Schiffart

Ich bin dicht um auszulaufen

Bin offen um weiter zu wehn

Bin eine Stufe im Meer das die Wellen

sich an mir selbst erkennen im zerschellen

Und auch die Welle die mich hebt

weiß in mir schon das sie nicht überlebt

ich muss manchmal so tun als ob ich etwas wär

doch das Meer ist einfach so viel mehr

(Farounfirewater,26.03.19)

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Wellenherz

Zerbrochene Seele mit Leimspuren

Gebrochene Geilheit auf Schleimspuren

Freibaderlebnisrutsche im Businessanzug

Du fühlst dich schuldig als alter abgefahrener Zug

der leise auf die lebendigen Gleise lugt.

Wellenherz kennt keine Grenzen nur Frequenzen

kennt keine Zeiten, springt in die Fluten

die wässrigen Weiten…

Wellenherz schlägt frei und empfänglich

für schwungvolle Koinzidenz

Wellenherz im Lenz fliegt mit dem

Zitronenfalter der einzig und alleine das Spielfeld bekränzt
(Daniel Baz, 2018)

Ton, Steine, Scherben: Funken der Liebe im Ulmer Hemperium

Einen tollen Tag hatte sich das akustische Grundgerüst der kommunistische Kultband „Ton Steine Scherben“ ausgesucht; um an dessen Abend im Ulmer Hemperium zu gastieren. Denn am Mittag hatten in der Einstein-Stadt schätzungsweise 1800 Demonstranten sich im Regen mit einer globalen Menschengruppe gegen den menschengemachten Klimawandel, manchmal auch, gegen das menschengemachte Wirtschaftssystem des Kapitalismus auf Ulm´s Straßen lautstark zusammengeschlossen. Viel Ton und Farbe, aber keine Steine und Scherben sah man im gut gefüllten Hemperium durch die Lüfte fliegen. Wobei gleich zu Beginn des schon in der Endphase befindlichen Konzertes eine „Scherbe“ mehr auftauchte,als das legendäre Grundgerüst Kai Sichtermann(Bass seit 1970) und Funky K. Götzner(Schlagzeug seit 1974) und der neue Sänger Gymmick. Denn bei „der Traum ist aus“ schauten sich zwei „Scherben“ der Demo- Zeugen von einem vergangenen großen Ganzen- in die Augen und fügten sich im Herzen berührt zu neuem Glas, einer neuen Sichtweise zusammen.Als der Dritte im Bunde der akustischen Band Gymmick berührend rau ins Mikro sang „Der Traum ist aus, aber ich werde alles tun, dass er Wirklichkeit wird“,vertiefte sich diese kraftvolle ermutigende Situation noch. Und noch eine andere Scherbe blinzelte am Rande der temporären autonomen Zone des Scherben-Konzertes. Das hübsche Mädchen mit dem Minirock, welches mir demletzt im Zug begegnete, zwinkerte herrüber. Gymmick sehnsüchtelte während dessen mit Rio Reisers machtvollen Worten „gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand“, durchs Mikrofon.

Ton, Steine Scherben: Die Zukunft hat Vergangenheit

Das Hemperium war voll, die „Batterien“ wie es Funky an der Cajon, formulierte waren aufgeladen und die Menschen grölten, tanzten, sangen und lagen sich in den Armen. Die akustische Kleinform der Scherben ist während der musikalischen Schifffahrten auf der Spree in der Heimatstadt der Scherben, Berlin,entstanden. „Die Batterien laden sich zu dritt schneller auf und außerdem sind drei billiger als die große Band, meint Funky K. Götzner. Gymmick machte seinem Ruf als charismatischer Songpoet bei dem Gig alle Ehre. Martina heißt die Schöne, die ihrem Minirock treu geblieben ist und der nun erschallende „Rauchhaussong“ war im Jugendhaus in Finningen immer eines der meistgespielten Lieder, bestätigt auch ihre Freundin Kathy. Die war in Berlin auch im Bethanien, von dessen denkwürdiger Besetzung das Lied handelt. Heute findet sich darin unter anderem eine Joga- und eine Heilpraxtikerschule. Auch ungehörte Lieder und Raritäten wie die bisher unveröffentlichte Demoversion „Vage Sehnsucht“ von 1982 spielten die Musiker die gerade auf Tour sind.

