Ein Muslim über Kulturen des Islam

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Mahmud Demir ist vielen Laichingern wohl bekannt, denn er verkauft schon seit Jahren in seinem Laden auf dem Laichinger Marktplatz Handies. Was viele vielleicht nicht wissen, er studiert islamische Theologie an der islamischen Universität in Rotterdam. Freitags und Samstags fährt er im Rahmen des Fernstudiums zu Seminaren in der Zweigstelle in Ludwigsburg.Auf die Frage warum er das macht gibt er eine unerwartete Antwort.

„Ich will kein Iman, so was wie ein Pfarrer in der Moschee werden. Vielmehr will ich Menschen beim Tag der offenen Moschee oder wenn ich fertig bin auch an Schulen korrekte Informationen über den Islam weitergeben.”

Zum Thema islamischer Religionsunterricht Ja oder Nein, stellt er seinerseits eine Frage. Zur Zeit gibt es islamischen Religionsunterricht nur im Rahmen eines Pilotprojektes. „In Ludwigsburg unterrichtet eine Atheistin den Koran, die einen sechsmonatigen Lehrgang absolviert hat, ist das richtig?, fragt der  Laichinger.“„Ich als Muslim glaube Religionsunterricht ist ganz zentral für die ethische Entwicklung der Kinder. Wenn ich an nichts glaube, was mich beobachtet und im Jenseits auch dafür zur Rechenschaft ziehen wird was ich hier tue, dann werde ich solange andere mit meinem eigenwilligen Tun schädigen bis ich vom weltlichen Gesetz erwischt werde.“ Mahmut ist seit 28 Jahren in Deutschland, er hat Kindergarten, Schule und Ausbildung hier gemacht und er zahlt hier seine Steuern.

Ich bekam in der Schule zu spüren das meine Religion nicht akzeptiert wurde

Er hat, so erzählt er, aber schon in der Grundschule beim Kochen im Hauswirtschaftsunterricht mitbekommen, dass er als Muslim anders sei und darin nicht akzeptiert werde. Er durfte sein nach islamischen Vorschriften(halal) geschlachtetes Fleisch nicht mitbringen. Und auch heute sieht er eine Gleichberechtigung für Muslime noch als Zukunftsmusik. „Vor ein paar Jahren wurde meine Tochter eingeschult und obwohl es bestimmt 25 muslimische Kinder bei der Einschulung gab, wurde neben dem christlichen Gottesdienst kein islamischer Gottesdienst organisiert.“ Mahmud kommt aus Mardin einer uralten Stadt im Südosten der Türkei 20 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Die Stadt sei arabisch geprägt, auch die osmanische Sprache allgemein sei vor den Kulturreformen in der türkischen Republik seit den 20er Jahren in arabischen Lettern gesetzt gewesen.

Man muss zwischen Islam und arabischer Tradition unterscheiden

„Ich bin jemand der immer mehrere Ansichten anschaut. Wenn wir jetzt in die selbe Richtung auf das Haus dort schauen, siehst du vielleicht die Putzfrau im einen Fenster und ich den Mann an der Kasse im anderen Fenster“, schildert Mahmut lebhaft. Vor seinem Theologiestudium, fährt er fort, habe er auch den Koran gelesen, heute verstehe er aber mehr und mehr Zusammenhänge, die ihm ohne das Studium verschlossen geblieben waren.„Es gibt zum Beispiel zwei Suren im Koran über die Mutter des Propheten Jesus(arabisch Isah) die Sure 19 „Mariam“, wo ihre Reinheit gepriesen wird und die Sure „Al Imran“ über ihre Familie.Wenn ich darin lese und weiß, dass wir ähnliche Gebote haben habe ich keine Bedenken, dass Islam und Christentum guten gemeinsamen Boden haben.Im Koran sind Mann und Frau gleichgestellt. Die Menschen im Orient, welche den Mann über die Frau stellen, passen den Koran ihrer Kultur an. Zu Zeiten Mohammeds wurden weibliche Säuglinge teilweise lebendig begraben. Mohammed war der erste in Mekka, der seine Tochter auf der Straße auf der Schulter getragen hat. Eigentlich muss man seine eigene Kultur dem Wort Gottes anpassen, dann ist man ein Gottergebener.Das ist die Wortbedeutung von Muslim. Wenn in Arabien über Generationen hinweg der Vater, ohne ansehen seiner Eignung seinem erstgeborenen Sohn das Geschäft übergibt, dann hat das nichts mit dem Koran zu tun, sondern mit Traditionen und fehlender Bildung.“

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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