So nah, so fern

Chorklänge weltweit in der evangelischen Pauluskirche Ulm

Nah?Solo-Sopran Caroline Schlenker sang von der Sehnsucht des Westens, die in einer Traumwanderung zwischen Weihnacht und Epiphanias als Läuterung der stoffgeborenen Seele zum Himmel aufstieg

Fern?Yueliang Li, bescheiden wie ein Arbeiter gekleidet, bei der Beglückwünschung schon weg aber mit seiner Erhu äußerst prägsam für das musikalische Verständnis der Sehnsucht des Fernen Ostens

Viel Grund zur Vorfreude auf So Nah So Fern gaben die letzten Konzerte des Ulmer Chores Klangreich unter dem Motto „Garten meines Lebens“ 2017. Auch der Aufführungsort in der Pauluskirche, die wegen ihrer guten Akustik als die Konzertkirche Ulms gilt, stimmte einen gespannt. Der Dirigent des Konzertchores Klangreich Markus Romes gilt als Perfektionist und harter Arbeiter an seinen teils visionären Konzepten. Als man am Abend des 09.12. die imposante Kulisse der 1909 erbauten evangelischen Garnisonskirche erblickte und zwischen robusten Arkaden in der Mitte ein Bildnis des Herrn sehend aufblicken durfte zu dem modernen bunten Bildnis der Offenbarung, darüber fünf Fenster, war die Vorfreude kolossal. In diese Raumesfülle zog nun ein Chor in der ersten Reihe im Spektrum zwischen rot, orange und gelb, in den Farben eines Sonnenaufganges gekleidet, der seine Strahlen links und rechts ausbreitete. In dramaturgisch intelligenten Stellungen sollten die 39 Sänger noch öfter für Abwechslung jenseits des Gesanges sorgen.

„Past life melodies“ zog nun wie ein sanfter vorweihnachtlicher, noch vorsprachlicher Hauch in die gespannte Kirche ein. Der vollendeter Chorklang viel keineswegs hinter der baulichen Substanz ab. Nein die zarten vokalischen Kompositionen wechselten einhellig zwischen den Lautqualitäten und das letzte jä, jä, jä bildete harmonisch schon den Tonfall des schwedischen Allt Är Nära vor. Zum Schluss des Liedes erhob sich dann Timber A. Hemprich´s Obertongesang unterstützt von Chor-Bass Matthias Mehne. Als ob man ansänge was zwischen den Sternen ist tönte diese hochfrequente Gesangstechnik unterstützt von der Präsenz und den zum Mudra zusammengeführten Daumen und Zeigefingern des präsenten Stuttgarters. Um einen 23 Stücke und 7 Nationen weiten Spannungsbogen zu halten kam zu den wechselnden Choraufstellungen die Sprecherin Margarete Lamprecht. Sie führte mit den berührenden Worten: „Alles ist nah, Alles ist weit von mir, und dennoch nah. Bald wird es mir genommen-dennoch-jetzt nah…“ in das Thema So Nah So Fern ein.Fern: „Die zwei blauen Augen“ aus den fahrenden Liedern des Gustav Mahler, zogen die liebende Seele auf die Wanderschaft, in die Natur, das Abenteuer. Dieses entbrannte in den „flackernden Flammen“ des Zigeunerlebens von Robert Schumann vollends.Mal mystisch, mal tänzerisch, mit klarer Phrasierung und den Stoff verstehend vorgetragen, war das Zigeunerleben ein Glanzlicht des Konzertes. Die beiden Lieder waren in ihrer vollen Klangkraft genau richtig in der Kirche mit den granatenförmigen Türmen. Und man spürte auch, das Liedgut, welches hier schon lange lebt auch auf einen breiteren Seelengrund stößt.

Ein Bild für die Götter: Der Obertonsänger Timber A.Hemprich im Mittelfenster begegnet dem Alphornisten Manuel Zieher von Empore zu Empore im Klang

Margarete Lamprecht gesteht am hohen Fenster ihre Liebe

Die Tiefe des Nationalen, die Sehnsucht nach dem Internationalen

Das im Individuum, welches sich nicht identitär selbst limitiert hat, durch alte Völker und ihre Musiken, noch tiefere Schichten der Seele angesprochen werden, zeigte das Stück die „Schöne Nacht“ von Thiamin Liuj.Vorher bekommt die Sprecherin einen Glückskeks von Erhu-Spieler Yueliang Li,daraus verliest die Schöne eine Weisheit des Konfuzius: „Was du liebst das lasse frei, kehrt es wieder gehört es dir für immer.“ Danach entführte der berüchtigte Yueliang Li in die feine Klangwelt der zweiseitigen Erhu auf eine Weise das einem nicht das hören aber das beschreiben verging. Das einzige Mal im Konzert bedankte sich der Dirigent mit vor der Brust zusammengeführten Händen sich verbeugend bei einem Solisten. In Värmlandvisan kehrte wieder das warmherzige, leise der ersten beiden Lieder und auch der Obertongesang, bei dem man dieses mal ans Polarlicht dachte. Auch die Inhalte von Liedern wie dem litauischen Volkslied „Es gulu gulu“ wurden durch die Vorspiele von Margarete Lamprecht und Helfern besser verständlich. Ein nahes und doch fernes Highlight war dann der Sehnsuchtssong aus den Alpen„Weit weit weg“ von Hubert von Goisern. In die 90er versetzt, bracht der Text in Analogie zu den eröffnenden „Zwei blauen Augen“ tiefere Schichten der Sehnsucht im Empfangssaal der romantisch-modernen Kirche auf. Text und Ton perfekt intoniert bei einem Stoff der schon bekannt war kam die Pauluskirche in innige Schwingung.

Hohe Präsenz und groß Sangesfreude zog sich durch den ganzen Liederreigen

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Das gebrochene Herz als Initialzündung zur selbstlosen Extase

Ein weiterer Dammbruch in Richtung Nähe, war das Margarete Lamprecht sich während einem ausgedehnten Frustlebkuchenessen dazu durchrang sich das Herz jetzt doch von ihrem Geliebten brechen zu lassen, was sie ja ursprünglich als „heiliges Örtchen“ für sich behalten wollte.In großer Charakterdifferenzierung, Inbrunst und feiner Ironie wob Lamprecht einen glänzender roten Faden durch die Aufführung. Nun zeigt sich der Chor wieder anders verteilt, es sind sich zugewandte und abgewandte Pärchen aufgestellt während „And so it goes“ von Billy Joel gesungen wird. Ab jetzt wächst der Chor bei Liedern wie Engel, die als schwierig für Chorarrangements gelten, über sich hinaus. Dramaturgisch perfekte Textaufteilungen zwischen Männern und Frauen,ein  tolles Intro von der Sprecherin und eine äußerst klare Phrasierung.Die Männer machen die Beatbox und der Sopan singt: „Erst wenn die Wolken schlafen gehen, kann man uns am Himmel sein.“ Schaurig schöne prägnante Kontraste.