Wir haben nichts zu verlieren außer unsre Angst

Auch hier vermochten die Volxmusiker der allerersten Stunde existentielle Stimmungen mit geraden Texten zu verbinden, die viele Menschen zu berühren zu vermögen. Wie die „Stimme aus der Ferne“ in dem Song, hat Rio Reiser ,als genialer Komponist und Frontmann, es stets vermocht gerade Texte zu schreiben und den radikalen Lebensliebhabern der Band Soundteppiche auf die Leiber zu zimmern, die dem menschlich Möglichen nach, Riegel und Zwänge aufspüren, ausdrücken und zu überwinden helfen. „Macht Kaputt was euch kaputt macht“, nach dessen erster Aufführung auf dem „Festival der Liebe“ auf Fehmarn 1970, die Bühne in Brand gesetzt wurde, hat auf analytischer Ebene nichts an seiner radikalen Durchlichtetheit verloren. Der Song „Keine Macht für Niemand“ jedoch wurde von der RAF 1972 als Soundtrack für den antiimperialistischen Kampf, wahrscheinlich wegen seiner visionären Warte, die bereits die Fronten der bipolaren Politik überwinden als „Blödsinn“ abgelehnt. Die Großzügigkeit der Band spürte ich indem mir „Funky“ ein signiertes Exemplar ihrer Doppel-CD „Radio für Millionen“ freudig in die Hand drückte.Auf dem jüngsten Werk der Scherben hört auf zwei CD´s, einerseits die berüchtigte Live-Rotzigkeit und andererseits die Klarheit und Wortgewalt der immer noch visionären Musik der Scherben. An diesem Abend treffen sich wieder der alte und der neue Zeitgeist, die Scherben so schillernd wie sie noch zu glänzen vermögen, haben zwar den Zeitgeist der 70 getroffen, haben sich aber nie mit ihm vermählt. Wie Scherben so sind, sind sie wohl glückliche Witwer geworden. 72 Konzerte hatten sie dieses Jahr bereits und die alten und neuen Scherben die auf die Konzerte kommen um sich zu neuen Verbindungen zu fügen erzählen Konzert für Konzert, Augenpaar für Augenpaar von der Liebe, deren Scherben und Funken vielleicht als einzige vermögen werden, die Menschheit zu retten, bevor der letzte Liter fossilen Brennstoffes verbraucht ist. “Ein gerader, visionärer Satz von Rio war, “Wir haben nichts zu verlieren, außer unsre Angst, das ist unsre Zukunft das ist unser Land”, heute ist die Zeit gekommen, Rio´s Vision umzusetzen”, ist Funky K. Götzner überzeugt. Der homosexuale Rio Reiser kannte das Gefühl der Einsamkeit, wie Einsamkeit in den isolierenden Formaten der neoliberalen Wirtschaftswelt entstehen und vielleicht überwunden werden kann ist das Thema der nächsten Artikelserie dieses Artikel-Archives.

Konzis:

23.03.19 Bortfeld, Sportheim

28.03.19 Hannover, Faust

30.03.19 Braunschweig, Das Kult

Links:

http://www.scherben.net

booking: Info@Ahuga.ch

kontakt Scherben akustisch: post@Scherben-akustisch.de

Gymmick Fb: http://www.facebook.com/tssgymmick

Klimaschutz: Man müsste es einfach machen

Circa 1800 Menschen bei Demo für mehr Umweltschutz in Ulm

Seit einigen Monaten demonstrierte das schwedische Mädchen Greta Thunberg für einen konsequenteren Klimaschutz. Auf dem Klimagipfel in Kattowitz eroberte sie mit einem dreiminütigen Impulsreferat die Herzen. Heute standen wieder hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt auf der Straße. Schüler, Eltern und Lehrer im Schulterschluss für die Zukunft. Und trotz strömendem Regen, den der isolierte Denker resignativ mit dem Klimawandel in Verbindung bringen konnte, rollten bei der Begegnung mit dem singenden und hüpfenden Strom der Regenschirme die Steine förmlich vom Herzen. Vor dem Rathaus, einem mit Tugendlehren verzierten Symbol der noch bis ins 14. Jahrhundert reichenden Rätedemokratie der Reichen, versammelten sich die rund 1800 meist jungen Menschen. Von der an Festivals erinnernden Gummipuppe bis zum Plakat „Change the system, not the climate“ war die Meinungs- und Gesinnungsvielfalt groß.

