Das japanische Gedicht als Form der Veränderung









An der Schwelle der Moderne: japanische Lyrik im Edwin-Scharff-Museum Neu-Ulm

Von Oktober letzten Jahres an lief die Ausstellung „Wie ein Traum!“:Emil Orlik in Japan.Am ersten Museumstag am 11. November 2018 wurde die Sehnsucht nach japanischer Weltanschauung und Weltgestaltung, welche die Holzschnitte und Bilder Orliks vermitteln, erstmals in Neu-Ulm tätig vergegenwärtigt. Dabei gab es Führungen durch die Ausstellung Orliks, der als reisender Künstler und Kunsthandwerker vor allem von der Exotik japanischer Farbholzschnitte und Alltagsszenen inspiriert war. Am Ende des reichen Tages erklärte der Japanologe Alexander Beck die spannende Nähe von Vergangenheit und Erneuerung die bis heute in Japan mit Händen zu greifen sei. Diese Nähe konnte den Besucher der Lesung japanischer Literatur schon in der Ikebana-Ausstellung im Erdgeschoss lebendig faszinieren. Aber zunächst zur Literatur. Das Ehepaar Ikeda hatte sich die Mühe gemacht ihre Texte mit der Ausstellung von Ausschnitten Emil Orliks und anderer Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Thema Japan zu harmonisieren. In der gut besuchten Lesung im ersten Stock des Edvin Scharff Museums entfaltete sich die ganze Schönheit japanischen Sprachvermögens, entfaltete sich die stumme Sprache der Bäume, Augenblicke und Vergänglichkeiten in Klang und Wort.

Die Übersetzerin Isolde Kiefer-Ikeda und ihr man der Professor für Germanisik an der Universiät Tokio Nobuo Ikeda lesen Gedichte aus der Umbruchszeit im Japan um 1900

Zenkunst: Waka das japanische Gedicht im Strudel der Modernisierung

Streng genommen wird meist nur Shodo, der Pfad des Schreibens, die japanische Form der Kalligraphie, als Zenkunst bezeichnet. Als man aber die Abneigung gegen die Fremdheit des formalen japanischen Ausdrucks in den GedichtformenTanka und Haiku, aufgrund von einer tiefen ästhetischen Berührung überwunden hat, tun sich einem Tore zur Faszination an japanischer verbaler Ausdrucksform auf. Bis in die Entstehung der Lesung wirkt die geradlinige Weisheit hinein, die auch die heftigen Strudel der Modernisierung nicht entkernt zu haben scheinen. Der Ehemann Nobuo Ikeda, Professor für Germanistik in Tokio, hat die Texte ausgewählt. Seine Frau Isolde Kiefer-Ikedo hat sie übersetzt. Er wiederum trägt vor und sie schweigt konzentriert dazu, als ob sie die haltende Kraft der Lesung wäre. Bei der Ikebana-Zeremonie später wird uns diese Wertschätzung der Anwesenheit und Beziehung wiederbegegnen. Der Zen-Buddhismus als die Form, welche mit der weitgehenden Abschottung Japans von der Außenwelt, nach einem nur schwer zu unterwerfenden christlichen Aufstand, mit der Herrschaft der Shogune(Kriegerkaste der Samurai) bewahrt werden soll; verlangt strenge Unterordnung. Die Versformen Haiku 5-7-5 und Tanka 5-7-5-7-7 wurden aber auch in den Jahren der Reform nach der von US-amerikanischen Kriegsschiffen herbeigeführten gewaltsamen Öffnung Japans im Jahre 1853 beibehalten. Wie so mancher Mangafilm heutzutage, der mit tiefer Melancholie und Symbolsprache, die alte Ordnung in die neue fließen lässt entwickeln die Gedichte aus der Welt des fließenden Lebens, eine Atmosphäre der Gegenwärtigkeit, welche durch ewige Symbolsprache die drei Zeiten verbindet, anschaut und somit störende Gefühle verwindet. Ein Beispiel:

Regentag

Ich erinnere mich.

An den blaugrünen abgenutzten Glasschrank,

darin die in Holz geschnitzte Arzneirezeptur, Salpetergeruch …

und dass der Regen an diesem Abend leise fiel,

an die rotblauen Schwalben, die durchnässt nach Hause kamen,

und dass der Regen an diesem Abend leise fiel,

an die Augen der Frau,

die ihren Papierregenschirm zusammenfaltete und nach Sake verlangte …

wie er eine Glasflasche nahm

und stumm abfüllte … der kahlköpfige Angestellte.

Und dass der Regen an diesem Abend leise fiel,

an die Priesterin, die ihr Glöckchen läutete …

und an die phosphorzierende Seele vor dem Haus,

die den Schimmel der Gipswand berührte.

Ich erinnere mich.

Dass der Regen an diesem Abend leise fiel

und an das Gesicht meiner Mutter,

die das Messer aus der Scheide zog und sterben wollte,

daran, wie die rotblauen Schwalben schilpten.