Iuppiter-Chor: eine koordineierte Entladung

Die temperamentvolle hymnische aber melancholische Stimmung bei der „Hymne des (heiligen) Chrysostomos“(griechisch für Goldmund) von Tschaikowski führt hin zum unangefochtenen Höhepunkt des Abends, dem felsensprengenden „Iuppiter“, bei dem man sich fragt wie ein Laienchor solch eine komplexe Stimmführung mit solch heftigen gesanglichen und sprachlichen Herausforderungen so klar und packen darzubringen im Stande ist? Hier zeigt sich wohl die Handschrift des Perfektionisten Romes am deutlichsten. Die Übersetzung des lateinischen Textes und die Erinnerung an die Bedeutung des Jupiter im alten Rom von Margarete Lamprecht helfen das das gewaltige Klanggefüge den Zuhörer nicht vollends überfährt. Romes, der seit ein paar Liedern mehr tanzt als dirigiert stößt zu Beginn von Iuppiter mit den Armen quasi in den Chor hinein. „Im Namen des Sieghaften, des Zertrümmerers“ und ihm schlagen erschreckende und klare Wortfetzen wie „omnipotente“ entgegen, gespannte Geigen-Tremolo umrahmen den Sangesdienst am Jupiter, man kommt sich vor wie bei einer Messe zu Ehren des Göttervaters vor der Versammlung eines Heeres auf dem Marsfeld in Rom. Man erinnert sich wo man hier ist, in der evangelischen Garnisonskirche. Wieder so ein Erwachen: Form, Inhalt und Dynamik fügen sich fast synästhetisch ineinander. Die Arkaden und die fünf Fenster über ihnen:eine gewaltige Kulisse für eine Entladung von höchster Präzision und Koordiniertheit.

Yueliang Li, bescheiden wie ein Arbeiter gekleidet, bei der Beglückwünschung schon weg aber mit seiner Erhu äußerst prägsam für das musikalische Verständnis des fernen Ostens

Je weiter entfernt, desto größer die Sehnsucht

Nun begegnen zwei außerirdisch anmutende Tonalitäten, das Alphorn von Manuel Zieherund der Obertongesang von Timber A. Hemprich einander. Beide von exponierter Position, Hemprich aus einem der fünf Fenster über den Altararkaden, Zieher von der Empore aus. Viele schließen die Augen, ein magischer Moment. Die ausgeklügelte Dramaturgie macht es möglich die Sequenzen in großer Wachheit zu erleben, in einer flussartigen Angeregtheit, einer Harmonie im Wandel der Beiträge. In die „Straße wo der Wind wohnt “, einem chinesischen Volkslied ist es erneut die Erhu welche windesgleich die ebenso chinesische wie kongeniale erste Geige Juki Kojima beflügelt und auch die edlen Schwingen vom japanischen Kontrabass Kiyoshi Takeda und die blutsvolle Cellistin Amanda Britos erheben sich gravitätisch durch das Anwesen fernöstlicher Sehnsucht angehoben.Sein Spiel ist wie eine Erweckung und Verneigung gerade vor der hohen  Hingabe von Juki Kojima sowie der Tiefe der am Dritten Auge geschmückten Cellistin Amanda Britos.Wieder ein Moment erotisch-philosophischer Ladung in den man in seiner reinen Geschmeidigkeit schon Agape, die selbstlose Liebe hineinsehnen kann. So nah so fern. Daraufhin scheint die tiefschürfende Arbeit der Kulturvölker getan und im philippinischen Padayon wird die Choreographie tänzerischer und die Musik irdischer, einfacher, unbeschwerter.

Ein schönes Bild: Die humorvolle und lebensfrohe Sprecherin hält das von der Höhe herabgewanderte Albhorn Manuel Ziehers

Das nahende Geheimnis des fernen Westens

Der „Dreamweaver“ ist eine zeitgenössische Lieder-Reihe von dem norwegischen Komponisten Ola Gjeilo.Seine Sieben Lieder sind der Grund warum Romes Aussage an das begeisterte Publikum vor der Zugabe „das er sie nicht überfordern wolle“ berechtigt war. Die Liederreihe spielt an Weihnachten. Ein Träumender schläft an Weihachten ein und träumt bis zum Epiphanias, dem Weihnachten der Orthodoxen, einer Zeit die von alten germanischen Kulten als die Rauhnächte bezeichnet wird.Schafft es dieser interkulturelle Tausendsassa und Dirigent des Klangreiches, jetzt auch noch einen fernen Westen, in die sehnende Zeit des Adveniat, der Ankunft des Herrn, dem Publikum näher zu bringen. Fern: der Schläfer am Morgen der Erscheinung(Epiphanie) des Herrn erwacht ist voll der Geschichten. Im Mikrokosmos der sieben Lieder, die Zahl der Vollkommenheit, verwebt sich der ganze Erzählfaden der Chorklänge noch einmal auf das große Werk der Erleuchtung und Verwandlung in Christus hin. Seeliger Schlaf in den “Past Life Melodies´” und “Allt Är Nära”. Das Erwachen in der Liebe zum anderen Geschlecht, die Fülle und das Abenteuer der Suche nach dem Partner in den “zwei blauen Augen” von Mahler und dem “Zigeunerleben” von Schumann. Die Sehnsucht die sich in Anbetung höherer Sphären  in” Engel”, “der Hymne des Chrysostomos” und “Iuppiter” entläd. Und dann die treue Liebe und ihr im Selbstloswerden über das Objekt hinausweisender Charakter. Am besten sprachlich repräsentiert in der zweiten Zeile von „bist du auch Meere weit“, von einem Autor mit dem klingenden Namen Karl Marx.

Mag die Wirklichkeit uns trennen,

sei Dein Fernsein selbst gesegnet,

denn das Herz wird heller brennen,

wenn es Dir im Traum begegnet.“

 

„Prologue“ und „Dreamsong“ geben der bisher gehörten warmen nordischen Musik noch einen anderen Spin. Eine Feierlichkeit, die etwas in Tschaikowsky´s Chrysostomos anklang, die sich aber mehr noch nach Edvard Griegs Solveig´s Song anhört nur getragener weniger melodiös, weniger persönlich und dramatisch.