Am Rande des Weges meinte eine Mutter einer Demonstrierenden: „Sie laufen zwar, aber nicht richtig, sie demonstrieren zwar, wissen aber nicht gegen was.“ Am Münster wo eine Gruppe von Schülern aus Ehingen mit ihren Transpis wartete, ergab sich die erste Gelegenheit zu einem Gespräch. Laila aus der 10. Klasse, meinte ,nicht bei ihnen, aber beispielsweise in Blaubeuren seien die Demonstrationsgänge von der Schulleitung organisiert worden. „Ich persönlich finde es wichtig mitzulaufen, weil wir Schüler so mithelfen, dass mehr Aufmerksamkeit auf den Klimawandel gelegt wird.“ Auf die Frage des Klimaschutzes in ihrem Leben meinte sie „Ich gehe bewusst mit CO2-Ausstoß um, fahre kaum Auto, laufe fast alles.“ Achim, einer der fünf eher Schüler ist Vegetarier geworden, allerdings wegen einer Wette mit seinem Bruder, die er gewonnen hat. „Ich bin jetzt seit 3 Jahren Vegetarier und mittlerweile auch wegen der positiven Gründe“, lacht Achim.

Schier kein Ende nehmende Kolonnen auf der Ulmer Hirschstraße


Das Thema Zukunft und Zeitdruck ist stark repräsentiert in den Reihen der jungen Demonstranten. Kaum enden wollende Kolonnen ziehen sich unter immer wieder anhebenden Rufen von „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, Richtung Kundgebungsplatz auf dem Geschwister-Scholl-Platz vor den Museumscafe in Ulm. Auf der Höhe des Stadthauses frage ich mich noch warum man sich eigentlich nicht vor dem Münster versammelt? Da sehe ich Toni. Toni ist erwachsen und ist einfach von der Arbeit gegangen um hier dabei zu sein. Er findet die Stimmung gut, doch eigentlich sei es eine Schande, dass die Kids hier total durchnässt auf die Straße gehen müssten, während die Entscheidungsträger seit Jahrzehnten ja Jahrhunderten auf ihren Händen säßen, einzig die Frage im Kopf „Werde ich denn wieder gewählt“? „Es gibt Leute die könnten von heute auf morgen Änderungen herbeiführen. Man muss es einfach machen, die Leute wollten auch keine Sicherheitsgurte, die Kids wollten nicht durch den Regen gehen, nur manchmal ist es einfach nötig, es gibt nun mal kein Menschenrecht auf die Produktion von SUV´s“ „Die Zeit läuft“ steht auf einem Plakat auf einem anderen „Wenn ich nicht erwachsen handelt, dann müssen wir es eben tun.“ Das ist der eigentliche Grund für Toni hier zu sein, wenn die jungen Leute mit dem Finger zeigten, dann meinten sie ihn. Ja, er habe die Welt gesehen, aber heute verzichte er wo es geht auf Plastik und fahre mit der Bahn in den Urlaub. Klimawandel gehe nicht nur durch alternative Energien. Der Verbrauch sei das Problem. Auch das Nabada sei im Nachgang ein reines Müllfest. Auch hier gebe es die Möglichkeit sich zu besinnen. Wahre Worte denen Taten Folgen. Eine inspiriernde Begegnung mit einem Menschen bei dem das Bewusstsein scheinbar das Sein zu prägen vermag.

Das Ende ein Anfang

Auf dem Kundgebungsplatz ist nach meiner langen Unterhaltung mit Toni der letzte Redner in den letzten Zügen. Es sind schon weniger Leute welche nun hüpfend singen. „Wer nicht hüpft der ist für Kohle“, auch der Geist des Hambacher Waldes weht hier. Expect resistance, when you destroy existence, steht auf einer schwarzen Mütze. Eine Schülerin der Waldorfschule Illerblick stellt sich mit ihrem Plakat auf dem steht „ Wir sind nicht die Lösung aber Teil einer Antwort“ in die Erde des großen Plakates vom Ulmer Bündnis zum Weltklimaaktionstag. Die Namen der Redner auf der Abschlusskundgebung hat der Regen verwischt.Am Abend eines Tages an dem eine Tagung zur Einsamkeit, unter anderem in Haft, zeigt, dass man erst das Wesentliche sieht, wenn man alles Unwesentliche verloren hat, spielen zweit Leute der alten visionären Band „Ton Steine Scherben“ im Hemperium a capella. Zwei Männer die sich von der Demo erkennen, schauen sich hoffnungsfroh und lebensgesättigt in die Augen. „Der Traum ist aus, aber ich werde alles tun, dass er Wirklichkeit wird“, tönt ein altes Lied von Leben und Kraft. Wir sind zuversichtlich.

