Kabarett: Jess Jochimsen Warum denken wenn man auch schunkeln kann?

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Songs mit Ziehharmonika, Gitarre und immer wieder “die Ode an die Freude” mit dem kleinen Metallophon lockerten das Programm des Freiburger Kneipenliebhabers auf

Mit seiner freiburger Freundlichkeit fragte Jess Jochimsen sein Publikum im Rössle in Laichingen  beim Essen ob er sie schon stören dürfe. Dann machte er ein Kompliment an die Schwaben. In Blaubeuren habe er einmal in einem Hotel mit Sauna gewohnt, als er diese nutzen wollte, hieß es die Sauna sei wegen einer Goldenen Hochzeit besetzt, seither wisse er das die Schwaben feiern könnten. Dem zum Trotz frage er sich trotzdem warum in den Nachrichten immer von syrischen Islamisten oder Deutsch-Türken die Rede sei nie aber von unterfränkischen Protestanten mit österreichischem Migrationshintergrund. Seine Liebe zu goldenen Worten zog sich durch das ganze Programm. Hatte er aber 2015 an gleicher Stelle noch gesungen”manche Dinge hät ich gerne nicht gewusst”, sagte er heute “Ich bring dann mal den Müll hoch.” Dabei heißt sein Programm doch “Heute wegen Gestern geschlossen.” Und ein anderer goldener Satz in Richtung “Dicht machen!” war: “Es ist Glück mit Menschen mit denen man nichts zu tun haben will auch tatsächlich nichts zu tun zu haben”.Wenn man Jochimsen festnageln möchte, dann verfehlt man das Thema und damit den Spaß. Er ist jemand der gerne mit den Worten spielt und sich nur auf recht allgemeinen Plätzen fest macht.So beendet er die komische und teilweise entlarvende Gratwanderung zwischen Müll hochbringen und postpolitischem Hedonismus bei dem es nur noch um die Sexualfantasien der Selbstmordattentäter geht mit einer Perspektive. Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann muss morgen wegen heute geöffnet sein.

 

Zuviel Kultur, zuviel Fußball zuviel Sonntagskrimi

Der anachistisch angehauchte Kabarettist fragte provozierende ins Publikum “Ohne Regierung ist es doch ganz gut gelaufen?” Trotzdem gäbe es ihm zu viel Kultur, zu viel Fussball und zu viel Fernsehen.Kultur sei schon etwas ausgefeiltes für alle Übergriffe habe sie Institutionen geschaffen: Fußballstadien, Krimis und Schützenfeste nur gegen die Taten in Köln an Silvester sei kein Kraut gewachsen. Der linkskonservative Philosoph Peter Sloterdijk habe daraufhin im Cicero, einem der neuen konservativen Hochglanzpolitblätter geschrieben: “Wir schaffen das nicht.”Und weiter das die Flüchtlinge uns fluten würden. Dann rechnete Jochimsen vor, wir haben 1 Million Flüchtlinge bekommen, hier im Rössle sind etwa 80 Leute, dann wäre eine Person etwa die Flüchtlingswelle, wie solle die nun den Saal fluten?Fussballspiele seien schon wegen Anschlägen abgesagt worden, Schlagersendungen allerdings nicht. Und dann kam die wohl etwas falsch adressierte Frage: Was wenn die Recht haben und “Herzilein, du musst nicht traurig sein”, die wahre Antwort auf alle drängenden Fragen sei. “Warum denken wenn man auch schunklen kann”?DSC00660