Solo-Sopran Caroline Schlenker sang von der Sehnsucht des Westens, die in einer Traumwanderung zwischen Weihnacht und Epiphanias als Läuterung der stoffgeborenen Seele zum Himmel aufstieg

Geh weiter gen Westen…

Während der Erwachende dem Traumweber, dem allwissenden Wanderer vertrauen schenkend, nach geht führt ihn dieser zunächst in ein schroffes und unversöhnliches Land.Vorher schon beim Gottesdienst an der Schwelle der Tür-von unsichtbarer Hand befähigt, die Erlebnisse der 12 Tage sagbar zu machen- gelangt er nun zu einer Brücke. Zu „The Bridge“ hebt die blonde Caroline Schlenker zu ihrem ersten Solo an,  welches ehrfürchtig vor Gott, von der Brücke und ihren Bewohnern aus dem Schattenreich, den reißenden Tieren der gottlosen Begierden berichtet.Weiter geht der Träumer seinem Traume nach- immer gen Westen, gen Westen. Intermezzo, dient als viertes Lied als Mitte und Scharnier zwischen der Herkunft der sündigen Seele und dem im Traume verheißenen Reich der gnadenvollen Sündenvergebung. Hier singt der Chor alleine im läuternden Schwange des „Dies Ira“ eines katholischen Reqiuems. Ein Licht aus der Höhe ist nun das von Janis Pfeifer mit seinem Flügel leisfühlig eingeleitete „Paradise.“ Die noch unter dem Eindruck der durchbohrenden Blicke der Monster stehende Solistin reißt sich- einem tief im Dreck mit einem roten Mantel bekleideten Mann- intuitiv folgend, los aus dem Purgatorium- hier als Eisbrücke zum Paradies- dargestellt.Sie schickt sich in die Nacktheit der Seele- welche jede Sünde  Gott hinlegt um sich in bloßer Sehnsucht-wir sind im Lied sechs, dem “Dominion”- der Allgewalt des Thrones anzunähern.Im “Epilog”(Lied Sieben)-darf man das als Weisheit des Westens deuten-verlor eine Frau ihr Leben aus Angst vor der Hölle. Das in Liebe entflammte Herz Jesu lies hingegen die Schande des Träumenden verglühen, allein aus Gnade wird er in seiner Furchtlosigkeit erlöst.Zu Gnade aber braucht es Einsicht. Dann einfühlsam und verwandlungsfähig und in Richtung „Paradise“ und „Dominion“ mit Haut und Haaren richtig im Format des Liedes glänzt die  äußerlich wie stimmlich passende Solistin Caroline Schlenken in schlichter Hingabe. Durch die Sünden hindurch- von Michael auch in ihrer Sünde verteidigt- formt Jesus am Ende aus Gnade die Seelen neu. Der ferne Westen ist in unseren technischen,nationalen und internationalistischen Utopien  äußerlich allen so nah gekommen, das der christliche Weg der Nächstenliebe ganz verlassen schien.Das Konzert zeigte auf das die durch ihre Gleichnisse in der Welt gefundene Liebe Christi die wahre Freiheit bringt.Das Licht der Welt. So nah so fern.Ein Konzert das den Sinn von Sehnsucht und Annäherung gut ausgelotet hat, bis hin zu der  frohen Botschaft, dass das Licht in der Dunkelheit und in der Fremde geboren ist.Irgendwie spiegeln diese nordischen Gesänge und Gemüter das gut wieder. Die Zugabe hieß aber „Weit weit weg“ von Hubert von Goisern, dass noch Tage später im Kopf weitersingen wollte. Die letzten Worte gebühren dem letzten Vers von Karl Marx: „Bist du auch Meere weit.“ So nah so fern:

Da das Leben des Verliebten

schwindet mit des Liebchens Licht

hab ich Deinen Glanz dem Auge

meines Seins verinnerlicht.

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Verkehr T

	





Er-kehrt durch dich Nadelöhr der Selbstliebe zu sich,
reich Er und verheerend Er


Er kehrt aus dir was nicht Lieb ist,was nicht Lob ist, was nicht Lab ist
versehrt das Reich deiner Herrschaft,zerstampft die Traube die keinen Wein schafft
bereitet dich für sich in deines Leides Angesicht, denn Gott ist groß und Liebe


V


erkehrt mit den Kämpfern die das
Schöne bewundern und kehrt in sie
als Schenke ein, wohl dem der gibt
wenn der Trinker allen Trankes kehrt nach langer Reise in die Schenke heim


Gesang und Rausch in der Nacktheit der Nondualität
gebet heißt das Gebet
Einkehr und Heimkehr nach seinem
Begehr, liebste Klangschale er macht dich leer
um dir Gehör zu schenken


Er kehrt dich zur Liebe dem Schöpfungsgrund,
der als Übermacht solange schrecklich und Dunkel
Gebannt vom Nadelöhr deiner Dünkel
Jetzt geht die Furcht vor der Macht
und die Furcht vor dem Gegenüber
in die Furcht vor dir Selbst als
des Herren Erscheinungsfeld als kleine Welt
deinem Herren begegnend in dich über
und langsam und einsam allmählich vorüber


Die eindeutige Ausrichtung
macht Heimsuchungen zum Advent
der Ankunft und Einkehr dessen der sich ganz durchdringt
wenn du ihn ganz erkennst


Er reicht dir! nun reicht er dir
die Waffen aus seiner Allmacht
verschenkst mir und andern
sein dich Durchwandern
Wein, Salz und Brot für
die Sucher in der Not




Er hat dich einkehrend zerschmettert,bis du sahst
das du ewig,
den Andern dienend, deiner ledig seinerunendlichen Größe dich nahst


(Daniel Baz, 19.11.2018)

Om.. Das Hören geht weiter

Schweizer Jazz-Legenden bilden  in Ulm ein selbstschöpferisches Klanggefährt

Kunstwerk e.V und das Einsteinhaus sorgten mit der Zusammenkunft der vier Jungs von Om Raum für das Beiwohnen bei nonkonformistische Spielart der Klangerkundung. Om eilt in Jazz-Liebhaber-Kreisen ihr Ruf voraus, das kurze Bestehen der Schweizer Band, soll kein flackerndes Flämmchen gewesen sein. Nein, von 1972 bis 1982 sollen sie eine der meistgetourten Bands überhaupt gewesen sein. Die durch und durch von Orange durchtränkte Atmosphäre im Club Orange passte so auch zu den wild gebliebenen Alt-Meistern. “Unknown Navigation”der Titel ihrer aktuellen Tour gibt genauso Hinweise auf die Gangart der zwei Stunden mit den “Phononauten” wie ihr Bandname.Den Namen haben sie, laut Urs Leimgruber dem Saxophonisten der Band,aber nicht wegen ihrer Orientierung an Meditation, die sei heute bei ihm präsenter als in den 70ern. Sondern aufgrund des gleichnamigen Albums ihren damaligen Jazz-Vorbildes John Coltrane. Dort sei die Qualität des Om als Urklang, in dem alle danach gespielten Klänge schon enthalten seien, gemäß dem vedischen Werk der Bhagavad Gita beschrieben. Das habe die Band damals umgehauen und jetzt hießen sie eben so.  Zum Konzert: Links steht Christy Doran, an der Gitarre,daneben Urs Leimgruber am Tenor- und Sopran-Sax, daneben gesellt sich Bobby Burri am Kontrabass und links von ihm steht das Schlagzeug seines rhythmusmäßigen Alteregos Fredy Studer.

