Pure Rhetorik?

Schwedentrunk oder katholische Lutherspiele?

Dass Luther für die katholischen Kirche bis heute ein gerichteter Ketzer ist ist eine Tatsache. Im Alten Rathaus in Laichingen bewegte die katholische Nachwuchstheologin Daniela Blum organisiert von der katholischen Kirchengemeinde Maria Königin die Frage was die beiden Konfessionen nun im Lutherjubiläum gemeinsam zu feiern hätten? Auf die Ausschlachtung Luthers zu Werbezwecken anspielend, unterstellte die Theologin, die unter anderem in Rom studiert hat, wichtig sei für die evangelische Kirche, sowieso nicht, was gefeiert wird, sondern, dass gefeiert werde. Zwei Ebenen hatte der intellektuelle Parforce-Ritt, die eine wollte die medialen Zusammenhänge zwischen deutschem Papst und der seit 2008 währenden, durch die Evangelische Landeskirche ausgerufenen, Luther-Dekade ausleuchten. Die andere wollte einen gebündelten Lichtstrahl auf Luthers entscheidende Phase von 1502 bis 1525 werfen, in der er noch Augustiner-Eremit, seine wichtigsten Erkenntnisse erlangte.

In der Deutung Blums ist die Luther-Dekade 2006 im direkten Anschluss an den von 1.1 Millionen Menschen zelebrierten Abschlussgottesdienst des deutschen Papstes beim Weltjugendtag in Köln konzipiert worden. Doch nicht genug der willentlichen Nutzung umstrittener Begebenheiten zu organisierten Machtzwecken.

Ihre markige Titelfrage: War Luther Katholik?, entlarvte sie nach dem Vortrag in gemütlicher Runde selber als Rhetorische Frage, denn zu Luthers Zeiten gab es noch keinen Ausdruck für die Spaltprodukte der einen Kirche Jesu Christi in zwei Teile.

Vatikan setzt Zeichen einer anderen Reformation mit Papstbesuch in Schweden

Bei der Erwägung ob die Reformationsfeiern für die Christenheit ein Lutherfest, eine säkulare Feier oder ein Christusfest aller seien, drängte die Theologin vor allem eine Frage: Kommt Papst Franziskus im Lutherjahr nach Deutschland? Zum evangelischen Kirchentag in Wittenberg und Berlin ist er nicht gekommen.

Für Blum sei die evangelische Kirche bestenfalls als „Transformation der katholischen Kirche“ und Luther als nationalistischer Angreifer der vormals unangreifbaren Macht Roms, also als Modernisierer zu sehen. Er habe schon zu seiner Zeit nichts Neues gesagt, nur habe er die neue Technologie des Buchdrucks intelligent genutzt und in Kombination mit der neuen Volkstümlichkeit habe er andere eher kirchentreue Stimmen der Erneuerung wie Erasmus von Rotterdam besiegt.

Papst Franziskus hat mit seiner Ankündigung im Oktober einer Reformationsfeier im schwedischen Lund, als erster Papst vorstehen zu wollen, den Lutheranern in

Wittenberg einen Dämpfer erteilt, so Blum. Ein Luther als Verursacher der Kirchenspaltung und als Fernzünder des 30-jährigen Krieges, sei weniger gut dem heutigen Publikum zu verkaufen als der lebensfroh schlemmende deutsche Familienvater, den liberale Lutheraner gerne im Reformationsjahr betonten. Auf die Frage ob nicht Franziskus und Luther gemeinsam sei, dass sie aus den lange dogmatisch verschlossenen Quellen der Mystik zu schöpfen vermochten, äußerte sich Blum ablehnend. „Die Mystik ist etwas das keinen Spaß macht.“

Luther habe in seiner ersten Schrift die Ordnungsregel der Trennung von geistlichem und weltlichem Stand in Frage gestellt. Luther habe viele Sympathisanten im konservativen Lager gehabt, weil er ein großer Exeget des Evangeliums war und das Bedürfnis, das Christentum mehr an der Schrift auszurichten groß gewesen sei. Durch seine Ablehnung durch die römische Kurie und seine Verketzerung 1523 hätten viele von ihm abgelassen. „Es lohnt sich Luther im Original zu lesen“, empfahl die Referentin nach deren gehaltvollem Vortrag die Frage was die Christenheit 2017 zu feiern habe offen geblieben war.Karl-Heinz Knupfer meinte während er Blum ein Handtuch aus der ausgestorbenen laichinger Leinwebertradition überreichte: „Von Luther lernen heißt geschlossene Lebensgemeinschaften zu hinterfragen.“

 

 

 

 

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Author: farounfirewater

Ich bin der singende tanzende Aufwind der neuen Welt

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