Katharsis: Runter zum niedrigen Denken

Jetzt gebe es ja das Wort Bio-Deutsche, er warte jetzt nur noch auf die Einsetzung eines Heimatministers für Inneres und Sport. Das man in der Schule gelehrt bekomme, dass man nur die 3.Strophe der Nationalhymne singe sei eine Einladung für höchstes Interesse für die anderen Strophen, er habe damals seinen Opa gefragt, die Jugendlichen fragten Google. Seine Witz Biathlon sei ein deutscher Sport, erst schießen und dann wegrennen, traf möglicherweise ins Herz der markigen Mitläufers. Bush sei schon mies gewesen, aber heute sei “das niedrige Denken ganz bei sich angekommen.” Es nur von oben herab anzuschauen reiche nicht, er forderte das Publikum auf da runter zu gehen. Bei seiner ersten Frage begann schon das Problem. Als er fragte wer sich kritischer und intellektueller fühle wie die anderen, meldete sich keiner. Ich war gerade beim Mitschreiben. Dann ging er eben alleine runter, denn auch beim Nachspielen des Wahlverhaltens bei der Bundestagswahl machte keiner mit. Mit einem schweizer Militäthistoriker als Gewährsmann dekonstruierte er nun die Rede von den feigen Selbstmordattentätern. Attentäter seien vieles, aber alles andere als feige, Drohnenangriffe seien feige. Der Schweizer argumentierte weit über den Raum des öffentlich ungeschoren Sagbaren hinaus, wir bräuchten selber Selbsmordattentäter. Die Gratwanderung gerade noch vor dem Absturz rettend lenkte Jochimsen das Thema ins unpolitisch Sarkastische um. Man hätte zumindest genügend depressive Menschen, die Selbstmordraten in Deutschland seien wesentlich höher als in Syrien.

 

 

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 Ein gutes Auge und Sinn für das Skurile im Alltag bewiesen die selbstgemachten Bilder Jess Jochimsens Bild: Sammlung Jess Jochimson

Wider die Herrschaft der alten Männer:

 

Um dem niedrigen Denken näher zu kommen müsse man den überheblichen Altmännerhumor hinter sich lassen. Diese Aufforderung beantwortete er mit einem melancholischen Lied auf der Gitarre. Hier ging es um zwei Brüder, die zusammen eine Frau hatten. Eine Absage an die Männerherrschaft.Auf die 13 % der AFD bei der Bundestagswahl zur Sprache kommend, erinnerte er sich an seinen Geschichtslehrer der ihm etwas über die Weimarer Republik gesagt hatte, was er erst jetzt verstanden habe. “Die Weimarer-Republik ist nicht gescheitert, weil sie zu viele Feinde hatte, sondern weil sie zu wenige Freunde hatte.”Sätze wie: “Ich bin kein Rassist aber…” brächten ihn zur Weißglut, es sei als wenn man im Wald einen Mann treffe, der einen Stelle und sage: “Ich bin kein Triebtäter aber…”Die deutschen seien ein Volk von Romantikern, dass sehe er an den Liebesschlössern, welche seit einiger Zeit, die Namen der Partner eingraviert, an Brücken hängen. Ein Statiker würde sagen: “Die Belastungsgrenze ist erreicht.” Er sei aber überzeugt, der Islam gehöre erst zu Deutschland wenn auch Muslime solche Schlösser an den Brücken anbringen, wenn auch für jede Frau eines, lachte er.Ein ehrbarer Professor aus Freiburg habe jetzt auch ein Problem mit dem niedrigen Denken, seine 18 jährige Tochter sei jetzt mit Hassan Abdi einem somalischen Muslim zusammen. Als er sie gefragt hat was gegen Michael spricht, sagte sie es ihm unverblümt: “Papa, der vögelt einfach besser.” Erneut erinnerte Jochimsen “die alten Männer sind unser Problem. Es gibt auch Frauen die alte Männer sind, die wollens wie es früher war. Angst vor Veränderung macht uns zu alten Männern. Alte Männer sagen: “Zukunft, dass ist so wie heute nur mit Rente.” In seinem Russland-Lied in dem leider er ähnlich aktuell wie schon 2015 das massenmedial vermittelte Zerrbild Russlands zwischen nackt jagendem Putin und farbigem Gorbatschow darstellte exerzierte er vor, was er zum Ende hin vorschlug. Die 87% die nicht die AFD wählen, sollten nicht aufhören Fragen zu stellen und dem alten Mann empfohl er sich auszuruhen, ein Fest zu feiern und mal wieder was zu träumen. Das konnten die fast ausschließlich Deutschen Gäste in dem Volkslied “Guten Abend und gute Nacht” lediglich gestört durch eine äufklärerische Frage an Gott. Warum denken wenn man auch schunkeln kann? Weil man so den Ruhetag verstehen kann, denn: Heute war wegen Gestern geschlossen.Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann kann morgen wegen heute wieder geöffnet sein.

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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