Bewusstseinserweiterung: Klangkunst die Verfahren und Begriffe herkömmlicher Musik unterspült


Der Klangraum entspinnt sich aus anfangs kaum hörbaren Erkundungen der zunächst relativ voneinander isoliert Zugänge zum Instrument Suchenden. Christy spielt raumgebende Glockensampler ein,während er mit dem Eisen verhalten und hörend auf dem Hals seiner E-Gitarre herumfährt.Das Publikum folgt dem Ritual der Entgrenzung der Begriffe, und damit der Spielformen der Musik, wie in einem Planetarium. Leimgruber bläst behutsam, wie der Schöpfer in eine stählerne Messingform mit Trichter. Der Besen Studers ist noch nicht zu hören evoziert aber das Bewusstwerden, das die Atmosphäre etwas sehr philosophisch-erotisches hat. Nun outen die Klänge das Gegenüber Leimgrubers als Sopran-Saxophon und seinen Zugang als nicht handlich für den hörkomfortorientieren Zuhörer. Die Hervorbringungen des Sax werden unangenehm hoch quietschich, erste Triller entstehen. Sie erinnern an Äußerungsformen der Sufimusik.Aufrütteln, schrill. Schon jetzt deutet sich an das Leimgruber im Laufe des Spinnens des klanglichen Netzes in die Rolle eines tragischen Versponnenen hineinzuwachsen droht. Studer aber hört nicht nur auf sich selbst, er tut sich mit seinen sanften Beckeninterventionen um eine kosmische, schöne, also musikalische Ordnung um. In dieser Manier finden sich die beiden in der traditionellen Musiklehre für den Rhythmus zuständigen Burri am Kontrabass und Studer. Ein ohrenhafter, durch die Eins-Richtung den Gesamtklang musikalisch bewegendes, Töngefüge, gibt nun einen Kontrast zu der Findungsphase der Neuerschaffung der Spielweisen der Einzel-Instrumente. Die Extase steht Fredy Studer ins Gesicht geschrieben,diese und die Vertrautheit der Musiker in der Weiterentwicklungsphase paart sich auch hier, zu einem Experiment allerdings weit ohrenfreundlicherer Ausprägung.

Jazz-Freunde kennen keine Grenzen in der Musik


Ein Heranwachsender Junge genießt, die auf der Ebene der Geräusche und Intensitäten gefischten, sich selbst nicht gleich bleiben wollenden Klangereignis sichtlich. Auch sonst sieht man manche in dem bestuhlten Club Orange körperlich sichtbar mitschwingen. Es entspannt sich eine “Vibrasphäre”großer Entspanntheit von gewöhnlichen Musikkategorien wie Taktung,Melodie und Harmonie. Die Erkundungen bleiben postmodern,indem sich sich nicht neuen Fundstücken aus dem Meer der neuen Möglichkeiten der Klangkunst verschreiben. Sondern auch diese wieder in großer Virtualität und Nicht-Anhaftung der Dekonstruktion preisgeben. So ist das Spiel der Vier, in höchster Weise mental anregend, sowie geisteswissenschaftlich auf die Entnervbarkeit überfrachteter Sinne hinweisend. Auch das Technische ist hierbeivoll da, so hat nicht nur Christy Dorans E-Gitarre unzähligeEffekte, sondern auch der Bass von Bobby Burri. Burris Bass vermag esso sowohl kaum gehörte Weichheit in ein einfühlsames und tragendes Basstongefüge einzubringen, als auch quasi interstellare Interferenzen in das kosmische Musikgefüge hineinzufunken.Linie,Bruch und veränderter Lauf. Der von Intensität getragen sich selbst ähnlich anders bleibt. Burri könnte gut und gerne als Nosferatu durchgehen. Seine Nase ist, sein Spiel im Ohr, die eines Tieftauchers ohne Kamera, eines Gewährsmannes des unentzifferten Subliminalen. Die 25Jahre, welche OM nicht zusammengespielt hätten, so Leimgruber, nach dem Konzert, wären bei allen Musikern immer noch Phasen des„Ganz-Ohr-Seins“ gewesen, und auch die Re-Sonanz auf die Sonanzen der Band im Publikum seien ein ganz besondere Ebene des Ohr-Seins, das Publikum spiele mit den Ohren mit, bei den vielen vielen Konzerten,welche die Band mit ihren Zuhörern schon erleben durfte. In den rhythmisch getragenen Episoden hört man sich teils unter Wasser,teils im Weltall, eine Verschwommenheit in großer Flussstärke führt zu einem entspannt-angeregten Hörerleben, Jazz.Das   Dann melden sich aber lautstark der Saxophonist und die Gitarrist zurück.

Das “Ich” in Räumen erhöhter Vibration

Leimgruber untergräbt den Fluss, in dem er aus ihm auftaucht ,wie ein um sein Überleben tönendes Tier. Duran erzeugt nun eineGitarrenfläche, die den hochreaktiven Strom zu anwachsender Schnelligkeit antreibt. Leimgruber, der äußerlich etwas von Klaus Doldinger hat, gerät nun in schrillen Tönen ausgedrückt, in eine Orgie äußerer Bedrängnis, taumelt ruft sein Instrument und langsam geht das „Tier“ in den gewaltig waltenden Strömen unter. Ein Solo, ist auch eine Form von Ich-Identität, die in dem großen Stirb und Werde des Klanges, keine andere als eine jeweilige Bedeutung hat.Duran´s Gitarrenspiel wird von Flächen zu Kritzelein, die “Vibrasphäre” schreit vom Autor aus nach Ohrenstöpseln.Nun geht auch Studer andere Anspielungswege und kratzt mit dem Kontrabassbogen andem Gehäuse seiner Snare-Drum. Es entsteht nun auch bei Kontrabass, E-Gitarre und Drums eine Zerrissenheit zwischen Rhythmus und klanglicher Selbstbehauptung. In diese Gemengelage inkarniert Leimgruber nun in der Konstellation mit Tenor-Sax. Er entlockt dergebogenen Metalle-Mischung ein ebensolches metallisches Quietschen. Dieses Quietschen führt Studer in seinem Gewand zu einem nervösenTrommeln,  die panische  individuelle Exaltiertheit und die Spannungen welche diese evozieren sind kaum mehr zu ertragen. Das „Konzert“ ist durchaus auch wie eine griechische Tragödie zu hören, es zeigt die Tragik und Krisis des Einzelnen in einer an sich harmonischen, wenn auch mit den Mitteln des  narzistischen Ichs nicht zu erreichenden Ordnung auf.

Töne klingen schöner nach Sequenzen von Klang


Nun ur plötzlich, dringen gewöhnte und dazu warme Töne aus dem Schalltrichter Leimgrubers. Wie Balsam träufeln sie in die Ohren,des mental herausgeforderten aber akustik- sensorisch überforderten Autors. Duran liefert nun mit seinen sphärischen Flächen im Eindruck von Tönen, eine Hoffnung auf eine Dramaturgie, ja eine führende Thematik im Spiel der Vier. Das Publikum scheint aber die vierstimmige Uneingestimmtheit zu genießen.Bei den vielen Neuerungen, läuft man Gefahr, das das Denken das Gehör verstopft.Denn es ist alles andere als Uneingestimmtheit im Raume, vielmehr spürt man eine Gemeinschaft der Eingespannten im Raume. Es ergeben sich immer wieder Gipfelmomente. Alle Musiker sind hoch konzentriert.Bei Studer möchte man meinen der Ausdruck dezentriert sei angemessener. Er ist mittelpunkt flüchtend auf seine Band und seine Aktionsmittel ausgerichtet. Absolut beeindruckend, auch ein inspirierender Solodrummer. Duran, der in seinem Gitarrenspiel über eine verblüffende Technik verfügt ist mit seinerExperimentierfreude und seiner Nicht-Anhaftung an liebgewonnene Soli eine Triebfeder des selbstschöpferischen Klanggefährts. Als Leimgruber nochmalsandachtsvoll in die Öffnungen seines Tenorsax, ohne Munddstückbläst, hebt eine neue Schöpfungsgeschichte an, das Ego wird zum Super-Ego der Externalisierungsgesellschaft.Und in der Begegnung mit übermächtigen Klangstrukturen geht es laut schallend einen Mittelpunkt im Meer der Klänge suchend unter. Om ein neuer Schöpfungston hebt an; am Anfang war der Klang.