Mitten im Sturm II

Mit Hiob Gott ins Auge sehen

Im Rahmen einer Eventwoche im Gotteshaus Mosaik in der Ulmer Thränstraße 15/1 traf der Prediger auf ein volles Haus.Bei der Predigt am letzten Abend hatte Matthias Brandtner deutlich gemacht, dass Gott mitten im Sturm sei und der Sturm in Gott seine Macht verliere. Heute schaute er anhand der Geschichte des Namensgeber der Unglücksbotschaften schlechthin, wie ein Leben als Vollkatastrophe am Ende den größten Segen bringen kann. Hiob war ein reicher angesehener Mann gewesen und der Teufel hat ihm in seiner Prüfung alles genommen: Kinder, Rinder Haus.Viele interessante andere Beispiele hatte Brandtner aber dafür, dass die Beschäftigung mit dem Leid zu einer Entdeckung Gottes führen kann. So etwa der österreichische Psychologe Viktor Frankl, der alle seine Angehörigen verloren hatte und insgesamt vier KZ´s überlebt habe. In seinem Buch „Trotzdem ja zum Leben sagen“ entwickelt er im Fragen nach dem Sinn all der Gräueltaten erste Bausteine seiner Logotherapie. Die Logotherapie, die helfende Frage nach dem Sinn ist heute ein psychologisches Verfahren, welches tausenden Menschen hilft. Leid mache für das Leiden und die Schmerzen im Leben sensibel. So habe Nelson Mandela auch nach 27 Jahren Haft aus Leiderfahrungen heraus die Größe besessen seine erste Rede im Parlament über Versöhnung zu halten. Wie die Psalmen, verleihe Hiob seinem Leid Worte, er komme zu Gott. Von einem nur religiösen Menschen, so Brandtners Interpretation, reife Hiob nach und nach zu einer Liebesbeziehung zu Gott. Aber was tut der Normalsterbliche wenn der Sturm einen packt? Leid kann niederdrücken, entmutigen, er habe demletzt eine austherapierte Leukämiepatientin besucht, ganz schwach, das sei gruselig gewesen.Oder Leute die Schmerzen haben und es hälfe kein Medikament mehr zu Linderung. Leid könne einen in die Knie zwingen, kann zwingen uns zu zeigen wie wir wirklich sind.

Der Sturm fegt das Vergängliche weg

Ohne die Fassaden der Stärke. Auch Christen hätten keinen Vertrag mit Gott gegen Leid, keine Versicherung gegen den Schmerz.Wir seien dann im Klassenzimmer des Leides und hätten seine Lektion zu lernen. Stürme brächten unser „Ich kann das allein“ , unser Ego, zum wanken. Früher, so Brandtner, sei er in einer Gemeinde mit dem Glaubenssatz: „Wenn du alles richtig machst, dann segnet dich Gott“ gewesen.

Als seine Frau dann Lähmungserscheinungen bekam, obwohl er alles richtig gemacht zu haben glaubte, kam er in eine Glaubenskrise. Er spürte wie sich der Kern der Beziehung zeigte, jetzt wo seine Frau nicht mehr stark und frisch war. Das Versprechen in Guten wie in Schlechten tagen zusammen zu halten. Verträge, Gesetze und Schubladen prägten so viele Ehen in Deutschland. Dabei, und das habe er in dieser Krise gelernt, funktioniere jede Beziehung zu Gott auf Liebe, Annahme und Hingabe. In Deutschland sei das Leistungsdenken einfach zu stark. Beziehung heiße einfach „Ich geb dir mein Herz und du gibst mir dein Herz.Auch Hiob, so Brantner, hatte permanent Angst, er war nur religiös und nicht in Liebe. Das Leid habe ihm aber die Augen geöffnet. Der Besitz, die Verwandten waren weg. Er war enttäuscht, die Täuschung war weg, er konnte den wahren Kern wieder sehen. Gott kam zu ihm im Sturm, sagte entdecke mich, nicht meine schöne Verpackung.

