Stolpersteine im Kontakt mit Migranten

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Auch Heroldstatt´s stellvertretender Bürgermeister Dietmar Frenzel nahm an dem Workshop des Partnerschaftsfonds der Heroldstattstiftung teil

Im Rahmen eines Workshops der Heroldstatt-Stiftung, gab der GewaltpräventionstrainerMurat Sandikci Inputs und Erfahrungen mit muslimischen Migranten weiter.Er selbst ist Türke, hat aber eine deutsche Frau geheiratet und sagt von seiner Mutter, sie könne zwar Deutsch, sei aber nicht integriert. Für seine erste Frage hatte er Prozentangaben in den verschiedenen Richtungen des Raumes in der Berghalle Heroldstatt aufgehängt. Wie wichtig ist ihnen Tradition, war seine Frage? Viele selbst Traditionen Pflegende stellten sich zu den 100 %, die beiden bei 50% begründeten dies wie folgt. Als Kindergärtnerin gebe sie viele Traditionen weiter, sagte Heide Kirschmann, sie habe aber auch schon viele Traditionen gebrochen und fände das richtig. Ralf Schiffbauer, Vorstand der Volksbank in Laichingen, und Mitglied des Fördervereins der veranstaltenden Stiftung meinte: „Traditionen sind wichtig um in den Rückspiegel zu schauen während man etwas neues erfährt.“ Darauf führte der bullige Workshopleiter eine erste Unterscheidung zwischen Migrantenkultur und unserer Kultur ein, die in allen weiteren Entfaltungen von Herausforderungen von tragender Wichtigkeit bleiben sollte. Bei Migranten in der 2. Generation in Deutschland fände man alle bei 100% für Tradition. An Traditionen wie dem Zuckerfest werde in der Fremde umso mehr festgehalten, dabei gehe es auch gar nicht vordergründig um den Islam sondern um das Zugehörigkeitserlebnis, meinte Sandikci. Bevor der variantenreiche Ideengeber für Kommunikationserleichterung zwischen verschiedenen Kulturen seinen Werkzeugkoffer öffnete, gab er eine Aufschlüsselung seiner ersten Unterscheidung.Die Werte und Erziehungsziele in islamisch geprägten Ländern seien verschieden zum westlichen Wertekatalog. An erster Stelle stehe da Gehorsamkeit, dann kämen Ehrenhaftigkeit und Zusammengehörigkeit und Leistungsorientierung.

Gewalt in der Erziehung bei muslimischen Familien

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In Deutschland erziehe man die Kinder eher zu Individualität, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung und Leistung, was den islamischen Werten nicht selten diametral widerspräche. Der Mann sei das Familienoberhaupt, er kümmere sich aber nicht um Themen wie Schule und medizinische Versorgung des Nachwuchses, dass seien Domänen der Frau. Der Mann trete bei der Erziehung erst auf den Plan, wenn der Nachwuchs aufmüpfig würde. Dabei werde eine Ohrfeige keinesfalls als Gewalt geächtet, sondern als legitimes Autoritätsmittel des Vaters angesehen, welcher immer Respekt verdiene. Auch die Frau erziehe mit Gewalt, es gebe sogar ein türkisches Sprichwort das sagt: „Wo die Mutter hinschlägt, da wachsen Rosen.“ Der Koran befürworte auch angemessene Gewalt bei der Erziehung. Weiterhin rühre es noch aus der vorislamischen landwirtschaftlich geprägten orientalischen Kultur, dass der Mann als kräftigerer Arbeiter vor den Frauen bevorzugt werde. Die Söhne lernten im Islam keinen Respekt vor Frauen zu haben, dass sei auch ein Problem bei Lehrerin für Flüchtlinge in Deutschland. Selbst die Übergriffe von nordafrikanischen Männerhorden auf Frauen in der Sylvesternacht in Köln, seien für die Männer normal gewesen. Dort sei es gang und gäbe, dass Frauen die leicht bekleidet nachts auf den Straßen seien, als Freiwild angegrapscht werden könnten. Die Grundlage zur Praxis der Verschleierung muslimischer Frauen, sei nicht der Islam, sondern das Alte Testament auf dem der Koran ja beruhe. Dort stehe, so Sandikci, dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht so auftreten sollten, dass sie zum Götzen für die Männer werden könnten. Das auch die Männer laut dieser Quelle ihre Haut nicht zeigen dürfen, werde in den von Männern beherrschten Gesellschaften nicht so eng genommen.