(Kitahara Hakusu 1885-1942

Durch die Blume: Aus der Leerheit taucht eine eigenständige Ausdrucksfülle

Orlik´s Interesse, so Professor Ikeda, der Herausgeber einer Zeitschrift für deutsche Literatur in Japan ist, galt dem exotischen alten Japan. Doch zwischen 1901 und 1902, dem Zeitraum der Reise des böhmischen Künstlers der sich dem Wiener Jugendstil verschrieben hatte, befand sich Japan schon im Modernisierungsstrudel. Die im Weg der Wortes(Shodo) und der Blumensprache(Kado) des Ikebana tragende Beobachtung des Vergänglichen, als Mittel um die Einfachheit des Geistes zu vergegenwärtigen transformierte sich in der Kunst der fließenden Welt von dem im Westen als Vanitas-Topos vergleichbaren Blickwinkel der Seele zu einer Bejahung der Diesseitigen und der Vielfalt der zusammengesetzten Welt. Diese Bewegung hat ihre Ursprünge allerdings schon im 15. Jahrhundert als die im Buddhismus marginalisierten Kaufmännerschichten Japans immer mehr an Einfluss gewannen. In der Literatur und Malerei hieß das Genre welches die Vielfalt der Erscheinungen beispielsweise in der eleganten Welt der Vergnügungen, nicht nur symbolisch wertschätzte Ukio-e(Bilder der vergänglichen fließenden Welt). Schon 1661 umschreibt ein japanischer Schriftsteller diesen bürgerlichen Stil wie folgt:

Für den Augenblick leben, Mond, Sonne, Schnee, Kirschblüten und Ahorn betrachten, den Wein, die Frauen und das Dichten lieben und sich im Strom des Lebens treiben lassen wie ein Kürbis, den die Strömung des Flusses fortträgt(…)Das ist es, was man die fließende, vergängliche Welt nennt.“

(Asai Ryoi, 1612-1691)

In den Jahrzehnten nach der Öffnung Japans, das von den 1630 Jahren bis 1853 ausschließlich mit der niederländischen Ost-Asien-Gesellschaft Handel getrieben hatte, fungierten die Dichter laut Isolde Kiefer-Ikeda als Erneuerer. Trotzdem wurden aber tradierte Formen die Tanka und Haiku beibehalten und mit neuen Inhalten gefüllt. Durch den folgenden Tanka von Masaoka Shiki spürt man die Nähe zwischen Innovation und Tradition in der japanischen Kunst stellvertretend für viele stimmungsvolle Beispiele des vermuteten Entstehungsherdes aller japanischen und japonesquen Ästhetiken weben:

Wie Sand am Meer

gibt es Sterne am Himmel

doch ein einziger lässt seine

hellen Strahlen auf mich allein

fallen

(Masaoka Shiki, 1867-1902)

Der durch die buddhistische Geistesschulung, welche die bedrohte Herrscherklasse der Samurai in den Zeiten der Abschottung allen Schichten verordnete, konnte wohl in Japan eine Ästhetik von bemerkenswerter Tiefe entstehen. Durch die neuen Einflüsse, die geballt ab Ende des 19. Jahrhunderts auf das lernwillige Japan eindrangen, entfaltete sich eine zudem eine bemerkenswerte Kultur der Individualität, und das aus einer Weltanschauen, welches das Konzept des Ich´s als solches verwirft.

Die Lesung zeigt:Wille, Weisheit und Wirklichkeit aus tiefer Anschauung gewonnen, prägen sich in der neuen Generation von Dichtern voll überraschender Abstraktionen und Konkretionen in Gedichte im traditionellen Format. Die alten Formen sind in Japans Dichtung ,zumindest im ausgehenden 19. Jahrhundert, anders wie es die westliche Ansicht: Neuer Wein müsse in neue Schläuche, suggeriert, immer noch die rechte Form.

Gedanken

Die Feigen und meine Träume

schweben auch heute noch

voll in der Luft

(Kitahara Hakushu, 1885-1942)

Sehnsucht und Formprinzipen

Die aus der Ich-Perspektive erzählten Kurzgeschichten von „Träume aus zehn Nächten“ machen den Schluss der Lesung. Hier spiegeln sich alle Stilmerkmale wieder. Die erste Kurzgeschichte vermittelt, dass ein Mädchen sterben wird. Genaue und empathische Beobachtungen „ihre feuchtglühenden starken Pupillen schauen klar mein Bild“ fesseln den Hörer. Die Dichtheit der zweiten Geschichte zieht einen durch die Aufforderung des Mädchens an ihr Gegenüber sie zu begraben in den Bann. Die „Sternscheibe“ als Grabbeigabe und die Perlmuschel mit der das andere Mädchen das Grab im Mondschein gräbt verursachen eine Art hypernatürliche Entrückung. Zum Ende wird der Text der um 1900 geschrieben wurde märchenhaft. Das Mädchen muss 100 Jahre an dem Grab warten. Als in der fünften Geschichte, keine Zahl schien zufällig, im Grab eine Lilienblüte, bis zur Höhe des Herzens des Mädchens entspringt, weiß das Mädchen, dass die 100 Jahre vorbei sind. Vielleicht waren auch die Jahrhunderte der selbst verhängten Abschottung Japans nötig um durch die Verinnerlichung der alten äußeren Kampfkünste und Kulturtechniken innerlich so stark zu werden,dass die Moderne den Wesenskern Japans nicht auszuhöhlen vermochte. An Ikebana, dass einerseits, eine 550 Jahre alte Tradition hat und zugleich seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Ikenobo-Schule im Gespräch mit moderner Kunst sich transformierte, werden wir im nächsten Artikel sehen, wie das spirituelle Element eine Brücke zwischen Tradition und Innovation schlagen kann, wenn es sich nicht über die Gebühr selbst behauptend verhärtet.