In Kapitel 42,5 des Buches Hiob kann Hiob dann zu Gott sagen:“Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“Zur Verdeutlichung der Haltung, die man laut Brandtner haben muss um von Gott gerettet werden zu können, nur einer der vielen kaum zu glaubenden Geschichten aus des Pastors Repertoire. Eines Mittags sei in Eckernförde an der Ostsee. Ein DLRG-Schwimmer gerufen worden, da ein Mann im Wasser Schwierigkeiten hatte. Der Rettungsschwimmer habe in aller Seelenruhe, seinen Turm verlassen, sei zu Rettungsboot gelaufen, der man wühlte immer noch wild im Wasser. Dann sei er losgefahren, die Leute waren schon ganz nervös wie lange er brauche. Habe denn man mit dem Boot umkreist, bis er ihn schließlich aus dem Wasser zog um an Land seinen Körper auszupumpen. Die Leute waren außer sich. Eine Frau sagte: „Der Mann ist beinahe ertrunken.“ Ja, sagte er cool. Und sie hätten auch schneller sein können: „Nein“, sagte er, ebenso gelassen.“Einen Mann der noch mit der ganzen eigenen Kraft kämpft kann man nicht retten.“ Darauf habe Brandtner viel gelernt. Zum Schluss sagte er: „Das ist ein freies Land, sie dürfen gern mit ihrem persönlichen Leid nach Hause gehen, sie dürfen aber auch gerne Gott einen Rettungsring hinwerfen, indem sie jetzt für sich beten lassen.“

Predigt: Mitten im Sturm



Mit Jesus wird die Angst zum Scheinriesen?

Viele meist junge Leute strömten zur ersten Predigt in der Eventwoche der evangelischen Kirche Mosaik in der Thränstraße 15/1 in Ulm. Mitgrund dafür war sicherlich der in Kreisen der Kirche Ecclesia deutschlandweit beliebte Pastor Matthias Brandtner, der die Woche mit seinen Predigten mitgestalten und inspirieren soll. Wie immer in der Kirche, die schwerpunktmäßig mit dem Heiligen Geist arbeitet und auch an geistige Heilung glaubt, wurde der Abend mit Lobpreisgesängen eröffnet. In die dadurch entfaltete Inbrunst vielen zwei aufwendig produzierte Einspieler welche die Verzweiflung in einer Welt ohne Gott eindringlich schilderten. Darauf sprach Brandtner eine Art dramatischer Zusammenfassung der Predigt in der der Moment an dem sich der Dreck und Sturm beugen muss emotional hervorgerufen wurde. Man erinnerte sich hier an eine Textpassage eines Lobpreisgesanges: „Welche Liebe strömt dort vom Kreuz zu uns, sie macht alles schön was sie berührt.“Mancher dachte vielleicht an den gefühlt seit Wochen nagenden Dauersturm in Ulm und an das seltsam helle Licht, dass von Kälte und Sturm wie ausgeblasen scheint. Bis auf diese Momente, wenn es still wird, lüftet der Sturm da sein Geheimnis? Eines macht in Pforzheim tätige Pastor aus Schleswig Holstein klar: „Das dumme an Stürmen ist, man kann sie sich nicht aussuchen, sie kommen einfach.“ Stürme seien ein Symbol für Negativnachrichten, man wolle sie nicht, aber sie kämen trotzdem. Die wichtige Frage bei Stürmen sei, was wollen sie einem sagen. Dann brachte er ein beeindruckendes Beispiel für den christlichen Umgang mit großen Stürmen.Die Eltern des in Freiburg von einem afghanischen Flüchtling getöteten Mädchens Maria Ladenburger,die Medizinstudentin war, hätten eine Stiftung zur Integration von ausländischen Studenten in die Uni gegründet.

