Die vielen Gesichter des heiligen Geistes ein Erfahrungsbericht

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Gott wohnt, wo man ihn einläßt. (Jüdisches Sprichwort)

 

Nachdem im Haus der Hoffnung wo ich die Pfingstlichkeit am meisten erwartet hatte am Pfingstsonntag kein Gottesdienst war, brach meine Suche nach dem Geist Pfingstens erst an. Da es schon 10.17 Uhr war erfreute es mich, dass in der Blaubeurer Innenstadt noch ein Gottesdienst eingeläutet wurde.Die ersten die ich in die Stadtkirche hineingehen sah waren eine indisch anmutende Frau und ihr Sohn. Dann zeigte sich die schöne Kirche aber mir 45 meist älteren Menschen nur zu etwa einem Achtel besetzt. Nun aber kam in dem Wochenspruch der Evangelischen Kirche, den Pfarrer Börkircher von der Kanzel rief, ein weiterer Hinweis auf das Wesen des Heiligen Geistes. In einem Wort Gottes an Serubbabel, den Stadthalter von Juda, heißt es: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen“… . Gottes Geist verbindet, alles in Allem, stellte der leutselige Theologe noch hinzu. Und nach dem fulminanten einleitenden Orgelspiel von Matthias Hauser, kommentierte der Pfarrer humorvolle Pfarrer „Da hat Gottes Geist schon ganz schön gebraust.“ Dann las Börkircher die Stelle im Johannesevangelium vor, die ihn selbst zum Thema Heiliger Geist am meisten berührt hatte, nämlich Johannes 20, 19-23 wo der auferstandene Jesus seinen Jüngern erscheint.

Wie der Vater mich gesandt hat so sende ich euch

Dort heißt es in Vers 21: „Wie der Vater mich gesandt, so sende ich euch.“ Dann hauchte er sie an und sagte „Empfangt Gottes heiligen Geist! Wem ihr die Schuld erlasst, dem ist sie von Gott vergeben. Wem ihr sie nicht erlasst, dem ist sie auch von Gott nicht vergeben.“ Das Pfingstwunder erinnere daran das ein umfassender Frieden auf Erden möglich sei, so Börkircher.Jesu Geist sei kein streibarer, kritischer, sondern ein einmütiger mitfühlender Geist.Der Geist Gottes beantworte Verletzungen nicht mit neuen Verletzungen, er verbinde die Menschen vielmehr auf der Ebene Jesu Christi. Martin Luther King, Franz von Assisi und Mahatma Gandhi hätten in diesem Geist gewirkt. Sein schönes Gebet in dem er unter anderem um den Schutz vor kalter technischer Vernunft, vor Lieblosigkeit und für die geschändeten Tiere betete mündete im „Vater Unser“. Der evangelische Landesbischof July hatte Pfingsten so angesprochen, dass wir an diesem Fest die Verbundenheit in der Kirche in besonderer Weise wahrnehmen.“ Nach dem Gottesdienst, der mit der dorischen Toccata von Johann Sebastian Bach, endete – einem imposanten musikalischen  Versuch die Herabkunft des Heiligen Geistes zu erfassen, war ich müde und wollte heim.

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Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
                                                           der Heilig Geist der Mast.                                                         (Kirchenlied “Es kommt ein Schiff geladen” Strophe 2)
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Pfarrer Börkircher in der evangelischen Stadtkirche Blaubeuren bei seiner Pfingstpredigt

