Religionsformen: Das Freitagsgebet in der türkischen Moschee

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Junus Can, der Imam des türkischen Moscheeverbandes DITIB in Gerhausen auf seiner Kanzel im Gebetsraum. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter

Nachdem ich mit einem deutschen Missionar gesprochen habe, der mir Nahe gebracht hatte, dass der Weg Jesu einerseits intolerant und andererseits von Feindesliebe geprägt sei, mache ich an der Moschee in Gerhausen halt. Ohne Anmeldung gehe ich hinein, da ist ein Raum mit Tischen, einem Kebab-Backofen und einem Getränke- sowie einem Kaffeeautomaten. An der Wand hängt eine große Karte der Türkei auf der die einzelnen Provinzen des europäisch-asiatischen Landes eingezeichnet sind. Ich fragte einen Mann ob er mir weiter helfen könne, er sagt er könne nur Englisch. Dann kommt ein Mann mit langem Bart hinzu, dem ich mein Anliegen schildere, eine Gottesdienstform im Islam kennenlernen zu wollen. Er führt mich zum Imam, der wiederum kein Deutsch spricht. Die Imame werden in der Türkei ausgebildet, so der Mann, von dem sich später herausstellt, dass er auch Türke ist und früher in Neu-Ulm gelebt hat. Für die Ausbildung und Bezahlung der Imame ist die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion(DITIB) verantwortlich, auf ihre Moscheen wurden in letzter Zeit einige Anschläge verübt.Jetzt kommt der Imam, fordert mich an der Treppe zur eigentlichen Moschee auf, es ihm gleich zu tun und die Schuhe auszuziehen und geht mit mir und den anderen in den Gebetsraum der Männer.

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Der Gebetsraum der Männer: rechts die Kanzel und daneben die Mihrab. In dieser Nische wendet sich der Imam Gott zu. Der Stamm des dritten arabischen  Buchstaben von Mihrab ist charb=kämpfen. Wissenschaftler deuten die Wortbedeutung als Kampfplatz der Seele gegen die niederen Triebe im Rahmen der Anstrengung auf dem Weg Gottes(dschihad)

“Zwischen den Religionen gibt es keine Probleme, nur in der Politik”

Dann übersetzt der Mann mit dem langen Bart die Begrüßung des Imam, er heiße Junus Can und stamme aus einer Stadt in einer Provinz nahe Diyarbakir in der Türkei. Für Frauen gibt es einen eigenen Gebetsraum, wenn sie aber mit den Männern beten, so müssen sie einen Schritt hinter den Männern beten. Die Männer wiederum sitzen aus Ehrerbietung einen Schritt hinter dem Imam. Als ich den Imam auf die angeblichen Spione der Türkei aus den Reihen der Imame des DITIB anspreche, winkt er nach der Übersetzung ab. Es gebe zwischen den Religionen keine Probleme nur in der Politik, meint der freundliche Mann. Jesus sei ein wichtiger Prophet im Islam genauso Mose und Abraham,.Auf die türkische Fahne im Gebetsraum der Frauen angesprochen meint der Mann mit dem langen Bart: Das sei normal, habe mit Politik nichts zu tun. In bosnischen Moscheen, hänge eben die bosnische Fahne. Dass springt er doch auf die Fahne an. „Das Rot in der Fahne steht für das Blut welches die Türken für ihr Land vergossen hätten und der Halbmond ist das Symbol des Koran“, meint er stolz.

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Der Iman wirft sich im Mihrab

Eine der fünf Säulen des Islam, also der zu erfüllenden Gebote um sich Moslem nennen zu dürfen, ist das fünfmalige Gebet gen Mekka. Dazu zeigt er mir die digitale Monduhr, auf der die fünf Zeiträume zum Gebet Morgens(türkisch: Imsak) in der Zeitspanne zwischen dem ersten Morgenlicht und dem Sonnenaufgang bis Abends zwischen Dunkelheit und Mitternacht angezeigt werden. In Mekka sei die Kaaba, das Zentralheiligtum des Islam, und die habe Abraham der Urvater der drei monotheistischen Religionen gebaut und Mohammad sei ein Nachfahre Abrahams. Im islamischen Gebet stelle man sich Gott rechts und Mohammad links vor.

Das Freitagsgebet

Anders wie der Sabbath, an dem der Moslem ruht, ist der Freitag für Muslime ein Tag der besonderen Hingabe an Gott. Eigentlich gelten alle Gedanken, Gefühle und Handlungen, die Gott gewidmet sind im Islam als Gottesdienst. Doch werden die meisten Gebete unter der Woche ohne Anwesenheit des Imams von den Gläubigen selbst durchgeführt.Das Freitagsgebet hingegen, ist eine Form in der der Imam eine religiöse Ansprache hält und an der man gut die einzelnen rituellen Orte und Praktiken aufzeigen kann.Freitags wird das Mittagsgebet(türkisch: Ögle) um etwas 13.30 Uhr durch das Freitagsgebet in der Moschee ersetzt. Hier in Gerhausen gibt es kein Minarett, dies ist aber der normale Ort an dem das Freitagsgebet durch den Muezzin(den Helfer des Imam) eröffnet wird. Er ruft, so dass es alle Gläubigen hören, viermal hintereinander „Allahhü ekber“ aus. Dann steht der Imam zu Beginn in der Mihrab, einer Nische im Raum, durch die die absolute Hinwendung zu Allah und die Gottesdienstrichtung nach Osten gen Mekka und der dortigen Kaaba angezeigt werden, und verrichtet seine Gebete. Der Koran gilt im Islam als fundamental mit der arabischen Sprache verbunden, er könne nicht übersetzt werden. Der Mann mit dem bayrischen Akzent gibt zu er könne arabisch nur lesen und rezitieren, lesen und verstehen könne er aber nicht. Die Huldigung Gottes durch Imam und Gemeinde findet dabei ihren äußeren Ausdruck in Stehen, Beugen und Niederwerfen des Körpers und Gebetsgesängen.

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Der Imam auf der Minbar

Dann hält der Imam auf dem Waas Kürsi, einer Art Kanzel seine erste Predigt zu den Glaubensartikeln. Neben dem Mihrab, steht der Minbar(ausgesprochen Mimbar) dort wird die zweite Predigt(Chutba) gehalten. Bei den Gebeten danach gibt es die Aufteilung in Sunnatgebete und Pflichtgebete. Die Sunnatgebete beziehen sich auf das Vorbild des Lebens des Propheten(Sunna).Der Imam betont, dass es im islamischen Gottesdienst keine Heiligen-, Statuen- und Bilderverehrung gebe, so werde auch nicht zu Mohammad gebetet, sondern nur zu Gott.Es werden nach der Predigt vier Sunnat- und vier Pflichtgebete von der ganzen Gemeinde verrichtet. Nun ruft der Muezzin auch ohne Minarett von seinem Platz erneut zum Gebet, er ist außerdem für die kunstvolle gesangliche Rezitation des Koran zuständig. Farz heißt auf türkisch Pflicht und beinhaltet Gebete in denen Gott um die Kraft gebeten wird um die Gebote, wie Das Tötungsverbot von Menschen oder das Verbot Alkohol zu trinken, einhalten zu können. Der bärtige Mann nennt den Imam Junus Hodscha, er weiß aber nicht wo das her kommt. Der Imam klärt uns auf Hodscha sei das persische Wort für Imam. Nach den Erklärungen gibt es Datteln und Kaffee, die Leute sind sehr freundlich und zuvorkommend, vielleicht weil sie jede Handlung auch nach dem Gottesdienst auch als Teil des Gottesdienstes sehen.

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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