Immanuel: Gott ist mit uns im Sturm


Er möge Menschen, wisse aber nicht was er mit dem Mörder seines Kindes machen würde, so Brandtner. Die Eltern meinten als Christen wüssten sie, dass alles seinen Sinn hat und das sie Maria wiedersehen würden. „Manchmal wolltest du nur eine schöne Familie haben und dann hältst du nur noch Scherben in deinen Händen“, so Brandner. Doch irgendwann und das sei eine seiner wichtigsten Erkenntnisse überhaupt, habe er bemerkt, dass Gottes Liebe unabhängig von den Umständen sei. Demletzt habe er eine austherapierte Krebspatientin besucht. Sie habe auf die Frage wie es ihr gehe gesagt. „Ich fühle mich getragen von der Liebe Gottes, ich spüre sein Licht, ich weiß das ich nach Hause gehe.“ Das habe ihn umgehauen. Eine Psychiatriepatientin hatte so Angst, Jesus sagte Brandner er solle ihr den Psalm 23 geben. Sie lernte ihn auswendig. Nach fünf Wochen besuchte er sie erneut und sie hatte Hoffnung geschöpft. „Wenn der Herr mein Hirte ist, dann ist es doch egal ob ich Angst habe“, meinte sie nun.Immanuel, Gott ist mit uns sei ein Name Gottes der uns beschirmt. Auch der Psalm 91 „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn:Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott auf den ich hoffe.“Gott spreche und Mut zu. Etwas Skurriles. In Ungarn wollte Jesus eine Frau, nach biblischem Beispiel mit heilen in dem er ihr Spucke auf die Augen schmiert. Brandtner härmte sich ab, „Das ist ja wohl ober peinlich.“ Jesus sagte nur „Machst du es oder ich?“. Daraufhin fragte Brandtner ob er der Frau zur Heilung etwas Spucke in die Augen schmieren dürfte. Laut Brandtner wurde die Frau geheilt. In der Fin-stern-is, stehe der Stern. Es sei wie beim genialen Autoren Michael Ende in Lukas der Lokomotivführer. Da entpuppe sich ein großes Hindernis aus der Nähe als Scheinriese. Genau das sei ein wunderbares Bild. Ängste seien mit Jesus Scheinriesen. Denn Jesus teile stets die Kraft mit deinen Jüngern und er geleite dich auf den Weg den Dingen zu begegnen.Er forderte dazu auf die Tür zur Furcht zu schließen, danach geschehen wunderbare Dinge. Die Ausgangsgeschichte, in der Jesus seine Jünger auf das Boot schickt, endet damit das er sie auffordert das Boot zu verlassen. Er will das man dem Sturm trotzt. Immer wenn du schwach bist und in Gott, dann bist du stark sprach Brandtner, den gefesselten Zuhörern Mut zu. Der Sprung aus dem Boot war heute der nach links oder rechts der Sitzreihen, denn dort warteten Beter, welche den Zuhörern ihre etwaig gewonnene Bekenntnis zu Jesus abnahmen oder den Zweifel und die Bitte um ein gemeinsames Gebet.

Rentenkabarett mit Hut und Feder

Christa Mayerhofer mit Rentnermoritat im Gewölbe Neu-Ulm

Neben dem Kino in Neu-Ulm, wo oft mit den breitesten Pinseln die größten Bilder gemalt werden, eröffnet sich über eine Brücke hinabfahrend plötzlich eine beschauliche Welt. In einem der, im Vergleich zum Roxy-Areal in Ulm, kleinen Gewölbekeller der ehemaligen König-Ludwigs-Festungsanlage wohnt die Kleinkunstkneipe „Gewölbe.“ Als Christa Mayerhofer nach einem gemütlichen Mahl der Gäste und ihrem Salbeitee zusammen mit ihrem Kontrabassisten Ralf Miller die Rentnermoritat anstimmt, gibt es keine Bühne. Auf einer Ebene mit ihrem Publikum steht sie und so ist auch ihr Kabarett über das Rentendesaster. Anteilnehmend, die 72 Jährige freischaffende Künstlerin ist selber Rentner, scharf links und menschlich. An vier Symbolen lassen sich Thesen des abendfüllenden Programms komprimieren. Der Feder, die sie an ihrer Mütze trägt, als Symbol des Mitgefühls. Dem Rententopf als Symbol der Fürsorge und des Anteilnahme. Dem Spendenhut als Symbol der Wertschätzung. Und der Pfandflasche als Zeichen des Ausgleichs zwischen prekärer Selbstversorgung und politischer Solidarität. Mayerhofer ist bekennende Linke mit Parteibuch und den Spendenhut erklärt Meister Eckart vom gleichnamigen Kuriositätenkabinett als ein Gefäß in das man bei einer Liveveranstaltung mit Wohnzimmeratmosphäre durchaus auch mehr als Klimpergeld tun soll.Wenig klimperlich und zimperlich verbindet Mayerhofer dann Musik mit der emotionalen Aufarbeitung des Rentenchaos anhand der Geschichte einer “Armutsrentnerin” die sich wehrt von “den” Medien als sozial schwach angesehen zu werden.

