Gottesdienstformen: Osternachtsgottesdienst in der Klosterkirche zu Blaubeuren

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Es ist 4.55 Uhr, durch den Eingang des Klosters in Blaubeuren bin ich dessen Kreuzgang gelangt, neben mir tut sich ein düsterer Eingang auf, nach hundert Metern ein weiter, wo muss ich hin? Ich folge einem Mann, plötzlich biegt dieser in den nächsten dunklen Eingang ein. Ich höre denn starken Hall des Raumes, nach und nach zeichnen sich Silhouetten von Menschen ab, die in aufwändig geschnitzten thronartigen Stühlen sitzen. Es ist kalt, und ich spüre die Kälte, als ich mich setze langsam meinen Körper durchsuchen. Während ich versuche rauszufinden, wo die roten Decken sind, die meine Gegenüber sich um den Unterleib gewickelt haben hebt eine Stimme an, deren Licht es etwas heller macht :

“Wir kommen aus der Nacht. Es ist die Nacht, in der Jesus verraten wurde, gefangen genommen, verhöhnt, gefoltert, verspottet. Es ist die Finsternis, die hereinbrach in der Todesstunde Jesu, als er am Kreuz hing und schrie: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Als ich merke, dass es keine freien Decken mehr gibt entscheide ich mich meine Jacke auszuziehen um wenigstens einen warmen Hintern zu haben. ” Es ist die Nacht der Verzweiflung.Frauen und Männer, die Jesus nahestanden, mussten ihn zu Grabe tragen.Es ist die Nacht, in der alle Hoffnungen begraben sind, lähmendes Entsetzen sich breit macht. Es ist die Dunkelheit, in der uns das Angesicht Gottes verhüllt erscheint. Und niemand ist da, der uns tröstet.Es ist die Nacht, die uns den Lebensmut nimmt, die Nacht in der wir gewahr werden, dass wir sterben müssen.”

Dann kehrt wieder Stille ein. Obwohl das evangelische Jugendwerk und die Kantorei Blaubeuren die Liturgie seit 25 Jahren zelebrieren, spürt man keine Differenz zwischen dem uralten Klosterchorgestühl und dem Geist den die langsam entzündeten Lichter, die Texte und die kontemplativen “Besitzer” des Chorgestühls in die sich gemessen erhellende Dunkelheit verströmen.Nun beginnt die “Lichtfeier” die selbe Männerstimme erinnert nun an die erste Schöpfung auftsteigend aus dem “Dunkel des Grabes.”

Dann zitiert eine Frauenstimme die ersten Worte der Bibel, den Schöpfungsbericht aus 1.Mose 1. Der Schlüsselsatz nach der Beschreibung der schier unerträglichen Gottesferne durch die männliche Stimme war: “Und Gott sprach es werde Licht.” Nach dem Gott Finsternis von Licht geschieden hatte, sangen die mit einen Textblatt versorgten Beigwohnenden das den Herrn heiligende “Kyrie Eleison”. Nach abermaliger Stille verlaß eine Frauenstimme nun das Gebet eines zwischen Finsternis und Licht befindlichen, nämlich des Kirchenvaters Augustinus. Seine inniges Gebet an die Wahrheit kulminierte einem Beschluss und einer Bitte: “Nicht ich will mein Leben sein; böse habe ich gelebt aus mir und bin mir selbst zum Tode geworden.Nun aber lebe ich auf in dir. Sprich zu mir, rede du zu mir.” Nach dieser Entscheidung schien das Mysterion des Osterlichtes schon etwas stärker in den kalten alten hohen Saal.

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“Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages.

Die Mitte der Not ist der Anfang des Lichtes.”

So verlautete es in den ersten Versen in  hoffnungsfroher Kongruenz mit der äußeren Situation.

“Dies ist die Nacht in der Christus von den Toten erstand.

In dieser Nacht wandte er unser Geschick.”

So stellten die letzten Verse die weltheilsgeschichtliche Dimension dieser Geistgesetzlichkeit verbunden mit dem Licht Jesu Christi heraus.

Auf diese vom demütigen Menschen im Hier und Heute ausagierte Wende der Weltgeschichte folgte ein österlicher Lobgesang.

In der ausgeklügelten Liturgie wurde nun durch die Lesung im zweiten Mose, die Verbindung zwischen dem Volk Israel und seiner Befreiung aus der Gefangenschaft der Ägypter, welche die Israeliten mit dem Passah-Fest feierten mit der Erlösung durch Jesu Selbstopfer, gefeiert durch das Abendmahl angedeutet.

Mit dem  historischen Dokument, dem gemeinsamen Gesang von “Laudate omnes gentes”, den Osterlichtern und dem enthusiastischen Lobpreis des Psalmes 30 waren der geistige, der seelische und der körperliche Boden für die Osterbotschaft gelegt.DSC00415

Glanzvoll erhob sich nun Gebet und Lied für den Auferstandenen. “Dein neues Leben, Christ strahle über uns wie die Sonne am Morgen.(…)Mach die Finsternis unserer Herzen hell! Schaffe uns zu deinem Ebenbild! In deinem Licht sehen wir das Licht! Amen.”

Auf diese Huldigung folgte nun der die biblische Erzählung vom Emmausgang(Luk 24, 25-35), auf dem seine Jünger den auferstandenen Jesus zunächst nicht erkannten und Jesus erst durch das Brechen des Brotes am nächsten Tag durch seine Jünger erkannt wurde. Im Kapitesaal, wo einst die Benediktinermönche sich mit einem Kapitel aus ihrer Ordensregel beginnend versammelten fand man sich zum singenden Pilgerschritt. Jeder fasste den Vordermann an der rechten Schulter und dann erfuhr man rhythmische Gemeinschaft im Takt von drei Schritt vor und einen zurück.

Um ein  Kreuz aus lichtern herum saß man nun, noch immer nicht an die Kälte gewohnt und hörte den wundervollen alles nocheinmal rekapitulierenden Segen eines unvergesslichen Ostermorgenrituals:

Der Gott der Hoffnung erfülle uns mit Freude und Frieden,

die Liebe des Gekreuzigten,

die Macht des Auferstandenen

und die Gegenwart des lebendigen Herren

sei mit uns allezeit

Amen

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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