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Gleis 44: Veranstaltungszug 2019 geht aufs Gleis

 

 





Während die Jungs und Mädels vom Gleis 44 den Januar weitgehend für eine Auswertung des äußerst bewegten ersten Sommers in dem großstädtischen Jugendzentrum nutzten,geht der Veranstaltungszug der Location im September wieder mit Volldampf aufs Gleis.
Das Gründungsmitglied Samuel erzähle mir die Positiv- und Negativerfahrungen die im
Medium des kreativen Chaos die ersten Monate des Gleis 44 geprägt haben. Darauf basierten,
so meint Samuel, die Verfeinerungen alter Veranstaltungsreihen und das Weglassen alter Schienen.
Doch zunächst die Entstehungsgeschichte des Ortes im Ulmer Dichterviertel.Am Anfang stand die Nachricht, dass die Stadt Ulm ein altes Gebäude der deutschen Bahn, statt eines anstehenden Abrisses als Jugendzentrum ausgeschrieben hatte, allerdings ohne Bezuschussung. Drei Jungs von der Waldorfschule Illerblick am Ulmer Kuhberg schauten sich die Location an, verliebten sich und bewarben sich. „Ganz verzückt und überwältigt“ seien die Jungs gewesen, als sie den Zuschlag für 3 Jahre Gestaltung des Gebäudes mit recht umfangreichem Außenbereich bekamen. Schnell
scharte sich um die 3 ein Kreis von 30 Helfern, welche nochmals unterstützt wurden von einem Kreis von 50 sporadischen Helfern. Nun wussten, so schildert Samuel lebhaft, „manche Räume aufgebrochen werden“ um ein Bild von Mäusekot und Spinnweben preiszugeben. Nach der ausgedehnten Grillparty zur Feier des Zuschlags kamen von März 2018 bis September Monate der intensiven Umbauarbeiten auf die Crew zu. Ende Juli zum Schwörmontag flog in Form einer Technoparty in den wildromantischen Räumen eine erste Testsonde aus, deren Ergebnis eine Bombenannahme war.


Aller Anfang war geil



Die Location befindet sich in der Schillerstraße 44 im Ulmer Dichterviertel.Das Gleis 44, so nannte der Kreis hemdsärmeliger Schaffer und genüsslicher Fester den Ort wohl wegen seiner Bahnvergangenheit hatte mit seiner ersten Party bei den Machern fette Motivationsschübe und bei den Besuchern hohe Erwartungen ausgelöst.
Mutig nennt Samuel den Schritt der Stadt, ein Kulturzentrum für junge Leute mit Raum für Hip Hop Battles, Theater, Joga, Upcycling-Cafes und klassische Musik zu gleich zum „Resident“ des vormals städtischen Gebäudes zu küren. Der Organisationstil des einfach machen wenig denken, hatte sich in den vergangenen Monaten als praktisch und hochinspirierend ausgewiesen, meint Samuel.“Einer hat eine Idee und die anderen lernen und haben kleine Abenteuer beim Ausführen dieser“, meint der gemütliche 20-Jährige mit seinem dicken Strickpulli in rötlichen Tönen. Samuel,der beim Gleis 44 für Marketing und Werbung verantwortlich zeichnet, genießt es auch, dass auf dem Gleis ein breiteres Aufgabenspektrum gibt, wie beispielsweise mal die Heizung zu reparieren, wenn die kaputt gegangen ist.
Ärmel hoch krempeln kann er und während im Innenhof, wo ein Biergarten entsteht, eine Statue
mit Anleihen an das Trojanische Pferd entsteht, sieht er sich als Rammbock, der große Acts solange nervt, bis sie ihr Equipment über den zwei Floors der alten Werkstätten im Erdgeschoss des mittlerweile mit einigen Ausstellungen verschönten Gebäudes ausbreiten und damit Publikum anziehen. Die Ausstellung „Wir bauen ein Haus“ beispielsweise wird am Samstag dem 09. Februar mit Sektempfang in dem Räumen des Gleis 44 eröffnet.



Von Klassik über Techno bis zu internationalen Acts


Werbung beim Gleis 44 läuft zur Zeit vor allem über Facebook und Instagramm. Die offizielle Eröffnung am 01.09.war ein Selbstläufer, „gefühlt von der ganzen Stadt gehypet“ platzten Gebäude und Gelände vor Menschen mit guter Laune aus allen Nähten.Hier trat,hernach auch in den Medien sichtbar, das zweite Mal das kreative Chaos, als Raum und Freude, im Medium von Musik, Wahrnehmung und Stoff zu Tage. Bei dem Event sah man das Techno-Fans etwas für Techno-Fans erschaffen hatten, welche in der Interaktion mit den Gästen zu etwas noch größerem explodierte. Das Gleis 44, welches sonst nicht
mit Geldern der Stadt gefördert wird finanziert sich rein durch Getränkeerlöse
und DJ-Kombinate, wie beispielsweise das Kollektiv Schillerstraße tragen mit ihren großen Partys
das Projekt. Oben gibt es Räume für Joga und Upcycling-Cafe´s.Mit dem Minimal von Sceptical und dem Basshouse von Marten Horger hat Samuel zwei internationale Acts für den Februar an Land gezogen auf die man sich definitiv freuen darf.
Eine Erkenntnis Samuels aus der Zeit des wilden ungeplanten Booms:„Kreatives Chaos ist geil aber auf Dauer ziemlich anstrengend.“ Im Januar wurde auf dieser Erkenntnis fußend entschieden, dass es nun einen festen Barkeeper in der neben den beiden Dancefloors und dem Raucherraum vorhandenen Bar geben soll und eine langfristigere Terminplanung. Das ist auch nötig weil viele der ehemals 50 Helfer drumrum wieder ihr eigenes Leben leben. Samuel hingegen hat nach dem er eine Reisephase beendet und ein Studium geschmissen hat eine Sechzigstundenwoche im Gleis. Seine Eltern waren davon zunächst gar nicht begeistert, seit es aber läuft schon eher, studieren will er aber frühestens in 2 1/2 Jahren, falls es keine Nachfolgeprojekt für die 3 Jahre im Gleis mehr gibt.