Rentenformel liest sich wie ein böser Arztbericht


Die ehemalige Putzfrau im Krankenhaus, fühlt sich nicht als selbstverschuldete Armutsrentnerin, sondern sieht ihre Arbeitsleistung als „Wischen gegen Viren“ als ebenso wertvoll an, wie die des operierenden Arztes. Nur habe sie jetzt eben bei Mieten von 600 Euro in Ulm, ihre 900 Euro Rente, ohne Erbe und Eigentum.Sehr gefreut habe sie sich auf ihr Altenteil, ihr Rentenbescheid mit dieser undurchschaubaren Formel, habe sich dann aber wie „ein schlimmer Arztbericht“ angefühlt.Eine Insel der Geborgenheit und der Entspannung der informierten Sinne boten die heimatorientierten Lieder. Im bayrischen Dialekt vorgetragen, der laut der Salzburgerin bis in ihre Herkunftsstadt in Österreich reiche, konnte auch mitgesungen werden. Das die soziale Misere der Aberkennung von Arbeitsleistung noch tiefer in die Gesellschaft ausgreift, veranschaulichte sie am „Zeitungsjoe“ der sie als sozial schwach betitelt hat, selber aber Geisteswissenschaften studiert hat, und als Kleiner am Zeitungsdrücker, gerne auf die noch Kleineren losgehe. Heute müsse man MINT studieren: Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Wer in der Industrie 4.0 Geisteswissenschaften studiere, sei geisteskrank und armutsgefährdet, denn wie Annegret Kramp-Karrenbauer klar mache, müsse die Rente für die Wirtschaft bezahlbar bleiben.Das Flaschenpfand das Jürgen Trittin, der linke Grüne, eingeführt habe, solle von 25 auf 50 Cent erhöht werden.Denn wenn die Rentnerin, die Zeitungen austrägt schaue sie auch an und in den Mülleimern nach einem Zubrot durch Pfandflaschen. Einen Wasti als Preis lobe sie deshalb für den Politiker aus, welcher das Flaschenpfand auf 50 Cent pro Stück erhöhe. Die staatstragenden Beamten seinen seit Bismarck und Hitler die Hauskatzen die gehegt und gepflegt würden. Die im Niedriglohnsektor seien die Hofkatzen, die nicht mehr rein gelassen würden und die nachgewiesenermaßen durchschnittlich Jahre früher versterben würden.

Merkel beim Tafelladen

Die liebe Rentnerin die nach ihrer Tour im Stadtkarten ihre Jausen isst würde Angela Merkel gernemal ihr Leben in Ulm zeigen. Sie sei fair würde ihr zeigen wie man an eine Lobbycard für vergünstigte Veranstaltungen komme. Nur müsse sie beim Shopping in der Caritas-Boutique meist auf mintgrüne und pinke Kleider zu Gunsten eines schlichten beige verzichten. Verzichten könne die Rentnerin, denn sie sei ein Nachkriegskind, eine Dose Linsen halte bei ihr auch mal 2 Tage.Mut zur Lücke habe sie auch schon früher in der Arbeitsbiographie gehabt, nur mit der Zahnlücke wolle sie als Arme sozial starke Frau, nicht vorlieb nehmen.Manche Formulierungen verfallen bei Mayerhofer dann einer meist aus den geschichtlichen Bezügen des Klassenkampfes gespeisten Überzogenheit. Der Behauptung„In der Arbeit wird man verheizt, dann verkohlt und später ausgemerzt“ spiegelt wohl zum Glück nicht ganz die gewöhnlich bundesdeutsche Arbeitsvita, weist aber im Sinne eines „wehret den Anfängen“ auf Gefahren der entsolidarisierten Leistungsgesellschaft hin. Der Aussage von Ex-Kanzler Gerhardt Schröder „Deutschland hat den besten Niedriglohnsektor“, stellt die Linke Künstlerrentnerin ein „Wer Rentner quält wird nicht gewählt“ entgegen.In das geheimnisvolle Epizentrum christlicher Weltanschauung dringt die Salzburgerin zum Schluss der ersten Hälfte ein. Matthäus 25,29 besingt sie mit den Worten: „Wer viel hat dem wird viel gegeben und wer wenig hat dem wird alles genommen.So stets bei Matthäus geschrieben und so ist es bis heute geblieben.“