Zwischenzeiten

	


Das Alte vergangen
Das Neue noch nicht begonnen
bist du aus dem Tritt gekommen


Ich fahr durch den Nebel,
fühl mich eigentlich ganz frei
ohne Vergangenheit und Zukunft
und Schaumschlägerei


In der Welt bin ich krank,
Hier bin ich ohne Warum
Ein Gedanke der aufnimmt
was auf ihn zukommt lächelnd und stumm


Das Nichts-Tun ganz seltsam erlöst
von der Narkose des Alltags gelöst
Gibt dir die Blöße, als Raum
der die Fülle der Dinge umhüllt


Das Gedächtnis geht still durch die Zeiten
reuet und sühnet und sehnet
Übet sich die Welt zu lassen
Geld verdient es eh net


Aus dem Tritt gekommen
sinkst du nach unten
durch das kühle Dunkel
ganz ungebunden


Und am Grund angekommen
Lichtet sich des Lebensschiffes Anker
Es nimmt wieder Fahrt auf
das Ufer der Welt erscheint immer kranker


Der Zwischenraum war nötig
und seine Einsamkeit
Um in ihm einzusäen
das Saatbeet der Alleinsamkeit


Ewig still ruht die Vergangenheit
angenommen in großer Dankbarkeit
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen
Du bist nun der der zieht


Daniel Baz 05.12.18
(Vers 1 und 3 sind entlehnt von Vers 1 aus dem Gedicht "Sprüche des Konfuzius" von Friedrich von Schiller)

Über Licht, Beleuchtung und das Heilige in der Materie

oder: wider die Teelichtisierung des Abendlandes

aus dem Facebook von Katrin Uhl

Aufgewachsen in den 80ern war ich begeisterte Jungschargängerin,vermutlich wegen des Singens bis zur Ekstase (außerdem hatte ich schon immer ein Faible für Jesus). Ich erinnere mich noch gut daran,wie wir von Haus zu Haus gezogen sind, um Aluminium zu erbetteln,welches sich in den Haushalten angesammelt hatte – um es der Wertstoffsammlung und –wiederverwertung zuzuführen. Und zwar, weil Aluminiumgewinnung ein saumäßig schmutziges Geschäft ist und wirdamals lernten, mit diesem Material sollte man seeeehr sparsam und seeehr bewusst umgehen.
Und heute? Heute haben wir Gelbe Säcke,die wer weiß wo landen (macht Euch selber drüber schlau, besser als Krimis!) und – noch besser: wir haben Kaffeemaschinen, die pro Tasse Kaffee mit ein bis zwei Alukapseln befüllt werden.Hauptsächlich aber wird es verwendet in Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffsbau. Leitungen, Baustoffe, Verpackungsmaterial – und –(sicherlich ein sehr kleiner Anteil but) just saying…Teelichthülsen.

Einige Details zum  Aluminiumabbau


Aluminium wird aus Bauxit gewonnen, Bauxit findet man hauptsächlich im Tropengürtel und es wird Regenwald zerstört,um es zu gewinnen. Hauptabbaugebiete sind Guinea, Jamaika, Indien,Australien, Brasilien. Laut „Rettet den Regenwald“ wird z. B. für die Mine Porto Trombetas in Brasilien, die inmitten unberührten Regenwalds liegt 100 Hektar Wald gerodet. Von den Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und soziale Strukturen mal ganz zu schweigen.Vielleicht erinnert Ihr Euch an das umstrittene Belo Monte Staudammprojekt? Schlimme Bilder gingen um die Welt, von indigenenMinderheiten, die versuchten, ihren Lebensraum zu schützen. Richtig.Das Belo Monte Projekt ist Teil der Bauxitgewinnung und Bauxit istder Rohstoff, aus dem Aluminium ist.
Und was zum Geier haben diese unappetitlichen Fakten jetzt mit Licht oder gar Spiritualität zutun?

Wohlstand ohne Verantwortung?

In unseren zivilisierten Breitengraden bricht gerade die dunkle Jahreszeit an. Deshalb kam ich überhaupt auf die Idee zu diesem Text. Zum Trommelkreis hatten sich Menschen angekündigt, die nochnie da waren. Also wollte ich den etwas dunklen und abschüssigen Weg mit schönen Lichtern garnieren.
Was nimmt man da im 21.Jahrhundert in diesen Breitengraden? Richtig: die unheimlich praktischen und günstigen Teelichte.
Auch kenne ich das vonvielen „spirituellen“ oder anderen Veranstaltungen in derEsoterikszene oder deren Dunstkreis, dass man großen Wert aufangenehme, heimelige und heilsam wirkende Beleuchtung legt. Meist inForm von massenhaft aufgestellten Teelichten. Im Outdoorbereich nachder Party, der Zeremonie, dem Ritual auch gerne mal vergessen. SeitJahren grübele ich darüber nach, ob den Menschen das gar nichtbewusst ist, was für eine Sauerei Aluminiumproduktion ist? Aber es ist mit dem Alu wie mit so vielem heutzutage: was wir in den 80ern und frühen 90ern als dringendes bis drängendstes Problem benannten,Probleme, von denen klar war, wir müssen sie unbedingt (!), dringend(!!), ganz schnell (!!!) und gemeinsam angehen und lösen, diese Themen und Probleme werden heute schlicht nicht mehr diskutiert und teilweise einfach mal komplett ausgeblendet.

Licht in den Konsum?