Was sich 2019 verändert



Eine Negativerfahrung sei der Weihnachtsmarkt gewesen. Alle dachten voll coole Idee ein alternativer Weihnachtsmarkt im Biergarten. Dann habe sich aber gezeigt, dass zu wenig Leute gekommen seien, sie hätten Miese gemacht. Das Wagnis der Reihe „Entgleisungen“ hinter der sich
klassische Konzerte verstecken, habe hingegen großen Anklang gefunden, schildert Samuel. Es gab viele Spenden und das Gleis-Team konnte aus einem deutschlandweiten Netzwerk aus jungen Musikstudenten schöpfen, die Lust hatten in einem Club zu spielen. Gerade laufe eine Anfrage um Fördergelder der Stadt für ein Klavier, von der der Start der Reihe, die im März beginnen soll, noch abhänge. Zu den festen Veranstaltungsreihen:Soul a Gogo, der Name ist vom Inhaber des Plattenladens Sound Circus, biete jeden ersten Samstag im Monat live Soulkonzerte. Am 02.02 beginne die Schiene erstmals mit DJ. Jeden 2. Samstag im Monat gibt es Orienttechno und und mit schwarzen berliner Bässen unterlegten Afro-House von Baghira Drums. Die gefeierte Ulmer Nachwuchsband Roadstring Army wird Donnerstag den 14. den Indieabend beschallen.
Unter den Labeln „Rebell Hifi“ für Reggae und 44 Pointz“ für Hip Hop seien Acts der beiden Genres monatlich gesetzt. Freuen tut sich Samuel kurzfristig auf die Show vom House Topact Marten Horger am Freitag 08.02 ab 22 Uhr und mittel- und langfristig auf die Eröffnung des Biergartens in dem entspannte Musik von DJ´s Tacos, Burritos und Veganes mit einer breiten Palette an Getränken gereicht werden sollen. Die Herren des Trojanischen Pferdes haben sich auch einen alten LKW gekauft, den sie gerade zum Foodtruck ausbauen und mit dem sie gegebenenfalls nach dem Projekt weiterfahren können.Bevor es vielleicht dazu kommt darf man von dem hochmotivierten Team erst mal einige sub- und hochkulturelle Impulse erwarten, welche den Hochgenuss an der Stadt Ulm definitiv verbreitern und vertiefen werden.

Weitere Infos, Bilder, Termine unter:  gleis44.de

 

Am Freitag, 08.02 gibt sich ab 22 Uhr Marten Horger an den Turntables die Ehre
DJ´s beim üben auf dem großen Dancefloor im Gleis 44

 

 

 

 

 

 

Guru Aarti



„Die Wurzel der Meditation ist die Form des Guru“
(Guru-Puja)


Die Reise beginnt im Osten, im Morgen,
im Eng-Sein in der erahnten Weite


Die Reise beginnt im Mittelpunkt des Herzens
wo ein Strom entspringt
der die dualen Dinge durchdringt


Es ist ein leuchtender Strom
dessen Wasser tanzt und singt
der die Dinge mit sich nimmt
und in seinem Fluß neu bestimmt


Guru du gehst vom Du zum Du
Du bist das Leuchten im Strom
klares Wasser, stürzend vom Thron


Guru, Guru wandelnd von der
Dunkelheit zum Licht
sehn wir in reiner Ansicht
im Liebesstrom getauft
zu deinen blauen Lotusfüßen auf


Guru, Guru zeigst uns auf
das es im Außen nichts mehr zu erstreben gibt
Wenn man im Liebesstrom geborgen und getragen
bedingungslos liebt


Liebesstrom bist so stark
weil man in dich mündend viel gelassen hat
Weisheitsstrom der das Enge und Grobe
nicht hebt,
ziehst durch die Welten für alles was lebt


Die Wurzel der Auflösung
ist die Form des Guru,
wurzelnd im Wasser
mit all seinen Bildern und Spiegeln
die als Elemente des Erwachens erschienen
Lieben und Erkennen
als ein und das selbe entsiegeln


Die Wurzel der Meditation
ist die Form des Guru
Hast du ein Bild, eine Form
durch Anhaftung zum Banner gebannt



Kommt der Guru und zeigt dir
-in dein Zimmer eingeschlossen-
die Stadt und das Land


Guru, Guru- Form und Leerheit
gehen in dir Hand in Hand
strömen in rechter Gelassenheit
und Flusskraft vom Hier und Jetzt
ins unenddeckte Land


Der Guru beginnt mit dem Küssen der Füsse des Täufers
und findet im Liebesspiel von Shiva und Shakti
die rechte Hingabe zu indisch Bhakti


Der Weg endet im Westen im schwarzen Winter
wo das Rot des Sommers und das Gold des Herbstes
geflüchtet oder angezogen von des Westens Macht
schmieden neue Elemente durch die Näherin der
Sterne die alles erleuchtende Weltennacht


Guru, Guru Form der Zerbrechung
hast alles neu gemacht
und selbst den Westen still gelacht

Daniel Baz 27.01.2019 Gedenktag der Befreiung von Auschwitz

Thema mitimpulsiert von
von einem Dharshan von Sri Durgamayi Ma, Ashram Brindavon Ulm

Aarti ist ein Sanskritwort für Licht, es gibt eine gleichnamige Zeremonie
für bestimmte Aspekte Gottes die dort Sonntagmorgens praktiziert wird


Bild: Brunnen Ehingen, Thema: Die Predigt an die Vögel des heiligen Franz von Assisi

2 Jahre Trump

Vor zwei Jahren als der Rabe noch im Ei war und ich, als hatespeachverweigender Regenbogenbauer, von der Kunde über den neuen mächtigsten Mann der Welt, gestreift, erschien dieses Gedicht im Facebook, Facebook hat mir nahe gelegt es heute wieder erscheinen zu lassen;-)


Ein Weg

Wer ist es auf den Ladenhüter und Scharfschützen schimpfen?Wer, der verunglimpfend uns versucht zu verunglimpfen?