Arm oder reich im Tod sind alle gleich

In der Pause konnte man den Reichtum der linken Kultur im Gewölbe anhand von Mären von wöchentlichen Veranstaltungen und Stammtischen über den jährlichen Mittelalter Markt bis zum hochkarätig besetzten Kleinkünstlerfest 2018 bestaunen. Und das alles im Winter bei Ofenhitze und sommers in einem idyllischen Innenhof. Früher hätten die Christen das Leben ja ins Jenseits vertagt, der Pfarrer habe die Armen beschwichtigt. „Ob arm ob reich im Tod sind alle gleich.“ Die Ulmer Rentnerfrau mit ihrem Schurz mit vielen Taschen jedoch möchte sich bei Gunter von Hagens die Sonderkondition der Lebendbezahlung für die Körperplastination im verstorbenen Zustand aushandeln. Grund: Sie sehnt sich nach einer Baumbestattung mit Wind, Erde, Wurzeln und Ruhe, die sie sich aber mit ihrer Rente nicht leisten kann. Früher sei das Zentrum der Welt der Heilige Stuhl gewesen. Heute sei es der Kapitalismus. Körperwelten im Blautalcenter Gipfeltreffen der Verfügbarmachung von Welt und Dingen. Die Ente am Bach im Park, sei zu ihr hergekommen als sie sie mit dem alten Brot das ihr geschenkt worden sei fütterte. Dann habe sie noch eine weiße Feder von sich dagelassen, das sei Mitgefühl im Austausch. Oder die Leute vom BUND für Naturschutz, die säubern die Vogelnester, ja die kümmern sich noch um die Wesen. Der Kapitalismus der sei für ein reichen Herz auch wie eine Scheibenwelt. Er drehe sich immer schneller um sich selber und dränge die Rentner ab, bis sie dann runter vielen. Gleichzeitig habe die Politik in den letzten Jahren die abgeschafft und den Spitzensteuersatz von 56 auf 42% gesenkt. Eine Perspektive biete da der linke portugiesische Politiker Antonio Costa, der die Erbschaftssteuer in Portugal eingeführt habe; hier sähe man andere Wege und Perspektiven.

Die Eliten naschen aus dem Rententopf

In Österreich zahlten alle in den Rententopf ein. Niemand rühre den Gemeinschaftstopf für rentenfremde Kosten an. In Deutschland jedoch, so die Schweizer Tageszeitung NZZ „bediene sich jeder Finanzminister für versicherungsfremde Leistungen daran und deshalb schwinde der Topf.In Zeiten der Hochkonjunktur aber gebe es einen Rekordüberschuss von 58 Milliarden Euro. Es werde aber nichts ausbezahlt. Soviel zum wer hat dem wird gegeben werden. Sagte der Tribun der Christen nicht auch „Gebt so wird euch gegeben werden, ein volles, gerütteltes, gedrücktes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben.“ In Deutschland wurden die Sozialwohnungen in den letzten Jahren weitgehend von den Kommunen verkauft. In Wien, mit traditionell vielen sozialitischen Bürgermeistern gebe genug sozialen Wohnraum. Ein Quadratmeter zu 5 Euro. Auch das sei möglich

Vorbereitung zur Denkrichtungsänderung

Nach dem Christa sich wie eine Sufitänzerin mit ihrem roten Hut mit langem Bändel um die eigene Achse gedreht hatte um die Politiker, quasi in der linken Drehung der kapitalistischen Erd-Scheibe, auf andere Gedanken zu bringen, sangen alle gemeinsam das bayrische Liebeslied „Weit,weit weg“ von Hubert von Goisern. Der Spendenhut als Zeichen der Gemeinschaft, die solidarisch alle trägt und gerade die, die gegen die Herrschenden das Maul auf machen, füllte sich reich. Und Christa als Stellvertreterin der starken und selbstbestimmten Rentner war ganz groß mit Hut und Feder.

Links:

http://www.rentnermoritat.de

http://www.gewoelbe.nu

fb: gewoelbeneuulm

Die nächste Auffühung der Rentnermoritat findet am

03.04 um 19.30 Uhr im sozialen Cafe Canape´ in der Söflingerstraße 158 in Ulm statt.