Dein bin ich

Nach dem orgiastischen Hagelschlag, sah man zunächst Margit Röcker in ihrem auf die österliche Tischdekoration abgestimmten Outfit in Ansicht der reichen Zahl an Gästen, des ökumenischen Altennachmittags, mit der hereinflutenden Sonne um die Wette strahlen. Doch der Tisch an dem traditionell die Mitgestalter des Mittags zusammensitzen, war zum anberaumten Beginn noch fast unbesetzt. Nur Monika und Manfred Hiller, die Ugandamissionare aus Laichingen, saßen ebenso fröhlich,wie Röcker anfangs, in ihren schönen afrikanischen Gewändern da. Diese Impression der Leere wurde von Röcker verschärfend bestätigt, in dem sie erklärte, der Bürgermeister und auch die ganze Dreizahl seiner Stellvertreter, seien heute verhindert. Mehr noch; der methodistische Pastor Philipp Züfle, der den Hauptvortrag der beiden, über ihre Zeit in Uganda, mit einer Andacht einläuten sollte war schon eine Viertelstunde überfällig, als Pfarrer Buck´s gealtert ausschauendem Kopf immer klarer wurde, dass auch dass Mikrofon heute nicht mehr in Stand zu setzen sei.

Als der Pastor, dann tiefenentspannt auftauchte, meinte er: Er wohne noch außerhalb, aber den Weg finde er schon gut. Wer die Stimmungkurve am Orga-Tisch erlebt hatte musste zumindest innerlich auf den Tisch hauen und konnte sich ein „Entlastungsgrinsen“ nicht verkneifen. Manfred Hiller hatte in der sonnigen Atmosphäre zuvor eine Geschichte über eine Konferenz in Afrika erzählt. Dort sei er schon ganz verwundert über die klaren Reihenfolgen und Zeitangaben auf dem Tagungspapiere gewesen. Zwei Stunden später, begann die Vorsitzende dann die dort aufgeführte Anfangszeit zu verlesen. „Es ist 13 Uhr“, leider war es real aber schon 15 Uhr. Nun war klar unter welchem Titel über diesen Altennachnittag berichtet werden musste: Afrikanische Verhältnisse!

Als ob Gott mit einem Zaunpfahl winkend sagen wurde: Leute über was ihr redet, dass müsst ihr hier selber erfahren, ging es auch weiter. Der junge Pastor stellte sich vor als Kind Badens. Aus dem Publikum hallte ein hartes: „Badenser“ wider. Passender Maßen führte der sportliche Pfarrer auf Probe in der Friedenskirche in seinem Steckbrief an, seine Zeit in Südafrika habe ihm vor Augen geführt, dass man Dinge auch ganz anders machen könne.Zum Thema „Wer bin ich“ verlas er dann eindrücklich das gleichnamige in der Nazigefangenschaft verfasste Gedicht von Dietrich Bonhoefer.

Dort verarbeitet Bonhoefer, seinen wohl schon damals vorhandenen Ruf als „evangelischer Heiliger“, der laut dem Gedicht als Gefangener wahrgenommen wurde „als hätte er zu gebieten.“

Züfle arbeitete die Seite des Märtyrers heraus, die angefochten ist und hinterfragt was andere ihm nachsagen. Auch diese Geschichte, bekam vor dem Hintergrund von Verspätung und Schmähruf eine unverhoffte Konkretionsstufe. Züfle endetet mit der Wiederholung der Antwort Bonhoefers auf die Frage seines Gedichts. „Wer bin ich, dein bin ich, oh Gott.“

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

Wie Züfle als erfolgreicher Judokämpfer, durch einen Bänderriss, wie er sagte „alles verlor was ihn ausmachte“, so hat das Ehepaar Hiller durch den Freundeskreis für Suchthilfe 2001 zu Gott gefunden. Monikas Vorbild war schon immer Mutter Theresa, berichtete sie und als sie ihren Mann 2006 fragte ob er mitkäme zu einer Missionstätigkeit in Mosambique, sagte er spontan ja. Bei der kurzen Mission, schwärmt Manfred hatten wir alles. Natur pur, ohne Stress. Und in Deutschland zurück fragten sie sich das erste mal, was sie jetzt wohl besser beantworten können: Was ist Leben? Denn Sie hatten ihren Sinn gefunden. Als Manfred 2010 mit 56 bei seiner Firma kündigte um wieder auf Mission zu gehen sagte seine Frau ja. Auf nach Uganda, die Kollegen schüttelten nur die Köpfe. Fünf Jahre später gingen sie zurück und arbeiten nun an dem Projekt Fredmon, das ugandischen Kindern durch Schulbildung und Deutschen Christen durch deren Unterstützung deutsch-afrikanische Verhältnisse beschert .

Advertisements

Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

One thought on “Dein bin ich”

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s