Die Heimat in Jesus Christus

Die anwesende Freundin, die morgen auf den Jakobsweg geht, lud mich aber mit ihrer Lebensfreude neu auf und als ich straßenaufwärts zur Rittergasse kam, kam mir die Idee ein paar muslimische Freunde, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, zu besuchen. Doch was hörte ich da führ eine inbrünstige Stimme, etwas weiter veranlasste ein Jesus liebt dich Schild durch die hölzerne Türe in Richtung der Stimme hineinzugehen. Hier saßen ein paar schwarze Frauen und ein Schwarzer Mann. „Gottesdienst“, fragte ich und sie antworteten auf Englisch Yes. Ein Gottesdienst einer schwarzen Gemeinde. Der Pastor mit seinem gelben Anzug über seinem schwarzen Talar predigte so kraftvoll, dass es nur noch von der auf ihn antworteten Frau in einem scharz-weißen Kleid mit Hut übertroffen werden konnte. Ungefähr die Hälfte der 27 Leute, mit vielen Kindern trug ein traditionelles afrikanisches Gewand.Da erinnerte ich mich wieder an den Beginn des Johannesverses von Börkircher: „ Es war spät abends an jenem Sonntag. Die Jünger hatten Angst vor den führenden Männern, deshalb hatten sie die Türen abgeschlossen. Da kam Jesus und trat in ihre Mitte. „Ich bringe euch Frieden!“ sagte er. Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Sie freuten sich sehr als sie den Herrn sahen. Noch einmal sagte Jesus zu ihnen: „Ich bringe euch Frieden! Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch.“ Es hiengen überall verschiedenste Fahnen, der Pastor sprach auf Französisch, die Frau übersetzt auf Englisch. Nicht nur die mir meist unverständlichen Worte des Pastors waren so intensiv, sondern auch die Art wie die Älteren mit den Kindern umgiengen. Mein Stuhlnachbar, von dem sich noch herrausstellen sollte, das er in Sontheim in der Gemeinschaftsunterkunft für Füchtlinge in der Schwabenstraße wohnt und Antonin heißt, hielt einen kleinen Jungen mit weißem Pullie ,wie ein Flugzeug in die Luft – währenddessen rief der Pastor ganz außer sich, zum Takt des Klatschens, Halleluja ins Mikrophon, die Gemeinde antwortet mit A-men, wobei das e wie ein a ausgesprochen wurde.

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Elie Ochoo kommt ürsprünglich aus dem Togo, lebt seit 15 Jahren in Blaubeuren und ist Pastor der Kirche Jesus Christus von Nazareth- Haus der Zuflucht e.V in der Klosterstraße 12 in Blaubeurem

Der Pastor endete verhalten mit einem Dank an den Vater, dass er uns besser kenne als wir uns selbst. Dann stellten sich fünf Choristinnen auf. Die opulenteste Sängerin dankte Jesus, dass er seinen Leib gegeben hat. Danach sang sie sehr stark, tief und klar. „If you believe you receive.“ Dann kam das Duo wieder: der Pastor bedankte sich für diesen wunderbaren Moment, denn Jesus uns geschenkt hatte und die Frau antwortete mit: „In the mighty name of Jesus“. Auf dem Flyer den mir jemand zusteckte stand: Jesus Christus von Nazareth Haus der Zuflucht Blaubeuren.Nach einer Lobpreiszeit, wo alle die Stühle verließen und ausgelassen tanzten wurden neue Gesichter begrüßt, ein anderer Weißer und ich. Man fühlte sich nach den ersten Fremdeleien wegen Bildern, nun wie in eine Familie aufgenommen.

Ich sagte zur Begrüßung auf Englisch, „Ich bin Daniel und ich suche nach den vielen Gesichtern von Pfingsten“.Zum Schluss begrüßten sich alle mit Handschlag und nun war es nicht mehr die starke Stimme, die einen über die Schwelle zog, sondern der schmackhafte Geruch des für alle im Namen Jesu bereiteten Essens. Reis mit Hähnchen und Frühlingsrollen. Der Pastor Eli Ochoo lebt schon seit 15 Jahren in Blaubeuren. Er begrüßte mich herzlich und meinte:“Jesus ist unser Haus und unsere Zuflucht, in ihm wird es uns an nichts mangeln“ und lud mich ein am gemeinsamen Essen teilzunehmen. Nach diesem erlebnisreichen Vormittag glaube ich verstanden zu haben was der heilige Geist ist. Das Zulusprichwort: „Gott besucht und häufig, aber meistens sind wir nicht zu Hause“, trifft im Gewühl des Alltags zu.Heute aber habe ich dank dem verbindenden Heiligen Geist ganz ohne den gewohnten Weg nach Hause anzusteuern ein Haus der Zuflucht gefunden. Ich spürte hier, wie durch den Heiligen Geist, die Liebe Gottes ausgegossen wird, der Fremde zu Freunden werden lässt.

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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