Wer ist der kesse Wahrheitsfreund, der unabstrakte real estate?

Wer ist es, der heiß wie seine Tochter ist, fast wie im Film, wie Donald?

Wer ist heiß wie Luft und heißt wie der englische Anfang von Trompete?

Who is it making the state with real estate?

Wer macht aus Clintons Zigarre eine Air Force One , sag wer trifft- wie einstudiert -immer den richtig falschen Ton?

Wer baut die Mauer für die Kukarachas, say who likes what is real?

Wer ist der gut behütete Hirte der Freelanderherde,


der deine liberale Nachbachschaft versicherheitlicht, wer bringt der Statue das Licht?

Ist er der Sexhexer letzter Schlummertrank oder der Bummerrank?

Wer bringt das Geld für das goldene Kalb?

Etwa Disney Donald Episode 2 America´s alternative Skalp?

Nicht Daisy, schon eher Daisy Cutter
Er heißt Trump wie der Tower
und deine Mattscheibe war ohne ihn echt matter

Er heißt Donald Trump wie Triumph
so emphasize my charming commander in chief

let america rice across the Rio Grande

Ramstein, Rammstein alles will gerammt sein

Kein Ronaldlein, kein Donaldlein zertrampelt uns den Eckstein

Daniel Baz 2017+2019

 

TÜR und TOR





Wenn eine Tür sich schließt
öffnet sich eine andere
oder die Tür bleibt zu
und du hast erst mal deine Ruh.


Die Türen öffnen sich
die Türen schließen sich
und Tao schaut vollkommen zu


Und wie schaute wohl Tao das
Licht, wenn nicht durch dich und mich
Hab dich so lieb, Sofia, Du…


Wenn du deine Pflicht tust
und im Glauben an das Licht ruhst
Dann wird das Licht auch wiederkommen
Denk dran wenn es wütet und weht


Wenn sich eine Tür
zu einem großen Zimmer schließt
und du im Umzug in ein kleines Zimmer bist
frag dich was drin war
und was du daraus vermisst


Denn wenn die Türen schlagen
und dich die Dinge jagen
die du brauchst und
nicht haben kannst
bist du isoliert von nagender Angst


In dem Zimmer war der Lärm
der Stadt bei Nacht,
der Lärm hat mich in Wohl und Weh
der Stadt näher gebracht


Dieses Zimmer war ein warmes Plätzchen
in einer fremden Welt
die mich in Wohl und Weh
gemahnte an den Mangel
an Arbeit und Geld


In diesem Zimmer war
ein Ort der Utopie
von ewig Zeit
und Zweisamkeit
und Zeit für die Einigung der Zwei


Die Tür hast du jetzt verschlossen
Die Utopie hat zu viel Zeit genossen
Und das Konto krankt
und da ist niemand der´s dir dankt
außer Ich, Sofi ich liebe dich.


Die Tür ist nun zu
und du hast erst mal deine Ruh
und aus meiner Ruhe entsteht
ein neues Gedicht, ein neues Gebet


In dem Zimmer war der Kern
die Welt zu überwinden
doch auch die brennenden Barrikaden
woll´n die Welt wieder verbinden
in einer besseren Welt


Der Kern der Weltüberwinder
fand kein Licht in der Welt
keinen Boden über Winter
keinen Gärtner in den Gewohnheiten Blinder


Aus dem Zimmer möcht ich
nichts nehmen,
denn was in uns Zukunft
schaffen kann, setzt an dem
was ins uns keimt an


Doch da ist etwas in dir
was mich inspirieren kann
die konsequente Selbstsorge,
der Selbstverwirklichungsdrang


Ich brauche Menschen wie dich
die bereit sind sich zu erkennen
in dem Licht das in Sicht ist
sich anzunehmen gäbe es auch Grund sich abzulehnen
und die bereit sind zu wachsen
und Raum zu schaffen für sich


Mögen sich die Tore der
Arbeitsstätten öffnen
die Luft voll mit Konzentration


Möge ich schonend und pfleglich
Mit mir und Material und Mensch
umgehen, umsichtig und sorgfältig täglich


Möge ich die Affekte nutzen lernen
wie die Maschinen
Möge ich in die Welt wieder geh´n,
meinen Mann darin steh´n
Ein Stück nützlicher und stärker
dir gegenüberstehn


Die Tür zum Liebeszimmer hat sich geschlossen
Das Arbeitszimmer öffnet sich


Der Lärm der Straßen
wird wohl zum Lärm der Maschinen
Wir sind Liebende, Helden
die die Feinde besiegen
indem sie ihnen dienen


Wenn du deine Pflicht tust
und im Glauben an das Licht ruhst
dann wird das Licht auch wiederkommen
denk dran wenn es windet im Wanken zu danken
dem der überwindet
und sich dadurch im größeren Ganzen
wiederfindet

