Das Gold der großen Galerie

Im schönen Filstal umgeben von bewaldeten Hügeln liegt der kleine Ort Bad Ditzenbach. Heute ist hier wieder große Kunstnacht. Vor zwei Jahren scharten sich die Leute  hier noch schlotternd um die brennenden Tonnen ob zum Kunstgenuß oder nur um sich aufzuwärmen. Heute bietet sich am Spätnachmittag ein ganz anderes Bild. Die Menschen schwärmen wie Bienen, vom Parkplatz der Vinzenz Therme aus, von viel Sonne gewärmt, mit Fliederdüften in der Nase, zu den Austellungsorten aus. An der Zahl sind es 35 Austeller und 15 Stände mit kulinarischen  Genüssen von  Maultaschen bis zu arabischen Speisen. Vom Beginn um 17 Uhr bis 23 Uhr fährt ein schöner Olitmer-Bus die Orte der Kunst und Inspiration an.

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Auf dem Dorfplatz trafen sich Feuer und Wasser in Form von Feuerskulpturen von Oliver Sander und dem Dorfbrunnen. Über diesem exitentiellen Spiel thronte die Illumination der Hiltenburg die Werner Fuchs bewerkstelligte. Immer wieder gab es Trommelshows welche ganz neue Bewegungsspielräume in die offene Kirche transportierten. Kinder spielten und man konnte nachempfinden was Heraklit mit seinem Satz: “Die Weltspanne ist das Spiel eines Kindes” sagen wollte.

 

Als die laue Luft sich langsam mit mit dem Dunkel zu vermählen beginnt  begegnen  die Lilien des Ulmer Lilienfrieses wieder.(Siehe link im Anhang). Diesmal auf einen Bogenornament welches ein Jesuskreuz an der Straßenecke überkuppelt. Ein Strom von Geborgenheit lässt Leichtigkeit des Abends noch an Bedeutungsschwere gewinnen. Das spirituelle Aufgehoben-Sein hebt die Kunst auf transzendentes Niveau.  Ein erstes Indoor-Highlight bietet dann die Ausstellung von Martin Ramsauer  im Haus Vinzenz in der gleichnamigen Klinik. Die Bilder des Malermeisters aus Deggingen beschäftigen sich mit Energie, Transzendenz und Idee und bestechen durch ihre Klarheit und einfache Inspirationskraft. Das Bild “Lichtfänger” könnte man mit der Stimmung in Bad Ditzenbach im Ausnahmezustand heute abend in Verbindung bringen.

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Wie eine nach oben ausgerichtete Mondsichel, welche die unbändige Kraft des Zentralgestirns reflektiert und für uns fassbar und er-tragbar macht, so kann man die Kunst an sich sehen.

Zu dieser aufgeladenen Atmosphäre in der die Menschen wie Lichtströme bei jeder Station mit neuen Farben, Formen und Gedankenstoffen angereichert wurden fühlte man sich frei von den Foltern und Rädern des Alltags. Es zogen Musiker durch die Straßen welche das Pittoreske der Szenerie noch beispielsweise mit den pentatonisch kosmischen Klängen der Handpan,  befruchtet durch Gitarrenmelodien durchwoben. Immer wieder passierte es das einem verinnerliche Formen erschienen, die durch einen künstlerischen Schliff, ganz verwandelt da standen. So wie die buddhistische Form von der Sonne im Halbmond bei Ramsauer und in Kunstwerken anderer Künstler. Manchmal entkrampfte sich das Gehirn durch die Anders-Ansicht von Künstlern oder anderer Betrachter. Manchmal spendete die eigene öffentlich verschwiegene und dafür  innigst ausgestrahlte Warte ein vertieftes, manchmal in sich treffenden Blicken, sich entladendes Glück. In dieser Exaltation dachte man an die Jesusworte “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben” und dieses Ich bin….ganz Ohr, ….ganz Farbe, …..ganz Liebelei schien,wie die Mär vom neuen König  durch die zauberhaften Gassen zu hallen. Vielleicht war dieser Gutmensch aus Nazareth einfach nur einer der durch seine Konsequenz einen Weg bereitet hat, denn wir heute alle gehen können und die Muse der Kunst macht ihn uns als unbelastete Komplizin sehen.