Stolpersteine in muslimischen Haushalten

Wenn man beispielsweise als Lehrer ein Gespräch in einem islamischen Elternhaus habe, tue man gut daran den üblicherweise angebotenen Tee und das Gebäck anzunehmen. Auch sei es hier üblich nach der Befindlichkeit der Anwesenden und deren Verwandten zu fragen. Schon zu Beginn auf deutsche Werte zu pochen sei ein No-Go, auch die Argumentation mit Vorurteilen aus deutscher Sicht. Vielmehr müsse man zeigen, dass man die muslimischen Werte kenne und schätze, das sei Bedingung dafür mit den eigenen Anliegen Gehör zu finden. Man solle tunlichst vermeiden die Ehre der Eltern durch zu frühes Ansprechen der Mängel ihrer Kinder, ohne vorige ausführliche Belobigung zu verletzen. In konservativen Familien solle man als Mann Frauen nicht die Hand geben. Nach islamischer Auffassung bietet der Händedruck bereits den ersten Anstoß zu einem möglichen Fremdgehen der Frau. Genauso solle man aber nicht hinter einem Tisch und umringt von Ordnern und Stempeln arabische Familien zu Gast haben. Diese Utensilien schafften eher Distanz als Vertrauen. Manchmal sei aber eine Freundschaft der Familien keine gute Voraussetzung um Einfluss auf die Migranten zu gewinnen. Allgemein hätten islamisch-orientalische Väter mehr Respekt vor Behörden als vor ehrenamtlichen Helfern. Sandikci hatte sich bewusst als Thema nicht die traditionell orientierte, sondern die traditionell-religiös orientierte Familie gewählt. In den Erfahrungsberichten der Teilnehmer zeigte sich oft, dass sich die Helfer gerne mit ihren Aufgaben übernehmen. So beispielsweise bei der Hilfe zweier Frauen für eine nierenkranke Elfjährige. Sandikci empfahl in solchen Situationen einfach einmal einen Schritt zurück zu machen und abzuwarten, was nach einer Zeit ohne Kontakt von der Familie selbst komme.

Wo sehen islamische Migranten die Stolpersteine für ihre Integration?

Sandikci, hat nach einem Freitagsgebet Migranten interviewt, was sie als die größten Probleme bei der Integration sehen. Migranten sagten ihm: Schweinefleischessen und Bier trinken führten zur Integration. Die Kultur, Praktiken, Tradition, Bräuche, Werte und Normen der Herkunftsländer seien ein Problem für die Integration. Kurz: Die Deutschen denken Integration, meinen aber Assimilation. Also die völlige Aufgabe ihrer alten Identität seitens der Migranten zu Gunsten der Identität des Aufnahmelandes. Hierbei bleibt Demokratie aber trotzdem meistens eine Sache der Deutschen, denn das deutsche Wahlrecht erlangen nur die allerwenigsten Migranten in Deutschland je. Die Identitätsbedürfnisse der Migranten seien Geld, gesicherter Aufenthalt, ein sinnvoller Alltag und Handlungs- und Bewegungsfreiheit, sie hätten die deutschen Probleme mit ihnen oft gar nicht auf dem Schirm. Der ehemalige Sicherheitsmann zeigte nun zur Bereicherung der Gesprächsführungskompetenzen der Teilnehmer noch einige Kniffe aus dem NLP. Beispielsweise wie man gewisse Gehirntätigkeiten, wie zum Beispiel eine Geschichte erfinden, an den Augen ablesen kann. Die Teilnehmer durften dann anhand von einer wahren und einer erfundenen Geschichte testen ob sie das Handwerkszeug anwenden konnten. Der Teilnehmer Wolf Nkole Helzle fasste die Früchte des Workshops prägnant zusammen: „Alle sind in ihrer Geprägtheit wie in einer Haut und es ist gut etwas über die andersartige Geprägtheit zu wissen.“

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Quelle: selbstSICHERschützen Gewaltprävention, Jugendarbeit und Beratung(Murat Sandikci)
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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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