La Brass Banda an der Autobahn

Merklingen zappelt unter bayuvarischem Brassbandlerbumms

 

Es ist Acht Uhr Abends, das sonst eher wegen der vielen Schuttlaster auf seinen Straßenauffällige Merklingen hat sich am Ortsausgang nach Scharenstetten wochenends einen schmucken Festplatz erbaut. Genauer gesagt haben die Jungs und Mädels von der Kulturgemeinschaft Merklingen, mit dem Partywochenende, eröffnet durch die

weltmännischen Blasmusiker „La Brass Banda, 2017 einen großen Coup gelandet. Anders als damals bei der Gründung 2011 zum 1150 jährigen Jubiläum ihres Albdorfes, als sie mit ihrer Initiative für ein Ochsenrennen gescheitert sind. Willi der langhaarige und gepiercte Kulturschaffer erzählt, „2011 wurde ein Kaltblüterrennen draus und dieses Wochenende gibt es Freitags Volxmusik von Welt und samstags 90er Jahre vom virtuosen Beschallungskünstler“.

Gute Stimmung aus dem Outback

Im Hintergrund tönt es geschmeidig zu dem gütigen Sommerabend, und seinen pittoresk gezeichneten Schönwetterwolkenschäumen passend. Reaggaemäßig, die Vokals erinnern sanft und erotisierend an Patrice.La Brass Banda erfahren wir vermittels einer Recherche, die den Postbauernhaufen schon persönlicher werden lässt, sind seit Monaten in der ganzen Welt mit Caravana Sun  aus Australien unterwegs. Die Sonne scheint wie ein Mädchenlachen, welches in die Augen den langhaarigen Radio-Sängers fällt. Dem wiederum scheint Sol so oder so aus dem Arsch. Ein Fremdeln mit dem Getränkekartensystem bei der ersten Gaumennachfeuchtung, löst sich bei wenig Schlangen und viel fröhlichem Fluss in spritziges Wohlgefallen auf. Die Band,die wie die sieben Bayern barfuß auftritt zeigt, La Brass Banda sind nicht eine Ex-Rocker Cover-Band, die sich aus Verwertungszwang in die lukrativen Lederhosen zwängt, sondern die sieben, sind wenn auch keine Schwaben, so doch Zugpferde eines innovartiven(Vorsicht harte Wortschöpfung) Weltbühnen öffnenden Musikamalgams. Willi und seine Mannen, die das Gelände unter anderem mit einem US-Militär Trick Oldtimer ästhetisiert haben, hatten sich schon 2013 für die Bierzelttour bei den brassifizierten Speedbläsern mit viel Rhythmus- und Tanzbodenzentrifugalkraft beworben. Die Brass-Bande auf Welttournee mit ihrem aktuellen Album „Around the World“ hatten die genehmen Typen der Kulturgemeinschaft damals schon für ein Aufspiel erkoren und bedanken sich auch heute für das schöne Bierzelt.

Aber sicher: Ein guter Security kann tanzen

Ein paradiesvogelhaft aussehender Langhaardude erklärt mir sein in Türkis gehaltenes Gewand sei aus Sansibar, er habe aber weder Fernseher noch Internet und deshalb wolle er auch nicht in das technokratische Kontrollregime eingefilmt werden. Im Publikum wogt eine vielfarbige Mischung aus ansprechbaren Normalos, und knackigen bis erregenden Dirndel und Dialektvariationen des Süddeutschen, auch hier stechen türkise Posttraditionalkluften heraus, Stichwort Claudi. Tanja, eine Altbekannte, liefert nach dem brachial abgefeuerten Gassenhauer „Autobahn“ Hintergründe zum weltverkleinernden Charme unverständlicher onomatopoetischer bayrischer Klangfarbenmalerei. „Ich weiß nicht wie oft ich sie gesehen habe, demletzt war ich in Honululu, da waren sie auch und die Leute tanzten wie hier.“ Stefan der kongeniale Erfinder des bayuvarisch getönten Weltskat, der von Roskilde bis zum heimischen Chiemsee schon auf vielen noch größeren Veranstaltungen die Beine in die Lüfte trieb, hat einen mortsspaß und einen geilen eskalationsorientierten Humor. Die Security hier heißt Mozart. All-Ex der mir sofort was vorext, und erklärt er sei ein altvorderer Bierexer meint mit einem Rülpser in der Röhre. „Mozart, ein alter Meister, dass schafft vertrauen.“

Ein Funke Weltungleichförmigkeit?

Es ist wohl ein Funke Weltungleichförmigkeit der das körperwarme, nicht wie auf manchen Parties heiß-kalte Feuer hier entzündet und am Laufen hält. Denn auch Stefan, der moderiert, wie eine erste Trompete, stellt seinen hauseigenen Securitychef mit der Frage vor „Woran erkennt man „an richtig guaden Security?“. Als die sieben Buan für den Sicherheitschef aufspieln beantwortet der verschmitzte Glatzkopf die Frage tänzerisch performativ. Stefan kommentiert für die Blinden. „Daran das er tanzen kann.“ Tanzen tun auch die heidenheimer Muttis auf Auszeit Caren und Kathrin. Kathrins Lieblingssong der Band ist auch Autobahn, obwohl sie Queerflöte spielt und im Gespräch eine wortwitztge Frotzlerin abgiebt. Claudia, die große Rothaarige ist ein Inbild der Dirdlschönheit, am Schluss treffe ich noch Mareike, leider mit ihrem Freund Tim. Ihr, wie sich im Gespräch herausstellt, friesischer Blick elektrisierte mich vorher schon. Die beiden stellen sich wogenglättender Weise als Paar welches zur Mitfreude einläd heraus. Sie sind auf Bullytour, gestehen sich über Tinder kennengelernt zu haben und werden die Tage Tims Schwester besuchen. Mareike hat dem schönen Mann aus Lübeck, der mich an Caramelo Santa, einen argentinischen Stern am Skahimmel erinnert als er das Fanshirt der Band nach dem Konzert anzieht, die Karte zum Geburtstag geschenkt. Die beiden haben mich mit ihrem Bullystyle nach einer sehnsüchtigen Umleitung auf dem Nachhauseweg in die sontheimer Bauwägenwelt und einer nachfolgenden Dusche gemeinsam mit dem reichen Sternenhimmel zum Draußen schlafen animiert. Als ich nach einigem Ringen die samstägliche 90er Party im brassig vorgeheizten merklingerZelt zugunsten einer lieben Freundin aus der Goaszene sausen gelassen habe erinnert diese mich. „Je größer der Dachschaden, desto weiter der Blick auf den Sternenhimmel.“ Wir herzen uns und schauen verträumt in den weiten funkelnden Raum. So schön, das sie schwäbisch spricht. Ein Weltmensch halt, ein bisschen wie gestern die Brassbandler, urgeschmeidig.

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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