Wir leben auf einem unfassbar hohen materiellen Niveau und dennoch muss es immer billig und noch billiger sein – Geiz ist geil!
Ist das so? Geiz ist eben nicht geil. Der Geiz der Menschen, die in den reichsten Nationen dieser Erde leben – also unserer! – bewirkt an anderen Orten der Welt viel Leid und Zerstörung. Wir – und mit diesem Wir meine ichjetzt Menschen, die sich mit Themen wie Bewusstheit, Bewusstsein,Umweltschutz oder Spiritualität identifizieren – sollten uns einfach ab und zu mal überlegen, ob es nicht mehr Licht in die Welt bringt, manchmal eben nicht zum billigsten Massenprodukt zu greifen.Vielleicht können wir durch den Griff zur Qualität unsere Achtung  der Materie gegenüber zum Ausdruck bringen. Gerne werden die Großpackungen Teelichte bei einem schwedischen Einrichtungsriesengekauft, weil die so schön günstig sind. Preis-Leistungsverhältnistop. Ist das so?
Sind es dann nicht dieselben Menschen, die empörtaufschreien, wenn verzweifelte Indigenas und Indigenos halb nackt inKriegsbemalung vor riesigen Maschinen und Militärpräsenz in dieKnie gehen und die Fotos rund um die Welt teilen, Petitionenunterzeichnen etc.? (Siehe Belo Monte Staudamm-Projekt…)

Die heilige Materie


Und jetzt kommen wir zum „Heiligen in der Materie“ (Indigene sind doch immer eine wunderbare Überleitung zu diesem Thema, wenn das auch ein bisschen nach kulturimperialistischer Denke riecht, aber stilistisch einfach elegant, also Schwamm drüber!)
Natürlichdenke ich nicht, dass die sagen wir mal… – und das ist eineSchätzung – gefühlt 5000 Aluteelichthülsen, die jemand einspart die Welt retten würden. Bei den Massen an Autos und Flugzeugen undSchiffen, die wir verheizen, macht so was die Kuh nun wirklich nichtfett. Und man sollte sich auch nicht selbst kasteien finde ich. Aber:ich denke, wenn man irgendeine Form der Spiritualität pflegt, diedas heilige in der Schöpfung sieht, so sollte man doch ab und zu einwenig Bewusstheit und Reflexion ins eigene Handeln bringen. Und dieBeleuchtung für die eigenen religiösen, spirituellen, rituellen„Events“ hat für mich hier symbolischen Charakter.
Es ist ohne Zweifel wunderschön und berührend, in eine Spirale aus Licht zu wandeln und sich nach der Berührung mit der Mitte wiederhinauszuschrauben. Aber müssen wir diese Spirale unbedingt mitTeelichten von namhaften Billiganbietern arrangieren?
Und jetztkommt endlich die gute Nachricht: es gibt auch Alternativen!

Es gibt Alternativen zum Alulichtkonsum


Esgibt nämlich zum Beispiel auch Teelichte ohne Aluhülsen zu kaufen.Die sind gar nicht mal so teuer. Zum Beispiel (Obacht Werbung!)Waschbär hat welche im Programm (dm übrigens ganz früher auch, siewaren die ersten. Ist dort aber scheinbar out, haben sie nicht mehr im Programm. Waren auch merkwürdigerweise immer teurer als die mit Aluhülse…). Bei Waschbär z. B. gibt es welche aus Paraffin(Erdölprodukt), welche aus Stearin (Palmölprodukt – darauf kommich gleich noch mal zu sprechen…) und – meine bevorzugteVariante, auch wenn sie ein wenig glitschig sind: welche aus recyceltem Speisefett. Außer der haptischen Fettigkeit sind die ganznormal, wie andere Teelichte auch. Ich hab mir einfach angewöhnt,jedes Mal, wenn ich irgendwas mit einem normalen Teelicht geschenktbekomme die Hülse aufzubewahren. Ich habe inzwischen ein stattlichesSammelsurium an Hülsen. Es gibt aber auch sehr schöne Behältnisseaus Glas oder Ton zu kaufen.

Öl- und Bienenwachskerzen


Zum Stearin: in vielen Bio- und Esoterikläden gibt es die wunderschönen, gitterartig strukturierten Stearinkerzen. Ich vermute, das rührt aus der Zeit, in der die Biobranche vor allem nach Alternativen zum Erdöl suchte. Heutesollte man sich aber durchaus auch überlegen, ob man wirklich Kerzenauf Palmölbasis braucht.
Als weitere – wunderschöne –Alternative (sofern man nicht hardcore-vegan lebt) sind Kerzen aus Bienenwachs. Denn: sind wir uns nicht alle einig, dass Bienen wunderbare Geschöpfe sind, für deren Erhalt wir uns einsetzensollen und wollen? Support your local Imker. Natürlich ist so eine Bienenwachskerze auch wieder teurer als viele andere Kerzen. Aber sollte es uns das nicht Wert sein, ab und zu ein wenig Bewusstsein inunseren Umgang mit Licht zu bringen? Und so eine Bienenwachskerze zaubert nicht nur wunderbare Stimmung, sondern hat auch eine beruhigende Wirkung durch bestimmte Duftstoffe, die frei werden beim Verbrennen. Hab ich mal irgendwo gelesen.
Auch gibt es als weitere Alternative die Möglichkeit, Öllämpchen aufzustellen. Auf vielenWeihnachtsmärkten z. B. gibt es Stände mit getöpferten Öllämpchen.Oder man kauft oder bastelt sich Dochtschwimmer. Da kann man aus alten Gläsern wunderbare Lichter zaubern.
Ich denke, dass ein großer Teil unserer Probleme auf dieser Welt daher rührt, dass wir– und damit meine ich das kulturelle Kollektiv – vergessen haben,das Heilige in der Schöpfung und damit in der Materie zu sehen undauch in unserem Handeln zu ehren.
Gerne tun wir das abgespalten von unserem Alltag in Form von Ritualen oder auch mal in Form vom Kauf eines besonders schönen Edelsteins etc.
Aber meiner Ansicht nach sind es unsere alltäglichen Handlungen, die diese Wirklichkeitformen. Deshalb lasst uns doch ein kleines Licht anzünden in derdunklen Jahreszeit, und ein wenig Bewusstheit in unser Handelnbringen, was die Beleuchtung unserer Rituale und Zeremonien angeht.Vermutlich wird dadurch weder der brasilianische Regenwald geschützt noch der süße kleine Orang-Utan, der grade durch das Internet kursiert, weil das britische Fernsehen ihn verbannt hat. Aber wir bringen ein wenig bewusstes Handeln in diese Welt. Ein wenig Innehalten und ein wenig Nachdenken. Und vielleicht ein bisschen mehr Liebe und Respekt der Materie gegenüber, mit der wir uns täglich umgeben – und somit auch uns selbst.