 

Engelchen und Teufelchen

Auf der Hauptstraße so hatte ein Bekannter geraten, sei eine Austellung von Comics die Gedankenanstöße geben wollten. Im Laden ihrer Mutter stand nun Tatjana Köhler neben einem mannsgroßen Modell einer Schlüsselblume. In einer an den unschuldigen Seelenkern appelierenden Weise, sprach sie nun darüber, dass sie möchte, das die Leute die Schönheit ihrer Wiesen wieder zu sehen lernten. Dazu hat sie auch einen Comic gezeichnet der in der Art von “Als die Tiere den Wald verließen” dem Schicksal der Wiesenblumen nachspürt, die bezeichnender Weise, nach ihrer Diaspora in einen Menschengarten, zu Feen verwandelt werden. “Tatjana ist das Engelchen, ich bin das Teufelchen” meint ihr kesser Ausstellungspartner Christian Friedrich Feibusch frech. Ein wahrer Philosophenname und wie der rasende Sokrates, kommt der Gestalter und Designer im Handwerk auch daher. Er zeigt auf sein gelb-braunes Bild mit einem Pac-Man darauf; darunter steht “Stop Capitalism.”Er hat ebenfalls einen Comic gezeichnet, in “Antartica” zeichnet er im Jahre 2040 das Bild einer postapokalyptischen Zivilisation die durch Raubbau an der Erde, Klimawandel und Krieg gezwungen ist die ganze Arbeitskraft der Menschen unter die industriellen Energiegewinnung zu versklaven. Seine drohende These: “Das Erdöl welches wir der Erde gerade entziehen ist wie ein Schutzschirm nach Innen vor den heißen Energieschichten im Erdinneren, der eigentliche Klimawandel kommt daher”, ich solle einmal darüber nachdenken meint der kesse Herr mit der Baskenmütze und verlässt die “Bühne”.

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Microplastic 2 Go von Christian Friedrich Feibusch eine künstlerische Sichtbarmachung des gefährlichen Wesens der Technik

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Martin Ramsauer Transzendenz

Nach den seelischen Inspirationen und den dunklen Szenarien fragte ich mich ob Ramsauer bei der Farbe für das Jesus-Portrait “Transzendenz” von dem Kreuz mit denen schwarz-weißen Lilien inspiriert war. Jetzt war es schon kurz vor Mitternacht nur die beiden Jungs von “Remain a mystery” spielten noch immer auf dem Dorfplatz, während der Feuerhüter Oliver Sanders, seine Holzskulpturen löschte. Ganz zufrieden und schwer vom “Gold” der gemachten Erfahrungen und Kontakte ging es wieder Richtung Parkplatz. Wie hatte Verena Menzel gesagt, ich male seit Oktober 2014 jeden Abend vor dem Ins Bett gehen ein Bild. Und dieses Bild malte ich mir jetzt zu den Klängen von Gitarre und Hand Pan in meinem Geiste. Auch das ich danach noch im Kuppelzelt der Haudegen aus Geislingen zum Tanz angeregt wurde passte zu diesem überfließdenden Rahmen. Diesen sich selbst übersteigenden Rahmen  kommt das Werk “Aufwärts” von Martin Ramsauer am nächsten. Rede aufrecht und geradeaus,denn wer zum Gold will muss mit dem Gold beginnen, dachte ich nachdem ich von einer beflirteten Frau verlassen wurde.

Weiterführende Links:   http://www.martin-ramsauer.de

zum Artikel über eine gnostische Perspektive auf den Ulmer Lilienfries:

https://derweiserabe.wordpress.com/2018/04/28/der-ulmer-lilienfries-zeichen-einer-besonderen-zeit/

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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