Daniel Baz im Loslassen

Arbeit


Arbeit ist ein fließend Band wechselnd zwischen roter und grüner,
zwischen offner und geschlossner Hand


Arbeit macht die Liebe sichtbar, integriert ins große Ganze
und transformiert, den Formen dankbar, dass was war


Arbeit ist ein Geben von Zeit und eigener Herrlichkeit
sie schleift einen zum werktätigen Leben
Sie ist ein Dirigent kann Rhythmus, Harmonie und Fassung geben



Arbeit braucht Wertschätzung
Maße und Muße
Arbeit braucht Lob und Lab
Arbeit wird gut wenn man sie lieb hat


Arbeit ist wie Leben und Sprache
eine ständig auftauchen könnende
Eingespanntheit aus der Brache


Arbeit braucht Ruhe
versammelte Kraft
Ora et labora
Arbeit ist das Gebet
das promethisch erschafft


Rot ist Arbeit weil sie Leiden schafft
den Körper an die Grenzen bringt
um ihn zum Instrument zu machen
das mit dem Ruderschlag im Reiche der Notwendigkeit
sich der Trägheit Macht entrafft


Grün ist Arbeit weil
sie Stoffwechsel und somit
eine Triebfeder des Lebens ist
Förderband des Sprießens und festlichen Gebens
Grundlage des wahren Genießens


Hand in Hand in Freiheit
ist Arbeit gelebte Zusammengehörigkeit
Gebend und teilend
ist sie- die Menschen verbindend-
und ihre Not überwindend
-ein Unterpfand der Gleichheit


Arbeit ist keine Chance
keine Wahrscheinlichkeit
der Beantwortung einer Annonce
Arbeit zu geben und nicht zu verknappen
ist das Unterpfand der Brüderlichkeit
Anerkennung der Arbeit aller ist der Gerechtigkeit Wappen


Arbeit braucht Liebe zum Arbeitgeber
Arbeitsgabe brauch Dankbarkeit für die Gabe der annehmenden Geber
Denn beide- die Verantworter und Arbeiter- sind
Verwalter und Former der Stoffe zum Werk


Arbeit schöpft aus der Kraft der Vergangenheit
und ist doch nur in Verbundenheit
mit Gegenwart und kommend Zeit ein
guter Ökonom


Arbeit ist das stete liebevolle Formen,
Schaffen im Dienste am Andern
Wo gebende Hände und nehmende Hände
die grünenden Rhythmen der größeren
Ehre Gottes rot widmen


Arbeit ist ein fließend Band wechselnd zwischen roter und grüner
zwischen offner und geschlossner Hand


Arbeit ist ein Name für den Weg ins unentdeckte Land,
dass pocht in jedem Lebensschlag an unsre Herzenswand

(Daniel Baz in den Rauhnächten 2018)


Hölderlins Erben..

…wandern und dichten weiter

Erhard Widmeier fällt mir im Kantatenchor Laichingen durch die Muschel auf, die er immer sichtbar um den Hals trägt und dadurch, dass er der einzige ist der es sich traut den Dirigentenn von den hintersten Bänken aus zu berichtigen. Auf einem Probewochenende entpuppt er sich auch als Füllhorn von spannenden Ansichten und Geschichten. Eine wird mich nicht mehr loslassen, die Geschichte von seiner Verwandtschaft mit dem Dichter Hölderlin, der wiederum ausgehend von der „schwäbischen Geistesmutter“ Regina Burckhardt mit einem namhaften Netzwerk schwäbischer Geistesgrößen verwandschaftlich verbunden sei. Drei Jahre und zwei Chöre weiter treffen wir uns in Donnstetten wieder. Eine neue spannende Dimension eröffnet sich nun als er erzählt, dass er nach 73 Jahren ohne Partnerin eine solche gefunden habe und zwar aus dem Kantatenchor in dem wir uns das erste mal begegneten. Erhard Widmaier war angesehener Schulleiter an der Schule in Donnstetten, der Ende 2018 nach 50 Jahren größten Engagements verabschiedet wurde. Nun verlässt er sein Haus in Donnstetten und zieht mit seiner Angetrauten Heidemarie nach Waldkatzenbach im Odenwald. Die letzte Chance das besagte Buch über Regina und ihre Ahnenreihe, Dokumente von Albertine Hölderlin, die in die Familie Widmaier im 19. Jahrhundert einheirate und den widmaierschen Lebensstil einzusehen. Die Frage was Hölderlin und Er gemeinsam hätten, beantwortet Erhard Widmaier neben einem Bildnis von seinem Großvater, in dem spielende Kinder auf einer Schaukel in Öl festgehalten sind. „Wir beide haben am Tübinger Stift Theologie studiert und wir haben beide das Studium nicht abgeschlossen.“Erhard hat nach dem dritten Semester Theologie geschmissen, weil er Zweifel hatte, am Ende sei es die Angst gewesen etwas predigen müssen, was er nicht hätte leben können. Er meint Hölderlin habe sein Studium nicht abgeschlossen, was aber nicht stimmt. Schlagende Gemeinsamkeiten wie die Lust am Wandern und auch die am Dichten und Musizieren, erwähnt der langjährige Chorleiter und Kirchenorganist nicht. Der geistreiche und lustige Rentner, der sich in Sandalen immer seinen Bart wachsen lässt, hat in späten Jahren noch den Jakobsweg,die Reise nach Rom und eine Reise in die französische Partnerstadt St. Pierre Mallimart zu Fuß auf sich genommen. Nicht nur die 3600 Km Jakobsweg sondern alle 3 Wege hat er dokumentiert und mit Hilfe des Dirigenten des Donnstetter Männerchores Hartmut Rommel privat binden lassen.