“If we could change ourselves, the tendencies in the world would also change. As a manchanges his own nature, so does the attitude of the world changetowards him. … We need not wait to see what others do.” (Mahatma Gandhi)


Klarheit spielt den Schatten ins Gesicht

Ausstellungseröffnung: Lichte Momente im Stadthaus in Ulm


25 Jahre ist es nun her, dass das Stadthaus zu Ulm, ein moderner Bau, direkt neben dem erhabenen Alten Münster, eingeweiht werden konnte. Die Feier dessen, die mit einer kostenlosen Ausstellung bis 10.März 2019 und turnusmäßigen Tanzperformances weitergeführt wird begann mit einer ebensolchen.  In einer aufweckenden Melange aus Tanz und einprägsamem Spracheinsatz flutete die Strado Compagnia Danza, ganz in schwarz,  geleitet von Domenico Strazzieri das volle Stadthaus mit Licht, Form und Bewegung. Klares Signal, brachial enthüllt die Existenz von Transzendenz. Zum Ende der dynamisch-symbolträchtigen Performance erschien in einer verschleierten Säule ein Tänzer, im Blaulicht ästhetisch sich windend. Dann hielt Bürgermeister Czisch eine Rede. Das Stadthaus, geformt wie ein Schüssel, sei zum Unbehagen mancher Praktiker selber ein Kunstwerk. Und die Konzeption habe damals schon für Aufbruch und Weitblick gestanden. Es habe sich gegen Widerstände in einem offenen Diskurs in der Stadt durchsetzen müssen, und heute sei es selbst ein wichtiger Ort des Diskurses in Ulm und darauf sei er stolz. Ähnlich wie die umstrittene Wissenschaftsstadt sei das Stadthaus heute ein Erfolgsmodell und in einer Stadt mit so ausgeprägter Diskurskultur wie Ulm genau am rechten Platz, auch wenn dafür Parkplätze geopfert werden mussten, sagte Czisch selbstbewusst.Wie reimte Ken Wilber einmal über den Lauf seiner spirituell erweiterten Evolutionstheorie: “Transzendenz und Integration sind die zwei Beine der Evolution.”


Die Ausstellung: Zwischen Licht, Form und Landschaft


Auf der Suche nach meiner Partnerin erfasst mich die Berühungsmacht der Lichten Momente zuerst beim Aufgang in den dritten Stock. “Klares Signal brachial enthüllt die Existenz von Transzendenz.” Dieser Satz beschreibt passgenau was ich fühle  als sich mir im Treppenaufgang zuerst das schlanke Ulmer Münster durch die weigerahmten Scheiben Meter für Meter entblößt und dann im Raum ein Blitz die kolossale Aufrichtung des Baues im lichten Moment des Einschlagens in eine Palme abwärtsgerichtet spiegelt. Das ist vollendete um nicht zu sagen heilige Geometrie. Selbst der Name des Künstlers ,Julius von Bismarck, der das Objekt talking to thunder genannt hat passt. Und selbst die Methode: Er hat Blitze künstlich angezogen,was man seinem berühmten Namensvetter Otto von Bismarck auf politischer Ebene auch nach sagt. So zum Beispiel in der bewussten Brüskierung des französischen Königs in Vorbereitung der 1871er Operationen. Blickt man nach rechts eröffnet sich einem in einem anthraziten glänzenden Dreieck eine über einem gemusterten Steinboden schwebende Transzendenz symbolischer Natur. Wer Joga macht kennt das nach unten schauende Dreieck als die eine Hälfte des Symboles für das Herzchakra. Auch tritt es einem im Davidstern, der gelichzeitig für Mittelalterbegeisterte der Stern der Brauer ist entgegen. Diese leichtschwebende Figur, dann auch noch über einem Viereck und in der Örtlichkeit des Pantheon in Rom, des Tempels aller Götter,  wird Gedanke für Gedanke immer mehr zum Schwergewicht. Informiert man sich näher über den 2013 verstorbenen Künstler Klaus Heider der sie erschaffen hat, klärt sich vieles. Heider hatte in den 80er Jahren ein Stipendium in Rom und wollte ursprünglich eine  Dreieck in das Zentrum des Pantheon in Rom lasern. Leider wurde das Gebäude wegen Sicherheitsbedenken geschlossen und das unten stehende Dreieck ist die Vorarbeit, die auf den Kopf gestellt ist, weil der Laser unten positioniert so ansetzen musste.


Die zweite Lichtstudie spielt mit der Ähnlichkeit der Kuppel und ihrer Öffnung mit dem menschlichen Auge. Der Künster, der stets in Bereichen zwischen Wissenschaft und Kunst forschte ist ebenfalls im ersten Stock mit Lichtzeichnungen vertreten, die er damals erst nach dem Entwickeln des Filmes begutachten konnte, auch das sehr inspirierend und keineswegs veraltet in seinem pionierischen Charakter.

Vom Licht zur Landschaft zwischen Licht und Dunkel

Auf blickbannende und verweilen lassende Weise hat sich der Perkussionist Jürgen Grözinger mit einer Freundin zu Beginn des Jahres 2018 auf eine photographische Reise in das Island zwischen Dunkel und erstem Licht gemacht. Sowohl in Bildern als auch in Bilderreihen auf Monitoren zeigt sich der gewaltige Reiz zwischen Schneemassen, Sturm und unwirklichem Blau. Einen Weg Farbe, Form und Licht völlig zu verschmelzen zeigt rosalies Austellung “Mahler 8”, in der sie die Symphonie Gustav Mahlers in Lichtsäulen wiedergibt und die Menschen mit den Kopfhörern zu ausdrucksvollen Bewegungen anreizt. Die Installation wurde für die Aufführung des Werkes in der Hamburger Elbphilharmonie entworfen. Immer Donnerstags um 18.00  Uhr , 18.20, und 18.40 gibt es eine kostenlose Performance von  Domenico Strazzeri und seiner  Strado Compagna Danza, diesmal ist ein Lichtschlauch der Tanzort, dessen Licht-Schattenspiel sich durch das Tanzen intensiviert.Am 14. Dezember 2018 um 19 Uhr werden in die drei  abdunkelbaren Kabinettsräume des Stadthauses weitere Lichtobjekte einziehen, durch die Performance des Lichtschlauches von unten nach oben geleitet warten dort unter anderem der Round Rainbow von Olafur Eliason, die Soft-Volume-Körper von Rosalie aus Stuttgart und die Lichtprojektionen der Windows to go von Ulrich Vogel aus Berlin.

Austellungsführungen: Do. 28.12,18 Uhr / Do.21.02, 19 Uhr

Anmeldung: Tel. 0731/1617700 oder unter stadthaus@ulm.de

Weiteres: Stadthaus.ulm.de und/oder 0731/161 770

                                                  

Mozarts Requiem:Versuch einer gnostischen Interpretation

Ulmer Kantorei sang verstärkt in Unterelchingen

Das Requiem in D-Minor von Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart zu hören ist für den Klassikliebhaber an sich eine Wohltat. Die neue Ulmer Kantorin Ulrike Blessing sich damit in “ihrer” Barockkirche in Oberelchingen mit einer um 50 Sänger verstärkten Ulmer Kantorei einführen zu sehen ist eine Gnade. Lange hat deshalb der Artikel auf sich warten lassen. Er wählt eine gnostische Herangehensweise an das musikalische Geschehen des Requiems. Seit langen Jahren hat musikalisch eher spärlich gebildeten Autoren, die Sehnsucht welche das Requiem verströmt begleitet. Und in dieser Spannung zwischen Fühlen und verständlich machen beginnt auch die Beschäftigung mit dem Werk. Einer der großen Wahrnehmenden des 20. Jahrhunderts, Rudolf Steiner sagte einmal: “Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist zu schweigen”. Die Gnosis, also die Gotterkenntnis sucht die Sehnsucht nach dem Unsagbaren ebenso zu vermitteln, deshalb wähle ich sie als Herangehensweise. Mozart dessen voller Name Goldmund der mit dem Wolf kämpft Gottesfreund heißt, hat durch sein außerordentlich produktives Leben, aber auch durch seinen freiheitlichen Lebensstil und durch seine Mitgliedschaft in der Wiener Freimaurerei, aus der zum Beispiel die Freimaurerkantaten entstammen viele Menschen inspiriert. Mozart war, wie vorallem die Zauberflöte zeigt ein Meister der Intgeration von Einfachem und Hochkomplexen.

