Gottesdienstformen: Karfreitag Sich nicht zufrieden geben mit der Welt wie sie ist

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Der Altar in der evangelischen Kirche in Ennabeuren. Darübergehängt ist das Parament zum Karfreitag. Paramente sind meist aufwendig gestaltete Textilien, welche die verschiedenen Phasen im Kirchenjahr symbolisch darstellen.

 

 

Im Gottesdienst am Karfreitag in der Kosmas und Damian Kirche in Ennabeuren waren viele Teilnehmer schwarz gekleidet. Nach der Eröffnung des Osterwochenendes am Gründonnerstag, steht auch am Karfreitag, kar kommt vom altdeutschen Wort für Trauer, das Gedenken an Jesu Leidensweg zentral. Ein weißes Kreuz überlagert von einem weißen Kelch vor dem Hintergrund stehen auf dem Parament, welches über die Kanzel gehängt ist. Das erste Lied das an die Kirchenwand projiziert wird heißt „Herr stärke uns dein Leiden zu bedenken.“ Und zum ersten Mal in der Passionswoche ließt Pfarrer Knöppler aus der Stelle beim Evangelisten Johannes über die Kreuzigung Jesu. Der Verrat und die Verurteilung Jesu und auch sein Kreuzesleid, bekommen für denjenigen der glaubt, mit dem berühmten Ausruf Jesu „Es ist vollbracht“ eine ganz neue Dimension. Jesu lässt mit seinem Einwilligen in den Willen Gottes am Kreuz den alten Bund, der das Passah-Fest feierte und einen Hohepriester als Mittlerzwischen Gott und Mensch brauchte hinter sich. Im Mittelalter hätten die Heiligen die Rolle des Mittlers gehabt, so Knöppler, da die Katholiken an eine Erlösung durch Werke glaubten.Wie in der Welt ein Sondergesandter der UNO geschickt werde um zwischen „verfeindeten Volksgruppen“ zu schlichten, so sei Jesu in die vergiftete und sündige Welt gekommen um mit seinem Tod und seiner Auferstehung eine lebendige Brücke zwischen Gott und Welt zu bauen. Durch Jesu Opfer sei aber die Bindung an die Sünde, also die Gottesferne aufgelöst worden und zugleich die „Bindung zu Gott“ neu geknüpft.Es gäbe da einige Missverständnisse, so Knöppler: zum Beispiel, „dass Gott erst Blut sehen müsse um vergeben zu können oder, dass Jesus ein Menschenopfer Gottes sei. Dies sei falsch, gerade von dem Menschensohn gab es eine freie Entscheidung zum Opfer aus Liebe zu den Menschen. Er bat einerseits in innerer Anfechtung in Gethsemane vergeblich um die Hilfe seiner Jünger. Und bittete als leidender Mensch wieder und wieder seinen himmlischen Vater den Kelch der Marterung zum Tode doch an ihm vorbeigehen zu lassen. Doch sein göttlicher Anteil überwand seinen menschlichen Unwillen, so das er im Anschluss an seine Bitte sagte: „…doch nicht wie ich will, sondern wie du willst“(Matthäus 26,39).

Mehr als eine Gedächtnisfeier für einen längst Verstorbenen

Jesus Holz

Der Tod Jesu sei mehr als das „bedauerliche Ende eines guten Menschen“, er tilge die Sünde. Es sei aber zugegebener Maßen eine große Aufgabe daran zu glauben, dass Jesus auferweckt wurde und wiederkomme, so wie die Gemeinde im “Nizänischen Glaubensbekenntnis” zuvor bekannt hatte. Doch nicht die eigenen „berauschenden Geistesgaben“ machten die Lebendigkeit des Glaubens aus, so betonte der Pfarrer, sondern gerade das Warten und Hoffen. Schon im Hebräerbrief, der den alten und neuen Bund beschreibt, also hundert Jahre nach Christi Tod, sei es den Christen schwer gefallen noch an die Wiederkunft Jesu zu glauben, wie schwer sei das nun 2000 Jahre danach, fragte sich der Pfarrer. Ein Evangelium so meinte er aber mahnend, dass nur auf „unser Wohlgefühl“ aus sei „täusche“ und „enttäusche“ uns. Das Evangelium mit dem „Mittler Jesus Christus“ im Zentrum weise uns den Weg zu Gott. Ein Christ gebe sich nicht zufrieden mit der Welt wie sie ist, insistierte Knöppler. Weil Christus gekreuzigt und auferstanden sei und wiederkomme, könnten wir „fröhlich leben“ und „getrost sterben.“ Zum Abschluss dieses eindrücklichen Karfreitagsgottesdienstes an dem auch Brot und Wein geteilt wurden sang die Gemeinde: „Wir danken dir Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist.

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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