Herkunft: Kirchenpflege und die Entstehung von Dichtungi

Erhard meint während er die Bildnisse von Albertine Hölderlin zeigt, von Hölderlin unterscheide ihn seine Konstanz im Glauben. Hölderlin habe in einem Gedicht in der antikisierenden Hymne Hyperion geschrieben der Mensch sei wie „Wasser von Klippe zu Klippe geworfen“, so stürze er ins Ungewisse hinab. Genau genommen vergleicht Hölderlin in diesem Abschnitt die „Irdischen“ mit den im Licht wandelnden Himmlischen. Genau heißt der Abschnitt:

„Doch uns ist gegeben,

Auf keiner Stätte zu ruhn,

Es schwinden es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen,

Jahr lang ins Ungewisse hinab.“

Jetzt beginnt unsere Suche nach einem im Glauben gefestigteren Äquivalent der Hölderlinsätze in Erhard Widmaiers Aufschrieben. Nach einigem Überlegen kramt der umtriebige Mann ein großformatiges Buch mit rotem Umschlag heraus, darauf steht in Gold: In Sandalen nach Rom. Die Dokumentation seiner Wanderung nach Rom. Auf Seite 271 ist eine Skizze mit Text zu sehen, er liest vor:

„Wie ein Tröpflein Wasser kamen wir aus Gottes Hand,

flossen, bis uns jede Faser mit dem Strom verband:

Über Felsen stufen rauschten wir hinab,

oft auch träg verweilend, wenn Strömung riss einst ab.

So – bis heut´- noch immer

fließen unsre Tage hin,

bis von fern ein Schimmer

des Ozeans uns glimmt.

Dort, wenn wir hinkommen,

wird die Weite sein,

werden wir dort aufgenommen

in ein and´res Sein?!

Aus der Hand gekommen,

aber nie allein,

immer hat sie uns ganz fest umklommen,

wird uns gnädig sein!“

Beim Hören der religiös-philosophischer Poesie verbindet sich etwa aus meiner Recherche mit diesem dichterischen Räsonnement über den persönlichen Lebensstrom. Der Name Widmaier kommt genauso wie Widmann oder Wiedmann von dem alten Beruf des Widmaiers. Der war im Mittelalter in Analogie zum Maier, der Widdummaier, der Gutsverwalter, nur nicht für das Königsgut, sondern für das Widdum, das Kirchengut zuständig war. Hier höre ich einen Verwalter des herausgehobenen Guts, des Geistes sprechen, der sich im Glauben mit dem Fall und in Hoffnung mit der winkenden Auferstehung versöhnt hat. Hölderlins direkte Vorfahren waren Klosterhofsverwalter so wie sein Vater Heinrich Friedrich Hölderlin der 1732 in Lauffen bei Stuttgart geboren nur zwei Jahre nach des Dichters Geburt 1772 starb. Und nicht nur das Kirchengut hält Erhard in Ehren auch das Familiengut ist ihm wichtig. In dem obigen Gedicht geben sich nämlich Hölderlin, der Eindruck von heiliger Architektur und das Gedenken an den Vater die Hand. Es ist der 21. März 2010. Des Vater´s 106. Geburtstag. Am 21. Tag auf der Reise nach Rom-auf der Erhard auch den römischen Ursprüngen seines Heimatortes nachspüren will- ist er bis nach Fribourgh gekommen. Nach dem er in der Kathedrale dort eine Szene der Offenbarung bestaunte ,wo die Verdammten auf Jesu Rechter Seite -der Herzseite- stehen, überquert er jetzt eine alte Brücke über die Glane. Dort entdeckt er eine Kapelle die der Heiligen Antonia, der Schutzheiligen der Zahnärzte, geweiht ist, sie bringt ihn zum Aufhorchen -eine Kapelle der Antonia gewidmet- dass hat er noch nie gesehen.Sein Vater war Zahnarzt, er beginnt die Kapelle zu zeichnen, „die Mittagssonne schönt mir die Situation“, hält er in seinem Büchlein fest.Das Gedicht lehnt sich an das von ihm oben erwähnte Gedicht Hölderlins an. Die Worte fließen und lassen im Hier und Jetzt alte und uralte Zeiten in einem ewigen Bild zusammenfließen, so entsteht Dichtung. 


Hölderlins und Widmaiers…

Hölderlin hat seine wohl längste Reise 1801 begonnen von Nürtingen nach Bordeaux. Dort sollte er seine letzte Hauslehrerstelle antreten, die er bald wieder aufgab. Von Friedrich Christian Hölderlin ist bekannt das er auch früher schon auf den wegen zwischen Nürtingen und Lauffen beispielsweise, oder nach Tübingen viel gedichtet hat. „Andenken“ gilt als ein Gedicht das seine Frankreicherfahrung am besten widerspiegelt, es beginnt mit dem „feurigen Geist, hat viele Brüche und endet in der Strophe:

„Garonne meerbreit

Ausgehet der Strom. Es nehmet aber

Und giebt Gedächtniß die See,

Und die Lieb’ auch heftet fleißig die Augen,

Was bleibet aber, stiften die Dichter.“

Diesen bekannten Schlusssatz mag Erhard nicht: „Was bleibet aber, stiften die Dichter“, dass sei so unbescheiden und überhaupt habe sich Hölderlin gerne in die Verklärung der Antike verstiegen, er möge es lieber kontinuierlicher und bodenständiger. Und auch die Frauen haben Erhard bedeutend weniger bewegt, Hölderlin´s Diotima, die zum großen Schock des Dichters in der Zeit der Abfassung des Gedichtes verstorben sei, sei eine bereits verheiratete Frau gewesen, was Hölderlin mit seiner Affäre angerichtet hat, hätte er ja auch mal bedenken können, meint Erhard.Die Liebe zu Heidemarie sei jetzt umso schöner nach so langer Zeit alleine, berichtet Erhard.Die Widmaiers stammen aus dem Raum Stuttgart-Ettlingen-Calw, sie haben gemeinsam mit beispielsweise der Familie Essig als Spender der Kapelle ihr Wappen in der Brückenkapelle in Calw ausgestellt. Die Essig haben sich auch irgendwann mit den Hölderlins verbunden. „Ein bisschen Inzucht, fürchtet Erhard könnte da auch im Spiel sein.“ Albertine Hölderlin(1818-1890) hat Christian Widmaier(1815-1868) aber erst Mitte des 19 Jahrhunderts geehelicht und damit das Blut der beiden Familien verbunden.

Gott und Name als Burg

Die Hölderlins kommen laut der Genealogie der Schwäbischen Geistesmutter Regina die Hans Wolfgang Rath 1927 zur Förderung des Familiensinnes und des Bewusstseins des Einzelindividuums schrieb. eigentlich aus Poppenweiler ganz in der Nähe der Schillerstadt Marbach. Der gemeinsame Ursprung von Dichtern und Denkern wie Ludwig Uhland, Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike und Wilhelm Joseph Schelling ist laut dem Buch die Ehe von Regina Burckhardt die am 5.11.1599 in Tübingen geboren wurde und Carl Bardilli der am 25.05.1600 in Tübingen das Licht der Welt erblickte. 11 Kinder überlebten die Widrigkeiten des Dreißigjährigen Krieges. Die Burckhardt waren ein altes fränkisches Geschlecht. Die Bardilli flüchteten aus Dole im französischen Burgund 1562 vor Protestantenverfolgungen nach Deutschland. Aus der Linie begründet von der Ehe der Tochter Maria Burckhardt mit Samuel Hof entstammt Ludwig Uhland. Aus der Ahnenreihe der Burckhardt-Tochter Maria Magdalena entstammt Wilhelm Joseph Schelling. Was zunächst nicht zu vermuten ist auch die Kinderlosigkeit eines Burckhardt hat der Familie zum Gedeihen gereicht, denn ein begütertes Mitglied des Klans hat eine Stiftung ins Leben gerufen, welche vielen seiner „Nachkommen“ zu Gute kam. Aber auch das hat Erhard im Blut, die Widmaiers waren über hundert Jahre lang Wirte, Bierbrauer und Metzger in Magdstadt. Vielleicht kommt daher die Erdung bei Erhard, welche dem bekannten Verwandten angeblich fehlte auf einer Huldigung der Burckhardt heißt es über höchsten Namen:

Des höchsten Name ist gleich einer Burg gebauet

auff Felsen/ wer Gott recht in aller Noth vertrauet/

der stehet fest/ wann schon die Sturm-Wind hefftig weh´n/

So bleibt der Gläubige doch auf dem Grunde steh´n

Wann auch es hart hergeht/ das Meer und alle Wogen

Hochsteigen/ wird ein Christ von Gott nicht abgezogen/

Er ruht in Gott/ und Gott ist seine Zuversicht/

Sein Trost in aller Noth/sein Schild/Sein Heil und Licht.

Diß hat BURKHARDI G´schlecht schon längsten wohl erfahren/

GOTT hat dasselbige beschirmt in vielen Jahren:

Es stunde Felsen gleich und wie ein festes Schloß/

Wie eine starke Burg in Gottes Schutz und Schoß.

Davon zeigt diese Schrift/ es ist ja doch zu mercken/

Wann GOTT sich offenbahrt in sondern Gnaden-Wercken.(…)

Und er wandert und dichtet weiter

Bei der Ehrung für 50 Jahre Engagement in Donnstetten überreicht Erhard Widmaier einem Vertreter des Männerchores Donnstetten um den er sich als Dirigent und Sänger verdient gemacht hat ein Exemplar seines Buches In Sandalen nach Rom


Dieser Glaube einerseits an Gott und andererseits das Ehren der Ahnenreihe gibt Erhard diese Festigkeit im Fluss der Zeit die sein Gedicht so schön einrahmt. Die Muschel trägt Erhard immer noch, vielleicht ist es eine Erinnerung daran niemals stillzustehen. Doch zum Schluss soll mit einem seiner Verse an seinem feinen Humor und seinen Sinn für das Wesentliche im Leben erinnert werden. Voller Vorfreude auf seine wachsendes Domizil mit Heidemarie in Waldkatzenbach im Odenwald schüttelt er beim Abschiedsempfang in Donnstetten die Hände die ihn vielleicht manchmal davon abgehalten haben den Schlussvers zu verwirklichen.

Warum denn immer eilen?

Besser mal verweilen!

Morgen ist heute schon gestern;

Vergänglichkeit und Zeit sind Schwestern!-

Was vor Menschen scheint beständig,

ist in Wahrheit wetterwendig-

was doch bleibt ist Gott allein

und auch das, was Gott bescheint.

(Erhard. F. Widmaier: In Sandalen nach Rom, S.141-142)