Gnosis als Herangehensweise

Durch sein tändelndes lustreiches Leben, hatte er viele Einblicke in das Leben der gewöhnlichen Leute. Mozart war kein Theoretiker sondern ein Macher mit einer feinen Nase. An der Grenze zur Romantik stehend schaut sein  Requiem auf die deutsche Requiemtradition zurück, wo das Requiem vorallem seit dem 15. Jahrhundert am Totensonntag nach römischer Liturgie aufgeführt wurde. Damit vereint er aber die österreichische, spätbarocke und frühklassiche Messenpraxis. Trotzdem sind die meisten Passagen des Requiems nicht von ihm selbst komponiert. Denn sein eigener Tod am 5.Dezember 1791 kam der Fertigstellung dazwischen. Deshalb heißt es auch Mozart habe die Auftragsarbeit für den Grafen Walsegg-Stuppach, im Wissen um seinen Gesundheitszustand für sich selber komponiert. 400 Leute sitzen in der prunkvollen mit weißem Marmor ausgekleideten Klosterkirche in Oberelchingen als das I.Introit, der Part der noch ganz vom Meister selbst komponiert wurde, anhebt.

Die schrecklichen ersten Schritte auf dem Weg zur ewigen Ruhe

Das kleine klassiche Orchester bestehend aus Hörnern, Posaunen, Klarinetten, Oboen, Pauken und Trompeten. Die vier Solisten und der 130 Menschen starke Chor schweigen zunächst in der Mehrzahl.Geigen und Oboen erzeugen jenes schaurige Schreite, welches zunächst ohne prätentiöse Auftakte und Brüche einzigartig leise bleibt.  Dann erst kündigen vier Trompetenstöße, von Geigenzügen beantwortet den Chor an. Die Bässe und Soprane singen nun die gnostische Kernbotschaft des Requiems. Bässe: “Requiem aeternam dona eis, domine”  und hernach die Soprane: “Et lux perpetua luceat eis.” Was Mozart der Überlieferung nach noch war, war ein gottesfürchtiger Christ, und verlässt man sich nicht auf die Intuition beim Hören, so darf man ihm trotz Geldnot, doch unterstellen, dass er das Requiem gefühlt hat.

“Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,

und ewiges Licht leuchte ihnen”,

bedeutet dieser lateinische Wechselgesang zwischen Männern und Frauen.

Vom Standpunkt der Gnosis aus ist die Seele unsterblich, wenn man sie, ebenfalls gnostisch, als den Resonanzkörper der Musik ansieht, so muss der Verstorbene wie der trauende Zuhörer sich von seinem Körperverstand  lösen um die Seele nach dem Versterben des Körpers zu befreien. Wie der Strudel der Läuterungen gestuft hinabsteigt, ertönt das exaudi, exaudi orationem meam. Erhöre mein Gebet, ertönt es wie eine verzweifelte Ausrufung, die immer wieder von Schmerz und Schluchzen unterbrochen wird. Nach dem eindringlichen Flehen des Chores im II.Kyrie nahm einen der Chor noch wieter mit zum Abstieg in die Sphären der Läuterung. Es begann im Allegro der Dies Irea, der Tag des Zornes, der die Welt in Asche verwandelt. Gott der Ursprung der Seele und Inbegriff der Grundgesetze des Kosmos erscheint nun um zu richten. Im Tuba Mirum, der wundertönenden Posaune klingt etwa von der größe und Veränderungsfähigkeit Gottes an unter dem Marienbild mit der Überschrift: Deo Matri que virgini. Gottes Mutter und Jungfrau gaben sich die tiefen Solisten  ohne Sopran ein erstes wohlklingendes Stelldichein um ihre Angst vor den Aufzeichnungen Gottes kund zu tun. Das dreimalige Ehrfurcht gebietende einleitende Rex des Chores beim Rex Tremendae weißt darauf hin das der Urquell der Schrecken zugleich Urquell der Gnade ist.Das Recordare eröffnen I-chiao Shih, die Mezzosopranistin aus Taiwan und Markus Francke der Tenor aus Freiburg gemeinsam mit einer Bitte das Jesus ihnen gedenken solle.Dann tritt die bezaubernde  Sopran-Solistin Maria Rosendorfsky, die schon an der Wiener Staatsoper gesungen hat auf. Sie bittet, noch unsicher was vor dem Ratschluss Gottes bestehen kann, “lass mich jetzt nicht untergehn.Jesus ist gnostisch die Erkenntnis des Gesetzes der Liebe.

 Andante geht es nun weiter mit dem Sanctus, wo der Chor seine Stärke ganz in seinem Osanna in excelsis ertönen lassen kann. Nach den drei Sanctus, fließen die angefochtenen und doch schon bestärkten Stoßgebete wie warmes Gold nach unten.Nach dem schon recht  harmonischen und geläuterten Hossana in der Höhe von Chor und Solisten im Benedictus folgte nun der Höhepunkt des Agnus Dei. Eine stetige und bestimmte Ordnung ging dabei stets vom Dirigat Ulrike Blessings aus. Der siebte Teil steht für Jesus als denjenigen der in der Welt von der Dreieinigkeit Gottes in Wille, Weisheit und Liebe Zeugnis gibt Agnus Dei das Lamm Gottes. Das von dem Assistenten des Goldmund Gottesfreund Mozart namens Süßmayr fertig komponierte Requiem endet wie es begonnen hat mit dem ewigen Licht. Nur noch erweitert um die Heiligen, die im Prozess der Läuterung des Geistes, ob in Leben oder dem Grenzland des Todes, zu Gott zurück gekommen sind und zu seiner Schau, so wie Shakespeare Lorenzo in seinem Kaufmann von Venedig seiner Geliebten sagen lässt:

“Komm, Jessica, sie wie die Himmelflur ist eingelegt mit Scheiben lichten Goldes! Auch nicht der kleinste Kreis, den du da siehst, der nicht vibrierend wie ein Engel singt zum Chor der hellgeagten Cherubim. Solch´ Harmonie lebt in der Seel´unsterblich! Nur wir(weil dieses alte Kleid von Staub uns grob umhüllt), wir können sie nicht hören.”

Die Sehnsucht welche das Requiem, auch wenn ich sie musikalisch nicht auszudrücken vermag liegt in diesen Wünschen von Chor und Sopran:

Ewiges Licht leuchte ihnen, Herr, mit deinen Heiligen in Ewigkeit, denn

du bist gut.

Ewige Ruhe gib ihnen, Herr,

und ewiges Licht leuchte ihnen,

meit deinen Heiligen in Ewigkeit,

denn du bist gut.