Liedchen im Volke, die Mädchen singen´s zur Nacht, wenn unter den flüsternden Halmen im Felde die Sehnsucht erwacht.“ Das konnte man theoretisch schon gut sagen, wie es der Bürgermeister Matthias Winter, getreu seiner Rolle tat. Das in jener Zeit als der Liederkranz sich formierte, sich ebenso ein neues Bürgerbewusstsein bahn brach. Doch welche Schubertiaden und Geschichten auf dem Lande stattfanden, dass glänzte nur durch die fliegenden Worte der Lieder und die Augen der erfahrenen Sänger. Gerade auch in dem in vieler Hinsicht- vor allem aber in sprachlicher- bemerkenswerten Lied “Fröhlich, zärtlich” von dem Poeten und Politiker des 15. Jahrunderts Oswald von Wolkenstein. “Wollt sie, sollt sie, tät sie und käm sie,…”, dichtet der Südtiroler in perfekter Sangesfügung “…nähm sie meinem Herzen die sehnlichen großen, harten Schmerzen…”.

Urkomisch auch das Gespräch zweier Männerewigkeiten.Die Sänger wurden begleitet an der Cajon von Stefan Hofele und am Keyboard von Michael Holder.So wie der Liederkranz vom Liederkranz Trailfingen unterstützt wird.

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Katja Spindler beglückwünscht Karl Hummel für 60 Jahre Sängerschaft im Liederkranz Donnstetten
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Joachim Büttner überreicht Erhard Widmaier für 50 Jahre Sängerschaft im Liederkranz davon 42 Jahre als Dirigent ein Bild des Chores

O Ewigkeit, an dir, noch Ein- noch Ausgang finden wir

Hoch amüsant was das Gespräch zweier Ewigkeiten.Die eine eine 48 jährige Ewigkeit unter der Fuchtel seiner Frau, die andere, eine 73-jährige Ewigkeit allein. Und gerade der Männerchor, der bis 1948, also über hundert Jahre der einzige Chor in Donnstetten war, ja das Singen war eine Männerdomäne, zeugte beim tief im Volk verwurzelten „Heckenröslein“ von der Verwandlungsfähigkeit der Wirklichkeit im Falle tiefster Empfindsamkeit. Aber es war nicht nur das Trunkensein, Schwelgen und Schmachten, welches dieses Jubiläum seines Anlasses würdig machte, es war auch der Tiefgang, das nimmersatte Fragen nach dem Sinn, welchen den dramatischen Vortrag von „Was ist die Welt“ vom Chor Intakt aufwertete. Nun waren die Männer bei dem hymnisch monumentalen Stück „O Ewigkeit“ sicher froh, das die Frauen und die „Intakten“ ihre Stimmgewalt nun verstärkten. „O Ewigkeit stammt wie weitere fünf der dargebrachten Werke aus einer Sammlung lyrischer Lieder von Peter Schindler namens „Sonne, Mond und Sterne.“  Ursprünglich erschien es aber in der romantischen Liedersammlung “Des Knaben Wunderhorn”, die 1808 veröffentlicht,  möglicherweise auch so manche Gesangsvereinsgründung inspirierte. Der imposant dargebrachten „Ewigkeit“, folgten humorvolle Gedanken zu selbiger und die besungene Erkenntnis „Der Augenblick ist mein.“Der „Gemischte Chor“ mahnte in „Gedanken über die Zeit“, Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit, mit bedrohlicher Eindringlichkeit schallte es zum Schluss verdunkelt: „Ihr werdet auch in einer Zeit verloren.“ Einen herb-derb auflockernden mundartlichen Faden begann von nun an Horst Mall immer mal wieder in die Liederfolge einzuweben: Gedichte von Sebastian Blau. Zwei trunkene Lieder „Das Punschlied“ und der Schwartenhals“ folgten, gut passte der saftige Schinkengeruch in der Halle ins klangliche Bild.„Ergo Bibamus“ wieder vom Chor Intakt, war hervorragend lebendig und geheimnisvoll, aber wenn man ehrlich ist ist es auch ein Trinklied, wenn auch von Goethen selbst geschaffen. „Trunken müssen wir alle sein und Jugend ist Trunkenheit ohne Wein“, sangen die Jungen da vor.Dann bot der „Gemischte Chor“ mit „beim Heuen“ ein weiteres Fenster der Erinnerung an das unbeschwerte Landleben. Lautmalerisch klasse. Mit der schönen Nachbarin endete der Teil des „Gemischten Chores“ und Horst Mall beschrieb jetzt mit aller schauspielerischen Inbrunst eine schwäbische Schönheit(„Angela“), die leider beim Fall vom Himmel auf den Kopf gefallen war. Dann wurde es mit Eichendorfs „Mondnacht“ wieder an die Ewigkeit rührend „Es war als hätt der Himmel die Erde still geküsst, daß sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst“, auch eine Form der Trunkenheit? Wie auch immer dieses letzte lyrisch-sangliche Glied führte ätherisch über in den sich schließenden Kreis der Ewigkeit. Mit der kugelrunden Ausgangsfrage endeten die wiedervereinigten drei Chöre„O Ewigkeit, o Ewigkeit wie lang bist du o Ewigkeit! O Ewigkeit, an dir, noch Ein- noch Ausgang finden wir“, so schloss das fulminante, freudige und vielschichtige Konzert.DSC01638

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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